Einen Monat Schulkindmutter – was ich gelernt habe

Jetzt geht der kleine Kaaskop schon seit gut 3 Wochen in die Schule und heute will ich endlich mal erzählen, wie es dort läuft. Nämlich nach wie vor gut, hurra! Weil die Schule erst um 8:45 Uhr wirklich anfängt, haben wir morgens etwas mehr Zeit. Der Abschied nach der Spielviertelstunde im Klassenzimmer von 8:30-8:45 Uhr klappt meistens prima, dicke Umarmung und Küsschen, am Fenster winken und das war’s. Der kleine Kaaskop hat schon ein paar Mal einen Aufkleber gekriegt als Belohnung für’s Stillsitzen/Warten, bis er dran ist/o.Ä. Er hat offenbar schon Anschluss gefunden (mal wieder bei den älteren Kindern seiner Kombi-Klasse mit Kindern zwischen 4 und 6) und schon seine erste Spielverabredung nach Schulschluss gehabt. Alles prima also!

Es ist aber schon eine ziemlich Umstellung unserer Alltagsroutinen, schließlich geht der kleine Kaaskop nun nicht mehr nur an 3 Tagen in der Woche in die Kita, sondern muss an 5 Tagen in die Schule. Und der große Kaaskop und ich haben unsere Teilzeittage getauscht. Mittwoch und Freitag sind an der Schule des kleinen Kaaskop nämlich „kurze“ Tage, da geht der Unterricht nur bis 12:15 Uhr. Und deshalb habe ich jetzt freitags frei statt montags, und der große Kaaskop mittwochs statt freitags. Ich warte noch darauf, dass ich am Mittwochnachmittag kein Wochenendgefühl mehr habe…

Woran ich mich auch noch gewöhnen muss: dass ich eigentlich keine Ahnung habe, was mein Kind den ganzen Tag so macht! In der Kita gab es ja ein festes Programm und war hauptsächlich Basteln und freies Spielen angesagt. Dank der Fotos und Kurzberichte im Intranet konnte ich auch immer ein bisschen mitverfolgen, was die Kinder dort machten. Aber ich habe nur eine blasse Vorstellung davon, wie es in einer niederländischen Vorschule zugeht! Die Bastelwerke am Fenster lassen einige Schlüsse zu, ich weiß, dass freitags geturnt wird, und an der Wand hängen oft Plakate mit Wörtern, die mit dem gleichen Buchstaben anfangen, der dann groß in der Mitte steht und in allen Wörtern farbig ist. Wenn ich den kleinen Kaaskop frage, was er in der Schule gemacht hat, antwortet er immer „Weiß ich nicht“ oder „Nichts“. Pff.

Neulich traf ich beim Abholen eine andere Lehrerin, die sagte, sie kenne den kleinen Kaaskop aus dem Rechenunterricht. Äh, wie bitte?! Rechenunterricht? Mit vier?? Aber wie ich erfuhr, wird die Kombi-Klasse 1/2 B nachmittags geteilt: die älteren Kinder lernen dann mit den älteren Kindern der Kombi-Klasse 1/2 A zusammen Zählen/erstes Rechnen, und die kleineren Kinder machen zusammen Zählspiele. Dann dürfen sie zum Beispiel der Reihe nach Tierkarten aus einem Korb nehmen und ein bestimmtes Tier behalten, und am Ende zählen sie zusammen, wie viele Tierkarten sie abgekriegt haben.

Wie ich schon gemerkt habe, kriegt man als Schulkind-Eltern nicht automatisch Informationen geliefert, sondern muss selber schauen, dass man lernt, wie der Hase läuft. Das war in der Kita irgendwie anders. Neulich hing zum Beispiel ein Zettel an der Klassenzimmertür, auf dem stand, dass wieder Teeschachteln gebraucht würden. Wofür? Keine Ahnung, aber ich gab dem kleinen Kaaskop ein paar Tage später eine mit. Letzten Freitag bekam er sie wieder mit nach Hause, sie hatten offensichtlich eine Art Spardose daraus gebastelt. (Eine andere Mutter war noch fleißig am Sparen und hatte den unbekannten Abgabetermin verpasst. Ihr Kind musste eine Reserveschachtel verbasteln.) Ich fragte die juf (die Holländer nennen Lehrerinnen noch „das Fräulein“!), was wir damit machen sollen und erfuhr, dass es sich um eine feste Aktion handelte, bei der die Kinder für kleine Arbeiten zuhause mit etwas Geld für in die Spardose belohnt werden. Das Geld ist für ein Toiletten-Projekt für Kinder in Uganda. Ah-ha! Heute bekam ich zufällig mit, dass die Spardosen zu Ostern wieder in der Schule abgegeben werden sollen! Ich hatte ein „n“ überhört: es war keine feste Aktion (vaste actie), sondern eine Fastenzeitaktion (vastenactie)! Das hätte die juf doch wohl mal etwas genauer erklären können, sie weiß doch, dass für uns alles neu ist?

Was ich außerdem in den letzten Wochen herausgefunden habe:

  • Die Unterschiede zwischen den Geburtstagsgeschenken für die juf sind gigantisch: von Zeichnungen/Bastelwerk über Blumen bis hin zu riesigen Pralinenschachteln und anderen „richtigen“ Geschenken war alles dabei.
  • Die Turnschuhe, die der kleine Kaaskop laut Infoheftchen braucht, waren rausgeschmissenes Geld. Die Kinder turnen offenbar barfuß. Mal davon abgesehen habe ich keinen Stundenplan oder so bekommen und wüsste gar nicht, an welchem Tag Sport auf dem Programm steht, wenn ich nicht unsere Nachbarin, deren Sohn in die gleiche Klasse geht, gefragt hätte.
  • Schulkinder haben verdammt oft frei. Neben den Ferien gibt es u.a. noch Fortbildungstage für die Lehrer. Zum Glück hat dann der BSO (=/- Hort) geöffnet. Über den BSO und die Tageseinteilung blogge ich demnächst nochmal ausführlicher.
  • Mittwochs und freitags ist zwar offiziell Obsttag und muss der Vormittagssnack aus Obst bestehen, aber dass manche Kinder trotzdem ein Brot mit hagelslag mitbringen, stört offenbar niemanden.
  • Wenn ich dann aber dem kleinen Kaaskop ein winziges Stück Schokolade in die Brotdose schmuggel, weil er seine erste Woche als vollwertiges Vorschulkind fast überstanden hat, ist das nicht okay.
  • Die Regel „Keine Süßigkeiten“ gilt nicht für den BSO. Was der kleine Kaaskop dort schon alles an Geburtstags-, Abschieds- und sonstigen Feiersnacks gekriegt hat, passt in keinen Zuckertopf!
  • Der kleine Kaaskop spielt nach wie vor am liebsten mit älteren Kindern. Das wird noch was, wenn seine Lieblingsklassenkameraden nach den Sommerferien in die dritte Klasse aufsteigen!
  • Für Eltern von Schulneulingen gibt es kein 10-Minuten-Gespräch (ein kurzes Gespräch zwichen Lehrerin und Eltern über die Entwicklung/Leistungen des Kindes, das 2-mal pro Jahr stattfindet). Schade, ich hätte gerne zu einem ruhigen Zeitpunkt von der juf gehört, wie der kleine Kaaskop sich so macht. Aber das ist offenbar nicht vorgesehen.
  • Mittwochs nach der Schule schwimmen zu gehen, ist keine gute Idee. Der kleine Kaaskop hat zwar im Gegensatz zu vielen anderen Schulanfängern nicht plötzlich wieder das Bedürfnis, Mittagsschlaf zu machen, aber Schwimmen ist auch ihm zuviel. Er war total hyper, trotzig und was weiß ich noch alles.
  • Auch die 5- und 6-Jährigen bekommen schon richtige Halbjahreszeugnisse.
  • Die 3 Stunden Me-Time freitags vormittags vergehen wie im Flug. An meinen Fotobüchern habe ich zum Beispiel noch nicht eine Sekunde gearbeitet. Und diese Woche sind Ferien, da fällt die freitägliche Me-Time sowieso flach.

Die neue Ära „Vorschulzeit“, vor der es mir ein wenig graute, hat also ziemlich reibungslos angefangen. Dem kleinen Kaaskop gefällt es in der Schule und im BSO prima!

 

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