Vorsicht ist die Mutter

…der Porzellankiste, na klar. Aber auch auf dem Spielplatz. Zuhause. Und sonstwo. Da hatte ich mir doch fest vorgenommen, dem Bewegungs- und Entdeckungsdrang meines Kindes möglichst freien Lauf zu lassen, und trotzdem merke ich immer wieder, dass ich (und zweifellos auch andere Mütter!) meistens vorsichtiger bin als Väter.

Seit der kleine Kaaskop einmal halb von seinem Hocker in der Küche gefallen ist, obwohl ich neben ihm stand, lasse ich ihn nicht mehr alleine, um kurz etwas aus dem Wohnzimmer zu holen – der große Kaaskop macht das öfter. Weil das Spielhaus mit der Rutsche von zwei Seiten zu beklettern ist (Sprossen, Balkenwand) und der kleine Kaaskop sich meistens nach dem Hocklettern nicht sofort zur Rutsche begibt, bin ich da monatelang immer nervös rumgehüpft, um immer an der richtigen Stelle zu stehen, falls er runterfällt – der große Kaaskop war da von Anfang an viel gelassener. Die Rutsche ist ja auch nicht wirklich hoch, 1,50 m oder so. Und sie steht in einer riesigen Sandkiste. Trotzdem. Ich rechne immer mit dem Schlimmsten.

Wie viele Mütter will ich doch am liebsten verhindern, dass mein Kind sich wehtut. Aber ich hab auch gelernt: das Kind tut sich trotzdem weh. Es rutscht in der einen Sekunde auf dem Küchenhocker aus, in der ich gerade die Bissfestigkeit einer Nudel prüfe. Es läuft völlig unerwartet in all seiner Achtlosigkeit gegen die Tür, als es seine Schuhe holen will. Undsoweiter. Mit anderen Worten: in den Momenten, in denen ich überbesorgt bin, geht alles gut. Gerade in den Momenten, in denen man keine Unfällchen erwartet, passiert was. Was ich auch gelernt hab: es geht fast immer glimpflich aus. Meistens ist das schreckbedingte Weinen ganz schnell wieder vorbei und außer einem neuen blauen Fleck (wenn überhaupt) nichts passiert.

Ich weiß mittlerweile, dass es gut für’s Selbstbewusstsein der kleinen Rabauken ist, wenn Mama nicht ständig einen halben Meter daneben steht. Damit signaliert man dem Kind ja unter anderem, dass man ihm nicht vertraut bzw. ihm nichts zutraut. Mittlerweile bin ich da auch etwas lockerer geworden, auch weil der kleine Kaaskop die Spielgeräte auf unseren Stammspielplätzen mittlerweile gut kennt. So musste ich neulich lachen, als der große Kaaskop mir erzählte, eine der anderen Mütter auf dem Spielplatz mit oben erwähnter Rutsche, die selbst die ganze Zeit 10 m neben ihrem Kind stand, habe aufgeregt zu ihm gesagt: „Pass auf, er klettert hoch!“ Der große Kaaskop blieb sitzen, wo er saß und sagte nur: „Ja, das sehe ich. Das kann er aber alleine.“

Letzte Woche ging dem großen Kaaskop aber auch kurz der Arsch auf Grundeis: Der kleine Kaaskop wuselte im Spielplatzbereich für die etwas älteren Kinder rum und wollte ins Krähennest. Da sein Papa dachte, er käme die wackelige Hängeleiter sowieso nicht hoch, hielt er ihn nicht davon ab. Er guckte gerade rechtzeitig wieder hin, um den kleinen Klettermaxe am Hosenbund festzuhalten, damit er nicht wirklich in den ca. 2,5 m hohen Korb reinklettern konnte! Und da drunter liegt kein Sand, sondern Kies. *Schluck*

DSCN9085

Und deshalb: man (frau!) sollte seinem Kind einfach mal was zutrauen, es kann wahrscheinlich mehr, als man denkt. Man sollte sich daher auch nicht darauf verlassen, dass es etwas noch nicht kann. Wackelige Hängeleitern hochkraxeln, zum Beispiel. Sich die Schuhe selbst anziehen. Oder die Wohnungstür öffnen. Die Gartentür von innen verschließen, wenn man selbst gerade draußen ist. *räusper* Undsoweiter.

PS. Ich habe übrigens gerade auch in einem Artikel einer Bewegungswissenschaftlerin gelesen, dass 2-4 jährige Kinder nichts tun, was sie noch nicht können. Kann man ja mal im Hinterkopf behalten…

 

 

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