Deutscher Sonntag ohne Brötchen: Was ich hier in Holland vermisse

Heute haben wir – wie seit ein paar Monaten immer wieder sonntags – mit Blick auf den Deutsch-Input für die zweisprachige Erziehung beide den ganzen Tag Deutsch mit dem kleinen Kaaskop gesprochen, also auch der große Kaaskop. Eigentlich wollte ich am deutschen Sonntag auch nachmittags Kaffee und Kuchen machen, mit richtigem Kuchen anstatt der üblichen Kekse, und abends ein richtiges Abendbrot, aber das verläuft meistens leider im Sande. Immerhin: zum Frühstück gibt’s sonntags immer ausnahmsweise chocopasta (Nutella) aufs Brot… Zu diesem Brot gleich mehr!

Am 12. und 13. März war zauberhaftes Frühlingswetter. In den 12 von 12 im März von Mama Notes sah ich ein Foto von einer Eisdiele und da fiel mir ein: das ist wirklich etwas, das ich aus Deutschland vermisse! Die Eisdielen! In Deutschland gibt es die ja quasi an jeder Ecke, zumindest kommt es mir jetzt so vor, denn hier in Holland sind die leider nicht so zahlreich. Und sich in eine Eisdiele zu setzen und dort einen richtigen Eisbecher mit allem Drum und Dran zu verputzen, ist eher unüblich.

Als Auswanderer wird man ja übrigens gerne mal gefragt, ob bzw. was man denn aus der Heimat vermisst. Ich hab anlässlich der Eisdielen mal darüber nachgedacht, was ich vermisse und eine kleine Liste erstellt:

  • Ganz klar auf dem ersten Platz: deutsche Bäckereien! Die knackigen Brötchen! Die Kuchenauswahl! Die Laugenbrezel! Das Brot mit der festen Kruste! Hach…. Ich freue mich wirklich vor jedem Deutschlandbesuch auf deutsche Brote und Brötchen und werde immer ganz neidisch, wenn andere Blogger ihr Frühstücksbrötchen fotografieren. Und mir fiel vor Erstaunen die Kinnlade runter, als eine Cousine des großen Kaaskop mal sagte, sie würde das holländische Brot vermissen, wenn sie mal auswandern würde. Dabei ist das so schlapp und weich (gilt auch für Brötchen), dass ich mal in meinem ersten Jahr hier nach einer Übernachtung in der Jugendherberge mit einer Freundin im Frühstückssaal vergeblich nach dem Toaster gesucht habe, weil ich dachte, es sei Toastbrot…
  • Die Riesenauswahl in den Supermärkten. War mir selber zwar gar nicht mal so aufgefallen, aber als andere in den Niederlanden lebende Deutsche das auf Facebook mal erwähnten, ging mir auf, dass sie recht haben: hier in Holland gibt es auch in den großen Supermärkten viel weniger Auswahl als in good old Germany. Und deshalb will ich immer unbedingt zu real und Konsorten, wenn ich mal in Deutschland bin!
  • Deutsche Bücher. Zwar gibt es in der Bücherei und in den großen Buchläden hier auch deutsche Bücher, aber das ist in der Regel eher „schwere Kost“ und nicht mein Geschmack. Noch mehr vermisse ich die Möglichkeit, deutsche Kinderbücher zu kaufen. Allein schon wegen des Deutsch-Inputs für die zweisprachige Erziehung kaufe ich Kinderbücher nicht nur zu besonderen Gelegenheiten, sondern schenke sie dem kleinen Kaaskop oft einfach so zwischendurch. Weil ich mir die Bücher aber lieber kurz ansehe, bevor ich sie kaufe, sind Webshops keine Lösung. Und deshalb mache ich bei Deutschlandbesuchen gerne mal – notgedrungen – Buchgroßeinkauf.
  • Meine Gynäkologin. Ja wirklich! Hier in Holland gibt es keine jährlichen Vorsorgeuntersuchungen. Das Gesundheitssystem ist so eingerichtet, dass man mit allem erst zum Hausarzt geht (ausgenommen Zahnprobleme). Gynäkologen, Optiker, Hautärzte, Kinderärzte… gibt’s nur im Krankenhaus und einen Termin dort gibt es nur nach Verweisung durch den Hausarzt. Mein Hausarzt würde zwar auf Wunsch einen Abstrich machen, aber wer geht mit sowas schon gerne zum Hausarzt? Eigentlich wollte ich, wie viele aus der oben genannten Facebook-Gruppe, alle 1 oder 2 Jahre auf eigene Kosten in Deutschland bei einem Gynäkologen zur Kontrolle gehen, aber das schiebe ich seit Jahren vor mir her. Kostet mit allem Drum und Dran auch ein paar Hundert Euro…
  • Richtige Weihnachtsmärkte. Weihnachten ist für die Niederländer bei Weitem nicht so wichtig wie Sinterklaas und Vorweihnachtsstimmung wie in Deutschland kommt hier auch auf den mickrigen kerstmarkten nicht auf. Zum Glück ist Deutschland nicht weit, sodass wir jedes Jahr mindestens einmal einen deutschen Weihnachtsmarkt besuchen können.
  • Weite. Natur. Die Niederlande sind ja bekanntermaßen ein sehr dichtbesiedeltes Land. Deshalb sind nicht nur die Grundstückspreise hoch, sondern ist auch wenig Platz für Natur. Oder die Holländer finden Stauprävention durch möglichst viele vierspurige Autobahnen wichtiger. Gerade mal 500.000 Hektar Natur gibt es hier, 15 % der gesamten Landesfläche. Kein Wunder, dass man, wenn man nicht in der Pampa wohnt (wo es keine Jobs gibt), bei schönem Wetter nirgendwo in Ruhe spazierengehen oder radeln kann. Überall ist es voll. Und durch die meisten „Wälder“ in dieser Gegend kann man schon bald die nächsten Häuser oder Autobahnen sehen. Als ehemalige Schleswig-Holsteinerin nervt mich das manchmal ganz schön!
  • Ruhe an Feiertagen. Wie die offiziellen Regeln lauten, weiß ich nicht, aber freie Tage wie Ostermontag und Pfingsten werden hier in Holland gerne zum klussen am Haus benutzt: hämmern, sägen, schleifen – herrlich, wenn man im Garten oder auf dem Balkon sitzt.
  • Steak-Restaurants (Maredo!) und überhaupt die Qualität und Preise deutscher Restaurant.Essengehen ist hier in Holland teurer als in Deutschland, das Preis-Leistungsverhältnis finde ich oft nicht so dolle und die Bedienung ist auch nicht selten eher mau. Aber vielleicht gehe ich auch einfach in die falschen Restaurants. Wenn ich mal auswärts essen gehe.
  • Wo wir schon beim Thema Bezahlen sind: DM- oder Rossmann-Besuche sind auch immer ein Muss, wenn ich in Deutschland bin. Drogerieprodukte sind nämlich auch in Deutschland um einiges billiger. Als der kleine Kaaskop noch Windeln trug, freute ich mich dort übrigens auch über die Wickelstationen, die holländischen Drogerieketten bieten so etwas nicht. Schade.

So, das wär’s erstmal. Mehr fällt mir im Moment nicht ein. Es lässt sich hier in Holland schließlich gut leben! Aber auf die frischen Brötchen vom deutschen Bäcker beim nächsten Heimatbesuch, darauf freue ich mich jetzt schon! Noch zwei Wochen…

Sonntags nur Deutsch bitte, ja!

Ich muss ja sagen, es gelingt mir immer besser, mich an meinen guten Vorsatz zu halten, mit dem kleinen Kaaskop konsequenter Deutsch zu sprechen und auch mit dem großen Kaaskop kein Niederländisch mehr, wenn der kleine dabei ist. Ob es schon nach so kurzer Zeit seine Früchte abwirft, oder ob es reiner Zufall ist: mir scheint, als würde der kleine Kaaskop mehr deutsche Wörter benutzen als bis vor Kurzem. Vor ein paar Tagen auf dem Spielplatz kam er strahlend mit seiner kleinen Gießkanne angerannt und sagte frech: „Ik ga mama nassspritzen!“ Bisher bevorzugte er das niederländische Wort (natspuiten), na, da freute sich die Mutti aber! (über das Nassspritzen an sich allerdings eher nicht so, denn das Wasser war sehr kalt..)

Das kann aber ja auch sehr gut nur Einbildung sein, und nachdem ich neulich diesen sehr nützlichen Artikel über zweisprachige Erziehung gelesen habe, habe ich dem Familienrat einen Vorschlag unterbreitetdem großen Kaaskop eine entsprechende Mitteilung gemacht. Ab sofort wird bei uns sonntags nur noch Deutsch gesprochen! Auch vom großen Kaaskop also. „Jawohl!“, antwortete er. Ganz fehlerfrei ist sein Deutsch zwar nicht, aber gut genug finde ich es auf jeden Fall. Und da ich die meisten anderen Tipps im Abschnitt „Besondere Förderung der ’schwächeren‘ Sprache“ ja schon längst bewusst oder unbewusst befolge (Weihnachten feiern wir zum Beispiel mit meiner Schwester und Mutter auf deutsche Art und Weise), ist das auch so ziemlich der einzige Tipp, den ich noch ausprobieren kann.

Den Tipp unter „Auf Anwendungsfehler des Kindes richtig reagieren“ habe ich übrigens schon lääängst verinnerlicht: ich wiederhole eigentlich immer alles auf Deutsch, was der kleine Kaaskop auf Niederländisch zu mir sagt. Nur wenn B. beim Angucken von Bilderbüchern stur das niederländische Wort benutzt, obwohl er das deutsche auch schon kennt, sage ich schonmal etwas wie: „Nein, das ist doch ein Schweinchen!“ Aber dann bleibt er immer bei seinem niederländischen Wort: „Nee, VARKENTJE!“ Nach einigem Hin und Her wird mir das „Schweinchen! – Nee, varkentje!“ dann zu blöd und antworte ich einfach nicht mehr. Pff.

Im Übrigen meine ich mit „nur Deutsch“ natürlich nicht, dass ich den kleinen Kaaskop zwingen will, Deutsch zu reden. Ich will nur erreichen, dass er mehr Deutsch hört. Vielleicht können wir diesen „deutschen Sonntag“ ja auch mit ein paar deutschen Traditionen kombinieren. Warmes Mittagessen, zum Beispiel. Und danach zusammen backen und später Kaffee und Kuchen. Ik zeg: doen! (Ich sag mal: machen wir das so!)