Ein richtiger Junge

Der kleine Kaaskop ist ein richtiger Junge, wie es so schön heißt. (Gibt es denn auch falsche?) Er ist laut, sehr beweglich und will immer Action. Selbst in erkältetem oder sonstwie friebrigem Zustand ist Stillsitzen oder Mittagsschläfchen bei ihm nicht drin. Er könnte ja was verpassen! Neulich habe ich einen Artikel über ADHD gelesen, und habe erschrocken festgestellt, dass viele dort genannte Merkmale auf den kleinen Kaaskop zutreffen. Allerdings: auf den großen Kaaskop, mich und viele andere Leute, die ich kenne, teilweise auch. Tja. Ich weigere mich jedenfalls, dem kleinen Kaaskop jetzt schon ein Etikett zu verpassen (er ist erst dreieinhalb!) und protestiere immer lautstark, wenn der große Kaaskop (ein bisschen stolz, weil: richtiger Junge) verkündet, dass der kleine Kaaskop sich nie lange auf eine Sache konzentrieren kann. Denn das stimmt einfach nicht! Beim Malen, Kneten, Duplospielen, Puzzeln usw. ist er wirklich lange konzentriert dabei, finde ich.

Neulich stolperte ich zufällig über einen Artikel, in dem 10 positive Eigenschaften von „wilden“ Kindern genannt werden, und siehe da: auch davon trafen viele auf den kleinen Kaaskop zu! Diese Liste sollte ich mir mal öfter anschauen (und der große Kaaskop auch)! Falls ihr auch ein Kind habt, das immer „Hummeln im Hintern“ hat und deshalb manchmal eure Nerven arg strapaziert, vielleicht tröstet euch diese Liste ja auch ein wenig:

  • Kinder mit viel Energie wollen vor allem immer in Bewegung sein. Sie sind deshalb super Einkaufshilfen und in der Schule tolle Kaffeeholer für die Lehrer. (Check! Der kleine Kaaskop flitzt gerne voraus/auf den Dachboden/etc., um etwas für mich zu holen.)
  • Sie sind oft sehr kreativ. Sie denken sich die tollsten Geschichten aus und können völlig in ihrem Spiel aufgehen. (Check! Der kleine Kaaskop will zwar immer, dass ich mitspiele, aber wenn er erstmal dabei ist, kann ich mich unauffällig aus dem Spiel heraushalten: er übernimmt die Stimmen aller Duplo-Männchen selbst.)
  • Es ist doch schön, wenn ein Kind tagsüber beim Beobachten eines fallenden Blatts oder eines Vogels auf der Fensterbank vor sich hin träumt! Viele Menschen müssen erst einen Mindfulness-Kurs machen, bevor sie das können. (Check! Gemeint ist wohl, dass das Kind sich durch solche Dinge leicht ablenken lässt und erstmal eine Weile damit beschäftigt ist. Erst letzten Montag noch stand ich eine Viertelstunde neben meinem Rad und habe dem kleinen Kaaskop beim Aufpulen von Eicheln zugeschaut.)
  • Handeln ohne nachzudenken hat auch so seine Vorteile: ein „überaktives“ Kind folgt nicht blind der Masse. Und seine Klassenkameraden sind bestimmt beeindruckt, wenn er sich als einziger vom 5-Meter-Brett traut. (Check! Auf dem Spielplatz beeindruckt der kleine Kaaskop immer wieder andere Eltern mit seinen gewagten Kletterkünsten. Und mich auch. Huahh….)
  • Das empathische Vermögen „überaktiver“ Kinder ist meist stark ausgeprägt. Sie sind als Freund lieb und engagiert. (Check! Aber sowas von! Klar kann er auch mal gemein sein, aber er ist schon als Baby zu weinenden anderen Babys in seiner Kita-Gruppe hingekrabbelt, um sie zu trösten.)
  • Sie haben oft Auge für Details. Es ist doch toll, wenn deinem Kind auffällt, dass du ein neues T-Shirt trägst?! (Check! Oder dass du einen winzigen Pickel zwischen den Augenbrauen hast, den du selbst noch nicht bemerkt hast…)
  • „Überaktive“ Kinder können wie kein anderer Schwung in langweilige Partys bringen. Wenn niemand sich traut zu tanzen, stehen SIE schon bei den ersten Takten auf der Tanzfläche (siehe auch 1, 2, 3 und 4). (Check! Das mit dem Tanzen weiß ich zwar nicht, aber der kleine Kaaskop liebt Trubel und sorgt gerne für Trubel.)
  • Ihr guter Sinn für Humor sorgt dafür, dass sie sogar über die schlechten Witze des Hausmeisters lachen können (siehe auch Punkt 5). (Check! Hauptsache, es gibt was zu lachen, glucksen oder kichern. Im Moment ist der Satz „Es gibt solche und solche Püpse“ aus dem Buch „Der kleine Drache Kokosnuss und die Reise zum Nordpol“ DER Brüller.)
  • Gibt es ein Problem? Sie denken sich eine Lösung aus. Vielleicht nicht immer die praktischste, aber sie tun zumindest etwas. (Check! Auch wenn seine Lösung nicht immer eine wirkliche Lösung ist…)
  • Die Katze freut sich am Sonntagmorgen tierisch über die unglaubliche Energie und das geringe Schlafbedürfnis deines Kindes. Dann kriegt sie zumindest von einem in der Familie vor 10 Uhr etwas Aufmerksamkeit. (Oh! Wäre das ein Mittel, damit Mama und Papa sonntags etwas länger im Bett bleiben können? Oder bringt der kleine Kaaskop das Tier dann mit ins Schlafzimmer und ruft: „Die Katze hat auch Hunger! Aufstehen!“..Äh…lieber nicht..)

(Den niederländischen Artikel findet ihr übrigens hier.)

Advertisements

2 Gedanken zu “Ein richtiger Junge

  1. Hach, naja, auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen … es ist hier ja schon etwas her, seit meine Kinder in des kleinen Kaaskopps Alter waren … ich schilder also retroperspektivisch mit anschließendem Blick aus heutiger Warte, also über 10 Jahre später.

    Als meine Kinder noch im Kindergartenalter waren, gab es eine schier unübersichtliche Zahl an hochbegabten Kindern in ihrem Umfeld. Teils getestet, teils halb getestet, teils gar nicht. Hochbegabung war der (!) Hype.
    Ich gestehe, ich fand es schwierig mich dem Ganzen zu entziehen und habe unwillkürlich auch gesucht und verglichen. Dabei, das muss dazu gesagt werden, sind wir als Eltern keineswegs diejenigen, die ihren Kindern ohne Veranlassung mehrere Sprachen und Musikinstrumente aufgenötigt hätten, nur damit sie beim Start ins Berufsleben vermeintliche Vorteile gehabt hätten.
    Der sehr nüchterne Vater hat für solche Aktivitäten bis heute auch nur einen sehr erstaunt-kritischen Gesichtsausdruck in petto.

    Dennoch, bei all den Hochbegabten in meinem Umfeld las ich mich durchs Internet und erfuhr von Frühlesern, von der Fähigkeit, Sachverhalte blitzschnell zu erfassen, zu abstrahieren und zu verknüpfen. Ich lernte, dass Hochbegabte oft riesiges Interesse an bestimmten Sachgebieten entwickeln und dort zu wahren Experten mutieren.
    Ich las noch einiges mehr und konnte -ähnlich wie du oben- an vielen Stellen ein „Check“ setzen.

    Heute, also viele Jahre später, denke ich ein wenig ketzerisch über viele, denen Hochbegabung seitens ihrer Eltern attestiert wird, dass es leicht ist, sein Kind als herausragend zu empfinden, wenn es z.B. auf Englisch bis zehn zählen kann und man selbst kaum auf Deutsch soweit kommt. Du verstehst, was ich meine? 🙂

    Weniger ketzerisch denke ich, dass viele Beschreibungen für Syndrome so allgemein gehalten sind wie Horoskope in Frauenzeitschriften. (Meinetwegen auch in Männerjournalen, ich will hier nicht auch noch ein gender discussion vom Zaun brechen.)
    Mit wenig Mühe trifft alles auf jeden zu.

    Um in deinem Beispiel zu bleiben – mein Sohn war alles andere als ein Draufgänger und ist es auch nie geworden. Sein Wesen war und ist gemäßigt und gelassen. Trotzdem war er in vielen Punkten wie oben beschrieben.

    Was ich eigentlich schreiben will ist: Lass dich bloß nicht irre machen. Dein Kind ist super. Punkt.

    Und wenn tatsächlich mal ernsthaft Verdacht und Probleme in Hinsicht auf das eine oder andere entstehen sollte – dann ist man sicher besser damit bedient, sich an Leute zu wenden, die sich damit wirklich auskennen.

    Und damit meine ich nicht etwaige Miteltern, die als vermeintliche Experten für diesdas ungefragt referieren, sondern Menschen, die dafür ausgebildet sind und die schon so viele Kinder gesehen und erlebt haben, dass sie aus der Masse des Ganzen sicher einen Durchschnitt oder eine Abweichung vom Standard erkennen können. Vulgo: gute Erzieherinnen und Kinderärzte.

    Und dann bleibt immer noch die Frage – was ist denn Durchschnitt und was bedeutet eine Abweichung?

    Aus meiner heutigen Sicht gibt’s nur ein Kriterium, das Handlungsbedarf erfordert und das ist: Dem Kind geht’s schlecht.

    Oh, Mann, langer Sermon, hoffentlich klinge ich nicht zu belehrend ?

    Bitte lies es als Erfahrungsbericht und nicht als ungebetenen Ratschlag.

    Groetjes uit Duitsland,

    Marie

  2. Örks, sorry für leichte grammatikalische Fehler und es sollte heißen: ErzieherInnen und KinderärztInnen.

    Soviel zur gender discussion…
    🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s