Bye, bye, Zwarte Piet (as we know him)

Ich hatte ja neulich schon mal über das Problem mit Zwarte Piet, dem Knecht Helfer vom niederländischen Nikolaus Sinterklaas, geschrieben. Das Thema ist (einen Monat vor Sinterklaas-avond am 5. Dezember) immer noch in aller Munde, allerdings nicht mehr so scharf wie vor ein paar Wochen.

Nachdem der Amsterdamer Bürgermeister letzte Woche entscheiden musste, ob der traditionelle Sinterklaas-Zug (mit 700 zwarte Pieten) wie geplant stattfinden soll oder er dem Antrag einiger fanatischer Zwarte-Piet-Gegner stattgeben soll, die die Feierlichkeiten wegen der angeblichen rassistischen Natur verbieten lassen wollen, ist das Ganze mittlerweile offenbar weniger interessant für die Medien. Statt Seite 2 nur noch eine kleine Meldung auf Seite 10…

Eberhard van der Laan hat jedenfalls entschieden, dass der feierliche Einzug nicht abgeblasen wird; dass es sich um ein Kinderfest, Märchen und Theater zugleich handelt; dass die Tradition verschiedene Ursprünge hat; dass die Figur Zwarte Piet sich in Laufe der Jahre vom dummen Knecht zum lustigen Spaßmacher und Süßigkeitenstreuer verwandelt hat und deshalb eher nicht als rassistisch einzustufen sei, dass er aber verstehe, dass farbige Mitbürger sich verletzt fühlen und dass man das berücksichtigen sollte. Er ist der Ansicht, dass man aber nicht von heute auf morgen das ganze Fest ändern kann und dass dann sowieso der Staat und nicht die Stadt dafür zuständig sei. Er findet, dass Zwarte Piet erhalten bleiben sollte, man sein Äußeres aber nach und nach (der Kinder wegen) weniger anstoßgebend gestalten sollte, sodass Sinterklaas in 5 bis 10 Jahren wieder wirklich ein Fest für alle ist. Van der Laan meint außerdem, dass man sich nach dem 5. Dezember ausführlicher mit dieser Sache befassen sollte, und nicht kurz davor. Und (als Vater dreier Kinder) ruft er alle dazu auf, das Fest den Kindern nicht zu verderben, indem zum Beispiel der Einzug sabbotiert wird oder öffentlich gerufen wird, dass es Sinterklaas gar nicht gibt usw. Er bittet um gegenseitigen Respekt, auch man die Meinung der „Gegenpartei“ nicht begreifen kann. (Hier der ganze Brief von Van der Laan auf Niederländisch)

Respekt, das scheint mir auch ein wichtiges Wort in dieser Angelegenheit! Wenn ich mir die Äußerungen dazu in den Medien zo angucke, kann ich wirklich nur den Kopf schütteln. Facebook-Poster mit dem Text „Bin gespannt, wann der Diabetikerverband versucht, dass Zuckerfest verbieten zu lassen!“ sind ja noch ganz lustig, aber dass eine BN’erin (Bekende Nederlandse, berühmte Niederländerin), die auf Twitter öffentlich die Zwarte-Piet-Gegner unterstützt als „dreckige Negerhure“beschimpft wird…. Das geht ja wohl zu weit, oder?! Die täglichen Comics in der Zeitung sind auch recht aufschlussreich. Am Anfang der diesjährigen Zwarte-Piet-Diskussion hab ich einen gesehen, in dem stand: „Leute, wir wollen ja niemandem etwas verderben….aber Zwarte Piet gibt es gar nicht!“ Die Tage habe ich einen gesehen, in dem ein Mann seinem Psychiater erzählte, er habe immer heftigere Mittel nötig, um sich einen Kick zu verschaffen und zu fühlen, dass er lebt. Autorennen, Kitesurfen, Skydiving ..neuerdings twittere er sogar über Zwarte Piet. Sein entsetzter Psychiater antwortete: „Was?! Hör mal, es gibt eine Grenze zwischen gefährlich und lebensmüde!“

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die beiden Seiten einander einfach nicht verstehen wollen. Sie fühlen sich angegriffen und gehen sofort zum Gegenangriff über. Und beschimpfen einander schamlos online. Mal ernsthaft und objektiv darüber nachdenken, wie sich die andere Seite fühlt, ist offenbar nicht drin. Schade. Da ich ja als Importkaaskop nicht hier aufgewachsen bin, habe ich persönlich nicht viel mit Sinterklaas am Hut. Ich finde nicht, dass man Sinterklaas abschaffen sollte. Aber ich stimme Eberhard van der Laan zu, dass man Zwarte Piet (wieder) etwas ändern sollte. Das sieht offensichtlich auch der Verein ein, der für alles rund um Sinterklaas-Veranstaltungen zuständig ist. Dieses Jahr werden die Pieten jedenfalls keine goldenen Ohrringe tragen, die Perücken sind nicht mehr alle schwarz gekraust und die Farbe des Lippenstiftes wird nicht bei allen Rot sein. Das ist ja schon mal ein guter Anfang. Wie es in den nächsten Jahren weitergeht, werden wir ja sehen.

In Deutschland ist ja offenbar auch gerade vermehrt Diskussion um Worte wie „Zigeunerschnitzel„und um Traditionen wie St.Martin. Das letzte finde ich ja Unsinn. Also, das verbieten zu wollen, meine ich. Ich habe diese Umzüge und das dazugehörige Schauspiel damals im Kindergarten geliebt! Außerdem ist Europa nun einmal von jeher christlich und da heutzutage viele Leute ja gar nicht mehr „aktiv“ dem christlichen Glauben anhängen, verbinden die wenigsten Leute (die Kinder schon gar nicht!) St.Martin sofort mit dem Glauben. Denke ich. Und er Gedanke hinter St.Martin sollte jawohl von allen Glaubensrichtungen befürwortet werden. Dann müsste man doch alle Feiertage abschaffen. Ostern, Pfingsten, Weihnachten.. ist doch alles christlich! Man kann’s auch übertreiben mit der Angst, Andersgläubige zu diskriminieren. Mich würde mal interessieren, ob sich wirklich jemand von Weihnachtstraditionen oder so diskriminiert fühlt. Kann ich mir auch bei möglichst objektiver Betrachtung nur schwer vorstellen…

So, es ist spät geworden. Ich geh ins Bett! Nur noch soviel zu diesem Thema: bei uns wird es zu Sinterklaas dieses Jahr wohl nur ein paar Pepernoten und Sinterklaaslieder geben. Am gleichen Abend werde ich aber zusammen mit dem kleinen Schlingel einen seiner schönen neuen Winterstiefel an die Haustür stellen und versuchen, ihm zu erklären, warum wir das tun. Und dann kriegt er am 6. eine Mandarine, eine snack-sized Packung Rosinen und ein kleines Nikolausgeschenk!

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