Sinterklaas 2016 – über kackende Pferde und das Sinterklaasjournaal

So. Sinterklaas ist wieder auf dem Heimweg nach Spanien. Endlich keine Diskussionen mehr über die Schuhrausstelltage, zu wenig pepernoten im Schuh und ob rommelpiet auch zu uns kommt oder nicht. (Der „Unordnung-Piet“ hat nämlich eines Nachts das Klassenzimmer auf den Kopf gestellt und für die Kinder ein kleines Geschenk zurückgelassen (im Mülleimer!), und der kleine Kaaskop fand das so toll, dass er zuhause auch von rommelpiet besucht werden wollte. Die Bemerkung, dass er selbst schon genug Unordnung macht, habe ich mir mal verkniffen.) Auch die Lehrer/innen werden wohl ganz froh sein, dass der Sint wieder weg ist, denn abgesehen von mehr Arbeit wegen der verschiedenen Sinterklaasaktivitäten bedeutet diese spannende Zeit auch mehr Unruhe in den (Vorschul-)Klassen.

Amerigo macht A-a

Am Freitag war „pietenochtend“ mit pepernoten-Backen, pietengym (Fitnessübungen für Pieten), Film und pepernoten-Bingo und am Montag kam Sinterklaas in der Schule zu Besuch. Der kleine Kaaskop und ich kamen gerade noch rechtzeitig, um mit seiner Klasse auf den Schulhof der höheren Klassen zu marschieren, wo Sinterklaas ankommen sollte. Ich hatte nämlich durch ein Missverständnis nicht mitgekriegt, dass die Kinder an diesem Tag eine Viertelstunde früher kommen sollten. Ähem. Immerhin hatte ich mir den ganzen Tag freigenommen, um pakjesavond (+/- die Bescherung) vorzubereiten und so konnte ich noch kurz bleiben und mir Sinterklaas angucken. Der kam, wie es sich gehört, auf seinem Schimmel Amerigo angeritten und hatte ein paar zwarte Pieten dabei. Nix Schornstein-Pieten, die hier waren richtig schwarz geschminkt, mit dicken, roten Lippen. Der kleinste Piet kam auf einem Hoverboard angefahren, woah! Während die Pieten pepernoten in die versammelte Kindermenge warfen, redete der Sint kurz mit der Direktorin und schüttelte ein paar Kindern die Hand.

sint1

Das Highlight war für die kleineren Kinder aber, dass Amerigo ein paar dicke Pferdeäpfel auf dem Schulhof hinterließ! Dann gingen alle wieder rein und ich nach Hause. Später erfuhr ich, dass Sinterklaas auch noch in der Klasse des kleinen Kaaskop vorbeigekommen ist und für alle ein Geschenk dabei hatte. Für die Jungs einen kleinen Plastiktraktor mit blinkenden Reifen und einem ganz furchtbaren „Motorgeräusch“. Für die Mädchen einen Handspiegel und eine Haarbürste zum selberverzieren. No comment.

Warten auf Sinterklaas

Auf dem Nachhauseweg war der kleine Kaaskop etwas überdreht, logisch. Erstaunlicherweise ging es zuhause aber ganz gut. Gegen 15 Uhr kamen Opa und Oma, wir tranken Kaffee und aßen pepernoten und Kekse und dann wurde der kleine Kaaskop spürbar ungeduldiger. Wir hatten in einem Moment der Weisheit beschlossen, dieses Jahr vor dem Essen die Geschenke auszupacken. Der große Kaaskop hatte den Jutesack, den meine Schwester aus Entsetzen über den letztes Jahr notgedrungen zums Geschenkesack umfunktionierten Müllsack für uns besorgt hatte, schon am Sonntagabend ins Auto gelegt und sollte ihn heimlich vor die Tür legen, anklopfen und dann schnell wieder ins Auto steigen und so tun, als käme er gerade erst von der Arbeit. Gerade noch rechtzeitig dachte ich an den Profitipp eines Kollegen, die Haustür abzuschließen, damit „Piet“ mehr Zeit hat, ungesehen wieder ins Auto zu kommen. Es klappte wie am Schnürchen!

Er kommt, er kommt!

Als ich gerade mit dem kleinen Kaaskop ein Winterbild ans Kinderzimmerfenster malte, klopfte es laut an der Tür. „He, hat da jemand geklopft? Wer kann das denn sein?“, fragte ich. Der kleine Kaaskop hielt kurz inne, rief dann aufgeregt: „Ha! Zwarte Piet!“ und lief nach unten. Als er den Sack vor der Tür entdeckte, war er völlig aus dem Häuschen, rief „Yo-ha! Wir haben Geschenke! Geschenke!“ und lief dann ein paar Schritte auf Socken in den Vorgarten, um zu gucken, ob er zwarte Piet noch irgendwo entdecken konnte. Aber der war schon wieder weg. Hat ja viel zu tun, der Gute. Der kleine Kaaskop schleppte den Sack ins Wohnzimmer und bekam nur am Rande mit, dass eine Minute später Papa nach Hause kam. Erstmal wurden alle Geschenke sortiert und verteilt (sie waren gekennzeichnet), dann packten wir reihum eins aus. Der kleine Kaaskop rief bei jedem Geschenk (sogar beim alljährlichen Schokoladenbuchstaben) freudig: „Ja! Das wollte ich haben!“ Meine Schwiegermutter hielt sich zum Glück etwas zurück mit verräterischen Bemerkungen à la „Das war bei XY im Angebot“ und überhaupt verlief alles ziemlich harmonisch. (Im Gegensatz zu Sinterklaasavond letztes Jahr)

auspackenpyjama

Der kleine Kaaskop bekam: Sinterklaas mit Pferd, Piet und Dampfer von Playmobil, kinetischen Sand, ein Buch, eine Paw-Patrol-DVD, einen Buchstabenkasten, einen Schokoladebuchstaben und zwei Playmobil-Banditen.

cadeaus

Er beklagte sich zwar, dass er gar kein Lego von seinem Wunschzettel bekommen habe, aber das stimmte nicht. Er durfte seit Sinterklaas‚ Ankunft hier in Holland 3-mal seinen Schuh rausstellen und hatte darin auch ein Polizeiauto, einen Rennwagen, einen Leiterwagen und einen Feuerwehrhubschrauber von Lego bekommen. „Vintage“-Lego, genauer gesagt: das alte von mir und meiner Schwester. Um Fragen über die fehlenden Kartons vorzubeugen, lag ein Briefchen von Sinterklaas dabei, auf dem stand, dass sie die Kartons leider für die Übungspäckchen brauchten.

Warum ich das Sinterklaasjournal so mag

Übungspäckchen? Was’n das? Tja, die kannte der kleine Kaaskop vom Sinterklaasjournaal. Darin hatte nämlich ein schlauer Unternehmer das Pietenhaus, wo die Truppe aus Spanien während ihres Aufenthalts in Holland wohnt, in „Erlebnispark Pietenhaus“ verwandelt. Und die bunt geschminkten „Touristen“, die dort gegen Bezahlung Piet spielen durften, brauchten Päckchen zum Üben. Hach, ich mag das Sinterklaasjournaal! Das ist wegen der Anspielungen auf gesellschaftliche Angelegenheiten und Wortspiele auch für Eltern lustig und die „Lösung“ für die zwarte-Piet-Frage finde ich persönlich genial. Aber dazu gleich mehr. Der Reporter vom Sinterklaasjournaal fragte den Unternehmer ganz verwirrt slash entsetzt: „Ein Erlebnispark?! Ja, aber…das kann man doch nicht einfach so machen?!“ Und er sagte: „Ja, das habe ich schon öfter gehört. Aber ich sage dir: ich habe es gemacht und siehe da, es geht!“ Soviel zum Thema „Schornstein-Pieten und bunt geschminkte Pieten“. Ha! Nach dem Kuddelmuddel mit den Touristen/falschen Pieten, leeren Übungspäckchen, die aus Versehen in die Schuhe der Kinder gesteckt wurden, verschwundenen Päckchen für pakjesavond und einem sich sehr merkwürdig benehmenden Sinterklaas, kam am 4. Dezember die große Auflösung. Die Päckchen tauchten wieder auf, der Sint hatte heimlich ein Loblied auf seine Pieten gedichtet und mit einem Chor einstudiert und die „Touristen“ durften bleiben, denn Sinterklaas meinte, er freue sich über alle Pieten, denn was wäre er denn ohne seine Pieten und ein Fest feiert man mit allen zusammen.  (Oder so ähnlich.) Mit anderen Worten: es ist egal, ob die Pieten schwarz, weiß, rot-blau-weiß-orange oder mit Rußstreifen sind, Hauptsache, es bleibt gezellig für alle.

Falls ihr Niederländisch könnt, hier die Sendung mit der Zusammenfassung (Film oben links, „zondag“).

 

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