Sprachforschung – wir machen mit!

Es ist wieder soweit: das Babylabor der hiesigen Uni hat angerufen und gefragt, ob wir bzw. der kleine Kaaskop an einer sprachwissenschaftlichen Studie teilnehmen wollen. Diesmal geht es um die Entwicklung der Grammatikfähigkeiten von ein- und zweisprachig erzogenen Kindern. Zum Beispiel, wie sie grammatische Muster (Verbformen und so) erkennen und lernen.

B. und ich haben schon einmal an einer Studie vom Babylabor teilgenommen. Viel tun brauchte B., der beim ersten Besuch 5 Monate alt war, dabei eigentlich nicht: er musste sich mit einer kurzen Zwischenpause 2 „Filme“ angucken, die die Sprachforscher erstellt hatten, und beim Angucken wurde er gefilmt. Gezeigt wurden gemalte Bilder von Autos, Enten, Luftballons usw. und bewegende und stillstehende Videobilder von echten Erwachsenen und Kindern. Während der Film lief, wurde ein Tonband mit verschiedenen Lauten abgespielt, zum Beispiel: Ba. Ba. Bah. Bah. Pa. Pa. Paa. Paa. Anhand der Reaktionen auf die Filme konnten die Forscher dann untersuchen, ob die Kinder die niederländischen oder deutschen Laute von den dazwischengemogelten chinesischen Lauten unterscheiden können, ab welchem Alter sie es nicht mehr können und ob es dabei Unterschiede zwischen ein- und zweisprachig aufwachsenden Kindern gibt. Als Dankeschön gab es jedes Mal ein kleines Geschenk, in der Regel ein altersgerechtes Buch.

Der nette Master-Student, der diese Studie machte, war immer sehr zufrieden mit B. Er war immer sehr konzentriert bei der Sache und reagierte auch immer wie erhofft.

Bei dieser neuen Studie, die übersetzt „Spurensuche in der Sprache“ heißt,  muss B. sich auch wieder Filme angucken und danach ein oder zwei Aufgaben am Laptop erledigen (auf bestimmte Bilder zeigen, Fantasiewörter nachsagen und so). Mein Anteil wird hauptsächlich im Ausfüllen eines Fragebogens bestehen. Klingt simpel, ist aber ganz schön kniffelig: ich musste bei der vorigen Studie nicht nur einschätzen, wieviel Prozent Deutsch und wieviel Prozent Niederländisch mein Sohn hört, sondern auch in einer 13-seitigen Liste die Wörter ankreuzen, die B. schon versteht, und die Wörter, die er auch sagen kann. Und da ich das für beide Sprachen angeben musste, war das gar nicht mal so einfach. Das Ankreuzen der Wörter, die mein Kind kennt und sagen kann, ist ja nicht so schwierig. Aber das ständige Überlegen, ob er das Wort wirklich kennt und nur noch nicht sagt oder ob er das Wort einfach noch nicht kennt…puh! Das fand ich wirklich tricky. Auch dieses Mal musste ich diese Liste ausfüllen.

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Dazu kamen nun auch Fragen wie: „Spricht Ihr Kind schon über Vorfälle/Begegnungen aus der Vergangenheit, z.B. sagt es nach einem Zirkusbesuch später ‚Löwe‘ o.Ä.?“ Ich musste auch ankreuzen, welche „falsch konjugierten Wörter“ B. sagt und ob er eher „Katze schläft“ oder „Katze schlafen“ sagt. Neu waren dieses Mal auch eine Liste mit Fragen zum Familienalltag („Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Gefühle anderer Menschen, z.B. der Geschwister?“, „Erzählen Sie Ihrem Kind selbstausgedachte Geschichten?“, „Werden Ihrem Kind informative Bücher vorgelesen, z.B. über Tiere oder das Wetter?“) und eine Liste mit Fragen zum Verhalten im Kleinkindalter. Die fand ich auch schwierig zu beantworten. Da musste man angeben, wie oft (nie, fast nie, seltener als die Hälfte, etwa 50/50, öfter als die Hälfte, fast immer, immer) sein Kind etwas tut. Zum Beispiel: „Wie oft rannte Ihr Kind doch durch’s Haus, auch wenn Sie es gerade aufgefordert hatten, das nicht zu tun?“ Wie oft war Ihr Kind bei alltäglichen Aktivitäten in der Lage, seine Aufmerksamtkeit einfach von einer Sache auf die andere zu übertragen?“ Puh!

Aber für solche Studien mache ich das trotzdem gerne, denn Sprachforschung finde ich ein sehr interessantes Thema. Nicht nur, weil ich B. zweisprachig erziehen will, sondern auch, weil ich selber mal Sprachen studiert hab.

Ich bin gespannt, was genau B. bei dieser Studie machen muss und wie es mit seiner Sprachentwicklung aussieht. Auf Wunsch kriegt man nämlich von den Forschern des Babylabors das Ergebnis der Wortschatz-Ermittlung mitgeteilt. Aus meinen eigenen Beobachtungen weiß ich nur, dass er gerne und viel spricht, seit Kurzem ab und zu sogar ganze Sätze sagt, wenn auch fast immer auf Niederländisch (Ik zie het = Ich sehe es; Ikke zie papa niet = Ich seh Papa nicht; Janna hoeft niet huilen = Janna braucht nicht weinen) und auch schon mal ansatzweise konjugiert (stuk ´maakt = kaputt ´macht). Ob das früh ist (er ist ja gerade erst 2 geworden), weiß ich eigentlich nicht, aber uns wird oft von anderen Eltern gesagt, dass B. für sein Alter schon so viel spricht. Frei nach meinem inoffiziellen Erziehungsmotto „Das regelt sich schon von alleine und wenn was nicht gutgeht, sagt mir das schon irgendjemand“ beschäftige ich mich aber nicht wirklich mit der Theorie. Das hab ich in der verflixten Babyzeit versucht, aber es hat mir nur unnötige Sorgen, Verzweiflung und andere Unannehmlichkeiten eingebracht. Schließlich ist jedes Kind anders. Einerseits würde ich zwar schon gerne mehr zum Thema Sprachentwicklung lesen, aber ehrlich gesagt brauche ich meine spärlich kindfreie Freizeit für richtige Me-time. Sonst wird Mama maulig.

Der kleine Schlingel wird jedenfalls demnächst wieder einen Beitrag zur Sprachforschung leisten. Weil montags keiner der Forscher Zeit hat, wird B. mit seinem Papa am Freitag zum Babylabor gehen. Ich bin gespannt!

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