Von Fahrrädern, Flaggen auf Halbmast und Feierlaune

Wie versprochen gibt es heute die Erklärung, wieso die Frage „Wo ist das Fahrrad?“ gar nicht so zufällig der einzige Satz ist, die eine von den Erzieherinnen des kleinen Kaaskop kennt.

Sie hat nämlich mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Also, die Frage, nicht die Erzieherin. Die Deutschen haben damals während der Besatzungszeit den holländischen Bürgern die Fahräder weggenommen, um sie selbst zu benutzen. Wohl zu fual zum Laufen oder Auto-/Benzinmangel.. Darüber waren die Holländer natürlich ziemlich empört. Und deshalb sagen manche Holländer auch heute noch gerne mal zum Spaß spontan zu deutschen Touristen: „Wo ist mein Fahrrad?!“ oder „Ich will mein Rad zurück!“

Zum Glück meinen sie es aber nicht böse. Der beste Freund des großen Kaaskop hat, als er damals bei meinem Umzug aus meiner Studentenbude in Deutschland in die Wohnung des großen Kaaskop geholfen hat, auch auf dem Weg zu meiner WG im dritten Stock schelmisch grinsend gefragt, ob er nicht einfach mal irgendwo anklopfen und nach seinem Fahrrad fragen soll…

Der Zweite Weltkrieg war übrigens am Sonntag und auch am Montag ein Thema hierzulande. Am 4. Mai ist hier in Holland nämlich dodenherdenking und gibt es um 20 Uhr zwei Schweigeminuten, um den Opfern des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Und das nehmen die Holländer ziemlich ernst! Während diesen 2 Minuten stehen nicht nur Autos sondern auch Züge still. Wir schafften es leider nicht rechtzeitig von unserem Playdate nachHause, um still zu gedenken. Zwar kamen wir auch an einem Auto vorbei, das mit blinkenden Warnleuchten vor einer Ampel stand, wir selber fuhren aber weiter. Weil wir noch auf der Autobahn waren, als die 2 Minuten anfingen. Der große Kaaskop sagte danach, als die niederländische Nationalhymne zu hören war,  das sei das erste Mal gewesen, dass er nicht stillgestanden habe. Geschwiegen und an die vielen Toten gedacht haben wir aber trotzdem brav.

Ein Feiertag ist er übrigens nicht, der 4. Mai. Ich hatte mittags, als wir nach dem Bettaufbauen usw. auf dem Weg zur Autobahn Richtung Amsterdam waren, sogar angesichts der Flaggen fragen wollen, ob gerade wieder Examenszeit sei, denn dann hängen auch an vielen Häusern Flaggen. Aber gerade rechtzeitig fiel mir ein, dass es ja der 4.Mai war und sah ich auch, dass die Flaggen alle auf Halbmast hingen. Nach den Schweigeminuten und dem Wilhelmus (so wird die Nationalhymne genannt), wurde wie jedes Jahr das Gedicht des Gewinners des Schülerwettbewerbs zum Thema dodenherdenking vorgetragen. Dann werden unter anderem vom König und der Königin Kränze niedergelegt. (Es ist noch sowas von ungewohnt, dass „wir“ jetzt einen König haben…!)

Und am 5. Mai ist es dann vorbei mit der demütigen Trauerstimmung und wird gefeiert! Am bevrijdingsdag (Tag der Befreiung), der aus irgendeinem Grund nur alle 5 Jahre ein offizieller (freier) Feiertag ist, feiern die Niederländer ihre Freiheit und gibt es überall ausgelassene Konzerte und andere Feierlichkeiten. Das war zwar gestern, aber ich werde mir jetzt trotzdem einen Drink genehmigen. In den Nachrichten war wieder genug Elend zu sehen, um dankbar zu sein, dass wir hier in Europa in Freiheit leben und unsere Kinder keine Bomben und Panzer kennen und nicht hungern müssen. In diesem Sinne: Auf unsere Freiheit, proost!

 

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