Lügenmärchen und andere Problemchen in der Vorweihnachtszeit

Zurzeit ist ja Sinterklaas im Lande. Wir haben uns am Tag seiner Ankunft aus Spanien das Spektakel im Fernsehen angeguckt und abends durfte der kleine Kaaskop zum ersten Mal seinen Schuh rausstellen. Da fing es schon an mit den Lügenmärchen! Denn wir haben keinen Kamin und weil ich mir nicht sicher war, wie der gute Mann (bzw. seine Helfer) eigentlich dann reinkommen, habe ich vorgeschlagen, den Schuh vor das auf Kipp gestellte Fenster auf dem Dachboden zu stellen, denn die kommen ja bekanntlich übers Dach. Er glaubte mir aber wohl nicht, denn er fragte misstrauisch, ob denn draußen am Fenster auch so ein Schloss wäre wie an der Innenseite. Öhm…Am Ende stellte er seinen Schuh mit den für Sinterklaas, sein Pferd und die Pieten gemalten Bildern neben sein Bett. Am nächsten Morgen hatte de Sint die Bilder abgeholt und eine Müsli-Schale von iittala mit einer Mandarine, Walnüssen, einem Spekulatius und ein bisschen Mäusespeck neben den Schuh gestellt.

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Es lag auch ein Zettel dabei, auf dem Sinterklaas erklärte, er werde wohl am Freitag wieder bei uns vorbeikommen. (Irgendwie muss ich das Schuhrausstellen ja beschränken – dafür gibt es leider keine festen Regeln.) Der kleine Kaaskop war begeistert! Ich musste den Zettel beim Frühstück mehrmals vorlesen, und fast täglich kommt die Frage, wann denn Sinterklaas wieder kommt oder wann denn Freitag ist. In der Kita wird auch fleißig gebastelt: Schuhe aus Karton, Sinterklaas-Hüte, Wunschzettel.. Im Flur steht schon ein selbstgebastelter Kamin mit fake Geschenken und einem Stuhl für Sinterklaas, wenn er am 4. 12. dort vorbeikommt.

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Worauf ich aber eigentlich hinauswill? Ich fühle mich einfach unwohl beim ständigen Belügen meines Kindes! Dabei will ich im Grunde, dass er an Sinterklaas (und den Weihnachtsman) glaubt, zumindest eine Weile. Das gehört irgendwie zur Kindheit dazu, oder? Also komme ich um ein bisschen Lügen nicht herum. Bei Sinterklaas brauche ich hoffentlich nicht allzu viel erzählen, das erledigen wohl die Erzieherinnen in der Kita, andere Kinder, die ganze Atmosphäre „draußen“ (Musik im Radio, Schaufenster usw.) und wenn der große Kaaskop zuhause ist, muss er halt ran. Aber mit Weihnachten ist das Ganze etwas komplizierter. Weihnachten wird zwar hier in Holland immer beliebter, sodass manche Familien sogar die Bescherung vom Sinterklaas-Abend am 5. Dezember auf Weihnachten verlegen, aber an Weihnachten in Deutschland kommt es nicht heran. Also muss ich für (Vor-)Weihnachtszauber sorgen. Aber wenn ich den kleinen Kaaskop für Weihnachten begeistern will, ohne dass die ganze Umgebung mitmacht, komme ich wohl um das Erzählen von „Lügenmärchen“ über den Weihnachtsmann nicht herum. Meh.

Dazu kommt dann noch, dass weder der große Kaaskop noch ich gläubig sind und ich deshalb zaudere, dem kleinen Kaaskop die Geschichte von Maria und Josef aufzutischen. Die ist zwar schön und sollte er kennen, aber irgendwie fühlt sich auch das wie ein Lügenmärchen an. Oh. Vielleicht sollte ich ihm die Weihnachtsgeschichte einfach als stinknormales Märchen präsentieren. Warte mal. Da war doch was. Ich erinnere mich plötzlich an diesen Blogartikel von Mama Notes von vor zwei Jahren! Sie hat das wirklich sehr treffend beschrieben. Das ist die Lösung! Auch wenn das vielleicht nicht ganz mit meinem Wunsch, der kleine Kaaskop möge doch ein Weilchen an Weihnachtsmann und Sinterklaas glauben, kompatibel ist…

Wofür ich aber noch keine Lösung habe: der kleine Kaaskop hat vor Kurzem mit Nägelbeißen angefangen. Einige sind so kurz, dass es weh tut. Ich vermute, dass das was mit Sinterklaas zu tun haben könnte. Diese Zeit ist so spannend für kleine Kinder! Und der Gedanke, dass nachts Zwarte Pieten und ein bärtiger alter Mann irgendwie heimlich ins Haus kommen, ist ja auch wirklich etwas unheimlich, oder? Auch wenn sie Geschenke und Naschkram bringen. Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass der kleine Kaaskop Angst hat, morgens alleine nach unten oder abends alleine nach oben zu gehen (wo es dann dunkel ist). Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das nicht vor der Sinterklaas-Zeit auch schon so war, aber es könnte sehr gut damit zusammenhängen.

Soviel zu meinen Vorweihnachtsproblemen, die eher kultureller und erziehungstechnischer Art sind. Das andere Vorweihnachtsproblem ist eher ein Luxusproblem. Die Geschenke. Dass die Aufteilung der Geschenke auf pakjesavond am 5. Dezember,  Heiligabend knapp 3 Wochen danach und den Geburtstag des kleinen Kaaskop im Januar schwierig ist, hatte ich sicher schon mal erzählt. Ich will ihn schließlich nicht zu sehr materiell verwöhnen, auch wenn es mir schwerfällt, mich zurückzuhalten. Es gibt so viele tolle Spielsachen! Ich hatte mir jedenfalls ein paar Geschenke überlegt, über die sich der kleine Kaaskop ganz sicher freuen würde. Und dann sah ich seinen in der Kita gebastelten Wunschzettel für Sinterklaas.

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Hm. Ein Teeservice hat er schon. Für ein ferngesteuertes Auto finde ich ihn eigentlich noch zu wild. das wäre wohl noch am gleichen Abend kaputt. Von Playmobil kriegt er schon was anderes (also nicht die hier abgebildete Kita) und so einen Putztrolley werde ich ihm garantiert nicht kaufen, auch wenn er so lieb meinte:“Dann kann ich dir immer helfen, Mama!!“ Nur: wird er nicht enttäuscht sein, wenn er nichts von seinem Wunschzettel kriegt? Ich kann mich leider nicht mehr dran erinnern, wie das früher war, als ich Kind war. Ich habe aber ein wenig darüber gegrübelt und bin zu dem Schluss gekommen, dass er sich wohl trotzdem über die Geschenke freuen wird. Wahrscheinlich hat er am Sinterklaas-Abend sowieso längst vergessen, was er auf seinen Wunschzettel geklebt hat! Hoffe ich….

 

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2 Gedanken zu “Lügenmärchen und andere Problemchen in der Vorweihnachtszeit

  1. Ui, na da du machst dir ein paar harte Gedanken :o)
    Aber ich kenne das auch sehr gut. Hier gibt es auch viele Gewissenskonflikte ;o) Z.B. haben wir schon angefangen, zusammen Weihnachtsgeschenke zu basteln – das kollidiert auch mit dem Glauben, dass die der Weihnachtsmann bringt…
    Wir sind ebenfalls nicht gläubig, trotzdem versuchen wir, die Weihnachtsgeschichte immer wieder zu vermitteln, denn sie ist der Grund, warum wir Weihnachten feiern. Und ich vermittel das meinen Kindern auch so, dass da manche Menschen dran glauben und manche halt nicht. Genauso handhaben wir das mit dem Weihnachtsmann. Und ich frag meine Kinder dann auch, was sie denn glauben. Wenn der kleine Kaaskopp schon so kritisch ist, dann frag ihn doch, was er zu Sinterklaas und co für eine Meinung hat.
    Worauf ich hier penibel achte, ist, dass der Weihnachtsmann freundlich und liebevoll dargestellt wird. ‚In natura‘ ist der mit seinem Bart und kaum erkennbarem Gesicht schon angsteinflößend genug, da muss ich meinen Kids nicht auch noch erzählen, dass er immer darauf achtet, ob sie auch schön brav sind… Und es wird auch keinen Weihnachtsmann zu Weihnachten geben – ich will schließlich entspannte Weihnachten für alle haben…
    Den Weihnachtszauber an sich kann man bestimmt auch ganz ohne Weihnachtsmann herstellen, denn da kommen ja viele Komponenten zusammen: ein schöner Weihnachtsbaum, Geschenke (woher auch immer, z.B. kann man Weihnachten auch als Fest der Liebe feiern und zugeben, dass man seine Lieben selber beschenkt), eine entspannte und gemütliche Zeit mit seinen Lieben, vielleicht ein spezieller Ausflug am Nachmittag, jede Menge Süßkram/gutes Essen *grins*

    Wenn dir die althergebrachten Traditionen zu viel Bauchweh bereiten, dann schaff dir doch deine eigenen :o)

    Zum 2. Thema: Geschenkewahn ist auch hier vorhanden und das bei 2 Kindern *Augen roll* und ich will auch nur einen Hinweis zu einem Wunschzettel-Wunsch hinterlassen: Es gibt von Fisher Price ein ferngesteuertes Auto, dass durchaus für (Klein-)Kinder geeignet und sehr robust ist. Wir hatten das leihweise mal da und da hatten ein knapp 5-jähriger und eine 2,5-jährige Mega-Spaß dran:
    http://www.mediamarkt.de/de/product/_fisher-price-bhx87-1861187.html?uympq=vpqr&gclid=CObhnYCBuMkCFVFuGwodJasEyw

    Alles Liebe ♥
    Nadine

  2. Danke für deine guten Tipps (nicht nur den mit dem Auto!)!
    Das mit den eigenen Traditionen machen wir eigentlich auch schon, wenn auch nicht bewusst so geplant. Es gibt z.B. an Heiligabend immer das gleiche Essen, der kleine Kaaskop darf sich eine neue Baumkugel aussuchen, wir gucken „Aschenbrödel“, wir fahren auf einen deutschen Weihnachstmarkt…und dieses Jahr habe ich zum ersten Mal eine Dezember-Kiste gepackt. Also alle Weihnachtsbücher, W.-CDs und -DVDs, W.-Bastelkram, Plätzchenrezepte usw. in eine alte Umzugskiste gepackt und die am 1. Advent zusammen mit dem kleinen Kaaskop aufgemacht. Hatte nicht den gewünschten Effekt (wie beim Basteln, höhö), aber das wird schon noch.
    Liebe Grüße,
    Kristine

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