Ist das noch normal?

Der kleine Kaaskop ist ja eher wild und sitzt nur selten mal still. Er muss immer rennen, rennen, klettern, springen, rennen. Die paar Spiele, die wir haben, verstauben leider im Schrank. Dabei gibt es schon für seine Altersgruppe so viele tolle Spiele! Ich werde immer ein wenig neidisch, wenn ich auf Facebook oder Blogs andere Kinder im gleichen Alter Brett- oder Kartenspiele machen sehe. Zum zweiten Geburtstag zum Beispiel hat der kleine Kaaskop den Klassiker „Mein erster Obstgarten“ bekommen. Die Male, dass wir dieses wirklich simple Spiel nach den Regeln zu Ende gespielt haben, kann ich an einer Hand abzählen. Der kleine Kaaskop macht lieber seine eigenen Regeln und ist da auch sehr eigenwillig. Er würfelt einfach zweimal hintereinander. Oder nimmst sich zwei Pflaumen statt einer. Und wenn er nicht will, dass der Rabe die Äpfel frisst, setzt er ihn einfach zurück in den Karton oder nimmt schnell alles noch hängende Obst weg.

Neulich habe ich mal wieder versucht, mit dem kleinen Kaaskop eins der Spiele aus dem zum 3. Geburtstag bekommenen Spieleschatz von Haba zu spielen. Eine Art „Mensch ärgere dich nicht“ mit zwei statt vier Spielfiguren pro Spieler. Aber selbst so etwas einfaches wie abwechselnd würfeln und dann die angegebene Augenzahl vorrücken, ist bei meinem Sohn nicht drin. Er stellt nach zweimal Würfeln lieber die beiden Schafe in den Kuhstall, die Kühe in den Pferdestall usw. Und ich soll dann den Bauern nehmen und ihn sagen lassen: „He! Was macht ihr denn im Kuhstall, Schweine?! Hopp, zurück in euren eigenen!“

Ich finde das immer sehr frustrierend. Klar, er hat seinen Spaß, und das ist ja auch wichtig. Aber abgesehen davon, dass ich meiner Nerven wegen gerne mal ein paar Minuten etwas ruhiges mit ihm spielen würde, mache ich mir da sofort Sorgen, ob er nicht doch „anders“ ist. Ob er ADHS hat, oder einen niedrigen Intelligenzquotienten, oder so. Obwohl ich eigentlich weiß, dass das Quatsch ist! Er ist ein Junge, die brauchen halt Action. Und kurze Aufmerksamkeitsspannen sind auch normal in dem Alter, oder? Dumm ist er auch nicht, wenn ich seinen besserwisserischen Antworten glauben kann. Ich: „Kleiner Kaaskop! Wir werfen nicht mit Spielzeug rum!“ – Er: „Aber das ist kein Spielzeug, das ist ein Kuscheltier, Mama!“ *augenroll* Neulich hat er Terz gemacht, weil ich ihm die falsche LittlePeople-Figur angeboten habe zum „Retten“ eines in der Badewanne ertrunkenen MyLittlePony. „Aber die hat die Hände in den Taschen!“, protestierte er. Er weiß, dass es Montag ist, wenn ich mit ihm zuhause bin, und Freitag, wenn der große Kaaskop mit ihm zuhause ist, während ich arbeiten gehe. Überhaupt sagt er oft ziemlich schlaue Sachen, finde ich.

Trotzdem. Warum kann er nicht nach einfachsten Regeln spielen? Ist das normal? Eigentlich kenne ich die Antwort: Ja, das ist normal. Diese Spiele sind ab 3 und die Entwicklungsunterschiede in dem Alter sind groß. Er ist ja auch gerade erst 3 geworden! Der freundliche Mann aus dem mittlerweile offenbar geschlossenen Holzspielzeugladen in Kiel, bei dem ich in meinen noch kinderlosen Tagen mal ein Geburtstagsgeschenk für eine Zweijährige gekauft habe, meinte auch, die Altersangaben sollte man nicht so ernst nehmen. Und vermutlich ist der kleine Kaaskop einfach in anderen Bereichen weiter als die Kinder, die ruhig am Tisch sitzen und Brettspiele spielen.

Die Sorgen bleiben aber, denn auch wenn das mit dem Spielen nach Regeln vermutlich eine Frage des Alters und des Charakters ist, befürchte ich schlichtweg, dass er es mal schwer kriegen wird mit seinen Hummeln im Hintern und seiner Eigenwilligkeit! Nächstes Jahr kommt er in die Schule. Hier in Holland wechseln alle Kinder an ihrem 4. Geburtstag in die Grundschule. Die ersten beiden Jahre dort sind allerdings noch nicht mit der ersten und zweiten Klasse in deutschen Grundschulen zu vergleichen und eher eine Art Vorschule mit viel Spielen. Aber stillsitzen und erste Buchstaben schreiben lernen wird er da doch müssen. Und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass das gut gehen wird!

Vielleicht sehe ich das aber auch alles zu schwarz. Vielleicht sollte ich einfach öfter die Spiele rausholen, um zu üben. Weil mich das oben beschriebene „Problem“ so frustriert, hole ich nämlich nur noch selten ein Spiel aus dem Schrank. Außerdem sagt der kleine Kaaskop meistens sowieso Nein, wenn ich vorschlage, ein Brettspiel zu spielen. Er rennt lieber rum oder lässt Autos durchs Zimmer flitzen. Vielleicht sollte ich noch einfachere Spiele ausprobieren. Zu Ostern bekommt er deshalb das Haba-Spiel „Kleine Regenbogenraupe“. Da sind keine Zahlen auf dem Würfel und keine Holzfiguren dabei. Und vielleicht lege ich mal abends das Memory-Spiel auf dem Tisch bereit, damit wir das beim Frühstück spielen können. Dann bleibt der kleine Kaaskop vielleicht auch ausnahmsweise mal sitzen, bis wir beide (!) fertig gefrühstückt haben. Noch so ein Frust-Moment. Aber das gehört nicht hierher.

Kurz nach Ostern müssen wir übrigens noch verspätet zum Drei-Jahre-Check (in Deutschland die U7a ?) beim consultatiebureau. Da kann ich ja noch mal nachfragen, ob das tatsächlich normal ist und ob die „Experten“ noch Tipps haben. Der kleine Kaaskop ist nämlich generell sehr gegen zeigen-und-erklären-lassen. Ihm zeigen, wie man Zähne putzt? Vormachen, wie man mit einer Schere schneidet? Kann ich knicken… Er will es sofort selber machen, das klappt natürlich nicht und er schmeißt hin. Argh!

Wie klappt das denn bei euch so mit Brett- oder Kartenspielen und Dingen vormachen? Das würde mich wirklich mal interessieren! Habt ihr Tipps für mich?

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2 Gedanken zu “Ist das noch normal?

  1. Liebe Kristine,

    kopf hoch, das ist alles normal und wird noch ;o) Vielleicht war auch noch nicht das passende Spiel für den kleinen Kaaskop dabei… Denn ich finde „Mensch ärgere dich nicht“ ist schon eher was für „Fortgeschrittenere“ (selbst in der Kindervariante).
    Wir hatten am Anfang ein Bilderlotto, da waren verschiedene Fahrzeuge drauf, dass fand mein Sohn sehr spannend. Bilderlotto hat ja auch kaum Regeln (wobei man das Abwechseln da auch gut üben kann).
    Weiter ging es dann mit einem einfachen Memory.
    Das mit dem Vormachen klappt hier so gut wie gar nicht. Ich lass ihn einfach machen. Wenn es nicht gelingt, frage ich, ob ich ihm helfen kann oder es vormachen soll. Entweder das klappt dann so rum oder wir lassen es ganz :o)

    Und mit der Schule würde ich mir auch nicht zu sehr Gedanken machen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind die ersten beiden Jahre dort ja dann auch eher dazu da, die Kinder an die „richtige Schule“ zu gewöhnen. Und die Lehrer werden da schon ihre Erfahrung und Tricks haben, wie Buchstaben spannend werden und man es schafft, auch mal 30 min auf seinem Popo sitzen zu bleiben ;o)
    Aber ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Ich weiß auch noch nicht, wie das mit meinem kleinen Wirbelwind in der Schule werden soll, obwohl er ja erst mit 6 hin darf. Aber ich glaube nicht, dass er in den nächsten 2 Jahren deutlich ruhiger werden wird ;o)

    Alles Liebe,
    Nadine

    • Liebe Nadine, vielen Dank für deinen Kommentar und die lieben Worte. Du hast Recht, „Mensch ärgere dich nicht“ ist vielleicht einfach noch etwas zu schwierig. Obwohl ich mit dem kleinen Kaaskop sowieso noch nie weiter gekommen bin als jeder zweimal würfeln… Ein Bilderlotto habe ich noch irgendwo, das versuche ich dann mal, danke für den Tipp! In der Kita haben die Kinder neulich Bingo gespielt (mit Bildern statt Zahlen), vielleicht kann ich so etwas mal basteln, mit Fotos von Familie und Freunden oder so.
      Ich finde es jedenfalls sehr beruhigend, dass das mit dem Vormachen auch bei anderen nicht klappt!
      Liebe Grüße,
      Kristine

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