Vom Pipi und Poepie

Als exportierte Deutsche muss ich hin und wieder feststellen, dass ich in Sachen aktuelle deutsche Sprachgewohnheiten nicht auf dem Laufenden bin. Aus „Spasti“ ist scheinbar „Spast“ oder „Opfer“ geworden (oder ist das auch schon wieder out?), Superrezepte heißen plötzlich „weltbeste Rezepte“, alle kriegen plötzlich „Pipi in den Augen“ undsoweiter. Mal davon abgesehen weiß ich bei bestimmten Themenbereichen, mit denen ich in meinem „alten“ Leben in Deutschland nicht in Berührung gekommen bin, gar nicht, wie man diese Begriffe auf Deutsch eigentlich nennt. Bei Hypotheken zum Beispiel, oder Smartphones (die gab es vor 8 Jahren ja noch nicht). Was ist eine „spaarhypotheek„auf Deutsch? Sagt man „fegen„oder „wischen„, wenn man den Finger über den Touchscreen bewegt? Aber auch bei Schwangerschaft und Erziehung steh ich oft auf dem Schlauch, wenn ich das deutsche Wort suche! So musste ich damals erst im Internet suchen, bevor ich wusste, dass ein „ruggenprik“ als PDA bezeichnet wird. Und was der korrekte Ausdruck für „echoscopiste“ ist, weiß ich bis heute nicht. Den Ultraschall macht ja in Deutschland der Gynäkologe, oder? Hier in Holland geht man für Ultraschalls zu einem eigenständigen „echobureau„, in dem „echoscopisten“ arbeiten. Ich hab dann einfach immer „Ultraschalldame“ gesagt, hihi!

Anyway. Weil ich „Kacka“ ein doofes Wort finde, benutze ich immer niederländische Kindersprache dafür: „poepie“ (sprich: puhpie). „Pipi“ finde ich hingegen netter als „plasje“.  Pipi und Poepie sind bei uns gerade ein heißes Thema: Ich will dem kleinen Kaaskop die blöden Windeln abgewöhnen. Er ist jetzt 2,5 und die ekligen Kackwindeln nerven mich. Vor allem, weil der kleine Kaaskop gerne nochmal ausgiebig auf dem Popo sitzend rumrutscht, wenn er in die Windel gemacht hat. Bah! Außerdem macht er immer einen Riesenterz, wenn ich ihn wickeln will. Aber im Stehen eine dieser praktischen Windelhöschen anzuziehen, geht ja leider  nur bei Pipiwindeln.

Als der kleine Kaaskop 20 Monate alt war und verfrüht in die Ü2-Gruppe der Kita aufstieg, interessierte er sich plötzlich für die Toilette. Als er sogar anfing, kurz vorm poepie machen „poepie“ zu sagen, kaufte ich schnell ein Töpfchen und ein nicht zu dickes, flott geschriebenes  Buch über Potty Training bei Kindern ab 1 Jahr  und hoffte das Beste. Ich setzte den kleinen Mann regelmäßig (nach dem Aufstehen und nach dem Essen) auf den neuen Thron, Bilderbuch oder Spielzeug dazu und hurra: ca. 2 Wochen lang machte er fast alle poepies auf dem Töpfchen! Was waren wir stolz! Aber dann verlor er leider das Interesse. Vielleicht haben wir ihn zu sehr gepusht? Oder es war nicht mehr neu genug. Jedenfalls weigerte er sich auf einmal, sich auf’s Töpfchen zu setzen. Mist.

Mittlerweile ist der kleine Kaaskop also 2,5 und will ich es wieder versuchen. Leider ist er mittlerweile auch viel zu aktiv, um sich einfach so nach dem Essen ein Weilchen auf’s Töpfchen zu setzen und zu warten, bis was kommt. In der Kita scheint er ja öfter auf das Kleinkinder-WC zu gehen (ist wahrscheinlich toller als so’n olles Töpfchen, und peer pressure wird wohl auch eine Rolle spielen). Die Kinder bekommen dort als Belohnung immer einen Aufkleber für ihre erfolgreichen Toiletten- oder Töpfchengänge. Das ist eine bei niederländischen Eltern beliebte Anspornungsmethode, die ich jetzt wohl auch mal ausprobieren werde! Am zweiten Tag, dass die Karte an unserer Toilettentür hing, verdiente sich der kleine Kaaskop abends gleich 2 Aufkleber!

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Jetzt müssen wir ihn „nur“ irgendwie soweit kriegen, dass er sich bereit erklärt, nach dem Aufstehen, Essen und vor dem Schlafengehen auf Töpfchen oder seinem Kinder-WC-Aufsatz von DM Pipi oder poepie zu machen. Zu dumm, dass unser diesjähriger Urlaub so kurz und voller Termine war. Eine andere beliebte Methode ist hier in Holland nämlich, im Sommerurlaub auf dem Campingplatz in Frankreich (Urlaubsland Nr. 1 der Holländer) einfach die Windel wegzulassen. Dann spüren die Kinder an den nackten Beinen, dass sie Pipi machen, und das hilft wohl beim Lernprozess. Außerdem müssen sie im Sommer ja nicht mit mehreren Schichten Kleidung kämpfen, wenn sie dringend auf’s Klo müssen. Und weil sie eh meist in Badehose rumlaufen, brauch Mama (oder Papa) nur die Badehose ausspülen, wenn das poepie in die Hose geht. Nur mal so als Tipp, falls eure Kinder auch noch „müssen“ (entschuldigt die Wortspielung).

Ich glaube, wenn der kleine Kaaskop nicht die Ruhe hat, eine Weile stillzusitzen, werde ich ihn einfach bestechen. Rosinen, eine Folge Kikaninchen, ein Buch, das er noch nicht kennt oder, ah, ihm was mit der blöden Handpuppe, die er so liebt Jessica vorspielen. Ich muss mir sowieso noch was ausdenken, was er als Belohnung kriegt, wenn die Aufkleberkarte voll ist. Und in der Zwischenzeit geht die mündliche Propaganda weiter: ordentlich loben, wenn er Pipi oder poepie ins Töpfchen oder WC gemacht hat, darauf hinweisen, dass viele seiner Kita-Freunde auch keine Windeln mehr tragen, Bilderbücher über das Thema lesen usw. Wish me luck!

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3 Gedanken zu “Vom Pipi und Poepie

  1. Das mit dem ohne-Windel-laufen hat Sascha bei seinen Mädels auch gemacht. Hat funktioniert. 🙂

    Viel Erfolg beim Töpfchentraining! Das wird schon!

  2. Der Fachmann für den Utraschall, wenn der normale Gyn überfragt und das Gerät zu alt ist, ist der Praenataldiagnostiker. War ich neulich erst hin. Die machen den ganzen Tag nüscht anderres als in abgedunkelten Räumen auf Ultraschall Monitore zu starren. Und die haben eine Geschwindigkeit dabei. Bei meiner Tochter hatte der Ultraschall Kopf meinen Bauch noch garnicht berührt und er sagte schon das wird ein Mädchen.
    Meine Ärztin hat sich bald einen dabei abgebrochen.

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