Das verflixte Input-Problem – neue Hausregel

Neulich am Mamamontag trafen der kleine Kaaskop und ich einen seiner Kita-Freunde auf dem Spielpatz im Park. Während die beiden Jungs sich mit ihren Schaufeln und der Kinder-Schubkarre von Freund M. vergnügten, genossen M.’s Mutter, seine kleine Schwester und ich die Sonne am Sandkasten. Ist euch schon mal aufgefallen, dass es an Sandkästen immer ein paar Grad wärmer ist als auf dem Rest des Spielplatzes, sobald die Sonne scheint? Der Sand reflektiert ziemlich stark, man fühlt sich da fast wie am Meer. Ich hatte mich zwar eingecremt, aber abends hatte ich doch Sonnenbrand im Ausschnitt und Nacken. Damn.

Anyway, zufällig wird M. auch zweisprachig erzogen, nämlich Niederländisch und Friesisch. Seine Mutter kommt nämlich aus Friesland. Und die Gelegenheit nutzend fragte ich sie, wie es denn bei ihnen so liefe mit der zweisprachigen Erziehung.

Besser als bei uns, soviel ist schon mal klar. Ebenfalls klar ist: die Mutter ist mal wieder schuld, also ich. Ich bin nicht nur einen Tag weniger alleine mit dem kleinen Kaaskop (also 1 Tag reiner Zweitsprachen-Input weniger), sondern ich spreche im Gegensatz zu M.’s Mutter auch weniger konsequent in meiner Muttersprache mit dem kleinen Kaaskop. Und ich habe mal nachgedacht, woran das liegt: ich bin zu gut eingebürgert! Euch ist vermutlich schon aufgefallen, dass ich manchmal Ausdrucke benutze, die irgendwie komisch undeutsch klingen. Ich habe in den 8 Jahren hier in Holland so gut Niederländisch gelernt (sag ich jetzt mal ganz unbescheiden!), dass ich meine Muttersprache verlerne! Wenn ich müde bin, und das ist man mit einem überdynamischen Kleinkind ja öfter der Fall, fällt mir Niederländisch einfach leichter, zo simpel is het. Außerdem habe ich vor meinem Import kaum was mit kleinen Kindern zu tun gehabt, sodass ich Kinderreime, Schlaflieder und kindgerechte Sprache generell eher in der niederländischen Fassung kenne.

Ich bemühe mich, möglichst nur Deutsch mit dem kleinen Kaaskop zu sprechen, aber in der Öffentlichkeit will mir das immer noch nicht richtig gelingen…eingebaute Hemmung, mich als Deutsche zu outen, scheint nicht ungewöhnlich zu sein bei im Ausland lebenden Deutschen hab ich mir sagen lassen. Trotzdem. Nicht gerade hilfreich im Hinblick auf den ohnehin schon spärlichen Deutsch-Input!

Nun ist es zum Glück ja nicht so, dass der kleine Kaaskop gar kein Deutsch spricht. Vor allem beim Lesen antwortet er mit den deutschen Wörtern, wenn ich ihn etwas frage. Manche Tiere kennt er nur auf Deutsch. Und er streut auch gerne deutsche Wörter in seine niederländischen Sätze. So hat er zum Beispiel letztes Wochenende bei Opa und Oma gesagt: „Teller moet daar op!“ (Der Teller muss da drauf). Mir war der Sprachenmix gar nicht aufgefallen, denn das macht er oft, aber sein Opa lachte und meinte, es sei doch schön, dass er zweisprachig aufwächst. Gestern antwortete er auf eine Frage seines Papas mit dem niederländischen Wort, drehte sich dann zu mir um und sagte das deutsche, Mann, hab ich mich gefreut! Aber ganze Sätze spricht er nach wie vor nur auf Niederländisch…

Ich muss ganz klar den Deutsch-Input erhöhen, das hatte ich ja u.a. hier schon mal geschrieben. Dass ich, wenn der kleine Kaaskop mal nachts weint, ihn auf Niederländisch versuche zu beruhigen, weil ich einfach nicht im Gefühl hab, was man dann auf Deutsch zu seinem Kind sagt („Sch, nicht weinen“ oder so etwas?), werde ich wohl nicht so eins, zwei, drei ändern können, das kommt automatisch. Mehr lesen wird auch schwierig, denn der kleine Kaaskop rennt lieber rum als mit einem Buch stillzusitzen.

Ich habe mir daher überlegt, dass ich ab sofort auch mit dem großen Kaaskop Deutsch statt Niederländisch sprechen muss! Er versteht fast alles, das sollte also kein Problem sein. Dann muss er nur aufpassen, dass er nicht automatisch auf Deutsch antwortet, das passiert nämlich manchmal.  Wir haben mal zusammen einen englischen Film geguckt, da hat er auch aus Versehen angefangen, Englisch mit mir zu sprechen, hihi!

Es wird jedenfalls ab sofort eine neue Hausregel geben: Wenn der kleine Kaaskop wach ist, darf Mama kein Niederländisch mehr sprechen, auch nicht mit Papa. Mal schauen, ob es mir gelingt, das durchzuziehen. Beziehungsweise, wie lange es dauert, bis ich das verinnerlichthabe. Denn es muss sein.

Oh, und falls jemand noch Tipps dazu hat, was man nachts beim Trösten sagt, gerne!

Advertisements

2 Gedanken zu “Das verflixte Input-Problem – neue Hausregel

  1. Nachst zum Trösten, da sage ich: „Mama ist ja da“ oder „Alles gut, du hast deinen Hasen und deinen Nuckel. Du bist nicht allein.“ Sowas halt.
    Hoffe das Projekt Zweisprachigkeit klappt! Dafür, dass Du es langsam verlernst, schreibst du aber doch sehr fließend 😉
    LG Wiebke

    • Danke für den Tipp und das Kompliment! Ich murmel nachts meistens auch „Mama ist hier“, das klingt in beiden Sprachen gleich, wenn man es nuschelt 😉
      LG, Kristine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s