Doppelte Staatsbürgerschaft

Ich werde ab und zu mal gefragt, ob ich denn eigentlich mittlerweile einen niederländischen Pass habe. Schließlich wohne ich schon seit 8 Jahren hier.

Die Antwort ist nein. Ich würde ja gerne. Und ich habe mich schon vor Jahren ein wenig schlau gemacht und herausgefunden, dass man mindestens 5 Jahre in den Niederlanden leben muss (3, wenn man mit einem Niederländer verheiratet ist), bevor man da überhaupt was beantragen kann. In Deutschland geht das wohl schneller, habe ich gehört. Und dann will die niederländische Regierung die 5-Jahresfrist auch noch auf 7 verlängern…

Irgendwie war das Ganze dann aber in Vergessenheit geraten. Es war mir nicht wichtig genug. Abgesehen vom Wahlrecht (als Nicht-Niederländerin darf ich nur bei den Regionalwahlen mitwählen, nicht bei den „richtigen“) bringt mir die niederländische Nationalität eh nichts besonderes, als EU-Bürgerin habe ich ja sowieso ziemlich viele Rechte in meiner Wahlheimat. Anlässlich meiner Hochzeit mit dem Kaaskop startete ich 2009 eine neue Informationsrunde. Die auch im Sande verlief. Zu aufwändig, zu teuer.

Jetzt habe ich das nochmal im Internet nachgelesen, weil ich auf der Arbeit mit Kollegen darauf zu sprechen kam. Weil ich meine deutsche Nationalität nicht aufgeben will, habe ich mal gegooglet, wie die rechtliche Lage diesbezüglich eigentlich mittlerweile aussieht. Da hat sich ja in den letzten Jahren einiges getan.

Und wenn ich nicht falsch geguckt habe, erlaubt Deutschland mir zwar die doppelte Staatsbürgerschaft, aber die Niederlande nicht. Schade, dachte ich. Denn auch wenn ich gerne hier in Holland lebe und mich durchaus mit dem Land verbunden fühle, bin und bleibe ich doch Deutsche. Und deshalb möchte ich auch meinen deutschen Pass behalten. Ich finde nicht, dass der Pass „nur ein Dokument“ ist. Er ist der greifbare Beweis meiner Landeszugehörigkeit. Er verkörpert mein Gefühl, Deutsche zu sein. Bei meiner Google-Suche bin ich auf einen Link zu einer Website gestoßen, auf der die Geschichte eines niederländische Ehepaars erzählt wurde, das ausgewandert war und beim Versuch, ihre Pässe zu verlängern, zu hören bekam, dass ihnen die niederländische Staatsbürgerschaft entzogen worden war, weil sie die Staatsbürgerschaft ihres neuen Heimatlandes angenommen hatten, um bei der Arbeit mit weniger bürokratischen Behinderungen konfrontiert zu werden. Die waren am Boden zerstört…

Jedenfalls habe ich dann mal weitergelesen auf rijksoverheid.nl und zu meiner freudigen Überraschung erfahren, dass man seine andere Nationalität nicht abgeben muss, wenn man mit einem Niederländer verheiratet ist. Hurra! Aber dann las ich noch weiter. Das „Naturalisations“-Verfahren dauert 1 Jahr, man muss einen Einbürgerungstest bestehen und der ganze Spaß kostet: 821 Euro!

Von dem Einbürgerungstest habe ich schon mal gehört. Da werden u.a. Fragen zur niederländischen Geschichte gestellt (über die ich nie was gelernt hab, warum sollte ich?) und gibt es fiese Fragen zu doppeldeutigen Fotos. Zum Beispiel von einem Deich mit einem asphaltierten Weg drauf. Und die Frage lautete: Was ist das? a) ein Deich b) eine Straße. Öhm, tja, beides?! Auch wurde gefragt, was man macht, wenn einer der Nachbarn ein Baby gekriegt hat. a) Man bringt Blumen vorbei. b) Man schickt eine Gllückwunschkarte. c) Man klingelt an, um zu gratulieren. Also wirklich, was sind denn das für fiese Fragen….!

Im Endeffekt ist mir der Erwerb der niederländischen Staatsbürgerschaft aber eigentlich schlichtweg zu aufwändig und zu teuer. Und das zeigt einmal mehr, wie gut ich schon eingebürgert bin: Niederländer sind schließlich dafür bekannt, dass sie geizig sind, haha!

 

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2 Gedanken zu “Doppelte Staatsbürgerschaft

  1. Kannst du die Fragen noch auflösen? Wurde mich doch mal brennend interessieren, lustiges Voelkchen diese Niederländer.
    Kathi

    • Hallo Kathi,
      ich glaube, es war ein Deich. Habe noch mal gesucht und auch das Foto dazu gefunden! Den Nachbarn mit dem Baby schickt man eine Karte (oder wirft sie selbst bei ihnen in den Briefkasten – ist billiger, haha!). Gemein, was? Bei Holland denkt man ja eigentlich eher an Blumen, oder?
      Grüße aus dem Land der Tulpen,
      Kristine

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