Alle Jahre wieder… Von Zwarte Piet, Lebkuchen und Weihnachtsbäumen

Der 9. November machte seinem Ruf mal wieder alle Ehre: erst das Bekanntwerden des schockierenden Ergebnisses der US-Wahlen, dann abends noch die mit Spannung erwartete erste Folge des diesjährigen Sinterklaasjournaals: Welche Farbe würde Zwarte Piet haben?? Schwarz? Weiß mit schwarzen Rußflecken? Lila? Oder vielleicht sogar gelb wie holländischer Gouda?

Muss Zwarte Piet schwarz sein?

Mit den pepernoten, die wie in Deutschland die Lebkuchen hier schon seit einiger Zeit wieder in den Regalen liegen, hielt natürlich auch wieder die ewige Diskussion um Zwarte Piet Einzug und wie ich neulich erfahren habe, wird es zumindest auf dem niederländischen RTL ab sofort keinen „richtigen“ schwarzen Piet mehr geben, sondern einen „Schornstein-Piet“, sprich: nicht mehr ganz schwarz sondern nur mit jeder Menge Rußstreifen im Gesicht. Er heißt auch nicht mehr „Zwarte Piet„, sondern nur noch „Piet“. Warum auch nicht, schließlich heißen Sinterklaas‚ Helfer alle Piet, vom Bäcker-Piet über den Geschenke-Piet bis hin zum Ober-Piet. Ich persönlich finde den Schornstein-Piet einen prima Kompromiss! Den kann man ja auch so schwarz oder grau machen wie man will. Leider sind viele Niederländer gegen jegliche Änderung „ihrer“ Tradition. Erwachsene Niederländer wohlgemerkt, vor allem die über 50. Auf Facebook werden Berichte geteilt à la „Zwarte Piet muss schwarz bleiben, und wenn du das anders siehst, sind die Niederlande nicht das richtige Land für dich!“ oder „Teile diesen Bericht, wenn du Negerküsse immer noch Negerküsse nennst!“. (Davon krieg ich blöderweise immer Appetit auf Süßes und das Bedürfnis, den Rechtschreibfehler in dem 2 Jahre alten Beitrag zu kommentieren.) Mittlerweile befürworten immer mehr Niederländer den Kompromiss mit dem Schornstein-Piet, nur damit das ewige Gemotze und Gestreite in den sozialen (?) Medien aufhört.

Wie die Produzenten des offiziellen Sinterklaasjournaals (Nikolausnachrichten) dieses Jahr mit der brisanten Zwarte-Piet-Frage umgehen, wurde bis gestern Abend um 18.00 Uhr geheim gehalten, als die erste diesjährige Folge ausgestrahlt wurde. Der kleine Kaaskop hat letztes Jahr zum ersten Mal das Sinterklaasjournaal gesehen und fing neulich wieder davon an, als ich mit ihm in Utrecht im Kino war und er auf dem Weg dorthin den Domturm sah. Er meinte, das wäre der Turm, in dem zwei dumme Männer letztes Jahr Feuer gelegt hätten, das dann von den Pieten gelöscht wurde. Übrigens wollte der kleine Kaaskop von einem nicht schwarzen Zwarte Piet nichts wissen, als der große Kaaskop ihm neulich beiläufig erzählte, dass Zwarte Piet vielleicht nicht mehr schwarz ist, wenn er demnächst mit seinem Dampfer in Holland eintrifft. Ich weiß nicht, wie andere Kinder das sehen, aber da der kleine Kaaskop erst 4 ist und es wahrscheinlich auch unakzeptabel finden würde, wenn ich mir die Haare schwarz färben würde, messe ich seiner Ablehnung mal nicht allzu viel Gewicht bei! Ich schätze sowieso, dass von den gut 1 Millionen Zuschauern gestern Abend die Erwachsenen am gespanntesten auf die Erscheinung von Zwarte Piet waren. Kleiner Schock: er war weiß. Dann das große Aufatmen: der zweite Piet, der ins Bild kam, war schwarz. Andere Pieten waren gestern noch nicht zu sehen. Mal sehen, wie es weitergeht.

Das Sinterklaasjournaal schaue ich übrigens gerne, aber ansonsten macht mir die Sinterklaas-Zeit nicht wirklich Spaß. Hauptsächlich wegen der explosiven Stimmung durch die Rassismusdiskussion und nebensächlich durch das ewige Dilemma, wie viel Süßes und wie viele Sinterklaasgeschenke (und Geschenke im Schuh) der kleine Kaaskop kriegen soll. Einen selbstgebastelten Adventskalender hatte ich ja schon wegen akutem Geschenke-Overload gestrichen, *schnüffschnüff*. Mit meiner geliebten Weihnachtsdeko muss ich wegen Sinterklaas auch bis zum 6. Dezember warten, böh.

Lebkuchen gegen pepernoten

Immerhin habe ich mir wieder rechtzeitig deutsche Lebkuchen mitbringen lassen, die „richtigen“, wie ich sie nenne. Damit meine ich allerdings die billigen Herzen und Sterne und nicht die runden mit dem Esspapier auf der Unterseite. Denn da halte ich es wie mit der Adventskalenderschokolade: nur die billige Version vermittelt mir das richtige Weihnachtsgefühl. Isso. Die pepernoten überlasse ich lieber meinen Kaasköppen, ich finde die nur so làlà. Meine Kollegen haben davon eine ganze Schüssel im Büro stehen, die sind geradezu süchtig nach diesen kleinen knusprigen Dingern! Den deutschen Lebkuchen mögen sie hingegen nicht. Erst waren sie sehr misstrauisch, weil sie bei „Lebkuchen“ an „Leberkuchen“ dachten…und irgendwie ist der Geschmack wohl ein „acquired taste„. Das Wörterbuch übersetzt „Lebkuchen“ übrigens mit „eine Art taai-taai„, aber taai-taai schmeckt wirklich NICHT wie Lebkuchen. Und die Konsistenz ist auch anders. Unübersetzbar deutsch also.

Oh Tannenbaum

Übrigens scheinen viele Niederländer es heutzutage nicht mehr so genau zu nehmen mit der strikten Trennung zwischen Sinterklaas-Zeit und Weihnachtsdeko. Wir waren nämlich vor zwei Wochen in meinem Lieblingsgartencenter (ja, ich habe ein Lieblingsgartencenter!), um noch ein paar Herbstpflanzen zu holen. Und da war schon alles mit Kunstschnee dekoriert und die Weihnachtsausstellung stand schon. Wah! Ich bin noch gar nicht in der Stimmung, aber immerhin war der kleine Kaaskop schön die ganze Zeit mit der Mini-Eisenbahn beschäftigt, die um den Weihnachtsbaum in der Mitte ihre Runden drehte.

Etwas typisch Niederländisches ist mir dort im Gartencenter übrigens auch aufgefallen: während Deutsche sich Weihnachten ohne echten Baum nicht vorstellen können, ist hier in Holland der Kunstbaum beliebt. Nadelt nicht, schlürft kein Wasser, ist auf Dauer kostengünstiger, braucht nur noch vom Dachboden geholt und aufgestellt werden. MIR kommt so ein Ding ja never nooit niet ins Haus! Zum Glück habe ich den großen Kaaskop schon gleich an unserem ersten gemeinsamen Weihnachten von der Großartigkeit eines echten Baums überzeugen können.

Wie sieht es bei euch aus, mögt ihr praktische Kunstbäume? Und steht ihr insgeheim auch auf billige Lebkuchen?

PS. Was ich in den letzten Jahren über Sinterklaas/Nikolaus und Zwarte Piet geschrieben habe, könnt ihr unter dem Tag „Sinterklaas“ nachlesen.

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Sinterklaas, Nikolaus und Geschenke-Overkill

Ja,ja, es nimmt keine Ende: Nach der Entscheidung, in welche Kita der kleine Kaaskop nach dem Umzug gehen soll, steht schon wieder eine Entscheidung an, und zwar eher eine prinzipielle. Denn der Dezember naht mit raschen Schritten und damit auch Sinterklaas, der Nikolaus UND der Weihnachtsmann!

Ich hatte letztes Jahr schon mit der Entscheidung gewurstelt, wie wir in unserer zwei-Kulturen-Familie den niederländische Sinterklaas mit seinen stiefelfüllenden Zwarte Pieten (falls die dieses Jahr überhaupt noch schwarz sind; darüber will ich demnächst wieder berichten) und der großen Bescherung am 5. Dezember einerseits mit dem Adventskalender (heutzutage ja auch eher voller kleiner Geschenke anstatt Schokolade), dem Nikolaus und der großen Bescherung am 24. Dezember andererseits unter einen Hut kriegen. Am Ende habe ich mich da letztes Jahr noch rausgehalten, weil der kleine Kaaskop ja noch nicht mal 2 war und noch nicht wirklich viel davon verstand. In der Kita wurde Sinterklaas gefeiert, von Opa und Oma gab es ein paar Geschenke am 5. Dezember, am deutschen Nikolaus eine Kleinigkeit von Mama und Papa und am 24. die große Geschenkeflut.

Dieses Jahr kann ich mich wohl wirklich nicht mehr aus der Affäre ziehen. Ich habe also in einer Facebook-Gruppe für deutschsprachige Eltern mal rumgefragt, wie das in anderen Familien so läuft. Das sind die Antworten:

  • Meine Kids sind 9 und 7. Ich habe 3 Wochen vor Sinterklaas jede Woche 1 mal den Schuh hin stellen lassen. Da kommt dann nur was kleines rein! Sinterklaas ist hier DAS Fest für Kinder. Weihnachten machen die Holländer nichts, leider. Meine Kids bekommen dann manchmal noch was kleines, Kleider oder so…
  • Wir (ich deutsch mein Mann holländisch) teilen es auf. Der Nikolaus fällt aus dafür gibt es eine kleine Feier am 5/6 mit 1 oder 2 Geschenken. Wir feiern auch am 24. nach deutschem Brauch mit Geschenken unterm Baum. Zusätzlichen Adventskalendar und Adventskranz. Ein bisschen ein Mix aus allem.
  • Die Frage stelle ich mir auch schon Jahre… Wir wollen es jetzt so versuchen, dass wir am 5. die anderen Sinterklaastraditionen benachdrukken, also zusammen Spiele spielen, heißen Kakao, Pfeffernüsse usw, und in einigen Jahren auch Gedichte und letztendlich Surprises, und dazu was kleines das ihn aber wirklich freut in den Schuh. Und dann Heiligabend richtig mit Bescherung. Aber mein Kleiner wird erst in Januar vier, weiß nicht wie das wird wenn er mitkriegt dass die Anderen viel öfter ihren Schuh stellen dürfen usw…. Ich bin übrigens selber als Kind gekommen, und wir durften damals zu Hause selbst entscheiden, wann wir unser ‚großes Geschenk‘ bekommen wollten. Also bekam ich meins zu Bescherung, wie ich das aus Deutschland kannte, und meine kleine Schwester ihres schon zum Nikolaus, weil sie nicht warten wollte.
  • Meine Kids sind inzwischen 20 und 21 und hier geboren (mein Mann ist Niederländer). Wir haben immer Sinterklaas gefeiert (mit Geschenken von uns und der niederländischen Familie). Zu Weihnachten kamen dann die Geschenke der deutschen Familie (Opa und Oma, Onkel, Tanten und eventuell Freunden unter den Baum). Hat problemlos funktioniert.

Die letzte Antwort bringt mir nicht soviel, schließlich will ich ja Geschenke-Overkill vermeiden. Allein schon, weil der kleine Kaaskop im Januar auch noch Geburtstag hat. Aber da ich Weihnachten als Hauptbescherungstag gerne erhalten möchte, gefällt mir die Idee, die „anderen“ Traditionen von Sinterklaas zu betonen (benadrukken auf Niederländisch – ich bin also nicht die Einzige, die ihre Muttersprache mal aus Versehen verniederländischt, siehe oben). Das muss ich dann nur noch meinen Schwiegereltern schonend beibringen. Obwohl ich noch gar nicht gefragt habe, ob sie es überhaupt schlimm bzw. sehr schade fänden, ihren Enkel am 5. Dezember nicht mit Geschenken verwöhnen zu dürfen.

Mein derzeitiger Plan sieht also wie folgt aus: es gibt einen Adventskalender. Da kommt dann aber nur Süßes rein. Ich würde zwar liebend gerne selbst den Adventskalender mit kleinen Geschenken füllen, aber die kann ich ja dann in den Schuh tun, die der kleine Kaaskop in den drei Wochen vor dem 5. Dezember ab und zu mal rausstellen darf. Und bei Frische Brise habe ich neulich gelesen, dass es dort auch nur Schoki im Kalender gibt, weil die Kinder sonst enttäuscht waren, wenn ihnen die Kalenderfüllung vom Tag zuvor besser gefallen hatte. Am 5. gibt es dann abends heiße chocomel, pepernoten, Spiele und ein oder zwei größere Geschenke von Opa und Oma Sinterklaas. (Surprises sind übrigens eher was für Erwachsene. Kleine Geschenke, witzig verpackt und von einem über den Empfänger spottenden Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Gedicht begleitet.) Der deutsche Nikolaus muss dann wohl doch dran glauben. Oder es gibt zum Frühstück einen Schoko-Nikolaus, Nüsse und eine Mandarine. Und am 24. Dezember ist dann die große Bescherung.

Soweit der Plan. Dann muss ich nur noch ein paar leckere Rezepte mit Möhren raussuchen: niederländische Kinder legen beim mehrmaligen Schuh-Rausstellen nämlich eine dicke Möhre in ihren Schuh. Für das Pferd von Sinterklaas, Amerigo. Und die muss ich ja unauffällig verschwinden lassen, hihi!

 

 

Wo ist der Bauch, wenn man ihn braucht?

Hatte ich schon mal erwähnt, dass mein Sternzeichen Waage ist? Und dass ich mich deshalb mit Entscheidungen schwer tue? Zurzeit werde ich regelmäßig von Zweifeln geplagt, ob unser neuer Wohnort wirklich die richtige Entscheidung ist. Denn wie ich ja erzählt hatte, werden wir dann weiter von Freunden und Familie weg wohnen, anstatt näher dran. Es gibt nicht wie jetzt einen Supermarkt, Drogisten usw. in Fußwegnähe. Und wenn wir schon in die „falsche“ Richtung ziehen, weil es dort grüner ist: ist ein 50 qm großer Garten dann nicht zu klein? Ist 10 Minuten mit dem Rad bis zum Wald nicht zu lang? Eigentlich wollten wir doch weder eine offene Treppe im Wohnzimmer noch ein Badezimmer ohne Fenster: ist das Haus nicht zu sehr ein Kompromiss, weil gerade nichts Passenderes auf dem Markt war?

Hach, ich wünschte, ich würde nicht immer so viel zweifeln. Es ist zum VERzweifeln. Der arme große Kaaskop, der selbst superbegeistert ist von dem neuen Haus, hat zwar Verständnis für meine Zweifel, teilt sie aber nicht. Und fühlt sich jetzt schuldig, dass er mit dem Kauf dieses Hauses mal wieder seinen Willen durchgesetzt hat. Zum Glück sind wir uns in den vielen anderen Dingen, die wir jetzt regeln müssen, fast immer einig. Keine extra tiefe Badewanne, oder? – Nein, bloß nicht! ; Diese Farbe Fliesen finde ich toll für den Badezimmerboden, und du? – Ja, die will ich! ; Hey, wie wär’s, wenn wir im Gäste-WC die Wände bunt kacheln?! – Oh, tolle Idee! Rot, orange und weiß? – Das wollte ich auch gerade vorschlagen.

Zu den Entscheidungen über die Einrichtung kommt noch die Entscheidung, bei welcher Kita wir den kleinen Kaaskop anmelden. Es gibt da in der Nähe mehrere. Eine fällt schon mal weg, weil man da selbst Windeln, Mittagessen und Milch mitbringen muss, was soll das denn?! Unsere  beiden Favoriten haben der große Kaaskop und ich uns am Dienstag angeguckt. Vor allem die zweite gefiel uns gut, nur: die ist ein bisschen arg antroposophisch. Das hatte ich schon auf der Website gelesen und musste das erst mal googeln *räusper*. An sich finde ich das ja ganz toll: biologisches Essen, das Kind steht im Mittelpunkt, viel neutrales Holzspielzeug, kein DVD-Player, viel draußen spielen (der Garten ist wirklich klasse, ich wäre fast am liebsten selbst nochmal Kind, damit ich dort spielen darf), die Kinder helfen beim Essenmachen, Laubfegen und im Gemüsegarten, und und und. Aber. Ich frage mich, ob dieser Ansatz wirklich zu uns passt. Von dem „Mit warmem Gruß“ am Ende der E-Mail und dem leisen Gesang beim gemeinsamen Gang zum Tisch wurde mir irgendwie etwas….anders. Und für den kleinen Kaaskop würde die Umstellung so wohl auch arg groß. In seiner jetzigen Kita (und zuhause) gibt es schließlich auch mal eine DVD, Schokostreussel aufs Brot oder lärmendes Plastikspielzeug. Andererseits sind der große Kaaskop und ich davon überzeugt, dass der kleine Kaaskop es in der antroposophischen Kita ansonsten ganz toll finden würde. Er liebt Draußenspielen und im Haushalt/Garten helfen und an das viele Singen gewöhnt er sich bestimmt auch schnell. ICH muss mich da ja schließlich nicht selbst mit betont sanfter Stimme mit „Schätzchen“ oder einem anderen übersüßen Kosenamen anreden lassen, haha!

Einige Tage später haben wir uns noch eine andere Kita angeguckt, von einer landesweiten Organisation. Das war vom Ansatz her doch vertrauter, aber irgendwie fand ich die zu groß und unruhig. Ja, natürlich sind Kitas unruhig. Aber hier stehen 2-3 Stunden täglich die Türen der drei Ü2-Gruppen offen, sodass die Kinder ein-und auslaufen können und somit mit viel mehr Kindern und mehr Erzieherinnen zu tun haben. Dienstags geht die Gruppe, in die der kleine Kaaskop käme, in einer benachbarten Sporthalle sporteln, aber weil nur jeweils 6 Kinder mitdürfen, würde der kleine Kaaskop halt die eine Woche mit und dann die nächste nicht mit gehen. Das ist doch auch doof. Pff.

Ich weiß einfach nicht, wie ich mich entscheiden soll! Mein Bauch schweigt auch. Wahrscheinlich habe ich zuviel deutsche Artikel über Kitas gelesen und fühle mich jetzt schuldig, dass der kleine Kaaskop überhaupt in eine Kita geht. Obwohl U3-Betreuung hier in Holland ja anders gesehen wird und der kleine Kaaskop nur an 3 Tagen die Woche „fremdbetreut“ wird. Soll ich noch weitere Kitas angucken, die dann halt etwas weiter weg sind? Oder eine Tagesmutter suchen? Ich kenne leider niemanden, der damit Erfahrung hat. Soll ich einfach hoffen, dass der große Kaaskop Recht hat, wenn er voller Überzeugung meint, der kleine Kaaskop fände es in der Kita mit den offenen Türen super, weil er Rummel liebt? (Die 25-Mann-Feier zu seinem ersten Geburtstag fand er ja tatsächlich toll.) Oder soll ich mich doch für die antroposophische Kita mit dem Haselnussstrauch im Garten entscheiden, in der die Erzieherinnen mit den Kindern in einer Kaffeemühle Korn mahlen und daraus zusammen Brot backen?

 

 

Große kleine Katastrophe

Freitag war ein schlimmer Tag. Ich kann wohl zurecht behaupten: es war ein Scheißtag!

Nach einer zu kurzen Nacht, weil der kleine Kaaskop nicht schlafen wollte und der große Kaaskop und ich uns deswegen fürchterlich gezofft haben (es wurde u.a. mit Auszug gedroht und eine Schüssel Möhrenscheiben flog durch die Luft), hatte ich auf der Arbeit nur Scheißaufträge, mit Text-Layout-Problemen, falsch eingeschätztem Zeitbedarf (ich sag‘s euch noch einmal: von Niederländern geschrieben deutsche Texte zu korrigieren, ist selten spaßig!) und als Krönung einer Kundin, die höchstens 10 Minuten nach Erhalt des von einem Kollegen übersetzten und von mir nachgeguckten Text anrief und behauptete, die Übersetzung sei grottenschlecht und wir hätten das mit Google Translate übersetzt. What the f…?! Unter anderem bemängelte sie, der Ausdruck „waren mit von der Partie“ sei schlechtes Deutsch und es hieße nicht „Das Team ist“ sondern „Das Team sind“, weil es ja mehrere Leute sind. Das stand übrigens im niederländischen Text auch falsch und unserer Projektmanagerin gelang es nicht, die gute Dame davon zu überzeugen, dass es auch in ihrer eigenen Sprache Mehrzahl sein muss!

Mit Kopfweh vor Stress und Ärger hetzte ich um 5 Uhr zum Bahnhof, um meinen Zug noch zu erwischen. Der hatte aber dann 5 Minuten Verspätung, sodass ich, viel zu warm angezogen und unfähig, meine Jacke aufzumachen, weil sich mein dünner Schal im Reißverschluss eingeklemmt hatte und ich ihn einfach nicht aufbekam, in der heißen Sonne rumstand und mich noch mehr ärgerte. Zu wenig getrunken hatte ich auch… Zu Hause war der kleine Kaaskop mit Oma am spielen. Eigentlich ist freitags ja Papatag, aber Papa war mit Opa unterwegs nach Deutschland, um einen Gebrauchtwagen mit Automatik zu kaufen, weil die in der Heimat günstiger sind. Viel günstiger. Oma hatte den kleinen Kaaskop am frühen Nachmittag bei Freunden von uns abgeholt, weil wir nämlich ausgerechnet heute endlich wieder eine Besichtigung hatten und das Haus um die Mittagszeit rum aufgeräumt und unbemannt sein musste.

Und dann begann die Kacke erst so richtig zu dampfen! Wegen der kurzen Nacht und dem aufregenden Vormittag schlief der kleine Kaaskop nämlich im Kinderwagen ein, als Oma mit ihm nach Hause wanderte. Sie dachte noch: „Oh, seine Hand hängt herunter, er ist eingeschlafen.“ Leider fiel Oma erst ein ganzes Stück des Wegs später ein, dass er mit dieser Hand ja seinen kleinen besten Freund, sein Ein und Alles, sein Schnuffelpüppchen namens Berend festgehalten hatte, ohne den er nicht einschlafen kann! Sie ging den ganzen Weg zurück, fand ihn aber leider nicht, oh oh…

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Nach dem Essen ging auch ich noch einmal die Strecke ab, zusammen mit dem kleinen Kaaskop auf seinem Laufrad, um Berend zu suchen. Vergeblich. Wir fanden ihn nicht. Ich hätte am liebsten geheult! Der kleine Kaaskop hängt doch so an dem Ding! Wie soll er denn jetzt einschlafen?! Den „neuen Berend“, den Oma dem kleinen Kaaskop gekauft hatte, wollte er natürlich nicht. Zum Glück blieb er relativ fröhlich, er fragte zwar ein paar Mal nach „andere Berend“ und sagte „wil niet neue Berend!“, aber beim Vorlesen hatte er den neuen Berend (und Findus, den ich persönlich lieber als Ersatz-Berend sähe) unter dem Arm. Er nahm die beiden auch mit ins Bett und war sehr schnell eingeschlafen. Da war es ja aber auch schon weit nach 9…

Eigentlich wollte ich auch schnell ins Bett und den Tag vergessen, aber da meine bessere Hälfte erst am nächsten Abend wiederkam (ja, wir haben uns natürlich noch versöhnt nach unserem Streit, aber das Wunschauto stand irgendwo in einem Kaff bei München!), machte ich noch den Computer an. Um auf Facebook um Hilfe bei der Suche nach Berend zu bitten. Und um zu bloggen. Leider haben wir neuerdings abends Internetprobleme, sodass die Verbindung nach meinem digitalen Hilferuf sofort wieder zusammenbrach. Na toll. Außerdem hatte ich eine SMS vom großen Kaaskop gekriegt, in der stand, er habe sein Ladegerät vergessen und der Handy-Akku sei fast leer. Ich konnte ihn also nicht mal erreichen. Klasse. Oh ja, hatte ich schon erwähnt, dass am Abend davor (dem Streitabend) meine EC-Karte im Supermarkt ihren Dienst verweigert hatte? Obwohl wirklich genug Geld drauf war. Und das alles auch noch in der hormontechnisch schwierigsten Phase meines Zyklus!

Der Samstag war demensprechend ähnlich besch..eiden. Ich hatte eine Zündschnur mit einer Länge im Minusbereich, der kleine Kaaskop war natürlich viel zu früh wach und ganz super am TrotzenAutonomiephase ausleben.

Alles in allem: am Freitag hat der Teufel mal wieder auf einen Haufen geschissen, irgendwas stimmt mit meinen Hormonen nicht und ich hoffe, dass der kleine Kaaskop unseren dieswöchigen Samstag ganz schnell vergisst….

Bagger gegen graafmachine

Also, ich weiß ja nicht. Ich habe zwar gelesen, dass Kinder in der Regel keine Probleme mit zwei oder mehreren Sprachen haben, wenn sie mehrsprachig erzogen werden. Angeblich können sie die einzelnen Sprachen gut auseinanderhalten. Mir ist auch klar, dass der kleine Kaaskop zurzeit mitten in der Trotzphase (wörtlich aus dem Niederländischen übersetzt: Kleinkinderpubertät – klingt irgendwie netter) steckt, und mir meist einfach aus Prinzip widerspricht.

Aber trotzdem. Neuerdings korrigiert B. meine deutschen Wörter. Wenn ich zum Beispiel sage, dass das ein roter Bagger ist, antwortet er streng: „Nee, graafmachine!“ Mit anderen Worten: das ist kein Bagger, das ist eine graafmachine! Ich hab daher angenommen, dass er a) sich zwar bewusst ist, dass das in den beiden Sprachen das gleiche bedeutet, dass er aber b) nicht will, dass ich Deutsch mit ihm spreche. Das machte mich ein wenig traurig, vor allem, weil er auch neuerdings nicht mehr standardmäßig „Katze“ sagt, sondern immer öfter „poes„. Eins der wenigen Wörter, die er bisher auf Deutsch bevorzugte.

Nun kam ich aber letzte Woche dahinter, dass er das bei seinem Papa auch macht, nur halt umgekehrt! Beim Waschen und Anziehen (das machen wir noch, weil das sonst ewig dauert und B. sowieso nach 2 Sekunden aufgibt und es nicht nochmal versuchen will) blätterte der kleine Schlingel wieder in dem Buch mit den Fahrzeugen. Als A. sagte: „Ja, daar is de graafmachine.“ widersprach ihm B. mit „Nee, Bagger!“ Huh?! Mit anderen Wörtern macht er das auch, zum Beispiel bei Garten/tuin.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Vielleicht muss ich doch einfach mal so tun, als verstünde ich B. nicht, wenn er Niederländisch mit mir spricht. Sonst bleibt sein Deutsch hinterher so passiv wie jetzt, das war eigentlich nicht Sinn der Sache. Andererseits finde ich es irgendwie doof, so zu tun, als würde ich ihn nicht verstehen. Hmpf.

Bisher bestand meine Strategie zur zweisprachigen Erziehung ja darin, möglichst nur Deutsch mit ihm zu sprechen, viele deutsche Bücher vorzulesen und bei DVDs eine German-only-Regel anzuwenden. Da ich aber offenbar Hemmungen habe, in der Öffentlichkeit Deutsch mit ihm zu reden (wobei mir das auf dem Spielplatz schon leichter fällt als z.B. im Supermarkt) und deshalb doch oft Niederländisch mit dem kleinen Kaaskop spreche, und B. außerdem a) selten DVDs gucken darf und b) die meisten unserer Kleinkinder-DVDs Niederländisch sind, ist der Deutsch-Input leider in Wirklichkeit etwas mager. Mit oben erwähntem Ergebnis zur Folge.

Da sage noch einmal Einer, es sei leicht, seine Kinder zweisprachig aufwachsen zu lassen. Ich werde mich wohl doch noch mehr bemühen müssen, den deutschen Input zu erhöhen. Mit anderen Worten: Mama muss mehr Deutsch sprechen, mehr vorlesen, mehr DVDs kaufen (irgendwelche Tipps für Zweijährige?) und die deutsche Verwandtschaft öfter besuchen oder einladen. Deshalb war gerade die deutsche Oma vier Tage zu Besuch, werden wir im Sommer nicht an die dänische Nordsee sondern die deutsche fahren, und habe ich mich und den kleinen Kaaskop für einen Eltern-Kind-Tanzworkshop für deutschsprachige Eltern angemeldet. Da kann ich ja mal die anderen Mamas und Papas fragen, wie das bei ihnen so läuft. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen! Der Workshop ist nächsten Samstag. Ich bin gespannt und werde berichten!

Dinge, die man lieber aufschiebt

Es gibt ja viele Dinge im Leben einer außer Haus arbeitenden Mutter, die frau lieber aufschiebt. Den Tiefkühlschrank abtauen zum Beispiel. Dem Kind den Schnuller entwöhnen. Fenster putzen. Die Spielzeugkiste ausmisten. Den ersten Zahnarztbesuch. Die Steuererklärung sowieso. Alles nicht weiter dramatisch.

Ich hab da aber auch noch was auf meiner mentalen To-do-Liste stehen, das man als Eltern eigentlich nicht aufschieben sollte. Und trotzdem habe ich es, wie vermutlich viele andere Eltern auch, immer noch nicht geregelt. Man denkt ja nun mal lieber nicht an seinen eigenen Tod, und um  den materiellen Nachlass braucht man sich ja nicht unbedingt kümmern, wenn man keine Lust hat, beim Notar ein Testament aufsetzen zu lassen – wozu gibt es schließlich gesetzliche Regelungen. Aber. Was passiert mit dem Nachwuchs, wenn mal unerwartet beide Eltern hopsgehen? Ich sag nur „Verkehrsunfall“, oder „Wohnungsbrand.“

Soweit ich weiß, entscheidet dann das Vormundschaftsgericht, wer die Kinder kriegt. In der Regel wird dann in Rücksprache mit den Familien eine Lösung gefunden. Aber was ist, wenn die sich darüber streiten? Oder niemand genug Geld und Platz für plötzlichen Familienzuwachs hat? Brrr, das will man sich doch wirklich nicht vorstellen!

A. und ich wurden vor 2 Jahren von guten Freunden gefragt, ob wir die Vormundschaft für ihre Tochter (mittlerweile zwei Töchter) übernehmen würden. Sie wollten nicht, dass ihre Kinder bei Opa und Oma aufwachsen (wegen des Alters), ihr Bruder wohnt weit weg im Ausland und sein Bruder hat andere Vorstellungen als sie in Sachen Erziehung. Wir waren damals noch kinderlos, haben aber gut darüber nachgedacht und am Ende „ja“ gesagt. Schriftlich festgelegt ist aber noch nichts. Wir selbst haben, weil diese guten Freunde mittlerweile schon zwei Kinder haben und eventuell noch ein drittes wollen, am Ende meine Schwester gefragt. Auch nicht ideal, weil die ja nicht im selben Land wohnt. Aber A.’s Schwester hat schon drei Kinder und Geldsorgen, und Opa und Oma kommen aus verschiedenen Gründen auch nicht in Frage.

Als A. und ich neulich mal zu zweit abends im Regen mit dem Auto unterwegs waren, dachte ich plötzlich: „Was, wenn wir jetzt einen Unfall haben und B. uns nie wiedersieht?!“ Eigentlich wollte ich ja keine guten Vorsätze für dieses Jahr machen, aber ich habe mir trotzdem fest vorgenommen, das dieses Jahr endlich ordentlich zu regeln. Schriftlich. Man weiß ja nie.

Doch kein Bär

Das Geheimnis ist gelüftet. Mein Sohn ist doch kein Bär. Er will auch gar keinen Winterschlaf halten. Es ist, was ich insgeheim schon befürchtete: er hat was ausgebrütet!

Ich weiß nicht genau was (wahrscheinlich einfach ein fettes Grippevirus), aber er ist gestern schon den zweiten Tag nicht zur Kita gegangen, hustet, schnieft und hat Fieber. Am Dienstagmorgen, als ich ihn aus dem Bett holte, glänzten seine Augen so und war er so weinerlich, dass mir sofort klar war, dass er zuhause bleiben muss. Da A. schon zur Arbeit gefahren war, war mir auch klar, dass ich mit ihm zuhause bleiben musste. Zum Glück hatte ich an dem Tag sowieso nichts Dringendes im Büro zu tun. Ich arbeite bei einem kleinen Betrieb, deshalb fühle ich mich immer besonders schuldig, wenn ich unerwartet nicht zur Arbeit kommen kann. Weil ich als Übersetzerin auch immer Deadlines hab und im Büro die einzige Deutsche bin, kann ich nur selten was aufschieben, und deshalb muss meistens A. ran, wenn was mit dem kleinen Schlingel ist. Darüber fühle ich mich dann auch wieder schuldig. Muttersein ohne Schuldgefühl, geht das überhaupt?!

Zum Glück ist B. nicht oft krank. Ich hab bisher erst einmal calamiteitenverlof (grob übersetzt: Notfallurlaub) nehmen müssen. Den kann man kurzfristig nehmen, wenn man z.B. wegen einem kranken Kind, einem Wasserrohrbruch o.Ä. schnell nach Hause muss. In meinem Fall sind das höchstens 8 Stunden pro Jahr. Danach kann man noch kortdurend zorgverlof (grob übersetzt: Kurzzeitpflegeurlaub) nehmen, pro Jahr höchstens 2x die wöchentliche Arbeitsstundenzahl. Für den Kurzzeitpflegeurlaub gilt eine Lohnfortzahlung in Höhe von mindestens 70 %. Keine Ahnung, wie das in Deutschland geregelt ist…

Nun vergesse ich leider jedes Mal, diesen Sonderurlaub ausdrücklich zu beantragen, wenn ich mal im Büro anrufen muss, um zu sagen, dass ich beim kranken Kind zuhause bleiben muss. Und wie ich heute feststellte, findet unsere Buchhalterin (die auch die Arbeits- und Urlaubsstunden verwaltet) offenbar, dass ich wie ihre eigene Tochter halt (normalen) Urlaub nehmen soll, wenn das Kind krank ist. Weil das ja in vielen Unternehmen üblich ist. Da blieb mir glatt die Spucke weg! Wenn ihre Tochter (und viele andere Mütter) so blöd nachgiebig sind, bitte, aber auf diesen Sonderurlaub hat man nun mal einen gesetzlichen Anspruch! Ist ja schön und gut, wenn man es anders regeln kann, aber bei mir können halt Opa und Oma nicht einspringen. Die paar Stunden im Jahr, die ich Pflegeurlaub nehme, sind jawohl Peanuts, wenn ich das mit den krankheitsbedingten Fehlzeiten anderer Kollegen vergleiche…

Weil sie aber auch nicht genau wusste, wie das bei uns gehandhabt wird („meine“ alte Firma ist vor 2 Jahren mit „ihrer“ zusammengefügt worden), hat der Finanzdrache unsere Buchhalterin das nachgefragt, und siehe da: ich darf die 6 Stunden (2 habe ich noch von zuhause aus arbeiten können, als B. schlief) als Notfallurlaub registrieren.

Diesen Spagat zwischen für-das-Kind-da-sein und seine-Kollegen-nicht-hängen-lassen finde ich persönlich immer sehr schwierig. Dann ärgere ich mich immer besonders darüber, dass wir niemanden in der Nähe wohnen haben, der in solchen Fällen einspringen kann. Zwar sind die meisten Arbeitgeber, soweit ich weiß, verständnisvoll und relativ flexibel, aber man ist auch dazu verpflichtet, selbst nach Alternativen für das Selberzuhausebleiben zu suchen. Und da muss ich leider passen. Manche Mütter (meistens sind’s ja doch die Mütter) arbeiten dann wohl von zuhause aus noch was, aber das ist meiner Erfahrung nach bei einem kranken Zweijährigen (noch) nicht drin. Dass ich so ziemlich die Einzige in unserer Firma bin, die ein kleines Kind hat (die Kollegen haben entweder keine oder noch keine Kinder), macht das Ganze auch nicht einfacher. Seufz.

Zum Glück bin ich ja mit einem Mann gesegnet, der etwas flexibler arbeiten und das kranke Kind hüten kann! Ach, was sind A. und ich doch modern. *heimlich ein bisschen stolz bin*