Zum niederländischen Vatertag: warum der große Kaaskop ein toller Vater ist

Heute war hier in Holland Vatertag*. (In vielen anderen Ländern übrigens auch, lehrt Wikipedia. Nur in Deutschland ist der Vatertag an Himmelfahrt.)

Der kleine Kaaskop hatte am Dienstag in der Schule schon etwas gebastelt UND BIS ZUM AUSPACKEN NICHT VERRATEN, WAS ES IST. Ich war etwas spät dran, aber  es gab auch dieses Jahr eine Flasche Whiskey für den Kaaskop-Papa. Die hat er sich verdient, denn

er ist ein toller Papa, weil:

  • er seine 36-Stunden-Woche in vier Tage quetscht, damit er sich mittwochs um seinen Sohn kümmern kann.
  • er seinem Sohn erklärt, wie man „richtig“ in den Baum klettert, anstatt ihn davon abzuhalten.
  • er wirklich gerne mit seinem Sohn spielt.
  • er ruhig bleibt, wenn der kleine WildeKaaskop sich mal wieder irgendwo verletzt hat.
  • er sowieso oft gelassener bleibt als ich.
  • er am Wochenende mit dem Frühaufsteherkind aufsteht, damit ich noch ein Weilchen liegen bleiben kann (denn er kann sich besser über seine Müdigkeit hinwegsetzen als ich).
  • er es (augenrollend zwar) zulässt, dass ich dem kleinen Kaaskop die Fußnägel rosa lackiere, wenn der das gerne will.
  • er sich nach der Mitgliedschaft im Elternrat der Kita nun für die (Vor)Schule einbringt (und sich z.B. als Fahrer für den Schulausflug angemeldet hat).
  • er den kleinen Kaaskop in seinem Entdecker- und Ausprobierdrang selten bremst (nun stehe ich allerdings als überbesorgte Mutti da).
  • er mitten in der Nacht für den durstigen kleinen Kaaskop ein Glas Wasser holt, das Kuscheltier sucht oder das vollgekotzte Bett frisch bezieht.
  • er den kleinen Kaaskop besser versteht als ich, weil er früher selber so wild und eigensinnig war!

In diesem Sinne: ein Hoch auf den großen Kaaskop! Und prost!

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* „vaderdag“ also. Nicht zu verwechseln mit dem „papadag“. So nennt man in der Regel den Teilzeit-Tag, an dem der Vater jede Woche frei hat (oder im Home Office mit einem halben Auge die Kinder betreut). Viele haben ja ein Problem mit diesem Wort, weil sie ja schließlich immer Papa sind, nicht nur an diesem einen Tag in der Woche. Aber ich mag das Wort. Heißt doch nur, dass man an diesem Tag „ausschließlich Papa“ ist.

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Besinnliche Momente

Letzte Woche Donnerstag wachte ich mit Halsschmerzen auf und dann lief auch noch die Nachtwindel des neben mir liegenden kleinen Kaaskop über und durchnässte meinen Pyjamaärmel. Ich scheuchte den kleinen Kaaskop also ins Badezimmer und schlurfte maulig hinterher. Während er sich umzog, ließ ich voller Selbstmitleid meinen Kopf in die Hände sinken. Der kleine Kaaskop vergaß seine eigene schlechte Laune wegen des aus-dem-Bett-gejagt-werdens und fragte besorgt, wo ich Aua hätte. „Im Hals. Und im Kopf“, antwortete ich. Er fing an zu strahlen und rief: „Dafür hast du Bonbons! Ich hol sie dir, Mama!“ Und schon sauste er nach unten, um die Ricola zu holen, die er am Tag davor in meinem Rucksack gefunden hatte. Der Süße! Miese Laune verschwunden. Was maul ich auch immer so schnell rum, ich hab doch soviel, wofür ich dankbar sein sollte.*
Am Abend machte ich mich ans Weihnachtskartenschreiben.
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Anders als bei den Verwandten und Bekannten schreiben dergroße Kaaskop und ich in die Karten für gute Freunde und die engere Familie eine persönliche Botschaft, meistens etwas Lustiges über das vergangene Jahr. Wegen meines Besinnungsmoments im Badezimmer habe ich die Karten dieses Jahr dazu genutzt, „Danke“ zu sagen. Dafür, dass meine Mutter und Schwester und Schwager immer für uns da sind und uns Zeit zu Zweit ermöglichen. Dafür, dass es bei alten Freunden nichts ausmacht, wenn wir uns ein Jahr lang nicht gesehen haben – es ist trotzdem immer schön und vertraut mit ihnen. Ich hatte einfach das Bedürfnis, das mal aufzuschreiben. Man spricht so etwas ja leider doch aus irgendeinem Grund selten aus. Schade eigentlich! Meine Mutter war jedenfalls sichtlich gerührt, als sie die Karte las. Da wir uns nämlich sowieso an dem Wochenende sahen, hab ich mir das Porto gespart – gut eingebürgert bei den sparsamen Holländern, wie ich bin -und die Karte persönlich überreicht. Und zufällig gab es gerade an diesem Wochenende auch etwas dieser Zeit zu zweit für mich und den großen Kaaskop, für die ich mich in der Karte bedankt hatte: ein Tag auf dem Kölner Weihnachtsmarkt. Es war herrlich! Alles klappte, wir hatten beide total gute Laune und ich fühlte mich ausnahmsweise mal nicht gehetzt, schnell wieder zum kleinen Kaaskop zurückzumüssen. Ich liebe Weihnachtsmärkte! So sehr, dass ich zu meiner eigenen Überraschung dem Vorschlag meiner Schwiegermutter, mit ihr eine Busreise auf den Weihnachtsmarkt in Münster zu machen, zustimmte. Sie liebt gezelligheid. Und gezellig war es, obwohl ich da so meine Befürchtungen hatte. Münster ist auch wirklich schön! Die Fotos sind aber alle von Köln:
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* Ja sorry für diesen Kitsch, ist ja sonst nicht so meins, aber es überkam mich einfach. Vielleicht liegt’s an Weihnachten…

 

Von Fahrrädern, Flaggen auf Halbmast und Feierlaune

Wie versprochen gibt es heute die Erklärung, wieso die Frage „Wo ist das Fahrrad?“ gar nicht so zufällig der einzige Satz ist, die eine von den Erzieherinnen des kleinen Kaaskop kennt.

Sie hat nämlich mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Also, die Frage, nicht die Erzieherin. Die Deutschen haben damals während der Besatzungszeit den holländischen Bürgern die Fahräder weggenommen, um sie selbst zu benutzen. Wohl zu fual zum Laufen oder Auto-/Benzinmangel.. Darüber waren die Holländer natürlich ziemlich empört. Und deshalb sagen manche Holländer auch heute noch gerne mal zum Spaß spontan zu deutschen Touristen: „Wo ist mein Fahrrad?!“ oder „Ich will mein Rad zurück!“

Zum Glück meinen sie es aber nicht böse. Der beste Freund des großen Kaaskop hat, als er damals bei meinem Umzug aus meiner Studentenbude in Deutschland in die Wohnung des großen Kaaskop geholfen hat, auch auf dem Weg zu meiner WG im dritten Stock schelmisch grinsend gefragt, ob er nicht einfach mal irgendwo anklopfen und nach seinem Fahrrad fragen soll…

Der Zweite Weltkrieg war übrigens am Sonntag und auch am Montag ein Thema hierzulande. Am 4. Mai ist hier in Holland nämlich dodenherdenking und gibt es um 20 Uhr zwei Schweigeminuten, um den Opfern des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Und das nehmen die Holländer ziemlich ernst! Während diesen 2 Minuten stehen nicht nur Autos sondern auch Züge still. Wir schafften es leider nicht rechtzeitig von unserem Playdate nachHause, um still zu gedenken. Zwar kamen wir auch an einem Auto vorbei, das mit blinkenden Warnleuchten vor einer Ampel stand, wir selber fuhren aber weiter. Weil wir noch auf der Autobahn waren, als die 2 Minuten anfingen. Der große Kaaskop sagte danach, als die niederländische Nationalhymne zu hören war,  das sei das erste Mal gewesen, dass er nicht stillgestanden habe. Geschwiegen und an die vielen Toten gedacht haben wir aber trotzdem brav.

Ein Feiertag ist er übrigens nicht, der 4. Mai. Ich hatte mittags, als wir nach dem Bettaufbauen usw. auf dem Weg zur Autobahn Richtung Amsterdam waren, sogar angesichts der Flaggen fragen wollen, ob gerade wieder Examenszeit sei, denn dann hängen auch an vielen Häusern Flaggen. Aber gerade rechtzeitig fiel mir ein, dass es ja der 4.Mai war und sah ich auch, dass die Flaggen alle auf Halbmast hingen. Nach den Schweigeminuten und dem Wilhelmus (so wird die Nationalhymne genannt), wurde wie jedes Jahr das Gedicht des Gewinners des Schülerwettbewerbs zum Thema dodenherdenking vorgetragen. Dann werden unter anderem vom König und der Königin Kränze niedergelegt. (Es ist noch sowas von ungewohnt, dass „wir“ jetzt einen König haben…!)

Und am 5. Mai ist es dann vorbei mit der demütigen Trauerstimmung und wird gefeiert! Am bevrijdingsdag (Tag der Befreiung), der aus irgendeinem Grund nur alle 5 Jahre ein offizieller (freier) Feiertag ist, feiern die Niederländer ihre Freiheit und gibt es überall ausgelassene Konzerte und andere Feierlichkeiten. Das war zwar gestern, aber ich werde mir jetzt trotzdem einen Drink genehmigen. In den Nachrichten war wieder genug Elend zu sehen, um dankbar zu sein, dass wir hier in Europa in Freiheit leben und unsere Kinder keine Bomben und Panzer kennen und nicht hungern müssen. In diesem Sinne: Auf unsere Freiheit, proost!