Kleinkinder essen..

…zu fett, zu viel und zu süß. Stand in diesem Artikel von Eltern.de, den ich über ihre Facebook-Seite gefunden hab. Hab ich als Kleinkindmutti natürlich sofort angeklickt und gelesen, schließlich braucht man ja immer neues Futter (haha) für das Schuldgefühl. Aber was hab ich mich wieder geärgert, ich glaube,ich werde Eltern.de wirklich mal ent-gefälltmir-en. Die Reaktionen der FB-Fans waren natürlich wieder schön aggressiv und besserwisserisch, das reichte von Reaktionen à la „Die Scheiß-Nahrungsmittelindustrie ist schuld“ über „also, MEIN Kind isst aber gesund und liebt Gemüse“ und „Kinder können sehr gut ganz auf Zucker verzichten“ bis hin zu regelrechten Grundsatzdiskussionen über welche Kleidergröße ein Dreijähriger zu tragen hat, bzw. dass Kinderkleidergrößen gar nichts daüber aussagen, ob ein Kind zu dick oder zu dünn ist. Man kennt das ja. Wahrscheinlich haben sich die Online-Redakteure wieder voll ins Fäustchen gelacht, dass ihr provozierender Pinnwandeintrag zu so viel Aktivität auf ihrer Seite geführt hat.

Egal, ich fand den verlinkten Artikel jedenfalls unabhängig von den erwartungsgemäßen Reaktionen der FB-Fans irgendwie doof. Etwas zerstückelt, zu wenig Zusammenhang im Textverlauf. Und dadurch mitunter verwirrend. Mir fehlte außerdem der Mehrwert für Eltern. Den erhobenen Zeigefinger braucht doch wirklich kein Mensch! Regelmäßige Leser von Elternzeitschriften jedenfalls nicht.

Dass in Kinderprodukten heimlich doch zuviel Süßes (Apfelsaftkonzentrat, Traubensaftkonzentrat) und anderer irreführender Kram drin ist (biologischer Rohzucker z.B., der wirklich nicht gesünder ist als Kristallzucker), dürfte jawohl mittlerweile allen Müttern (Väter scheinen sich meiner Erfahrung nach nicht wirklich mit solchen Themen zu beschäftigen) bekannt sein. In dem Artikel wird einerseits darüber geklagt, dass Kinder zu sehr an Süßes gewöhnt werden, obwohl sie eigentlich ganz auf Zucker verzichten können. Andererseits wird erwähnt, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Übergewicht nachgewiesen wurden konnte (warum also ganz verzichten?!), und werden als gesunde Rezepte Kekse mit getrockneten Aprikosen und Milchshakes mit Erdbeer und Banane empfohlen. Die sind doch auch hammersüß?! Soviel zur Gewöhnung an Süßes. Und wenn Zucker gar nicht zwangsweise zu chronischem Übergwicht führt, warum soll man dann ganz drauf verzichten? Geniet, maar met mate, heißt es hier in Holland. (Genieße, aber in Maßen.)

Unsinnig fand ich auch, dass u.a. Leber als Folsäure-Lieferant empfohlen wird. Leber! Die mögen ja nicht mal die meisten Erwachsenen. Auch merkwürdig im Zusammenhang mit Vitamin D: „mindestens 1 Stunde an der frischen Luft toben – ohne Lichtschutzfaktor, außer im Sommer„. Da frag ich mich doch, wer sein Kind außerhalb des Sommers mit Sonnenmilch eincremt?! (Außer beim Skiurlaub natürlich.) Außerdem hab ich neulich noch gelesen, dass im Sommer schon 10-15 Minuten Sonne ausreichen, um die nötige Portion Vitamin D zu produzieren. Hm. Dann bezieht sich die 1 Stunde wohl nur auf den Winter? Oder soll man im Sommer gar nicht ohne Lichtschutzfaktor rausgehen? Etwas verwirrend formuliert, finde ich.

Oh, diesen Übergang fand ich auch unlogisch: „Kinder, die bereits als Babys mehr Gemüsevielfalt erleben, essen auch als 7jährige mehr Gemüse. Mit anderen Worten: Schon in der Schwangerschaft Gemüse satt!“ Ja nee, der Zusammenhang is sofort klar…

Der einzige gute praktische (!) Rat in dem Artikel ist meiner Meinung nach dieser: „Kleinkinder an die ganze Gemüsepalette gewöhnen und nicht aufgeben, wenn es nicht gleich klappt“ und: „sie müssen ein Lebensmittel 10 bis 16mal angeboten bekommen, bevor sie es akzeptieren„- aber das wusste ich schon. Sogar das consultatiebureau weiß das. Steht hier in Holland in jeder Broschüre über Ernährung von Kleinkindern. Daher hab ich mich in der Babyzeit des kleinen Kaaskop über mein aus dem Deutschen übersetzte Babykochbuch aus der Bücherei gewundert, in dem empfohlen wurde, anfangs nicht zu viele Gemüse- und Obstsorten anzubieten. (Übrigens: dass das Buch von einer deutschen Autorin stammte, war mir gleich klar, als ich die vielen Rezepte mit Pastinaken in den ersten Kapiteln sah. Pastinaken im Babybrei sind hier in Holland wirklich nicht üblich. Und nachdem ich so ein Gläschen mal probiert hatte, weiß ich auch, warum nicht, bah!)

Und jetzt hör ich auch zu lästern. An sich stand ja schon das ein oder andere Wissenswerte in dem Artikel, wenn man sich selbst noch nicht intensiv mit Ernährungstipps für Kleinkinder beschäftigt hat. Aber schlecht geschrieben fand ich ihn trotzdem. Meine persönlichen Tipps und Feststellungen zum Thema „Kleinkinder essen“:

  • Die verschiedenen Gemüsesorten immer wieder anbieten und ab einem gewissen Alter verlangen, dass das Kind wenigstens ein kleines Löffelchen probiert (auch wenn das oft mit der Erziehungssünde „Erpressung“ einhergeht). Wir machen das so, seit der kleine Kaaskop 2 ist. Kein winziges Häppchen probiert = kein Nachtisch. Der Nachtisch ist übrigens fast immer fettarmer Naturjoghurt mit etwas Obst. So geht der kleine Essensverweigerer doch mit etwas Gesundem im Bauch zu Bett.
  • Ein Baby, das alles aufisst, was man ihm vorsetzt, kann als Kleinkind plötzlich zum Gemüseverweigerer werden. Hab ich auch erlebt. Also nichts drauf einbilden, wenn euer Baby ein Allesfresser ist und eventuell sogar Leber (siehe oben) mag..
  • Kleine Kinder finden rohes Gemüse oft leckerer als gekochtes. Hab ich selber festgestellt und neulich auch irgendwo gelesen. Statt des Kekses am Nachmittag nehm ich daher auch mal Paprikastreifen, Möhrchen oder Gurke mit in den Park bzw. auf den Spielplatz. Und zur Brotmahlzeit steht auch meistens ein Schälchen Rohkost auf dem Tisch.
  • Wenn der kleine Kaaskop „Limonade“ kriegt, ist das meistens Wasser mit gaaaaanz wenig Limonadensirup. Kalten Kräutertee mag er auch, er findet es immer voll toll, wenn er einen Teebeutel auspacken und in seinen Becher hängen darf. Der Tee zieht zwar in kaltem Wasser nur bedingt, aber das macht ihm nichts aus. Hauptsache, der Becherinhalt ist farbig.
  • Tricks, die bei uns ab und zu, leider nicht immer, helfen: lustige Namen für das Gemüse ausdenken, z.B. „grüne Pommes“ für Bohnen; so tun als wolltet ihr dem lieben Kleinen etwas von seinem Teller klauen (der kleine Kaaskop ruft dann meistens: „Nee! Ikke!“); ein Häppchen für xxx (der Hund von Tante Liesbeth hat schon so einiges an Gemüserisotto gegessen, kann ich euch sagen!); jedes Häppchen vom „guten“ Essen mit einem Häppchen vom „weniger gesunden Essen“ abwechseln (bei uns funktioniert das z.B. mit Wurst und Krupuk als „weniger gesundes Essen“).
  • Wenn man Gemüse essen will, das das Kind wirklich nicht mag, kann man ihm ein anderes Gemüse anbieten – aber kein komplett anderes Essen. Zum Beispiel Möhren zum Fisch anstatt Porree.
  • Sich keinen Kopf machen, wenn das Kind nur den verlangten Mindesthappen isst. Es ist noch nie ein Kind am gedeckten Tisch verhungert, heißt es. Und wie ich gelesen habe (ja, ich lese viel!), muss man nicht gucken, wieviel ein Kind pro Tag isst, sondern wieviel es pro Woche isst.
  • Der allgemein bekannte Trick mit der pürierten Gemüse im Gemüse bzw. in der Soße ist übrigens auch nicht schlecht. Allerdings habe ich schlechte Erfahrungen gemacht mit pürierten Champignons in Tomatensoße: das sieht aus wie Kotze…

Ich werde euch bald mal mein superleckeres Zucchinisuppenrezept verraten, wirklich zum Schüsselausschlecken lecker! Und kinderfreundlich.

 

 

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5 Gedanken zu “Kleinkinder essen..

  1. Ha!
    Ich liiebe Leber! Und Schatzi auch. Da reißen wir ja den Schnitt hoch.. 🙂

    Zu meiner Erfahrung mit Ernährung kann Ich sagen, dass nicht Zucker dick macht, sondern „böse“ Kohlenhydrate allgemein. Und da ist zB der vielgelobte Agavendicksaft kein Stück besser als Kristallzucker , ne, Agavendicksaft geht als Fruchtzucker sogar noch schneller ins Blut und treibt den Blutzucker hoch.
    Nicht Fett macht dick, sondern der Konsum von Weißmehlprodukten, und auch Vollkornprodukte sind nicht wirklich besser.
    Viel Gemüse, viel Eiweiß. Ja, und auch viel Fett. Vollmilch, 3,5%-Joghurt, vollfetter Käse. Schmeckt besser und hält durch den hohen Fettgehalt auch länger satt. Natürlich alles immer in Zusammenhang mut Gemüse. 2/3 Gemüse, 1/3 Eiweiß auf dem Teller. Dazu gutes Fett. Olivenöl. Rapsöl oder, auch sehr gut, natives Kokosöl. Kein Maiskeim- oder Sonnenblumenöl, die haben eine ungünstige Zusammensetzung der Fettsäuren.
    Und Butter, keine Margarine, das ist pure Chemie. Teures Wasser gewissermaßen. Butter aus Irland ist am besten, weil fie Kühe da auf den Weiden stehen und fressen. Generell Butter aua weidemilch. Die hat mehr gesunde Vitamine als Butter aus Silofutter-Milch. Eigentlich logisch , wenn man drüber nachdenkt.

    Und mehr Gemüse als Obst, Stichwort Fructose…

    Selten Süßigkeiten, lieber, wie Du das machst, Joghurt oder besser Quark (20% igen oder auch 40% igen), der hat viel mehr Eiweiß. Und der vollfette Quark schmeckt auch ohne Süße lecker!

    Also eine ausgewogne Ernährung, viel Gemüse und Eiweiß und auch gute Fette. Funktioniert, macht Satt und tut gut. 🙂

    • Klingt gut. Ich ärgere mich nur immer, weil man, wie man’s macht als Eltern, man es verkehrt macht. Isst das Kind gerne Obst, ist das nicht gut wegen des Fruchtzuckers. Trinkt es gerne Milch und isst gern Joghurt, sind da zu viele Kalorien drin. Die Theoretiker sind nie zufrieden…
      Im übrigen weigere ich mich, auf Brot zu verzichten. Aber das mit dem Sonnenblumenöl merk ich mir! Und deine Zucchininudeln werd ich auch mal ausprobieren (auch wenn du die hier nicht erwähnst).
      Liebe Grüße!

      • Ich denke, jeder muss seinen eigenen Mittelweg finden. Ich esse Brot, aber nur am Wochenende , nicht täglich. Hätte ich weitergemacht mit meiner KH-lastigen Ernährung (wie sie leider auch immer noch die DGE empfiehlt. . ), dann hätte es nicht mehr lange zur Diabetes gedauert.

        Und was die Kcal bei Milch zB angeht- wenn Milch nicht zum Durst löschen gegeben wird, sollte das kein Problem sein.

        Und wie ich Deine und A.s Ernährung von früher noch kenne- ihr habt ja im Gegensatz zu meinem Bruder und mir zwischendurch eher Obst/Gemüse gegessen als Sweets. Und so machst Du es auch mit B. Ich bin mir sicher, dass du es richtig machst. Schätze dich nicht so ein wie meine Schwägerin, die ihren kids Capri Sonne und quatschtütenobst gibt.. *kopfschüttel*

  2. Ach ja, die Ernährung von Kleinkindern. Ein leidiges Thema, weil es dazu im Prinzip so viel Meinungen wie Mütter gibt.
    Zu Deinen Tricks: ich mache es auch immer so wie Du: wenn sie nichts mehr Essen will, frag ich ob ich das haben darf. So schnell kann ich gar nicht gucken, da ist es in ihren Mund gestopft! Und Bohnen als grüne Pommes zu bezeichnen ist ja eine tolle Idee. Probier ich das nächste Mal aus 😉
    Lieben Gruß, Wiebke

    • Haha, ja, wenn der Futterneid zuschlägt, freut sich die Mama!
      Und eigentlich gibt es ja zu allen Themen rund ums Kind so viele Meinungen wie Mütter, oder?
      Ich bin übrigens gespannt, ob das mit den Bohnen klappt. Der kleine Kaaskop hat neulich rohen Spinat geknuspert. „Noch mehr Lolli“, sagte er…Ich hatte ihm gesagt, der habe ja eine Stiel wie ein Lolli. Wobei ich mir nicht sicher bin,ob er ihn deswegen gegessen hat, denn echte Lollies kennt er noch gar nicht (jedenfalls nicht von mir)!
      Liebe Grüße!

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