Familienurlaub in Lappland – Teil 1

Jaaa, wir sind im Winterwonderland!!!

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Die Anreise verlief nicht ganz ohne Problemchen. Es fing schon am Vorabend an: als wir endlich auch die letzten Sachen eingepackt hatten, stellten wir die Koffer zur Sicherheit noch kurz auf die Waage. Ups, der größte wog: 32,2! Und wir durften doch nur 20kg pro Person mitnehmen… Also musste etwas wieder rausgepackt werden. Der Whiskey und Sekt für Silvester flogen als erstes raus. Dann das zweite Paar Stiefel und weitere Sachen. Immer noch zu schwer, wie konnte das denn sein?? Als ich mich auf die Waage stellte, um zu kontrollieren, ob die überhaupt stimmt, stellten wir fest, dass die auf Pfund eingestellt war! Argh! Ich wusste gar nicht, dass das geht. Also alles wieder rein in die Koffer…. Ach, da hat man zumindest eine schöne Anekdote zu erzählen!

Der Anreisetag war natürlich anstrengend: wir wurden um 3 Uhr morgens vom Taxi abgeholt und nach Schiphol Airport gebracht, wo unser Flugzeug um 6 Uhr abfliegen sollte. Der kleine Kaaskop wollte natürlich nicht aus dem Bett geholt und angezogen werden und brüllte erstmal ordentlich. Dass er im Taxi auf meinem Schoß sitzen durfte, weil das vorbestellte Taxi trotz Hinweis unsererseits keinen Kindersitz hatte, versöhnte ihn zum Glück etwas. Leider verzögerte sich der Abflug wegen Problemen mit dem Gepäcktransportsystem um eine halbe Stunde, aber dafür pennte der kleine Kaaskop während der Fahrt zur Startbahn ein und verschlief die erste Stunde des Flugs.

Der Schlitten ist eingecheckt.
Der Schlitten ist eingecheckt.

Als er wieder wach war, verbrachte er die meiste Zeit damit, zwischen seinem Platz bei mir und dem großen Kaaskop und den Plätzen von Onkel S., Tante A. und Oma hin und her zu laufen. In Rovaniemi angekommen, wartete schon der Bus, der uns in knapp 2 Stunden nach Pan Village Oulanka bringen sollte. Was war ich froh, als wir endlich da waren, denn der kleine Kaaskop weigerte sich zu schlafen, obwohl er eindeutig müde war, wie wir alle. Leider mussten wir vom Bus sofort zum gemeinsamen Info-Meeting für alle neuen Gäste. Davon habe ich dann auch nur die Hälfte mitgekriegt, weil ich mit dem kleinen Kaaskop raus ging, um die Beine zu vertreten, es ging nicht anders. Und dann konnten wir endlich in unser Ferienhaus! Wirklich toppie! Geräumig, gemütlich eingerichtet und gut ausgestattet. Die Privat-Sauna haben wir abends gleich ausprobiert, herrlich!

Erstmal mussten wir aber einkaufen und unsere Thermoanzüge bei der benachbarten Rentierfarm abholen. Die war zwar nur 300m entfernt, aber bei -21 Grad muss man auch für so einen kurzen Weg die volle Wintermontur anziehen. Und dazu hatte der kleine Kaaskop ab-so-lut keinen Bock! Mit viel Mühe konnte ich ihn in seinen Schneeanzug wrestlen und dann habe ich am Ende das wie am Spieß brüllende Kind bis zum Zielgebäude getragen, denn auf dem Schlitten sitzen wollte er auch nicht. Puh, was für eine Tortur nach einer Nacht mit nur 4 Stunden Schlaf! Und am blödesten war: es wäre gar nicht nötig gewesen, ihn mitzuschleppen. Denn der Kinder-Schneeanzug, den der große Kaaskop von einem mit einer Finnin verheirateten Kollegen bekommen hatte, und auch die gefütterten Kinder-Fäustlinge von H&M waren perfekt, und die Stiefelchen durften wir unanprobiert mitnehmen (und ggfs. umtauschen). Während wir Großen unsere Anzüge und Stiefel anprobierten, flitzte der kleine Kaaskop fröhlich in seiner Thermounterwäsche im Lager rum und als wir wieder ins Ferienhaus zurückwollten, wollte er natürlich nicht mit und das Spielchen begann von Neuem. Pfff. Aber er war halt einfach total erledigt und wenn man noch leicht verrotzt ist, tut die Kälte halt in der Nase weh (nicht jeder mag das Gefühl von gefrierenden Nasenhärchen).

Auch am nächsten Tag weigerte sich der kleine Kaaskop, die Nase vor die Tür zu stecken. Nachdem wir vormittags drinnen rumgefaulenzt hatten, schafften wir es am Ende doch, ihn kurz nach draußen zu locken. Zum Aanbeißen sah er in seiner buntgeringelten Skihose und der Zipfelmütze aus!

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Leider war es ihm nach 2 Minuten doch wieder zu kalt und er guckte uns von drinnen beim Rumalbern und Schlittenfahren zu.

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Für den Nachmittag war eine Schneemobilfahrt geplant, aber obwohl es einen geschlossenen, beheizten Anhänger für Kinder gab, beschlossen wir, den kleinen Kaaskop nicht mitzunehmen. Die Oma blieb auch im Ferienhaus, hatte sich aber wohl im Flugzeug was eingefangen und lag so krank im Bett, dass ich auch zuhause bleiben musste, um unsere kleine Frierhippe zu entertainen. Immerhin hatte ich ja schon vor 3 Jahren in unserem ersten Lappland-Urlaub (ohne Kind) so eine Fahrt gemacht und ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass ich auch gar keine Lust auf das Gedröhn der Motoren und den Dieselgeruch hatte. (Typisch holländisch: da wir ja für 5 bzw. 6 Personen bezahlt hatten und nur 3 von uns mitfuhren, bestand der große Kaaskop bei der Pause darauf, dass sie jeder 2 Donuts bekamen anstatt nur einem pro Kopf…)

Als die anderen wieder da waren, machte der große Kaaskop erstmal ein ordentliches Feuer im Kamin dann gab es Abendessen und war es Schlafenszeit für den kleinen Kaaskop. Weil es keine richtigen Doppelbetten gibt, bauten wir das Schlafzimmer ein wenig um, damit der kleine Nichtdurchschläfer trotzdem zwischen Mama und Papa schlafen kann.

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Vorher
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Nachher

Der große Kaaskop und ich gingen kurz in die Sauna und bekamen als Betthupferl noch etwas zu lachen: einer der anderen beiden hatte den in einer kleinen Plastikflasche mitgebrachten Whiskey als Limonadensirup angesehen und damit Limonade gemacht…. Der Satz: „Ist das eigentlich Birne oder Apfel?“ wird bei uns noch lange für Gelächter sorgen!

Heute, also am Dienstag, machten Tante A., Onkel S. und ich nach dem Frühstück einen Spaziergang ins 3 km entfernte Ski-Dorf. Keine Ahnung, wie die Kartenmacher auf 3 km kamen, wir sind überzeugt, dass es viel weiter ist! Zum Glück war der Schnee auf dem Weg ziemlich plattgefahren und war es heute nur noch -7 Grad. Die Aussicht entschädigte jedenfalls für die Strapazen, auch wenn es bewölkt war!

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Allein für den Rückweg brauchten wir 45 Minuten. Die Schneestiefel und Anzüge sind recht schwer und da Tante A. und mir die Beine schwer wurden, griff ich in die Mutti-Trickkiste und machte ein Spiel draus: ein gefrorener Schneeklumpen war unser Fußball und dann hieß es, den ganzen Weg Schneeklumpen kicken und dazu alberne Sportkommentatoren-Kommentare von sich zu geben. Zum Glück ist auf finnischen Wegen ja nicht viel los und hörte und sah uns niemand!

Als wir endlich die ersten Häuser unseres kleinen Feriendorfs sahen, ließ ich mich zum Abschluss noch theatralisch dankbar auf die Knie sacken. Viel Zeit zum Verschnaufen hatten wir aber nicht, denn nur eine Dreiviertelstunde später stand das Taxi vor der Tür, das uns zum Supermarkt im 13km entfernten Salla bringen sollte. Wir hatten nämlich gedacht, dass der 8 Euro teure Pendelbus jeden Tag oder zumindest mehrmals fahren würde, doch er fuhr nur einmal wöchtenlich und so hatten wir am Sonntag nicht genug Essen für die ganze Woche eingekauft. 60 Euro Fahrtkosten zum Supermarkt und zurück, das muss uns erstmal einer nachmachen! Naja, wir machten einen Familienausflug daraus und sahen das Ganze locker.

Einkaufen ist in Finnland übrigens auch eine Herausforderung, wenn man kein Finnisch spricht! Beim ersten Einkauf stand ja noch überall auch die schwedische Bezeichnung auf den Produkten und das können meine Schwester und ich. Aber bei diesem größern Supermarkt stand überall nur Finnisch. Jetzt braucht man zwar nicht unbedingt wissen, was „Zucchini“ auf Finnisch heißt, um eine in den Einkaufswagen zu legen, aber man musste das Gemüse selbst abwiegen und es standen keine Bilder auf den Tasten der Waage! Sehr frustrierend, wenn dann die Anzahl der Schilder und die Anzahl der Gemüsefächer darunter nicht miteinander übereinstimmen… Nach dem ersten Einkauf hatte einer von uns übrigens auch aus Versehen die Marmelade eingefroren, weil die in ihrem Plastikbecher wie Himbeereis aussah, hihi!

Zum Abendessen gab es oberleckeren frischen Lachs – man gönnt sich ja sonst nichts! Für morgen ist Schneemannbauen und Schlittenfahren geplant und die Sonne soll auch endlich rauskommen, heißt es. Da der große Kaaskop es geschafft hat, den kleinen Kaaskop ohne Gemaule mit nach draußen zu kriegen, als wir anderen „spazieren“ waren, bin ich guter Hoffnung, dass der morgen auch mit rauskommt. Er war jedenfalls Feuer und Flamme, als ich sagte, wir würden dem Schneemann dann eine richtige Möhre als Nase ins Gesicht stecken, wie bei „Jan und Julia in den Bergen“.

So, und jetzt werde ich noch kurz rausgehen, heute ist die  Wahrscheinlichkeit auf Nordlicht nämlich ganz gut! Hyvää yötä! (Gute Nacht)

 

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