Pflegeurlaub, ich krieg die Krise!

Dem kleinen Kaaskop scheint es ja zum Glück besser zu gehen, die meisten Windpocken sind eingetrocknet und er verhält sich wieder normal. Auch wenn er heute abend doch wieder unter Juckreiz litt, der Arme! Hoffentlich ist es bald ganz überstanden. Und zwar hoffentlich vor Dienstag, sonst geht der Ärger mit dem Pflegeurlaub wieder los und darauf habe ich sowas von keinen Bock…

Eigentlich dachte ich ja, mein Arbeitgeber sei recht kooperativ. Das war jedenfalls meine Erfahrung mit Arztterminen u.Ä. Aber da wir vor 2 Jahren von einer Unternehmensgruppe übernommen worden sind und man offenbar fand, nun müssten wir auch einen schicken Personalkatalog mit allen offiziellen und inoffiziellen Vereinbarungen und Regeln haben, wurde Ende letzten Jahres so etwas zusammengeschustert.

Unser Betrieb ist eher klein, knapp 15 Mitarbeiter, von denen eine Kollegin für die Finanzbuchhaltung (also auch Gehalt und Urlaubstagkonto) zuständig ist. Eigentlich verstehe ich mich ganz gut mit ihr, wie mit all meinen Kollegen, aber sie fühlt sich offensichtlich gerufen, das Geld der Firma mit Argusaugen zu bewachen. Sie machte schon Schwierigkeiten, als ich zum ersten Mal Kurzzeitpflegeurlaub nehmen wollte, weil der kleine Kaaskop krank war und der große Kaaskop, der nicht wie ich immer Deadlines hat, mal nicht die Krankenpflege auf sich nehmen konnte. Erstens wusste besagte Kollegin (lassen wir sie Kollegin M. nennen) gar nicht, was für Regeln dafür gelten, denn ich bin die einzige Mutter bei uns, und außerdem schien sie der Meinung zu sein, ich solle halt Urlaub nehmen, wie sie das früher auch machen musste und wie ihre Tochter das scheinbar auch macht. Kann ja sein, dass ihre Tochter ihre Rechte nicht kennt oder bereit ist, freiwillig Urlaubstage zu opfern, obwohl sie Anspruch auf Kurzzeitpflegeurlaub hat, wenn ihr Kind krank ist und niemand anders es pflegen kann. Aber was hat das mit mir zutun?! Ich sehe nicht ein, warum ich meine kostbaren Urlaubstage, die schließlich zur Erholung gedacht sind, opfern soll, obwohl ich gesetzlich Anspruch auf zu 70% bezahlten Sonderurlaub habe, wenn mein Kind krank ist…

Dieses Mal erwartete ich keine großen Schwierigkeiten, u.a. weil ich dachte, es sei nun ein für allemal aufgeklärt, was die Regeln sind. Außerdem wollte ich nur einen halben (!)Tag, weil der große Kaaskop auch einen halben Tag Pflegeurlaub nehmen wollte. Ehrlich zwischen den Arbeitgebern aufgeteilt, dachten wir. Aber meine Vorgesetzte (lassen wir sie Kollegin J. nennen) guckte im „schlauen Buch“ nach und meinte, sie könne mir den Pflegeurlaub nicht genehmigen, weil da stehe, ich habe nur Anspruch darauf, wenn ich die einzige bin, die mein krankes Kind pflegen könne. Und ich habe ja schließlich gesagt, dass der Vater auch zuhause ist (Home Office), also sorry.

Mir ging sowas von die Hutschnur hoch! Da versucht man mit einem Tag Opa und Oma und einem halben Tag Partner, seinen Arbeitgeber möglichst zu verschonen, und dann ist das der Dank?! „Dann kann ich ja nie Pflegeurlaub nehmen! Denn das kann A.’s Arbeitgeber auch sagen, dass seine Partnerin ja auch freinehmen könne!“, hielt ich Kollegin J. entgegen. Da gab sie mir recht. Sie gab auch zu, dass sie mir den Pflegeurlaub an sich schon gönnen würde, schließlich weiß sie, dass der große Kaaskop bei früheren Krankheitsfällen meistens derjenige war, der mit dem kranken Sohn zuhause geblieben ist und dass ich außer meinen Schwiegereltern, die ja schon einen ganzen Tag und die Nacht übernommen hatten, niemanden habe, der einspringen kann. Aber dann würde sie Ärger mit Kollegin M. bekommen…

Kollegin J. schickte dann eine Mail an unseren Arbeitsrechtfritzen, der das tolle Personalhandbuch erstellt hat, aber leider gerade im Urlaub ist, und meinte, wenn sie nicht rechtzeitig eine Antwort bekäme, würde sie als Endverantwortliche entscheiden, dass mir der Pflegeurlaub genehmigt wird. Und so geschah es. Ich ging am Mittwoch nach einem halben Tag nach Hause, um den großen Kaaskop abzulösen, und in ca. 3 Wochen, wenn Kollegin M. das Excel-Tabellenblatt mit meinen Arbeits- und Fehlzeiten der letzten vier Wochen bekommt, werden wir ja sehen, was passiert. Und wenn der Arbeitsrechtfritze in der Zwischenzeit geantwortet hat und ich tatsächlich keinen Anspruch auf Pflegeurlaub hatte, dann werde ich auf jeden Fall offiziell Beschwerde einlegen, kann jawohl nicht angehen, sowas! Anstatt sich mit mir zu freuen, dass der kleine Kaaskop die Windpocken vom Timing her so bekommen hat, dass er vermutlich nur an 2 Kita-Tagen zuhause bleiben muss, wird wegen einem halben Tag so ein Theater gemacht! Klar, für mich wäre es auch nur ein halber Urlaubstag gewesen, den ich hätte opfern müssen, aber es geht mir ums Prinzip. Wird schließlich nicht das letzte Mal sein, dass der kleine Kaaskop krank ist. Und wenn mir Pflegeurlaub prinzipiell verweigert wird, weil mein Mann ja auch zuhause bleiben kann, dann werd ich halt nächstes Mal einfach sagen: Sorry, mein Mann kann nicht freinehmen. Einen ganzen (!) Tag Pflegeurlaub bitte, und wie ihr das mir der Deadline für den Auftrag, an dem ich gerade arbeite hinkriegt, tja, da müsst ihr halt mal gucken..

Boah, ich kann mich da echt so drüber aufregen! Dass ein halber Satz in einem blöden Handbuch, der den Arbeitgeber gegen Missbrauch des Pflegeurlaubs durch den Arbeitnehmer absichern soll, jetzt von meinem Arbeitgeber missbraucht wird, um etwas Geld zu sparen. Als wenn der Arbeitgeber des großen Kaaskop sich freuen würde, wenn er immer den Krankenpfleger spielen muss. Schicke offizielle Regeln schön und gut, aber dann müssen die undeutlichen Formulierungen den zuständigen Mitarbeitern auch bitte erläutert werden! Ich will Klarheit. Und den Kurzzeitpflegeurlaub, auf den ich meiner Ansicht nach absolut Anspruch hab….

Und jetzt werd ich versuchen, bis dahin einfach abzuwarten und Tee zu trinken (kalt genug ist es zurzeit ja leider).

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3 Gedanken zu “Pflegeurlaub, ich krieg die Krise!

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