Sankt Martin und Zwarte Piet

Heute war ja der 11.11., also Karnevalsbeginn und Martinstag. Der kleine Kaaskop ist mit seiner in der Kita gebastelten Spinnen-Laterne mit den Nachbarskindern durch unsere Straße gezogen und hat fleißig Naschkram ersungen. Davor musste aber noch kurz das Sinterklaasjournaal geguckt werden, die Nikolausnachrichten sozusagen.

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Auf Facebook entdeckte ich heute diesen Artikel. Sehr interessant, wie ich finde. Ich zumindest wusste gar nicht, dass St.Martinsumzüge in protestantischen Gemeinden schon immer „Laternenfest“ geheißen habe, weil dort Heiligenverehrung not done ist. Ich habe nur mitgekriegt, dass sich Leute darüber aufgeregt haben, dass es vielerorts nicht (mehr) St.Martin sondern Laternen- oder Lichterfest heißt. Bei mir im deutschen Kindergarten damals hieß das wie gesagt Sankt Martin.

Anyway. Diesen Artikel hatte jemand in einer Gruppe für Deutsche in den Niederlanden gepostet und eines der Mitglieder meinte, sie fände es schade, dass heutzutage so viel an alten Traditionen geändert wird und sie verstehe zwar die Gründe, sei aber trotzdem traurig, dass zum Beispiel hier in Holland Zwarte Piet nicht mehr schwarz sein darf. Hm. Ich sehe den Zusammenhang zwischen den beiden nicht so. Ich bin zwar der Meinung, dass man religiöse Feste nicht umbenennen sollte, aus Angst, Andersgläubige zu diskriminieren. Durch eine Feier religiösen (in diesem Falle christlichen) Ursprungs wird meiner Meinung nach niemand diskriminiert, schon gar nicht durch den Namen. Wer nicht mitmachen will, lässt es eben bleiben. Leben und leben lassen. Anders sähe es aus, wenn Nicht-Christen nicht mitfeiern dürften. Dürfen sie aber doch, oder? Und wenn nicht-christliche Kinder in einen katholischen Kindergarten gehen, kann man wohl davon ausgehen, dass sie auch bei solchen Feiern mitfeiern. Vom Anpassen religiöser Feste in Ländern mit christlichem Hintergrund, um Andersgläubige nicht auszuschließen, halte ich also wenig, aber bei Zwarte Piet liegt die Sache doch etwas anders, finde ich. Bei ihm geht es nicht um den religiösen Hintergrund, sondern um seine Hautfarbe und den Zusammenhang mit der Unterdrückung Schwarzer durch „überlegene“ Weiße. Das ist was ganz Anderes, meine ich.

Was mir bei der auch in diesem Jahr wieder leidenschaftlich geführten Diskussion um Zwarte Piet auch auffällt: die Befürworter eines schwarzen Zwarte Piet sind in der Regel über 50. Sprich: Leute, die Zwarte Piet aus ihrer eigenen Kindheit mit Kraushaar, Pagen-Kragen, dicken roten Lippen und goldenem Ohrring  kennen und lieben und nicht wollen, dass jemand etwas an „ihren“ Traditionen ändert. „Unser Kinderfest“ nennen sie es gerne. Aber ganz ehrlich: ich habe noch nicht mitgekriegt, dass auch Kinder sich darüber beschweren, dass Zwarte Piet in Gouda ein gelb gepunktetes Käsegesicht hatte und in Amsterdam violette Pieten rumliefen. Kindern ist es vermutlich wurst, welche Farbe sein Gesicht hat, ob er goldene Ohrringe trägt oder dicke rote Lippen, solange sie ihn noch als Piet, den kinderfreundlichen Helfer von Sinterklaas, dem etwas unheimlichen weil strengen weißen Mann, erkennen. Denn das ist mir auch aufgefallen: er wird oft einfach nur „Piet“ genannt. Mal davon abgesehen, dass es „den“ Zwarte Piet nicht gibt, denn es gibt Hunderte: Päckchenpiet, Backpiet, Postpiet, Malerpiet,…. Die heißen alle nicht „zwart„, werden aber so dargestellt. Dann sollte es doch kein Problem sein, neben den äußerlichen kleinen Anpassungen, über die ich letztes Jahr hier schon geschrieben hatte, auch den Namen ein bisschen anzupassen? Ob die ältere Generation es will oder nicht: ich glaube, dass die Tage des traditionellen Zwarte Piet gezählt sind.

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