Te koop!

„Es gibt viel zu tun, es gibt viel zu tun, wir haben keine Zeit, uns auszuruhn!“ Naja, stimmt nicht ganz, was der Held meiner Kindheit da singt, aber in den nächsten Wochen oder Monaten wird bei uns schon so einiges los sein. Vor ein paar Tagen hatte ich ja schon erwähnt, dass wir dabei sind, ordentlich auszumisten und aufzuräumen. Denn wie ich im Geburtstagspost schon am Rande erwähnt hatte, haben wir Umzugspläne! Übermorgen kommt schon der Fotograf vom Makler, um schöne, verkaufsfördernde Fotos von unserem Haus zu machen.

Ja, wir haben uns endlich entschieden: wir wollen unser Haus verkaufen, um in eine kinderfreundlichere Gegend zu ziehen. Mit mehr Platz drinnen und draußen, mehr Grün, weniger Hundekacke und schöneren Schulen. Da hier in Holland die Kinder schon mit 4 eingeschult werden (in die Vorschule, aber trotzdem: aaahhhh!), sind die Mädels aus meinem Hechelclub Geburtsvorbereitungskurs fast alle schon auf Schulsuche, denn man kann sich die im Prinzip aussuchen, es gibt aber Wartelisten. Und sowohl A. und ich haben uns, unabhängig voneinander, neulich überlegt, dass wir die Kinder hier in der Nachbarschaft lieber nicht in B.’s Klasse hätten.. *räusper*. Sind wir deshalb Snobs? Tja. Damit muss ich dann halt leben.

Jedenfalls, wir bereiten uns auf den Hausverkauf vor. Und falls ihr euch wie mein Vater sehr darüber wundert, dass wir erst verkaufen und dann etwas neues suchen wollen: das macht man hier in Holland so. Jedenfalls jetzt. Bevor der Immobilienmarkt vor ein paar Jahren zusammenbrach (kurz nachdem wir unser Haus wie viele andere auch für viel zu viel Geld gekauft hatten), konnte man getrost erst ein neues Haus kaufen und dann das alte verkaufen. Aber in den letzten Jahren sind wegen der Wirtschaftskrise so viele Niederländer auf ihrem alten Haus sitzengeblieben und durch die doppelten Hypothekzahlungen in den finanziellen Ruin getrieben worden, dass sich die wenigsten noch trauen, erst umzuziehen und danach zu verkaufen. Niederländer sind Eigenheim-Fans. Wie ich neulich in einem interessanten Artikel in Nido gelesen habe, gibt es nirgendwo in Europa so viele Menschen, die zu Miete wohnen, wie in Deutschland. Wusste ich gar nicht.

Wie es scheint, zieht der niederländische Häusermarkt aber gerade endlich wieder an. Wenn auch die meisten Häuser wohl mit Verlust verkauft werden: offenbar wurde hier in Holland im letzten Jahr jedes 5. Haus mit Verlust verkauft, d.h. man hat weniger dafür gekriegt als man einmal bezahlt hatte. Das wird uns wohl auch so gehen, denn siehe oben: wir haben unser Haus zum falschen Zeitpunkt gekauft. Das bei den Niederländern so beliebte Motto „Wer zur Miete wohnt, stiehlt aus seinem eigenen Portemonnee“ (weil man ja kein Eigentum erwirbt, das man später mit Gewinn weiterverkaufen kann), hat ausgedient. Zum Glück sieht es bei uns finanziell ganz gut aus, sodass wir zumindest nicht in Schwierigkeiten geraten, weil wir jetzt größer wohnen wollen. Obwohl ich, wenn ich daran denke, wieviel Geld wir mittlerweile in dieses hübsche aber alte Haus gesteckt haben (u.a. Dach neu gedeckt nach Leckage, neuer, isolierter Fußboden im Wohnzimmer, neuer Heizkessel), heulen könnte.

Um eines klarzustellen: es war A., der „den Knoten durchgehauen hat“, denn obwohl ich schon länger hin und wieder mal über Platzmangel etc. maule, gehöre ich nicht zu den entschlussfreudigsten Menschen. Sternzeichen Waage halt. Außerdem bin ich ein Routinemensch, was wohl einer der Gründe ist, weswegen ich die Babyzeit so schwer fand: ständig ändert sich etwas! Da hat man sich gerade daran gewöhnt, dass das Baby brav seinen Obstbrei isst, hätte man schon längst mit Obststückchen anfangen müssen, pff. Ich hab mich auch offenbar mal bei meiner Schwester beklagt, dass die kraamhulp (die in den ersten Tagen nach der Geburt die frischgebackene Mutter und das frischgeborene Kind zuhause versorgt, denn hier in Holland bleibt frau nach der Entbindung nicht im Krankenhaus, wenn alles in Ordnung ist) die Butter für die beschuit met muisjes immer nur aus der Mitte der Butterpackung gehommen hatte…

Es ist ein bisschen wie ein Frisör-Besuch: da hat man endlich einen Termin, weil man schon länger nicht mehr mit der Frisur zufrieden ist, und dann kriegt man Muffensausen und findet plötzlich, dass das Haar einem eigentlich so ganz gut steht… So geht mir das zurzeit mit dem Haus: plötzlich ärgere ich mich weniger über das grünlose Aussehen unseres Viertels und sehe ich weniger Hundekacke. Plötzlich betrachte ich den tollen Park in der Nähe, der auf B.’s Geburtstagsfeier von mehreren Freunden gelobt wurde, wieder als ausreichende Alternative zu unserem Mini-Garten. Plötzlich habe ich Angst, dass ich das schöne Bagels&Beans-Café und die Läden um die Ecke sehr vermissen werde. Von unserem kleinen aber feinen Haus, das ich damals mit soviel Liebe gemütlich eingerichtet habe, ganz zu schweigen.

A. geht es nicht so. Er hat von Anfang an eher ein Hassliebeverhältnis mit unserem Haus gehabt. Er hat am Freitag während B.’s Mittagsschlaf voller Elan das halbe Bücherregal in Kartons gepackt, damit es luftiger aussieht. Und guckt sich abends auf funda.nl das aktuelle Häuserangebot an. Mich macht das nur missmutig. Weil ich kaum Häuser sehe, die mir genug gefallen, um unser jetziges Heim aufzugeben. Vielleicht bin ich zu anspruchsvoll. Was mir vorschwebt, findet man in unserem Suchgebiet und in unserer Preisklasse wohl nicht. Während A. also am vergangenen Wochenende weiterhin äußerst engagiert quasi das halbe Haus einpackte, zeigte ich recht wenig Begeisterung für unser „Projekt“ und war generell in einer nicht besonders guten Stimmung. Erst nachdem wir uns deswegen ordentlich gezofft und anschließend ausgesprochen hatten, war der Hausfrieden wieder hergestellt. Und allen Zweifeln zum Trotz habe ich für mich beschlossen: Wir ziehen das jetzt durch! Nicht zuletzt, weil man meistens die Dinge bereut, die man NICHT getan hat.

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