Elternkompetenzenvergleich mit den neuen Nachbarn und der erste Eindruck

Mit neuen Nachbarn ist das ja immer so ein Ding: man hofft, dass sie nett sind und will eigentlich gerne, dass sie einen auch nett finden. Lieber einen guten Nachbarn als einen Freund in der Ferne, heißt es hier in Holland.

Die meisten unserer neuen Nachbarn haben wir Ende Dezember auf einem nachmittäglichen burenborrel (Umtrunk bei den Nachbarn) unserer Häuserreihe kennengelernt. Da war ein junges Musiker-Paar, von dem der Mann auch im Wohnzimmer seinen kecken Hut nicht absetzte. Da war ein Paar, das seine zwei Kinder nicht in der eigenen Nachbarschaft zur Schule gingen lässt, sondern 15 Fahrradminuten entfernt in die „Elite-Schule“ (eine Grundschule, wohlgemerkt). Einer hatte blaue Schlangenlederschuhe an. Und zwei Paare wollten bei der Kommune klagen, falls auf dem noch zu bebauenden Feld vor unserer Häuserreihe tatsächlich Mietsreihenhäuser gebaut werden sollten anstatt der ursprünglich geplanten Eigentumswohnungen. Ansonsten waren sie aber alle ganz freundlich und nicht unsympathisch, ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob es zwischen uns klicken wird…

Unsere Einweihungsparty geben wir erst im April, und wegen Arbeit und Wetter hat sich unser Kontakt mit den neuen Nachbarn in den letzten Wochen eher auf freundliches Zunicken durchs Fenster, Guten-Morgen-Rufen u,Ä. beschränkt. Aber dann kam letztes Wochenende das erste richtige Frühlingswetter! Und alle Kids waren draußen. Der kleine Kaaskop hat ja keinerlei Schwierigkeiten mit Bekanntschaftschließen. Er geht einfach hin und fragt: „Hoe heet jij?!“ (Wie heißt du?) Ich tue mich da schwerer. War schon immer so. Deshalb war ich etwas self-conscious an diesem Samstag und ärgerte mich, dass ich meine Haare nicht frisch gewaschen hatte und olle Schuhe anhatte, als ich dem kleinen Kaaskop nach draußen gefolgt war. Die Nachbarsfrauen sahen (in meinen Augen jedenfalls) viel gepflegter aus.

Wir machten ein bisschen Smalltalk, während die Kinder zusammen um die Wette Laufrad um den Block fuhren und so. Ein richtiges Gespräch kam schon aus dem Grund nicht auf, dass immer mal wieder einer von uns seinem um die Ecke zur „großen“ Straße verschwundenen Kind hinterhelikopterte. Aber dann entdeckte der kleine Kaaskop das Trampolin im Garten des Eckhauses und wollte auch springen. Mir ist das immer ein bisschen unangenehm, wenn er einfach so in einen fremden Garten läuft, vor allem, weil er nicht hört, wenn ich ihn zurückrufe. Und dann muss ich natürlich hinterher in den „fremden“ Garten. Zum Glück schien es die Nachbarn nicht zu stören, dass die anderen Kinder in ihrem Garten ein- und ausliefen. Der kleine Kaaskop war jedenfalls nicht der einzige. Aber er war der einzige, der Theater machte, weil er seine Jacke anbehalten sollte. Und ich war die einzige, der es nicht gelang, ihr Kind mit ruhiger Stimme auf eine freundliche Art dazu zu bringen, der mütterlichen Bitte nachzukommen.

Ich weiß, man soll sich nicht mit anderen vergleichen. Aber ich habe vor Kurzem beschlossen, dass ich mit weniger Motzen und Drohungen auskommen, Verbote u.Ä. positiver äußern und insgesamt etwas entspannter reagieren möchte. Das fällt mir noch oft schwer, vor allem, wenn ich schnell das gewünschte Ergebnis sehen möchte, weil andere dabei sind, die nicht denken sollten, dass ich als Mutter inkompetent bin. Außerdem hatte ich ein bisschen Hunger und brauchte meinen Nachmittagskaffee. Jedenfalls fiel mir auf, dass die anderen Mütter (Väter waren auch da, aber gerade mit anderen Kindern beschäftigt) sich wirklich „nach Vorschrift“ verhielten. Beispiel: Als eins der Mädchen hinfiel und zu weinen anfing, fragte seine Mutter ohne Schrecken oder Besorgnis in der Stimme ganz gelassen und fröhlich: „War das dein Arm? Oder die Hand?“ Prompt hörte das Mädchen auf zu heulen und beantwortete die simple Frage. Ich wäre da mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort zum kleinen Kaaskop hingegangen, um ihn zu trösten und hätte ihn gefragt, ob er sich wehgetan hat, und wo genau. Und er hätte erstmal weitergeheult und mich nicht am Arm / an der Hand den Schaden begutachten lassen. Die Nachbarskinder gehorchten auch, als ihre Mütter sie freundlich darauf hinwiesen, dass sie die Schuhe ausziehen müssen, wenn sie Trampolin springen wollten. Und sie zogen sich die Schuhe selber aus. Ich musste den kleinen Kaaskop am Arm zurückhalten und ihm schnell die Schuhe ausziehen, bevor er sich aufs Trampolin stürzte. Menno.

Und dann war da noch der Moment, als ein mir unbekannte Nachbarsmädchen (ca. 8 Jahre) zu wild hüpfte und auf den Rand des Trampolins sprang. Sie fiel auf den Boden, hielt sich erst das Bein und dann den Fuß und weinte und jammerte. Ich stand am nächsten dran, wusste aber nicht, was ich tun sollte. Ich kannte sie ja nicht, und sie mich nicht, und überhaupt war die Situation neu für mich. Unschlüssig und mich deswegen blöd fühlend stand ich da, bis eine andere Mutter kam und sich der Verletzten annahm, die schnell aufhörte zu weinen (sie hatte eine kleine aber blutige Wunde auf dem Fuß).

Zwischendurch hatte ich wie gesagt erst noch Streit mit dem kleinen Kaaskop gehabt, weil er seine Jacke ausziehen wollte und dann, weil er nach dem Trampolinspringen seine Schuhe nicht wieder anziehen wollte. Da hatte ich ihn mir, weil er anfing zu brüllen und versuchte, wegzulaufen, unter den Arm geklemmt und ein Stück weggetragen, weil ich mich so beobachtet fühlte und er sich erstmal wieder beruhigen sollte. Mit 3 steckt er nun mal mitten in der Trotzphase. Später lief er einfach durch die offene Wohnzimmertür ins Haus der Nachbarn und wollte da spielen. Und obwohl ich freundlich blieb (zunächst jedenfalls) kam er nicht wieder raus. Also musste ich hinterher und ihn doch wieder mithilfe meiner körperlichen Überlegenheit nach draußen ziehen, bevor er sich das Spielzeug schnappen konnte. Puh.

Ja, ich weiß, es sind alles eher kleine Dinge, die Nachbarn haben mich und meine Mutterkompetenzen vermutlich gar nicht so genau unter die Lupe genommen und es sollte mir egal sein, was die Nachbarn überhaupt denken, aber ich fühlte mich trotzdem etwas inkompetent, als ich zum zweiten Mal mit einem brüllenden kleinen Kaaskop an der Hand nach Hause ging. Doof. Nachdem ich was gegessen, Kaffee getrunken und mich beim großen Kaaskop beklagt hatte, war ich immer noch etwas niedergeschlagen. Aber wie eine gute Freundin, der ich über Whatsapp auch mein Leid geklagt hatte, sagte: das war eine Momentaufnahme. Bei den Nachbarn läuft ganz sicher nicht immer alles wie am Schnürchen und da brüllen und trotzen die Kinder garantiert auch mal.

Ich bin eine gute Mutter, verdammt nochmal! (Obwohl ich hin und wieder fluche.) Am Montagmorgen hatte ich gerade dem kleinen Kaaskop eine Serviette unter den Milchbecher gelegt, anstatt zu schimpfen, er solle nicht in seinen Strohhalm blasen, als ich die Montessori-Mutter von nebenan ihre beiden Töchter anschnauzen hörte, sie sollten sich gefälligst mal beeilen, sie müssten los zur Schule. Hähä!

Blub,blub..
Blub,blub..
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2 Gedanken zu “Elternkompetenzenvergleich mit den neuen Nachbarn und der erste Eindruck

  1. Wir haben ja alle unsere verschiedenen Gesichter. Ausnahmslos. Und ohne das Kaleidoskop aller menschlicher Gefühle würden wir den Nachwuchs ja auch nicht auf die Welt loslassen wollen.
    Die Nachbarmütter im Vergleich? Ich glaube mal, das ist eher ein Mädelsding. Und ‚hinterherhelikoptern‘ merke ich mir 😆

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