Was mich an Bucket Lists stört

Generell mag ich ja Listen. Einkaufslisten, To-do-Listen, Gästelisten, Wunschlisten, meinetwegen auch Listen mit guten Vorsätzen. Letztere scheinen allerdings etwas aus der Mode gekommen sein, weil man sich ja eh nicht dran hält. Kenn ich! Sehr beliebt sind hingegen seit einiger Zeit die Bucket Lists. Bucket Lists für den Sommer, Bucket Lists für die Weihnachtsferien, Bucket Lists fürs Neue Jahr…

Der Sinn der Bucket List

Eigentlich sollten da ja Dinge draufstehen, die man in seinem Leben unbedingt noch erreichen oder machen will, damit man mit einem zufriedenen Gefühl auf sein Leben zurückblicken kann, when you kick the bucket. Große Träume, kleine Wünsche, die einen schon lange begleiten und von denen man später nicht sagen müssen möchte: “ Ach, hätte ich das doch gemacht!“ So verstehe ich diese Liste jedenfalls.

Der Unsinn der Bucket List

Wie viele Wünsche, Ziele oder Träume auf so einer Liste stehen, mag ja jeder für sich entscheiden. Trotzdem finde ich Listen mit mehr als – sagen wir mal – 30 Dingen ziemlich unsinnig. Wenn einem so viele Dinge einfallen, die man unbedingt vor seinem Tod erreicht oder gemacht haben möchte, dann führt man doch zurzeit ein arg unerfülltes Leben, oder? Ich kann mir vorstellen, dass einem viele, viele Dinge einfallen, die man irgendwann mal machen möchte, aber ob jemand mit 72 Punkten auf seiner Bucket List es wirklich an seinem Lebensende bereut, wenn er nur 25 davon verwirklicht hat? Sind ihm wirklich alle diese Punkte richtig wichtig?

Dinge wie „immer frische Blumen auf dem Tisch“, „bei Harrods shoppen“, „einen Monat vegan leben“ oder Ähnliches sind zwar schöne Vorsätze, Wünsche oder Pläne, gehören aber meiner Meinung nach nicht auf eine Bucket List. Sind das wirklich Dinge, von denen man auf seinem Sterbebett denkt „Ach, hätte ich das doch gemacht!“? Ganz ehrlich?

Wenn es ernst wird mit der Bucket List

Meine beiden Omas  leben nicht mehr. Sie hatten keine Bucket List. Ich weiß aber, was sie kurz vor dem Tod bereut haben oder endlich doch noch gemacht haben. Oma R. hat bereut, dass sie nie in Schottland gewesen ist. Sie wollte dort immer Urlaub machen, aber es ist nie etwas daraus geworden und dann war sie zu alt und traute sich eine solche Reise nicht mehr zu. Oma I. hat sich in den letzten Wochen ihres Lebens mit ihrer Tochter (meiner Mutter) ausgesprochen. Die beiden hatten kein gutes Verhältnis zueinander, aber als meine Oma im Sterben lag, haben sie sich endlich versöhnen können. Ihren anderen großen Wunsch – Urgroßmutter werden – habe ich ihr zwei Wochen vor ihrem Tod zum Glück noch erfüllen können. Ich wünschte nur, sie hätte mehr davon gehabt, aber das lag nicht in meiner Macht…

Ob meine ehemalige Kommilitonin J. eine Bucket List hatte, weiß ich nicht. Ich war auf Facebook noch mit ihr befreundet, hatte aber nicht wirklich mehr Kontakt zu ihr. An ihrem Profilbild und den von ihr mit „gefällt mir“ markierten Beiträgen konnte ich aber sehen, dass sie (Brust)Krebs hatte. Sie war nicht sehr aktiv auf FB und als sie irgendwann Fotos von einer Reise nach New York mit ihren Freundinnen postete, dachte ich, es ginge ihr wieder besser. Bis ihre Kusine ein paar Wochen später die Todesanzeige auf J.s Facebook-Seite teilte…

Bitte, schreibt weiter eure Wunschlisten fürs Leben, eure To-so-Listen für den Sommer, eure Liste mit lang- oder kurzfristigen gutenVorsätzen. Ich lese solche Listen immer gerne. Aber nennt sie bitte nicht Bucket List, wenn ihr auch Dinge draufschreibt, die – Hand aufs Herz – am Ende eures Lebens wahrscheinlich doch nicht so wichtig gewesen sein werden.

 

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2 Gedanken zu “Was mich an Bucket Lists stört

  1. Diese Listen sind meiner Meinung nach eine Erfindung der Konsumterroristen und/ oder deren ergebener Jünger. Auf meiner Liste steht stets, Tag für Tag, nur eine Sache: mach das beste aus dem Tag.

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