Alle Jahre wieder… Von Zwarte Piet, Lebkuchen und Weihnachtsbäumen

Der 9. November machte seinem Ruf mal wieder alle Ehre: erst das Bekanntwerden des schockierenden Ergebnisses der US-Wahlen, dann abends noch die mit Spannung erwartete erste Folge des diesjährigen Sinterklaasjournaals: Welche Farbe würde Zwarte Piet haben?? Schwarz? Weiß mit schwarzen Rußflecken? Lila? Oder vielleicht sogar gelb wie holländischer Gouda?

Muss Zwarte Piet schwarz sein?

Mit den pepernoten, die wie in Deutschland die Lebkuchen hier schon seit einiger Zeit wieder in den Regalen liegen, hielt natürlich auch wieder die ewige Diskussion um Zwarte Piet Einzug und wie ich neulich erfahren habe, wird es zumindest auf dem niederländischen RTL ab sofort keinen „richtigen“ schwarzen Piet mehr geben, sondern einen „Schornstein-Piet“, sprich: nicht mehr ganz schwarz sondern nur mit jeder Menge Rußstreifen im Gesicht. Er heißt auch nicht mehr „Zwarte Piet„, sondern nur noch „Piet“. Warum auch nicht, schließlich heißen Sinterklaas‚ Helfer alle Piet, vom Bäcker-Piet über den Geschenke-Piet bis hin zum Ober-Piet. Ich persönlich finde den Schornstein-Piet einen prima Kompromiss! Den kann man ja auch so schwarz oder grau machen wie man will. Leider sind viele Niederländer gegen jegliche Änderung „ihrer“ Tradition. Erwachsene Niederländer wohlgemerkt, vor allem die über 50. Auf Facebook werden Berichte geteilt à la „Zwarte Piet muss schwarz bleiben, und wenn du das anders siehst, sind die Niederlande nicht das richtige Land für dich!“ oder „Teile diesen Bericht, wenn du Negerküsse immer noch Negerküsse nennst!“. (Davon krieg ich blöderweise immer Appetit auf Süßes und das Bedürfnis, den Rechtschreibfehler in dem 2 Jahre alten Beitrag zu kommentieren.) Mittlerweile befürworten immer mehr Niederländer den Kompromiss mit dem Schornstein-Piet, nur damit das ewige Gemotze und Gestreite in den sozialen (?) Medien aufhört.

Wie die Produzenten des offiziellen Sinterklaasjournaals (Nikolausnachrichten) dieses Jahr mit der brisanten Zwarte-Piet-Frage umgehen, wurde bis gestern Abend um 18.00 Uhr geheim gehalten, als die erste diesjährige Folge ausgestrahlt wurde. Der kleine Kaaskop hat letztes Jahr zum ersten Mal das Sinterklaasjournaal gesehen und fing neulich wieder davon an, als ich mit ihm in Utrecht im Kino war und er auf dem Weg dorthin den Domturm sah. Er meinte, das wäre der Turm, in dem zwei dumme Männer letztes Jahr Feuer gelegt hätten, das dann von den Pieten gelöscht wurde. Übrigens wollte der kleine Kaaskop von einem nicht schwarzen Zwarte Piet nichts wissen, als der große Kaaskop ihm neulich beiläufig erzählte, dass Zwarte Piet vielleicht nicht mehr schwarz ist, wenn er demnächst mit seinem Dampfer in Holland eintrifft. Ich weiß nicht, wie andere Kinder das sehen, aber da der kleine Kaaskop erst 4 ist und es wahrscheinlich auch unakzeptabel finden würde, wenn ich mir die Haare schwarz färben würde, messe ich seiner Ablehnung mal nicht allzu viel Gewicht bei! Ich schätze sowieso, dass von den gut 1 Millionen Zuschauern gestern Abend die Erwachsenen am gespanntesten auf die Erscheinung von Zwarte Piet waren. Kleiner Schock: er war weiß. Dann das große Aufatmen: der zweite Piet, der ins Bild kam, war schwarz. Andere Pieten waren gestern noch nicht zu sehen. Mal sehen, wie es weitergeht.

Das Sinterklaasjournaal schaue ich übrigens gerne, aber ansonsten macht mir die Sinterklaas-Zeit nicht wirklich Spaß. Hauptsächlich wegen der explosiven Stimmung durch die Rassismusdiskussion und nebensächlich durch das ewige Dilemma, wie viel Süßes und wie viele Sinterklaasgeschenke (und Geschenke im Schuh) der kleine Kaaskop kriegen soll. Einen selbstgebastelten Adventskalender hatte ich ja schon wegen akutem Geschenke-Overload gestrichen, *schnüffschnüff*. Mit meiner geliebten Weihnachtsdeko muss ich wegen Sinterklaas auch bis zum 6. Dezember warten, böh.

Lebkuchen gegen pepernoten

Immerhin habe ich mir wieder rechtzeitig deutsche Lebkuchen mitbringen lassen, die „richtigen“, wie ich sie nenne. Damit meine ich allerdings die billigen Herzen und Sterne und nicht die runden mit dem Esspapier auf der Unterseite. Denn da halte ich es wie mit der Adventskalenderschokolade: nur die billige Version vermittelt mir das richtige Weihnachtsgefühl. Isso. Die pepernoten überlasse ich lieber meinen Kaasköppen, ich finde die nur so làlà. Meine Kollegen haben davon eine ganze Schüssel im Büro stehen, die sind geradezu süchtig nach diesen kleinen knusprigen Dingern! Den deutschen Lebkuchen mögen sie hingegen nicht. Erst waren sie sehr misstrauisch, weil sie bei „Lebkuchen“ an „Leberkuchen“ dachten…und irgendwie ist der Geschmack wohl ein „acquired taste„. Das Wörterbuch übersetzt „Lebkuchen“ übrigens mit „eine Art taai-taai„, aber taai-taai schmeckt wirklich NICHT wie Lebkuchen. Und die Konsistenz ist auch anders. Unübersetzbar deutsch also.

Oh Tannenbaum

Übrigens scheinen viele Niederländer es heutzutage nicht mehr so genau zu nehmen mit der strikten Trennung zwischen Sinterklaas-Zeit und Weihnachtsdeko. Wir waren nämlich vor zwei Wochen in meinem Lieblingsgartencenter (ja, ich habe ein Lieblingsgartencenter!), um noch ein paar Herbstpflanzen zu holen. Und da war schon alles mit Kunstschnee dekoriert und die Weihnachtsausstellung stand schon. Wah! Ich bin noch gar nicht in der Stimmung, aber immerhin war der kleine Kaaskop schön die ganze Zeit mit der Mini-Eisenbahn beschäftigt, die um den Weihnachtsbaum in der Mitte ihre Runden drehte.

Etwas typisch Niederländisches ist mir dort im Gartencenter übrigens auch aufgefallen: während Deutsche sich Weihnachten ohne echten Baum nicht vorstellen können, ist hier in Holland der Kunstbaum beliebt. Nadelt nicht, schlürft kein Wasser, ist auf Dauer kostengünstiger, braucht nur noch vom Dachboden geholt und aufgestellt werden. MIR kommt so ein Ding ja never nooit niet ins Haus! Zum Glück habe ich den großen Kaaskop schon gleich an unserem ersten gemeinsamen Weihnachten von der Großartigkeit eines echten Baums überzeugen können.

Wie sieht es bei euch aus, mögt ihr praktische Kunstbäume? Und steht ihr insgeheim auch auf billige Lebkuchen?

PS. Was ich in den letzten Jahren über Sinterklaas/Nikolaus und Zwarte Piet geschrieben habe, könnt ihr unter dem Tag „Sinterklaas“ nachlesen.

Advertisements

8 Gedanken zu “Alle Jahre wieder… Von Zwarte Piet, Lebkuchen und Weihnachtsbäumen

  1. Es muss ein echter Baum sein, allein schon der Geruch in der Wohnung. Ohne diesen Geruch ist es nicht Weihnachten. Diese Plastik Dinger sehen in meinen Augen auch einfach nicht schön aus, ich kann denen nix abgewinnen .

  2. Es gibt hier zwar bei IKEA Weihnachtsbäume, aber die sind eher Bäumchen und sehen auch sonst ziemlich tragisch aus. 😦 Wir haben deswegen einen künstlichen Baum.
    (Ich habe gerade mal Pepernoten gegooglet und stellte fest, dass ich die kenne und liebe – aber den Namen bisher nicht wusste! Für mich sind die gar nicht mit irgendeiner Jahreszeit verbunden.)

  3. Ich habe einen kleinen, künstlichen Baum. Er sieht mitgenommen aus (seit dem ersten Jahr), gerupft, irgendwie jämmerlich – aber ich mag ihn, es ist meiner und ich hänge an ihm, grad weil er so wenig perfekt ist 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s