Vereinbarkeit adé? Wenn die Firma umzieht

Wie ich neulich schon erzählte, ist mein Arbeitgeber umgezogen und mein Weg zur Arbeit deshalb doppelt so lang geworden. Doof. Bisher bin ich ja – wie es sich für einen Importkaaskop gehört – mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Das war dank eines guten Regenanzugs auch bei schlechtem Wetter kein Problem. Für Notfälle habe ich eine Reservehose, Socken und Flipflops im Büro liegen.

Längerer Arbeitsweg, mehr Stress zuhause

Seit die Firma umgezogen ist, muss ich laut Routenplaner vom ANWB (das niederländische Pendant zum ADAC) aber ganze 44 Minuten in die Pedale treten, bevor ich im Büro bin. Da ich morgens den kleinen Kaaskop zur Schule bringen muss und die Schule hier in Holland erst um 8.45 Uhr anfängt, sitze ich nun immer  erst um 9.30 Uhr an meinem Schreibtisch. Bei zwei 8-Stundentagen und zwei 7-Stundentagen würde das bedeuten, dass ich zweimal die Woche bis 18 Uhr arbeiten müsste (Mittagspause dauert eine halbe Stunde) und dann erst um 18.45 Uhr zuhause wäre. Zwar hat die Nachmittagsbetreuung bis 18.15 Uhr geöffnet und könnte der große Kaaskop den kleinen abholen, aber dann wird es mit Abendessen zu spät. Der kleine Kaaskop ist schließlich auch müde und hungrig und soll abends eigentlich auch noch in die Badewanne. Stress!

Neue Routinen

Es musste also eine Lösung her. Ein Tag Homeoffice wäre wahrscheinlich möglich, aber da zum Jahresanfang einem meiner weiter weg wohnenden (kinderlosen) Kollegen die beiden Home-Office-Tage gestrichen wurden, wollte ich das nicht sofort fordern. Voorschoolse opvang (Betreuung vor Schulanfang) dann vielleicht? Fand ich auch doof. Dann wird es morgens und abends stressig und morgens brauchen der kleine Kaaskop und ich eh schon immer so lange, um in die Gänge zu kommen…

Vorläufig sieht unsere Lösung also so aus: Der große Kaaskop übernimmt, wie vorher auch, das Bringen/Holen am Mittwoch, weil das sein freier Tag ist. An den anderen Tagen ist er raus, weil er, um diesen freien Tag zu haben, vier 9-Stundentage leistet (mit 1 Stunde Fahrtzeit). Doch halt: donnerstags hat er nur 20 Minuten Fahrtzeit und kann den kleinen Kaaskop zumindest von der Nachmittagsbetreuung abholen. Yes! Mittwochs und donnerstags werde ich also die montags und dienstags verpasste Zeit einholen. Trotzdem kann ich den kleinen Kaaskop erst um 17.45 Uhr abholen statt um 17.15 Uhr. Möp.

Weil wir abends warm essen, werden wir montags und dienstags nun nur noch Blitzrezepte kochen (und damit meine ich keine 30 Minuten sondern eher 10). Oder sonntags vorkochen. Als ob ich am Sonntagabend nicht etwas Besseres vorhätte. Bloggen, Brote schmieren, Wäsche aufhängen, den Küchenfußboden endlich mal wieder feudeln, mich durch Instagram und FB scrollen oder so. Ihr kennt das.

Neues Arbeitswegerlebnis

Dann der neue Arbeitsweg. Noch so ein Ärgernis. Denn der zieht sich nicht nur, sondern ist teilweise auch recht gefährlich. Finde ich. Nach über 10 Jahren in Holland bin ich schöne breite Radwege gewohnt und dann ist es etwas unheimlich, wenn man plötzlich eine lange kurvige Straße entlangradeln muss, auf der es keinen Fahrradweg gibt, auf der es Gegenverkehr gibt, auf der rechts und links Bäume stehen und die obendrein unbeleuchtet und ziemlich schmal ist!

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Dank Elektrofahrrad konnte ich die 44 Minuten Fahrtzeit immerhin auf ca. 30 reduzieren, aber dann ging mir heute auf halber Strecke der Motor kaputt!! Und ich sach euch: ohne laufenden Motor fährt sich so ein Elektrofahrrad sehr mühselig. SEHR MÜHSELIG.

Neues Transportmittel?

Überhaupt hatte ich in den ersten zwei Wochen ein paar Unannehmlichkeiten. Am ersten Tag kam ich an einem Sanitäter auf dem Motorad vorbei, der eine verletzte Radfahrerin verarztete. (Tolles Omen!)  Am zweiten Tag war es heiß und furchtbar schwül, sodass ich klatschnass im Büro ankam, trotz Elektrofahrrad. Am dritten Tag kam mir auf der engen Straße ein Lastwagen entgegen. Am vierten wurde ich fast von einem Auto angefahren, das einen mir entgegenkommenden Radfahrer überholte. Und heute goss es in Strömen und aus Kübeln zugleich. Mein neuer Arbeitsweg ist auch sehr windig, habe ich festgestellt… Ist doch alles doof! Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auch keine Lösung, denn es gibt keine direkte Verbindung und ich wäre noch länger unterwegs als mit dem Fahrrad. Ich denke, es wird Zeit für ein eigene Auto, blutendes Umweltschützerherz hin oder her…. Die Zeit, die man für den Weg zur Arbeit benötigt, spielt nunmal eine wichtige Rolle bei der Vereinbarkeit von Job und Familie. Und ich merke einfach, dass mir der lange Weg jetzt schon auf die Nerven geht.

Wie kommt ihr denn zur Arbeit?

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3 Gedanken zu “Vereinbarkeit adé? Wenn die Firma umzieht

  1. Das ist echt doof, vor allem, weil das Rad kaputt gegangen ist 😦

    Aber: seit Januar haben S. und ich ja auch jeder ein eigenes Auto. Ich war anfangs auch total dagegen (Doppelbelastung, gerade finanziell), aber mittlerweile möchte ich es nicht mehr missen. Es macht so Vieles so viel einfacher und die Zeitersparnis ist absolut nicht zu verdenken!

  2. Boah, das klingt ja nicht so doll.
    Wäre es evtl. eine Option deine Stunden auf 5 Tage zu verteilen? Ich verteile meine 30h so grob auf 1x 8h und 4x 5,5h und fahre damit ganz gut. Mein Arbeitweg sind 35-40 Autominuten (eine Strecke). Ich hätte zwar eine schöne Radstrecke, wäre damit aber gut 1,5h pro Strecke unterwegs und das ist nicht drin.

    • Das wäre an sich eine gute Idee. Nur ist mir der Freitagvormittag, wenn der kleine Kaaskop in der Vorschule ist und ich frei habe, heilig. Dringend benötigte Me-time! Ich habe aber schon überlegt, ob ich nicht nochmal zwei Wochenstunden abgebe, also viermal 7 Stunden arbeiten. Oder doch fragen, ob ich nicht einen Tag von zuhause aus arbeiten darf. Dann könnte ich wirklich 2×8 und 2×7 Stunden machen. Freitag wird erstmal das Elektro-Fahrrad repariert und dann schauen wir mal. Ich muss mich auch immer erstmal an neue Dinge gewöhnen…

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