Warum ich mich über ein abgeschlepptes Auto freue

Okay, ich geb’s zu: in diesem Post geht es eigentlich gar nicht um Autos. Jedenfalls nur am Rande.

Im Januar habe ich zum letzten Mal über den Stand der Dinge in Sachen zweisprachige Erziehung geschrieben. Zeit für ein Update!

In den letzten Wochen ist mir häufig aufgefallen, dass der kleine Kaaskop plötzlich auch auf Deutsch recht lange Sätze produziert. Er spricht immer öfter spontan Deutsch mit mir! (Na gut, auch mit dem großen Kaaskop. Aber bei dem weiß er ja, dass der es auch versteht.) Es hagelt geradezu deutsche Sätze. „Guck mal, Mama“, „Hast du schon eingekauft?“, Komm, wir gehen spielen!“ „Muss ich heute in den Kindergarten?“ „Das ist Madeliefs Auto!“ „Wo ist meine Schatzkiste denn?“

Ich freu mich dann immer riesig, vor allem über lange Sätze! Dass er ab und zu mal „mir“ und mich“ verwechselt, find ich nicht schlimm. (Über sein „Warte auf mir!“ muss ich aber immer schmunzeln.) Sein aktives Deutsch hat sich auf jeden Fall deutlich verbessert. Dabei hab ich von meinen Plänen bezüglich deutscher Kita-Freund, Playdates und deutscher Babysitter nicht wirklich Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Playdate gab es bisher, aber das kleine Mädchen war zwar sehr nett und die beiden haben schön neben- und miteinander gespielt, während wir deutschen Mamas uns unterhalten haben, aber da das Mädchen recht wortkarg war und auch fast nur Niederländisch sprach (verstehen tut sie Deutsch aber), hat der kleine Kaaskop hauptsächlich Niederländisch gesprochen. Er kennt ja keine anderen Kinder, die Deutsch sprechen. Ja, die beiden Jungs in seiner neuen Kita, aber die sind nur mittwochs in seiner Gruppe, weil dann die beiden Gruppen 2-4-Jähriger zusammengefügt werden. Und die Mutter ist immer so schnell wieder weg, dass wir noch nicht ins Gespräch gekommen sind.

Aber neulich bin ich ja wie berichtet mit dem kleinen Kaaskop per Zug nach Deutschland zu seiner Tante gereist. Und da hat er vielleicht viel Deutsch geredet! Wow! Erst dachte ich, ich bilde mir das nur ein, aber meine Schwester meinte auch, er würde ja jetzt richtig viel Deutsch sprechen. Auf der Hinfahrt haben wir uns das Familienabteil mit einer deutsch-holländischen Familie mit 3 Söhnen geteilt. Der Vater sprach zwar ab und zu Deutsch mit seinen Kindern, nachdem er mitgekriegt hatte, dass ich Deutsch mit meinem sprach, aber die Kinder (2-7Jahre) haben nur Holländisch gesprochen. Der kleine Kaaskop plapperte zwischendurch auch mal deutsche Wörter und Teilsätze und als er gerade mit zwei Spielzeugautos von einem der anderen Jungs spielte, sagte er beim Spielen: „Guck mal, das Auto wird abgeschleppt!“ Der deutsche Vater war beeindruckt, jedenfalls sagte er zu dem kleinen Kaaskop: „Du sprichst ja schon richtig Deutsch!“

Ich war stolz wie Bolle und freue mich, dass mein Einsatz offenbar Früchte abwirft. Zweisprachig aufzuwachsen ist vielleicht leicht, sein Kind zweisprachig zu erziehen aber nicht! Ich muss mich manchmal wirklich zwingen, Deutsch zu reden, vor allem in der Öffentlichkeit oder wenn ich müde bin fällt es mir schwer. Und manche Dinge kann man auf Niederländisch irgendwie besser sagen! Ab Januar, wenn der kleine Kaaskop 5 Tage die Woche in die Schule geht, wird der Deutsch-Input erst recht ein Problem.

Aber daran will ich jetzt noch nicht denken. Ich freue mich erst mal über das abgeschleppte Auto und den vermehrten Deutsch-Output. Wie gesagt, vor allem die vielen vollständigen Sätze auf Deutsch fallen mir neuerdings auf. Die Sprachen scheinen sich auch etwas zu entmischen: aus deutschen Wörtern in niederländischen Sätzen werden deutsche Sätze und manchmal fängt der kleine Kaaskop auf Niederländisch an („Zij heeft..“), hält kurz inne und fängt den Satz nochmal auf Deutsch an („Sie hat..“). Das ist doch toll, oder!?

Dass er die Sprachen mischt, ist in seinem Alter übrigens noch normal, ich habe irgendwo gelesen, dass Kinder, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, ab dem 4. Geburtstag die Sprachen erst wirklich auseinanderhalten können. Auch dass der kleine Kaaskop mit „falschen Freunden“ manchmal Schwierigkeiten hat, finde ich nicht schlimm, das ist ja nur verständlich. Das Wort „Kleinkind“ zum Beispiel gibt es im Niederländischen auch, nur bedeutet es dort „Enkel“.  Aber das niederländische Wort  „enkel“ wiederum bedeutet „Knöchel“. „Kochen“ heißt auf Niederländisch „koken„, aber „gekocht“ bedeutet „gekauft“. Da verheddert man sich ja sogar als Erwachsener! Der kleine Kaaskop sagt denn auch immer fälschlicherweise „Heb je dat gekoopt?“ anstatt „Heb je dat gekocht?“, wenn er wissen will, ob der Papa etwas gekauft hat. Mir sind auch schon deutsche Konstruktionen in niederländischen Sätzen aufgefallen, und umgekehrt jetzt auch. Der kleine Kaaskop sagt immer noch oft „boodgeschapt“ anstatt „boodschappen gedaan“ (das hatte ich in einem älteren Blog-Post schon mal erwähnt) und neulich antwortete er auf meine (bzw. Duplo-Madeliefs) Frage „Darf ich jetzt schaukeln?“: „Darf!“ Auf Niederländisch ginge das! (Mag ik op de schommel? – Mag!„)

Aber über solche Fehler mache ich mir keine Sorgen. Das wird schon noch! Und jetzt entschuldigt mich, ich muss kurz einen kleinen Freudentanz aufführen!

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2 Gedanken zu “Warum ich mich über ein abgeschlepptes Auto freue

  1. Moin aus Norddeutschland!

    Hier so:
    Kind 1 wurde noch ziemlich konsequent in der schwachen Sprache gefördert (Kommunikation, Vorlesen, Filmchen wie „Nijntje“… da kann ich heute noch mitsingen 🙂 ), aber mit Ankunft von Kind 2 ist das ganze sehr verwässert. Zum einen hat man mit zwei Kindern schlicht andere Problemstellungen im Alltag als die Sprache, zum anderen mangelte es dem Gatten an Konsequenz.
    Hut ab, wenn du das weiter so durchziehst. Es ist wirklich doof, wenn beide Eltern die Sprache des jeweils anderen auch sprechen und verstehen… also, z.B. beim abendlichen Vorlesen in einer Situation, in der Papa dran gewesen wäre, aber leider gar nicht war, habe ich dann „Jip und Janneke“ und Konsorten vorgelesen.

    To cut it short: Beide Kinder bekamen vorgelesen, bis sie es selber konnten und bei Kind 1 ist der passive Sprachschatz heute ganz gut und es hat eine hervorragende Intonation. Auf alle Fälle kann es das ui perfekt sprechen, im Gegensatz zu mir.
    Kind 2 hat natürlich auch einen Grundstock an Wörtern, verweigert die Sprache aber.
    Dennoch glaube ich, dass wir unbesorgt umziehen könnten und die Kinder (14 und 16 mittlerweile) lediglich schriftlich nachgeschult werden müssten und die Sprache als solche in wenigen Tagen da wäre.

    Also, behalte das so lange wie möglich bei – das wird schon.

    Kleine Anekdote zu falschen Freunden… mein Mann legte früher gerne mal ein Kleid auf den Tisch *Tränen lach* und mittlerweile seit vielen Jahren heeft hij verjaardag.
    Also er benutzt teilweise Germanismen, die mir als Nicht-Muttersprachlerin extrem auffallen.

    Groetjes,

    Marie

  2. Ahhh, blödes GSM, muss heißen … Wenn er dran gewesen wäre, aber schlicht nicht da, also nicht zu Hause, war. :/

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