Bilinguale Erziehung – Meine Alternativen zur örtlichen Bücherei

Hier in Holland gibt es leider keine deutschen Kinderbücher in der örtlichen Bücherei. Dabei lese ich so gerne vor, wegen der zweisprachigen Erziehung natürlich am liebsten auf Deutsch. Und der kleine Kaaskop liebt Bücher. Neue Bücher muss ich immer ein paar Mal hintereinander vorlesen und ohne mindestens zwei Geschichten geht abends gar nichts. Ich habe mich mal bei einer Freundin darüber beklagt, dass das Insbettgehritual manchmal so lange dauert, und sie schlug vor, doch das Vorlesen auf den Nachmittag vorzuverlegen. Aber das will ich nicht. Der kleine Kaaskop ist ja unter der Woche nachmittags im Hort und hat nachmittags sowieso zuviele Hummeln im Hintern, um stillzusitzen. Das Vorlesen auf meinem Schoß abends braucht er einfach, um runterzukommen vor dem Schlafen. Und ich brauche unseren friedlichen Zusammensitzmoment auch.

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Bettgeschichten im Urlaub mit Tante A.

Das geheime Bücherversteck

Wir sind aber wie gesagt auf unsere eigene Privatbücherei angewiesen. Deshalb mache ich, wie ich ja schon öfter erzählt habe, meistens Großeinkauf im Buchladen, wenn ich in Deutschland bin. Ab und zu zaubere ich dann – schwuppdiwupp – ein neues Buch aus meinem geheimen Bücherversteck hervor. So ein geheimes Bücherversteck (an dem ich übrigens auch mal DVDs und Hörspiele verstecke) ist übrigens sehr faszinierend: der kleine Kaaskop würde nur zu gerne wissen, wo sich diese geheime Bücherquelle befindet und hat auch schon mal von sich aus gefragt, ob ich nicht wieder ein neues Buch aus meinem geheimen Bücherversteck holen könne. Das mache ich dann aber nicht, denn dieses „Fragen“ klang verdächtig nach „Quengeln“ und dem möchte ich nicht nachgeben. Weil ich aber verstehe, dass er gerne neue Geschichten hören möchte, habe ich mir etwas anderes ausgedacht:

Alternative 1: eigene Geschichten erfinden

Ich denke mir Geschichten aus. Ja, ja, ja, das ist jetzt nicht gerade spektakulär, aber ich bin bis vor einer Weile  ernsthaft nicht auf die Idee gekommen, einfach etwas zu erzählen, anstatt vorzulesen. Ist auch schwieriger, vor allem, wenn ich abends müde bin. Da kann es schon mal passieren, dass ich stocke, Sätze nochmal neu anfange oder die Handlung arg simpel oder merkwürdig ist. Aber das macht gar nichts! Der kleine Kaaskop hängt mir mit leuchtenden Augen an den Lippen, wirklich! Am liebsten bestimmt er im Voraus, wovon die Geschichte handeln soll. Sehr beliebt waren eine Weile Geschichten, die von einem kleinen Jungen, seinem Freund und dessen Schwester und den vier Eltern (beide Väter Müllmänner, beide Mütter Busfahrerinnen) handelten. Zurzeit bittet er um Geschichten mit Tieren, zum Beispiel einem Nashorn, das mit einer Giraffe befreundet ist und mit ihr Kekse bäckt.

Das Praktische an selbst ausgedachten Geschichten ist, dass ich aktuelle Ereignisse aufgreifen kann. Die beiden Müllmännersöhne haben schon so einiges ausgeheckt oder erlebt, das dem kleinen Kaaskop aus dem Reallife bekannt sein dürfte.

Alternative 2: von anderen ausleihen lassen

Meine zweite Alternative zu deutschen Kinderbüchern aus der Bücherei ist…. meine Schwester und ihre Bücherei! Wieder so etwas, wobei man denkt: „Wieso bin ich da noch nicht drauf gekommen??“ Bisher hatten wir selber Bücher mitgenommen, wenn wir bei ihr zu Besuch waren, und die paar Kinderbücher gelesen, die sie noch von früher hat. Aber seit ein paar Monaten bringt meine Schwester Kinderbücher aus ihrer örtlichen Bücherei mit, wenn sie bei uns zu Besuch kommt. Und sie holt einen ganzen Stapel Bücher für ihren Neffen, wenn wir bei ihr zu Besuch kommen. Ein paar der von ihr ausgesuchten Bücher kamen so gut an, dass der kleine Kaaskop sie beim nächsten Mal wieder lesen wollte. Zum Beispiel die Geschichten von Tatu und Patu. Oder Herrn Rumpelpumpel. Bei unserem letzten Tantenbesuch durfte der kleine Kaaskop zum ersten Mal mit in die Bücherei, das fand er total toll.

Alternative 3: das Internet

Im Internet kaufe ich Kinderbücher nur, wenn ich sie schon kenne. Ich will mir neue Bücher immer erst angucken, die Geschichte und den Schreibstil kurz überfliegen und mir das Layout angucken. Aber Filme! Die kann man ja in der Bücherei auch ausleihen, wenn man nicht gerade in Holland deutsche Kinderfilme sucht. Unsere Privatvideothek (oder heißt das jetzt Dvd-Thek?!) umfasst trotzdem nur wenige Kinderfilme, denn die findet man in der Regel ganz einfach online. YouTube is my friend, sag ich nur. Da findet man Pumuckl, Madita, Michel aus Lönneberga, Die Kinder aus dem Möwenweg, Conni, Kikaninchen, Jonalu, und und und. Mag ich viel lieber nutzen als das Kinderfilmangebot auf ARD und ZDF (andere Sender haben wir hier in Holland nicht über den normalen Anschluss), da weiß ich nie, wann was läuft und meistens läuft gerade nix, wenn der kleine Kaaskop fernsehen darf. Unsere Nachbarn haben Netflix, aber ich als Technikhinterwäldler* und Couchpotato wage mich noch nicht daran. Sonst MUSS ich demnächst auch jeden Abend Serien gucken, obwohl ich lieber sinnvollere, befriedigendere Dinge erledigen würde, und dann ärgere ich mich hinterher wieder über die vergeudete Zeit.

Aber zurück zu den Büchern: habt ihr noch Kinderbuchtipps für mich? Und wenn ihr auch im Ausland lebt, wie löst ihr das Bücherangebotproblem?

 

*Kleine Veranschaulichung: Meine Schwester whatsappte mir neulich, dass sie vergessen hat, The Great British Bakeoff zu programmieren und zur Sendezeit nicht zuhause ist. Ob ich ihr das aufnehmen könnte? Und ich so: „Hm, weiß gar nicht, ob wir noch irgendwo ein leeres Videoband haben und ob der Recorder überhaupt funktioniert…“ Und sie so: „Video?! Hahahaha! Habt ihr keinen Festplattenrecorder?!“ Und ich so: „Öh…wasn das?“

 

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10 Gedanken zu “Bilinguale Erziehung – Meine Alternativen zur örtlichen Bücherei

  1. Hallo,
    vielleicht kannst Du Dich aus den Niederlanden oder Deine Schwester sich in Deutschland bei der Onleihe anmelden.
    Dort gibt es eine Unmenge an Kinderbüchern, die man mit einer entsprechenden App (Bluefire zB.) am Tablet lesen kann.
    Ich lese zB bei der Onleihe der Stadtbücherei Rostock, lebe aber in einem ganz anderem Bundesland. Dort konnte ich mich damals online anmelden, bei vielen Büchereien geht das nur, wenn man persönlich erscheint. Leider hat Rostock einen Aufnahmestopp.
    LG Annett

      • Es ist ja nicht nur das Vorlesen, es sind die inningen Momente die man mit dem Kind/ den Kindern verbringen kann. Von meinen Dreien hatte ich leider nur das Glück meine Jüngste jeden Abend in´s Bettchen zu bringen. Selbst als sie schon größer war, kam sie immer noch zu uns, oder besser zu mir. Und viele der Gutenachtgeschichten waren auch erfunden. Sie hat es geliebt.

        Nur leider ist es dan so, wenn sie dann mal wirklich groß sind, ist die Distanz um so größer. Man vermisst sie.

  2. Wir sind nicht in der Situation bilingual zu erziehen. Aber simultan übersetzen beim Vorlesen kenn ich. 😀 Meine Schwägerin lebt mit ihrer Familie in England. Die Kinder haben ganz viele tolle englische Kinderbücher. Und die haben wir schon geerbt. Wenn ich auf englisch leise lese und das direkt laut für die Kinder übersetze ist das manchmal auch etwas wirr. 😀 Ist auch anstrengend, wenn man die Geschichte noch nicht so gut kennt. Da geht manchmal der Witz verloren.
    Was hier bei der Jüngsten das totale Lieblingsbuch war/ist, ist „Pip und Posy: Der rote Ballon“. Von Axel Scheffler.
    Geschichten ausdenken kann ich übrigens garnicht gut. Das bewundere ich immer bei anderen. 🙂

  3. Ich Trollo seh gerade, du hast ja einen 4 Jährigen zu Hause. Der lacht dich wahrscheinlich aus, wenn du mit Pip und Posy kommst. 😂 Also, dann würde ich andere Bücher empfehlen. Jim Knopf oder der kleine Wassermann geht hier sehr gut! Da liest man halt ein paar Abende dran. Was ich auch ganz schön finde.

    • Von Jim Knopf haben wir seit Kurzem ein Pixi-Buch. Ich habe früher aber selber nie Jim Knopf gelesen und bin wohl deshalb nicht unbedingt Fan. Man liest ja doch auch gerne Bücher vor, die man früher selber auch gelesen hat. An „längeren“ Büchern haben wir ein paar vom Drachen Kokosnuss.

  4. Wir haben das selbe Problem. Wir wohnen in den USA, und ich versuche, meinen zwei Jungs Deutsch beizubringen (obwohl ich selber nicht Müttersprachler bin). Ich lese so gerne vor! Und wir haben eigentliche unsere eigene Bibliothek von deutschen Bücher in den letzten 8 Jahren aufgebaut.
    Die Jungs lieben erfunde Geschichten. Mein Vater erzählt sie öfters auf Englisch. Aber ich bin nicht so gut dabei – besonders auf Deutsch!
    Wenn ich Glück habe, verbringen wir ein paar Tage in Deutschland, nachdem wir Oma & Opa in den Niederlanden besucht haben. Dann muss ich normalerweise superschnell die Bücher durchschauen und entscheiden, welche zu kaufen. Und dann natürlich die Bücher im Koffer wieder nach Hause schleppen.
    Ab und zu bestelle ich was von Amazon.de. Aber in letzter Zeit sind die Versandkosten höher geworden, und die Verpackung ist so schlecht, dass die Bücher fast rausfallen, wenn sie ankommen! Stattdessen bestelle ich von Book Depository. Sie schicken weltweit, ohne Versandkosten! Sie haben nicht so viele Titel wie Amazon, aber der Preis ist günstig, und die Verpackung ist fest. Aber ich muss zugeben: ich habe zu viele Bücher bestellt, die nicht passen. Der Text ist zu schwierig oder zu klein, und ich kann es dann nicht benutzen (besonders wenn ich die kleinen in der Schule oder Lesestunde unterrichte).
    Ich versuche jetzt manchmal deutsche Bücher im Kindle zu suchen. Ist okay – besser als nichts! Aber alles ist schwarzweiß. Und einfach nicht dasselbe, ein echtes Buch in der Hand zu haben.
    Ich wünsche, ich hätte noch andere Vorschläge! Ich kann leider nur Mitleid haben!

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