Bei uns kein Nikolaus: so war Sinterklaas 2014

In den letzten Tagen wurde ja viel über Nikolaus gebloggt und da ich immer neugierig bin, wie andere Familien feiern, habe ich eifrig mitgelesen und mitgenossen. Denn bei uns fiel Nikolaus aus!

Ja, ich hab mich diesmal an meinen Plan gehalten: kein Nikolaus, dafür ein paar Geschenke von Sinterklaas am 5. Dezember. Dazu aber nachher mehr.

In den Wochen vor Sinterklaas waren die Zwarte Pieten von Sinterklaas natürlich wieder in aller Munde. Wie ich ja schon letztes Jahr geschrieben hatte, wird hierzulande immer heftiger drüber diskutiert, ob die nicht rassistisch sind und abgeschafft bzw. geändert werden müssen, weil sich schwarze Niederländer dadurch diskriminiert fühlen. Die Kinder meinen es zwar nicht böse, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es verletzend ist, wenn man dunkelhäutig ist und im November kleine Kinder auf der Straße mit dem Finger auf dich zeigen und „Hey, da ist Zwarte Piet!“ rufen. Kommt wirklich oft vor und ist für alle beteiligten Erwachsenen unangenehm. Zwarte Piet ist zwar nicht mehr wie früher der untertänige Diener von Sinterklaas, aber dass er heutzutage quasi der Manager des heiligen Mannes ist, wie Zwarte-Piet-Verteidiger gerne behaupten, stimmt auch nicht ganz. Die Pieten werden nämlich auch oft als dumm, komisch oder tollpatschig dargestellt. Eine dunkelhäutige Mutter hat neulich darüber geklagt, dass in der Schule Aufgaben gestellt werden, wie: „Oh je, dummer Zwarte Piet hat mit den Sätzen rumgepfuscht und jetzt stimmt die Wortreihenfolge nicht mehr. Kannst du die Wörter in diesen Sätzen in die richtige Reihenfolge setzen?“ Tja.

Die koloniale Vergangenheit der Niederlande spielt natürlich auch eine Rolle. Die Zwarte Pieten tragen zu ihrem bunten Outfit mit der flachen Feder-Mütze goldene Ohrringe, dicke rote Lippen und Afrokrause, weil ihre äußerliche Erscheinung auf dem zur Zeit der niederländischen Kolonialherrschaft herrschenden Bild von Zwarte Piet steckengeblieben ist. Und Inspirationsquelle waren offensichtlich die schwarzen Sklaven! Wie kann man da behaupten, die Pieten seien nicht rassistisch oder diskriminierend? Die Zwarte-Piet-Fans behaupten immer, das sei alles nicht rassistisch gemeint, aber das ist ein sehr lasches Argument, finde ich.

Die gelben Pieten mit Käsemuster im Gesicht, die die Stadt Gouda dieses Jahr eingeführt hat, oder die lilafarbenen Pieten, die letztes Jahr zum ersten Mal zu sehen waren, finde ich auch doof. Ist ja schließlich kein Karneval. Meiner Meinung nach wäre die beste Lösung, die Pieten zwar ziemlich schwarz oder meinetwegen dunkelgrau zu schminken, aber mit eindeutigen Rußstreifen im Gesicht. Schließlich behauptet sowieso die Hälfte der Niederländer, Zwarte Piet sei schwarz, weil er durch den Schornstein kommt. Die Afrokrause, die dicken roten Lippen und die Ohrringe müssen natürlich ganz verschwinden, aber das waren sie letztes Jahr auch schon oft.

Der Spiegel hat übrigens auch über dieses Thema geschrieben, und zwar hier.

Ich fürchte, es ist zu spät, um eine sanfte Reform der Zwarte Pieten einzuleiten. Dazu sind die Gemüter zu erhitzt. Traurig. Ist doch erbärmlich, wenn ein Stadtteil den Sinterklaas-Festzug ganz absagt, weil sie Randale und Probleme fürchten. Wenn sich Grundschulrektoren die Haare raufen, weil sie nicht wissen, wie sie allen Interessen gerecht werden sollen: bleibt Zwarte Piet in ihrer Schule schwarz, gibt es Zoff, ist er nicht schwarz, gibt es auch Zoff. Wenn farbige Kinder in der Sinterklaas-Zeit nachts nicht schlafen können, weil sie am nächsten Tag wieder Zwarte-Piet-bezogene Hänseleien auf dem Schulhof befürchten. Wenn ein erwachsener Mann ein kleines Mädchen schlägt, weil sie als Zwarte Piet geschminkt und gekleidet ist (er wurde zwar wohl von dem Mädchen und ihren Freunden provoziert, aber trotzdem). Ich frage mich wirklich, wo das hinführt!

Ich werde mich als Importkaaskop aus dem ganzen Sinterklaas-Kram schön raushalten. Der kleine Kaaskop kriegt in der Kita genug von den Liedern, pepernoten usw. mit. Dort kam natürlich auch Sinterklaas mit zwei (ganz schwarz geschminkten) Zwarte Pieten vorbei! Viele Kinder finden den heiligen Mann mit dem weißen Bart etwas unheimlich, aber der kleine Kaaskop war ganz mutig und hat sich sein Geschenk selbst beim heiligen Mann abgeholt und mit ihm geredet, erzählte die Erzieherin abends. Für einen billigen roten Kipplader mit Anhänger aus China tut er halt alles!

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Als wir ihm am nächsten Tag erzählten, dass Sinterklaas am Freitag auch zu uns kommt und Geschenke mitbringt, meinte er übrigens: „Ik heb al Geschenk. Jullie nog niet! Jullie moeten ook een kiepwagen!“ (Ich hab schon ein Geschenk. Ihr noch nicht! Ihr sollt auch einen Kipplaster haben!) Als am 5. Dezember aber nach dem gemeinsamen Singen mit Opa (um Sinterklaas anzulocken) die Nachbarin Zwarte Piet ans Fenster klopfte und ein Sack mit bunt verpackten Geschenken vor der Tür lag, packte er allerdings begeistert aus.

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Die 5 kleineren Geschenke, die Sinterklaas in Omas und Opas Auftrag gebracht hatte (Cars-Aufkleber, eine Brotdose mit Trinkflasche von Cars, ein Shirt, ein Buch über Sinterklaas und ein Malbuch), hatten keine Chance gegen das Flugzeug der LittlePeople, das Mama in Auftrag gegeben hatte: ein Schuss ins Schwarze! Der kleine Kaaskop erkundigte sich am nächsten Morgen schon im Bett nach seinem Flugzeug, hihi! Und mit Blick auf unseren ersten Flug mit ihm Ende Dezember ist dieses Geschenk sogar auch ganz nützlich.

Nach der chocomel  (Kakao) (die dazugehörenden pepernoten waren ausverkauft, so eine Gemeinheit!) fuhren Opa und Oma wieder nach Hause und ging es nach dem üblichen Abendritual eine gute Stunde später als sonst aber hopp hopp ins Bett. Dort erkundigte sich der kleine Kaaskop noch zweimal nach Zwarte Piet und Sinterklaas, und wo die jetzt seien, schlief dann zum Glück aber recht schnell ein. War ja auch ein spannender Abend!

Für den 6. hatte ich mir extra einen kleinen Schokonikolaus von meiner Mutter mitbringen lassen, ich konnte es nicht lassen! Aber da ich vor lauter Aufregung vergessen hatte, mit dem kleinen Kaaskop einen Schuh rauszustellen, fiel das am Ende doch aus. Schade. Dafür haben wir am 6. Dezember ein wenig weihnachtlich dekoriert und wieder Kekse gebacken. Außerdem habe ich angefangen, mit dem kleinen Kaaskop deutsche Weihnachtslieder zu üben. Weiter als bis „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ sind wir aber noch nicht gekommen. Mein Sohn scheint das Textgedächtnis seines Vaters geerbt zu haben! Sogar den Vierzeiler „Sinterklaas, kapoentje“ kann er sich offenbar nicht mehr merken. Zusammen singend klappt es ja noch, aber als er alleine sang, musste ich so lachen über seine Version: „Sinterklaas, kapoentje! Gooi wat in mijn schoentje! …(Hier kommt eigentlich noch: Gooi wat in mijn laarsje)…Dank u, Sinterklaasje niet!“ (Das „niet“ gehört dort natürlich nicht hin)!

Naja, bis Weihnachen können wir ja noch tüchtig üben. Und bis zum nächsten Herbst hab ich auch bestimmt klarmachen können, dass es nicht „Laterne, Laterne, soll’n wir Mond und Sterne“ heißt…

PS. Ganz uneigennützig ist mein Wunsch nach einem weniger schwarzen Zwarte Piet übrigens nicht: ich fände es nämlich gaaaar nicht schlimm, wenn ich weniger schwarze Schminke aus dem Gesicht des unwilligen kleinen Kaaskop putzen müsste, wenn in der Kita mal wieder alle Kinder in kleine Pieten verwandelt wurden…

 

 

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2 Gedanken zu “Bei uns kein Nikolaus: so war Sinterklaas 2014

  1. Dank u niet…..sehr süß 😉 Habe natürlich auch von der Diskussion um die Zwarten Pieten hier einiges mitbekommen. Ich kenne den/die Helfer des Sinterklaas natürlich auch noch aus meiner Kindheit. Als ich Kind habe ich nie darüber nachgedacht. Wie auch nicht über den „Mohr“ auf der Sarotti-Schokolade oder das Wort „Negerkuss“. Aber inzwischen kommt mir so etwas sehr befremdlich vor. Die Idee, das Schwarz als Russ zu interpretieren und das Outdit zu verändern klingt gut, aber vielleicht ist die Diskussion schon zu stark entbrannt, um etwas so Subtiles noch durchzusetzen?

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