Multilingualer Kindergeburtstag

Beim Lesen von Lucie Marshalls Post über ihre Last-Minute-Panik wegen eines Kindergeburtstages im Londoner Stil fiel mir wieder ein, dass ich ja noch von unserer eigenen ersten „Expat-Kinderparty“ erzählen wollte. Die war letzte Woche Sonntag.

Der große und der kleine Kaaskop hatten das Geburtstagskind (Noa, ein Mädchen) und seine amerikanische Mutter bei ihren freitäglichen Besuchen der Little Gym kennengelernt. Wir trafen die vierköpfige Familie neulich zufällig im Park, wo ich sie zum ersten Mal sah. Bis dahin hatte ich immer angenommen, Noa sei ein Junge. Wie man sich da heutzutage irren kann, was? Auf Vornamen ist auch kein Verlass mehr..

Jedenfalls bekam unser kleiner Mann per E-Card eine Einladung zu Noas zweitem Geburtstag. Thema der Party: Little girl, big disco! In der Einladung stand: „Disco attire highly recommended, dancing shoes required!“ Oha! Kleines aber feines Detail, das mir der große Kaaskop, der E-Mails selten richtig liest oder gerne mal wichtige Details zu melden vergisst, nicht mitgeteilt hatte. Da stand ich, ein paar Stunden vor der Party, und überlegte panisch, was wir denn an discotauglichen Klamotten im Schrank hatten. Und waren überhaupt in-die-Disco-geh-Klamotten gemeint oder bezog sich „Disco“ auf die 70er-Jahre?! Hilfe!

Am Ende trugen meine beiden Männer einfach ein Oberhemd zu dunklen Jeans, und ich ein kobaltblaues 3/4-Ärmel-Shirt mit Pailletten am Ausschnitt zu einer schwarzen Jeans und schwarzen T-Straps. Wie sich herausstellte, war das genau richtig, denn die anderen Gäste hatten auch nicht wirklich was discomäßiges an. Noa trug ein blassrosa, metallisch schimmerndes Kleid über normalen Klamotten, ihre Mutter hatte außer einem Fascinator im Disco-Stil auch nichts besonderes an und der Vater sah mit seiner lässigen 3/4-Hose und dem Hut eher aus wie ein Surf Dude aus Kalifornien. Er ist halb Niederländer, halb Amerikaner, wie wir erfuhren, das passt ja.

Über die hammergeile Wohnung (entschuldigt diesen mir untypischen und vermutlich inzwischen völlig veralteten Ausdruck) will ich mich hier mal gar nicht weiter auslassen, wir standen sowieso die meiste Zeit draußen im Garten, denn dorthin zog es natürlich alle Kinder. Nachdem der kleine Kaaskop fast alle Weintrauben und Rosinen vom Kindertisch aufgegessen hatte, bevor später eintreffende kleine Gäste ihm was wegessen konnten, erkundete er kurz den Disco-Bereich: der vordere Teil des Wohnzimmers war verdunkelt und mit Discokugel und ein paar anderen Lichteffekten ausgerüstet. Noas Mutter teilte außerdem noch ein paar Leuchtarmringe aus. Der deutsche Mutteranteil in mir schrie sofort besorgt „Aber die sind doch bestimmt giftig, ist das nicht zu gefährlich?!“, wurde aber mundtot gemacht, bevor ich es laut sagten konnte. Auf dem Tisch standen jede Menge giftgrüne und rosa verzierte Cupcakes, die eine der anwesenden Frauen gezaubert hatte. Ansonsten Salzstangen, Blätterteigkäsestangen, türkisches Fladenbrot mit Dips, Oliven u.Ä. Für die Kinder gab es Apfelsaft (was Noas Mutter lustigerweise immer auf Niederländisch in ihren ansonsten englischen Sätzen verwendete: „Do you want appelsap, too?“) und Anmischlimonade, für die Erwachsenen Wasser, Wein und Bier.

Eigentlich war das Ganze eher unspektakulär (bis auf die Wohnung) und ziemlich relaxt: die Kinder machten, was sie wollten, die Eltern standen mit was zu trinken in kleinen Grüppchen herum und unterhielten sich. Es waren einige Amerikanerinnen da, eine spanische Mutter, und auch Anna von den babyconcertjes (aus England) war dabei. Natürlich waren auch ein paar niederländische Elternteile dabei, zum Beispiel Noas Tante. Trotzdem sprachen die meisten Englisch miteinandern, einfach, weil man, da man ja fast niemanden kannte, nicht wusste, wer welche Sprache versteht. Lustigerweise sprachen A. und ich auch mit Noas Vater fast nur Englisch, obwohl er ja fließend Niederländisch spricht.  Und nachdem ich mich schon eine ganze Weile mit Noas Oma väterlicherseits auf Englisch unterhalten hatte, kamen wir dahinter, dass wir beide fließend(er) Niederländisch sprechen. Die Sprache gewechselt haben wir trotzdem nicht…

Bis auf das Englischsprechen, das Glas Marmite auf dem Küchenregal und die riesigen Cupcakes, die so gar nicht zu dem hier in Holland vorherrschenden Anti-Zucker- und Anti-E-Stoffe-Trend passten, war eigentlich nicht wirklich zu merken, dass es eine Expat-Kinderparty war. Einige neue Erkenntnisse habe ich trotzdem gewonnen:

  • Noas Vater zufolge hat mein Englisch einen skandinavischen Akzent! Huh!?
  • Alle lieben den kleinen Kaaskop. Noas Mutter, die spanische Mutter (die B. auch von der Little Gym kennt) und Anna sagten uns unabhängig voneinander, dass B. so ein süßer, fröhlicher Junge sei. *strahl*
  • Der süße, fröhliche Junge ist auch ein richtiger Junge: er interessierte sich für alles mit Rädern, was Haus und Garten hergaben, einschließlich Noas Geburtstagsgeschenk, ein lilafarbenes Laufrad. Und als 3 Mädchen und ein anderer Junge wie die Hühner auf der Stange eine Schuppenwand mit Straßenkreide verzierten, ließ B. sofort sein Stück Kreide fallen, als er entdeckte, dass in der Schuppenwand ein Riegel angebracht war, mit dem man, wenn man gaaanz doll zieht, den Schuppen aufmachen kann. *augenroll*
  • Alle kaufen ihre englischen Kinderbücher (Geschenkwunsch des Geburtstagskinds) im gleichen Laden, dem Kinderboekwinkel am Ganzenmarkt, in dem man sogar Nijntje/Miffy auf Japanisch kaufen kann.
  • Heineken-Bier riecht irgendwie nach Marihuana…bah!
  • Wir kennen tatsächlich Leute in dieser Stadt, die in einem großen, schicken Haus mit größerem Garten, in zentraler und trotzdem ruhiger Lage wohnen.
  • Zwei Gläser Wein am Nachmittag sind irgendwie schon zuviel für mich…
  • B. findet die Buttercrème leckerer als den Cupcake darunter.
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