Machen Kinder glücklich?

Letzte Woche stand in der Samstagsbeilage der Volkskrant ein Artikel mit der Überschrift: „Wären sie doch nur schon aus dem Haus – Kinder lästig? Aber sie geben einem doch soviel. Nur was genau?“ Das interessierte mich ja nun sehr!

In dem Artikel ging es darum, ob Kinder nun glücklich machen oder nicht. Die neueste Studie zum Elternsein und Glücklichsein (von der Princeton University) kommt wie vorherige Studien offenbar zu dem Schluss, dass Menschen mit Kindern anfangs ein bisschen glücklicher sind als Kinderlose. Aber dieser kleine Vorsprung verändert sich, sobald die Kinder dann da sind, in einen Rückstand in Sachen Glück. Weil Kinder auch eine Menge Arbeit bedeuten, mehr Sorgen und zu wenig Zeit für Dinge, die man früher gerne gemacht hat.

Soviel zur Theorie. Aber so einfach ist das in der Praxis natürlich nicht. Die Eltern (ja, nicht nur Mütter kamen zu Wort) in dem Artikel klagten über Dinge, die mir bekannt vorkamen. Dass man jetzt die Filmrezensionen in der Zeitung liest und schon genau weiß, dass man keinen dieser Filme je im Kino gucken wird. Dass man bei der Wahl des Urlaubsziels eingeschränkt ist. Dass Kochen vom entspannenden Hobby zu einer rein funktionalen Tätigkeit unter Zeitdruck degradiert wird. Dass Kinderhaben vor allem dann schön ist, wenn man frei hat, weil man an den anderen Tagen zuhause zweimal täglich RushHour hat, bei Ankunft auf der Arbeit schon k.o. ist und abends mit müden, quengeligen Kindern noch kochen muss, obwohl man weiß, dass sie das Gekochte vermutlich nicht essen wollen. Und so weiter.

Der Böserich ist eigentlich hauptsächlich die Zeit, schreibt die Autorin. Einer anderen Studie zufolge sind Menschen nämlich glücklicher, je seltener sie sich gejagt/gehetzt fühlen. Und arbeitende Eltern mit kleinen Kindern fühlen sich häufig gejagt. (Ich auch. Jeden Mittwoch und Donnerstag, wenn ich B. anziehen, befrühstücken, zur Kita bringen, meinen Zug zur Arbeit noch erwischen, arbeiten, B. wieder abholen und kochen muss.) Logisch also, dass diese Eltern unterm Strich unglücklicher sind. Aber. Die Autorin fand auch heraus, dass in der Studie nicht steht, dass Kinderhaben per definitionem unglücklich macht. Sondern, dass Eltern alles intensiver erleben und deshalb auch die Tiefpunkte extremer sind.

Außerdem, wie die Autorin herausgefunden hat, arbeiten heutzutage halt im Gegensatz zu früher meistens beide Eltern und wollen trotzdem beide auch noch zum Sport, Gitarre spielen und und und. Logisch, dass man dann ständig im Stress ist und seinem Leben keine gute Note gibt. Logisch auch, dass die Princeton-Studie zu dem Schluss kommt, dass Eltern wieder „normal“ glücklich sind, sobald die Kinder aus dem Haus sind und man seine Zeit wieder freier einteilen kann.

Trotzdem. Nicht nur die Tiefpunkte sind extremer (siehe oben), sondern ja auch die Höhepunkte! Und für die „verlorenen“ Dinge im Leben bekommt man neue, schöne Dinge zurück – nur sind die halt auf andere Weise schön. Kleine Händchen in den eigenen großen Pranken. Lustige Wortkreationen. Am Wochenende morgens im Bett familienkuscheln. Strahlende Augen in der Badewanne. Das fröhlich brabbelnde Kind vorne auf dem Fahrrad. Und so weiter.

Was man der Autorin zufolge auch nicht vergessen sollte, ist etwas, das mir selber auch schon aufgefallen ist: Glück ist zu den unerwartetsten Momenten zu finden. Ich habe es zwar gehasst, bei -9 dreimal nachts mein kuscheliges Bett verlassen zu müssen, weil der kleine Kaaskop Hunger hatte. Aber irgendwie hatte es doch auch etwas Schönes, so zu zweit, ganz intim, in der dunklen, stillen Nacht im Sessel zu sitzen. Natürlich freut man sich nicht, wenn man nachts von einem brüllenden kind (krank, Alptraum, Durst, irgendwas ist ja immer) aus dem Bett gejagt wird. Aber ich glaube, dass nicht viele Eltern ihr Kind, wenn es sich dann auf dem Schoß beruhigt hat und wieder eindöst ist, sofort zurück ins Bett legen. Dafür ist der kleine Glücksmoment viel zu kostbar.

Ja, es gibt viele Momente, die ohne Kinder leichter, stressfreier, glücklicher oder was auch immer wären. Aber wer auf die kleinen Glückmomenten achtet, kann auch mit Kindern sehr glücklich sein. Und einen ganz besonderen Vorteil hat der kleine Kaaskop mir, wie einer der Frauen im Volkskrant-Artikel, auf jeden Fall eingebracht: ich brauche mir keine Gedanken mehr über den Sinn meines Lebens zu machen. Und das sorgt auch für weniger Gejagtheit und mehr Zufriedenheit. Prost!

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