Geburtsurlaub für Väter II

Am Karfreitag stand ein interessanter Artikel in der Volkskrant. Ich hatte ja schon vor ein paar Monaten  hier meine Meinung zu den Plänen des niederländischen Sozialministers geschrieben, den „Geburtsurlaub“ für Väter zu verlängern. Das Kabinett hat diesen Plänen nun also zugestimmt: demnächst bekommen Väter nach der Geburt ihres Kindes nicht 2 sondern 5 Tage frei, um bei ihrer Frau und dem Baby zu sein und praktische Dinge zu regeln (Einwohnermeldeamt und so). Die 3 Zusatztage sind unbezahlt, aber der Arbeitgeber darf sie nicht verweigern. Tja.

In dem Artikel standen aber noch mehr Neuigkeiten, und die fand ich wirklich gut: Wenn die Mutter bei der Geburt stirbt, was offenbar ca. 25 Mal im Jahr vorkommt (*schluck*), darf der Vater ab sofort die 10 Wochen Mutterschutz übernehmen, die der Frau nach der Geburt immer noch mindestens zustehen.  Und bei Frühchen soll die Brutkastenzeit zum Mutterschutz addiert werden. Das ist doch mal eine gute Sache! Zwar fragt man sich ja eigentlich, wieso das bisher noch nicht geregelt war…aber schön, dass das jetzt nachgeholt wird, finde ich.

Wie sieht das eigentlich in Deutschland aus? Eine kurze Google-Suche hat mir leider keinen Aufschluss darüber gegeben, ob für Väter, die bei der Geburt ihres Kindes zum Witwer werden (Mann, mir kommen schon beim Schreiben dieser Worte die Tränen!) etwas geregelt ist. Bei Frühchen scheint es so auszusehen: „In der Regel gilt sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt der Mutterschutz. Bei einer Frühgeburt verlängert sich die Zeit nach der Geburt auf zwölf Wochen. Außerdem wird die Zeit, die vor der Geburt nicht in Anspruch genommen werden konnte, hinzu gerechnet.“

Ich weiß leider nicht genau, ob das in Deutschland auch gerade ein Thema ist, dafür verfolge ich das politische Geschehen in der Heimat zu wenig, aber hier in Holland will die Regierung einen Wandel der Gesellschaft bewirken, hin zu einer participatiemaatschappij (in etwa: Beteiligungsgesellschaft). Das heißt, die Leute sollen mehr selber für ihre alten Eltern, kranken Nachbarn usw. sorgen, indem sie kleine Pflegedienste leisten, im Haushalt helfen etc. Daher wird gerade nicht nur der „Geburtsurlaub“ verlängert, sondern soll es auch ermöglicht werden, Sonderurlaub/Pflegeurlaub zu nehmen, um sich um kranke Verwandte oder Nachbarn zu kümmern. Bisher war das nur für die eigenen, im selben Haushalt lebenden Kinder oder Ehegatten möglich.

Dummerweise werden gleichzeitig aber auch Maßnahmen eingeführt, die diesem noblen Ziel eher entgegenwirken: so stand heute in der Zeitung, dass viele Familien, in denen die erwachsenen Kinder mit den Großeltern zusammenziehen wollten, die Umzugspläne erstmal auf Eis gelegt worden sind, weil Rentnern, die im gleichen Haus wie ihre Kinder leben, ab Juli 2015 die gesetzliche Rente gekürzt werden soll. Wegen der angeblichen „Größenvorteile“, die solche Familien haben, zum  Beispiel dadurch, dass sie sich die Wohnkosten teilen. Ha! Die betroffenen Familien hingegen behaupten, dass das Zusammenziehen eher teurer ist, weil sie am Haus bauliche Veränderungen vornehmen lassen müssen und das (unbezahlte) Pflegen von Opa und Oma viel Zeit kostet. Ohne jetzt groß auf die Politiker schimpfen zu wollen, finde ich, dass diese Rentenkürzung ziemlich undurchdacht ist. Da zieht jemand um oder baut um, damit seine pflegebedürftigen Eltern, die kein Pflegeheim bezahlen können, bei ihm im Haus wohnen können, opfert private Zeit und möglicherweise auch ein paar Wochenarbeitsstunden, um unbezahlt Pflegedienste zu leisten, für die sonst der Staat zahlen würde, und dann sagt der Staat: „Oh, aber dann ziehen wir deinen alten Eltern was von der Rente ab, schließlich spart ihr ja jetzt Wohnkosten ein!“ Auf diese Weise wird es wohl noch ein bisschen länger dauern, bis sich die Leute wieder umeinander kümmern wie in der Zeit vor dem Sozialstaat…

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