Doch kein Bär

Das Geheimnis ist gelüftet. Mein Sohn ist doch kein Bär. Er will auch gar keinen Winterschlaf halten. Es ist, was ich insgeheim schon befürchtete: er hat was ausgebrütet!

Ich weiß nicht genau was (wahrscheinlich einfach ein fettes Grippevirus), aber er ist gestern schon den zweiten Tag nicht zur Kita gegangen, hustet, schnieft und hat Fieber. Am Dienstagmorgen, als ich ihn aus dem Bett holte, glänzten seine Augen so und war er so weinerlich, dass mir sofort klar war, dass er zuhause bleiben muss. Da A. schon zur Arbeit gefahren war, war mir auch klar, dass ich mit ihm zuhause bleiben musste. Zum Glück hatte ich an dem Tag sowieso nichts Dringendes im Büro zu tun. Ich arbeite bei einem kleinen Betrieb, deshalb fühle ich mich immer besonders schuldig, wenn ich unerwartet nicht zur Arbeit kommen kann. Weil ich als Übersetzerin auch immer Deadlines hab und im Büro die einzige Deutsche bin, kann ich nur selten was aufschieben, und deshalb muss meistens A. ran, wenn was mit dem kleinen Schlingel ist. Darüber fühle ich mich dann auch wieder schuldig. Muttersein ohne Schuldgefühl, geht das überhaupt?!

Zum Glück ist B. nicht oft krank. Ich hab bisher erst einmal calamiteitenverlof (grob übersetzt: Notfallurlaub) nehmen müssen. Den kann man kurzfristig nehmen, wenn man z.B. wegen einem kranken Kind, einem Wasserrohrbruch o.Ä. schnell nach Hause muss. In meinem Fall sind das höchstens 8 Stunden pro Jahr. Danach kann man noch kortdurend zorgverlof (grob übersetzt: Kurzzeitpflegeurlaub) nehmen, pro Jahr höchstens 2x die wöchentliche Arbeitsstundenzahl. Für den Kurzzeitpflegeurlaub gilt eine Lohnfortzahlung in Höhe von mindestens 70 %. Keine Ahnung, wie das in Deutschland geregelt ist…

Nun vergesse ich leider jedes Mal, diesen Sonderurlaub ausdrücklich zu beantragen, wenn ich mal im Büro anrufen muss, um zu sagen, dass ich beim kranken Kind zuhause bleiben muss. Und wie ich heute feststellte, findet unsere Buchhalterin (die auch die Arbeits- und Urlaubsstunden verwaltet) offenbar, dass ich wie ihre eigene Tochter halt (normalen) Urlaub nehmen soll, wenn das Kind krank ist. Weil das ja in vielen Unternehmen üblich ist. Da blieb mir glatt die Spucke weg! Wenn ihre Tochter (und viele andere Mütter) so blöd nachgiebig sind, bitte, aber auf diesen Sonderurlaub hat man nun mal einen gesetzlichen Anspruch! Ist ja schön und gut, wenn man es anders regeln kann, aber bei mir können halt Opa und Oma nicht einspringen. Die paar Stunden im Jahr, die ich Pflegeurlaub nehme, sind jawohl Peanuts, wenn ich das mit den krankheitsbedingten Fehlzeiten anderer Kollegen vergleiche…

Weil sie aber auch nicht genau wusste, wie das bei uns gehandhabt wird („meine“ alte Firma ist vor 2 Jahren mit „ihrer“ zusammengefügt worden), hat der Finanzdrache unsere Buchhalterin das nachgefragt, und siehe da: ich darf die 6 Stunden (2 habe ich noch von zuhause aus arbeiten können, als B. schlief) als Notfallurlaub registrieren.

Diesen Spagat zwischen für-das-Kind-da-sein und seine-Kollegen-nicht-hängen-lassen finde ich persönlich immer sehr schwierig. Dann ärgere ich mich immer besonders darüber, dass wir niemanden in der Nähe wohnen haben, der in solchen Fällen einspringen kann. Zwar sind die meisten Arbeitgeber, soweit ich weiß, verständnisvoll und relativ flexibel, aber man ist auch dazu verpflichtet, selbst nach Alternativen für das Selberzuhausebleiben zu suchen. Und da muss ich leider passen. Manche Mütter (meistens sind’s ja doch die Mütter) arbeiten dann wohl von zuhause aus noch was, aber das ist meiner Erfahrung nach bei einem kranken Zweijährigen (noch) nicht drin. Dass ich so ziemlich die Einzige in unserer Firma bin, die ein kleines Kind hat (die Kollegen haben entweder keine oder noch keine Kinder), macht das Ganze auch nicht einfacher. Seufz.

Zum Glück bin ich ja mit einem Mann gesegnet, der etwas flexibler arbeiten und das kranke Kind hüten kann! Ach, was sind A. und ich doch modern. *heimlich ein bisschen stolz bin*

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