Da war ja noch was…

Kinders, die Zeit fliegt! Und damit meine ich nicht, dass ja schon bald wieder Weihnachten ist. Nein, nein, ich meine Folgendes: Da ich immer noch nicht ganz mit dem Blog-Layout zufrieden bin und daher ab und zu daran herumbastel, rufe ich die Website oft kurz auf, um zu gucken, wie sie mir so gefällt. Dabei fiel mir heute auf, dass mein Ticker anzeigt:

8 years since Umzug ins Tulpenland!

Was?! Und ich hätte diesen wichtigen Tag fast verpasst! Jeetje (=holländische Kurzform für den im englischsprachigen Raum beliebten Ausruf  des Erstaunens „Jesus!“; wörtlich übersetzt: J.-chen)

Ich werde zwar öfter mal gefragt, wie lange ich eigentlich schon in Holland lebe und dann rechne ich kurz nach, aber ich hatte gerade nicht auf dem Radar, dass mein Jubiläum wieder kurz bevorstand. 8 Jahre. So lange fühlt es sich einerseits gar nicht an. Und andererseits fühlt es sich an, als sei ich schon ewig hier. Gefällt es mir hier? Ja. Vermisse ich Deutschland? Teils. Zum Beispiel „richtige“ Vorweihnachtszeit mit „richtigen“ Weihnachtsmärkten. Deutsche Bäcker mit ihren frischen, knackigen Brötchen und den anderen leckeren Sachen. Platz. (Manchmal fühlt sich hier alles so eingeengt und voll an. Ist ja aber kein Wunder, im Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte Europas. Den Mandelplatz vom Bäcker in Wupptertal vermisse ich übrigens auch.) Bestimmte Backzutaten. Lieblichen Rotwein. Deutsche Kinderbücher (aber die kann man ja im Internet oder bei Heimatbesuchen besorgen). Apfelschorle im Restaurant. Undsoweiter.

Dass ich meine Muttersprache ein bisschen verlerne, ist euch vielleicht schon aufgefallen. Ich muss halt einfach öfter deutsche Bücher lesen, Filme gucken oder telefonieren! Dazu fehlt mir nur leider oft die Zeit…. Ich habe hier in Holland aber außer der Sprache auch andere neue Dinge gelernt: Mayonnaise lekker finden,  zum Beispiel. Erdnusssoße und Appelstroop essen (Erdnussbutter finde ich aber immer noch bäh). Vormittags Torte und Kuchen essen. Abends warm essen und danach noch Kaffee trinken. Gegen Verkehrsregeln verstoßen (beim Fahrradfahren). Holländisches Brot essen (man gewöhnt sich dran..). Schnittblumen kaufen (die stehen öfter mal auf meinem Esstisch – hier gibts ja genug günstige). Undsoweiter.

8 Jahre sind irgendwie doch ganz schön lange. Darauf werde ich heute abend mal einen trinken. Nein, kein Heineken, das trinken „echte“ Holländer nicht (jedenfalls die, die ich kenne, nicht). Auch kein Jenever, igitt. Ich glaube, es wird ein Baileys. Oder ein Gläschen Weißwein (roten kauf ich nie, weil siehe oben). Proost!

Kochworkshop mit Kollegen

Gähn! Mann, zum Glück ist Freitag und hab ich auch keine straffen Deadlines. Der Betriebsausflug gestern endete für meine Verhältnisse etwas spät (22:30 Uhr) und Durchschlafen bis 6:15 Uhr war leider nicht drin.

Aber gezellig war’s! Wir haben in einem Privatrestaurant unter dem Kochstudio und Kochutensilienladen De Kombuis in der Twijnstraat (wo es noch viele weitere tolle kleine Läden gibt!) an einem Kochworkshop teilgenommen. (Aus diesem Laden kommt übrigens mein 1-Personen-Teeset aus diesem Post!) Meine trinklustigen Kollegen fingen gleich mit Wein an (bis auf unseren Franzosen, der lustigerweise keinen Wein mag (!) und Bier trank), ich bestellte mir ein Wasser, weil ich noch vom Radfahren etwas außer Atem war. Ich änderte die Bestellung aber sofort in „ein Spa Rood„, denn ich wollte ja gar kein stilles Wasser, sondern Sprudelwasser. In Deutschland kriegt man Sprudelwasser, wenn man „Wasser“ bestellt, oder? Hier in Holland kriegt man dann stilles Wasser..

Egal, zurück zum Workshop. Wir teilten uns in 2er-Team auf, um die vier Vorspeisen, zwei Hauptgerichte und eine Nachspeise zuzubereiten. Diesmal gab es zum Glück richtige Rezepte – als wir da vor 5 Jahren schon einmal einen Workshop gemacht haben, musste ich mir aus einem Berg unterschiedlichster Tomatensorten eine Vorspeise ausdenken, pff! Das fand ich doof. Ich hab zwar nichts gegen kreativ Kochen, aber für eine ganze Kollegengruppe? Nee.

Weil ich keinen Bock darauf hatte, an einem heißen Herd/Ofen zu stehen (mir war warm und ich war müde), blieb ich in der Vorspeisenecke hängen und landete….. beim Thunfisch-Carpaccio! Nun müsst ihr wissen, dass wir beim letzten Mal auch etwas mit Thunfisch hatten und ich meine Kollegen damit beeindruckt hatte, dass ich den nicht lecker fand. Ich mag Thunfisch nun mal nicht. Kollegin J., die den diesjährigen Workshop arrangiert hatte, hat mich schon die ganze Woche damit geärgert, dass sie extra für mich einen Berg Tomaten und Thunfisch bestellt hätte. Sie musste daher auch voll lachen, als sie mich mit G. an diesem Carpaccio arbeiten sah, hihi!

Da die Zutaten vorab schon abgewogen und in Schälchen verteilt worden waren, waren zumindest G. und ich schnell klar. Nur das Schneiden des Thunfisches dauerte etwas länger, denn es ist ganz schön schwierig, fast rohen Fisch in feine Scheiben zu schneiden und dabei der Neigung zu widerstehen, das Messer nach unten zu drücken, und stattdessen wirklich nur durch Schneidebewegungen Scheibchen zu schneiden! Aber am Ende waren wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden:

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Kurz angebratenes Thunfisch-Carpaccio mit Pfefferrand, auf Seegras und mit Wasabi-Mayonnaise, Sojasoßen-Ingwersirup-Dressing und Kapuzinerkresse serviert. So finde sogar ICH Thunfisch lecker!

Die anderen Gerichte waren auch sehr lecker und es war insgesamt sehr lustig! Nun sagt A. sowieso immer, ich hätte so tolle Kollegen, aber mit Alkohol werden die noch lustiger, haha! Wir wurden immer alberner und lauter! Herrlich, so ein kind- und haushaltfreier Abend! Hier ein paar Eindrücke:

2013-11-07 18.30.11 2013-11-07 19.47.06 2013-11-07 19.55.28 2013-11-07 19.52.29 2013-11-07 20.59.10 2013-11-07 21.30.28

Und jetzt hab ich Nachdurst. Nach gerade mal drei Gläsern Weißwein….! Wie gern hätte ich jetzt eine schöne, kühle Apfelschorle!

Kick-off!

Heute ist mir mal wieder aufgegangen, wie gut ich nach mittlerweile fast 8 Jahren (was, so lange schon?!) in Holland eingebürgert bin. „Milch, Brot, Babi Pangang. Milch, Brot, Babi Pangang.“ Mit diesem Mantra betrat ich nach der Arbeit den Albert Heijn-Supermarkt meines Vertrauens. Und ich wette, die meisten von euch wissen nicht, was das dritte auf meiner mentalen Liste war. Ganz einfach: es ist mein Lieblingsstandardgericht in holländischen China-Restaurants, das auch in den meisten Supermärkten als Fertiggericht zu kriegen ist. Anders als in Deutschland (last time I looked) stehen hier auf den Speisekarten die chinesischen Bezeichnungen der Gerichte anstatt zum Beispiel „Huhn in Erdnusssoße“. Zum Glück steht natürlich immer eine Beschreibung auf Niederländisch darunter.

Jedenfalls finde ich Babi Pangang, das in Deutschland vermutlich als „Geröstetes Schweinefleisch in süß-sauer-pikanter Soße“ auf der Karte steht, sehr lecker, und wenn ich wie heute abend alleine zu Abend essen muss (A. war bis einschließlich Abendessen mit B. bei Opa und Oma im Norden des Landes), bin ich meistens zu faul zum Kochen. Und dann hole ich halt gerne sowas hier:

Babi_panggang_speciaal_met_nasi

Heute wurde es am Ende aber doch Lasagne. Man, bzw. frau bleibt halt doch Sternzeichen Waage und Zweiflerin, und wenn ich nach der Arbeit mit hungrigem Magen noch Essen kaufen muss, überfordert mich die Auswahl. Ich hab kurz sogar ernsthaft darüber nachgedacht, Huhn in Erdnusssoße (Saté Ajam) zu nehmen. Erdnusssoße! Ich! Freiwillig! Wenn mir das jemand vor 8 Jahren gesagt hätte, dann hätte ich es nicht geglaubt. Aber mittlerweile finde ich es wirklich lecker. Wie Mayonnaise auf den Pommes und Appelstroop auf dem Brot ist das offenbar ein acquired taste… Sogar an’s holländische Brot hab ich mich gewöhnt. Pindakaas (Erdnussbutter) mag ich aber immer noch nicht, nee dank u wel! Und Apfelschorle gibt es hier leider nur selbstgemixt. Dazwischen lässt es sich aber sehr gut leben, im dichtbevölkertsten Land Europas.