Neu: Geburtsurlaub für Väter – Ich hätte dazu noch was anzumerken!

Trommelwirbel! Der niederländische Sozialminister hat angekündigt, dass Väter bald (ein genaues Datum steht noch nicht fest) nicht mehr 2 sondern ganze 5 Tage Sonderurlaub nach der Geburt ihres Kindes kriegen sollen. Und jetzt der Clou: die 3 Zusatztage sind unbezahlt….

Da ist er vermutlich auch noch stolz drauf *maul*. Bisher bekamen frischgebackene Väter 2 Tage frei (mit Gehaltsfortzahlung), aber die brauchen sie ja auch, um ihr Kind beim Standesamt anzumelden (dafür hat man hier in Holland nur 4 Tage Zeit), um doch noch schnell Stillhütchen, Milchpumpe, usw. zu besorgen und sonstige kurz-nach-der-Geburt-Dinge zu regeln. Hier in Holland sind die frischentbundenen Mütter nämlich normalerweise noch am Tag der Geburt (oder am Tag danach) schon wieder zuhause und werden dort von einer Nachsorgehebamme betreut (in der Regel ca. eine Woche lang, 5-6 Stunden am Tag). Die große Hektik fängt also auch schon für den Vater gleich nach der Geburt an. In Deutschland ist das ja alles etwas anders.

Trotzdem. Was sollen denn die paar Tage unbezahlter Sonderurlaub bringen?

Klar, die Väter müssen ihr Baby natürlich auch kennenlernen und so. Aber dazu nehmen die meisten modernen Väter ja sowieso 1-2 Wochen „normalen“ Urlaub. Dieser neue Geburtsurlaub ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, mehr aber nicht. Die niederländische Regierung glaubt ja wohl nicht wirklich, dass jetzt alle jubeln, oder? Nicht jeder kann sich diesen unbezahlten Sonderurlaub finanziell leisten.

Genausowenig können sich die wenigsten Mütter Familien es übrigens leisten, dass die Mutter nach den kargen 10-12 Wochen Mutterschutz nach der Geburt (und 4-6 davor) noch bei dem Minimensch zuhause bleibt. Ja, die deutschen Besserwissermütter, die Oh. Ich wollte ja nicht mit Dreck werfen. In Deutschland ist es ja ziemlich verpönt , sein Baby schon mit 4 Monaten in die Krippe (bzw. zur Tagesmutter) zu bringen. Vielen Niederländerinnen bleibt aber nichts anderes übrig, denn frau hat zwar Anspruch auf Elternzeit (Väter übrigens auch), aber das sind auf Vollzeit umgerechnet nur 13 Wochen und die sind ebenfalls UNBEZAHLT. (Es sei denn, man arbeitet bei einem Arbeitgeber, der freiwillig einen Teil des Gehalts fortzahlt.) Kurze Rechnung: 10 Wochen nach der Geburt plus 13 Wochen unbezahlte Elternzeit = 23 Wochen. Mit anderen Worten: selbst wenn man es sich leisten kann, (wie ich) noch unbezahlte Elternzeit zu nehmen, muss man das Kind noch in die Tagesbetreuung geben, bevor es 6 Monate alt ist. Es sei denn, man ist bereit, seinen Job zu kündigen und thuismoeder zu werden.

Während also die deutschen Mütter sich den Luxus gönnen können, schön lange bei den lieben Kleinen zuhause zu bleiben und das nicht völlig aus eigener Tasche finanzieren müssen, müssen die Mütter Eltern hierzulande finanziell arg zurückstecken und kreativere Lösungen finden, wenn sie der Meinung sind, ein Kind unter 6 Monaten gehöre nicht in die Kita/zur Tagesmutter.

Ziemlich ungerecht, finde ich. Ich fühle mich da grad mal wieder schwer benachteiligt! Allerdings muss man dazusagen, dass man hier in Holland auch nicht (wie in Deutschland, soweit ich weiß) als entartete Rabenmutter angesehen wird, wenn man NICHT der Meinung ist, dass Babies 24/7 bei ihrer Mutter sein müssen. Andere Länder, andere Sitten, sag ich mal… Und überhaupt, ich BIN ja bis fünfeinhalb Monate mit dem kleinen Schlingel zuhause geblieben. (Auch wenn das auf Kosten meiner geistigen Gesundheit ging, aber das ist ein anderes Thema…) Schuldgefühl, geh weg! Und Minister Asscher, mach das lieber mal in schön! (Auch wenn die Arbeitgeberverbände und der Verband der KMU maulen, die Regierung solle mal aufhören, „sich in der Bonbonschachtel der Arbeitgeber zu bedienen“.)

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