Fieberwahn, Osterbasteleien und warum mir das deutsche Kinderkrankheitenbuch nicht weiterhilft

Puh, was für ein verrücktes Wochenende war das! Da hatte ich mich am Freitag über das sonnige Frühlingswetter und darüber gefreut, dass die diesjährige Grippewelle uns verschont hat… Meldete der kleine Kaaskop schon beim Abholen aus der Schule, dass er sich nicht gut fühlt und zuhause ins Bett will. Und dann legte er sich tatsächlich sofort mit einer Decke aufs Sofa UND BLIEB DORT LIEGEN. Normalerweise springt er nach 30 Sekunden wieder auf, es war also klar, dass es dieses Mal ernst ist.

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Er wollte nichts essen, nichts spielen, und hangelte sich von einem Nickerchen zum nächsten. Erst auf mir, dann alleine auf dem Sofa, dann mit mir im Elternbett,… Wir verbrachten den Nachmittag dösend. Als der große Kaaskop abends nach Hause kam, brachte er Pommes mit und wir schmissen schnell die eingeplanten Würstchen in die Pfanne. Der kleine Kaaskop hing auf meinem Schoß und aß nichts. Und dann musste er auch noch kotzen… Zum Glück ist er jetzt ja in einem Alter, in dem er das rechtzeitig mitteilen kann UND ordentlich in die Schüssel spuckt. Beim ins Bettbringen kam dann noch der restliche Mageninhalt raus.. Fieber hatte er offenbar auch, aber messen fanden wir nicht nötig. Ich ärgerte mich, dass wir immer noch kein Ohrthermometer gekauft hatten.

Die Nacht verlief einigermaßen ruhig, aber auch am Samstag ging es dem kleinen Kaaskop nicht viel besser. Er aß zwar wieder ein bisschen und ein bisschen basteln war auch drin, aber wir verbrachten diesen sonnigen Frühlingstag mit ihm auf dem Schoß zuhause. Wir steckten ihn am Abend früh ins Bett.

Während der kleine Kaaskop hoffentlich seine Krankheit wegschlief, erledigte ich das wöchentliche Badezimmerputzen und der große Kaaskop widmete sich dem Fußboden in Küche und Wohnzimmer. Ja, so glamouros verbrachten wir unseren Samstagabend! Das bisschen Haushalt macht sich halt leider nicht von alleine. Danach überlegte ich gerade, ob ich mir ein Gläschen Baileys gönne sollte, als ich den kleinen Kaaskop panisch schreien hörte.

Was soll ich sagen? Er war tatsächlich im Fieberwahn! Sowas hatte ich noch nie erlebt: er saß aufrecht im Bett und haute panisch gegen die Wand neben seinem Bett.Wir dachten erst, er dachte, die dort abgebildeten Löwen, Affen und Tiger seien echt, aber offenbar sah er Dinge, die es nicht gab, denn auch sein Kleiderschrank und die (langweilig weiße) Zimmertür machten ihm furchtbar Angst. Als ich ihn nach unten ins Wohnzimmer tragen wollte, ging er mir sogar an die Kehle, weil er dort wohl etwas sah. Echt spooky war das! Zum Glück beruhigte er sich schnell wieder. Trinken wollte er aber leider nichts, dabei glühte er mittlerweile wie ein Öfchen und war nassgeschwitzt. Wir maßen ob mangelnder Kooperationsbereitschaft nur unter der Zunge seine Temperatur: 39,4. Also wahrscheinlich in Wahrheit sogar etwas höher. Schluck!

Während der kleine Kaaskop auf meinem Schoß wieder eindöste, googelte ich nach „Gespenster sehen 40 Grad Fieber 4 Jahre“, las auf huisarts.nl und in meinem deutschen Buch über Kinderkrankheiten nach, ob da steht, dass wir mit dem kleinen Kaaskop akut zum Arzt müssen..und stellte mal wieder fest, dass die landesspezifischen Meinungen dazu, wann man mit dem Kind zum Arzt muss, etwas auseinander gehen! Dem niederländischen Hausärzteverband zufolge ist Fieber nicht gefährlich – so lange die Wärme weg kann (=dünne Decke, Kopf frei usw.) steige das Fieber nicht auf 42 Grad, und man könne bei Kindern in dem Alter ruhig drei Tage warten, ehe man zum Arzt muss. Es wurden ein paar (nicht auf den kleinen Kaaskop zutreffende) Ausnahmen genannt und dass man, wenn man andere Besorgnis erregende Symptome beobachtet, natürlich jederzeit den Notdienst anrufen könne. In meinem deutschen Buch wurde neben den altbekannten Wadenwickeln (davon hatte der große Kaaskop noch nie gehört – und er war als Kind oft krank!) auch empfohlen, mit einem Kind, das 39 Grad Fieber hat, immer zur Sicherheit zum Arzt zu gehen. Na toll. Das steht übrigens in so gut wie allen Kapiteln in diesem Buch: am besten immer vom Arzt abchecken lassen. Kein Wunder, dass es bei deutschen Kinderärzten immer so voll ist…

Da meine Erfahrungen sich eher mit den niederländischen Tipps deckten (sprich, das Fieber sinkt innerhalb der nächsten Stunden/Tage von alleine wieder), wir keine  Ausnahmefall-Symptome entdecken konnten und der große Kaaskop es auch nicht nötig fand, den Notdienst anzurufen, entschieden wir uns für die niederländische Behandlungsweise: wir gaben dem kleinen Kaaskop ein Paracetamolzäpfchen, tauschten seine Decke gegen eine dünne Baumwolldecke aus und steckten ihn wieder ins Bett. Dann gingen wir auch schlafen. Eine Stunde später wachte der kleine Kaaskop jammernd auf, aber er fantasierte nicht, sondern war einfach nur nassgeschwitzt. Er bekam einen frischen Schlafanzug, etwas zu trinken und schlief bei uns im Bett weiter. Etwas unruhig, und er trank im Laufe der Nacht 3 Becher Wasser, aber das ist ja immer ein gutes Zeichen!

Am Sonntagmorgen war der kleine Kaaskop wieder topfit! Echt! Von Fieberwahnvorstellungen zum fröhlichen Energiebündel in 12 Stunden – Kinder sind unglaublich! Wir beobachteten ihn natürlich genau, aber er bekam keinen Rückfall, war gut gelaunt, hatte Energie wie sonst (wir Eltern nicht, haha!) und war nach eigener Aussage nicht mehr krank, weil er ja „beim Kaffeemachen gelacht hat und wenn man krank ist, lacht man nicht!“

Er half beim Fensterputzen, bemalte die restlichen Salzteig-Osterbasteleien (an unserer  Treppe hängt jetzt ein schwarzes Osterei…), schnippelte Ostereier aus Servietten und klebte sie auf, fuhr mit dem Fahrrad Runden um den Block, aß wieder normal… Als sei er gar nicht kurz zuvor noch so krank gewesen wie schon lange nicht mehr. Ich sag’s ja: unglaublich.

Aber so hatten wir jedenfalls doch noch ein schönes Wochenende! Und ehrlich gesagt: die viele Kuschelzeit am Freitag und Samstag habe ich natürlich insgeheim sehr genossen. Mein kleiner Flummi kuschelt zwar sonst auch mal gerne, aber nie besonders lange…

Pflegeurlaub, ich krieg die Krise!

Dem kleinen Kaaskop scheint es ja zum Glück besser zu gehen, die meisten Windpocken sind eingetrocknet und er verhält sich wieder normal. Auch wenn er heute abend doch wieder unter Juckreiz litt, der Arme! Hoffentlich ist es bald ganz überstanden. Und zwar hoffentlich vor Dienstag, sonst geht der Ärger mit dem Pflegeurlaub wieder los und darauf habe ich sowas von keinen Bock…

Eigentlich dachte ich ja, mein Arbeitgeber sei recht kooperativ. Das war jedenfalls meine Erfahrung mit Arztterminen u.Ä. Aber da wir vor 2 Jahren von einer Unternehmensgruppe übernommen worden sind und man offenbar fand, nun müssten wir auch einen schicken Personalkatalog mit allen offiziellen und inoffiziellen Vereinbarungen und Regeln haben, wurde Ende letzten Jahres so etwas zusammengeschustert.

Unser Betrieb ist eher klein, knapp 15 Mitarbeiter, von denen eine Kollegin für die Finanzbuchhaltung (also auch Gehalt und Urlaubstagkonto) zuständig ist. Eigentlich verstehe ich mich ganz gut mit ihr, wie mit all meinen Kollegen, aber sie fühlt sich offensichtlich gerufen, das Geld der Firma mit Argusaugen zu bewachen. Sie machte schon Schwierigkeiten, als ich zum ersten Mal Kurzzeitpflegeurlaub nehmen wollte, weil der kleine Kaaskop krank war und der große Kaaskop, der nicht wie ich immer Deadlines hat, mal nicht die Krankenpflege auf sich nehmen konnte. Erstens wusste besagte Kollegin (lassen wir sie Kollegin M. nennen) gar nicht, was für Regeln dafür gelten, denn ich bin die einzige Mutter bei uns, und außerdem schien sie der Meinung zu sein, ich solle halt Urlaub nehmen, wie sie das früher auch machen musste und wie ihre Tochter das scheinbar auch macht. Kann ja sein, dass ihre Tochter ihre Rechte nicht kennt oder bereit ist, freiwillig Urlaubstage zu opfern, obwohl sie Anspruch auf Kurzzeitpflegeurlaub hat, wenn ihr Kind krank ist und niemand anders es pflegen kann. Aber was hat das mit mir zutun?! Ich sehe nicht ein, warum ich meine kostbaren Urlaubstage, die schließlich zur Erholung gedacht sind, opfern soll, obwohl ich gesetzlich Anspruch auf zu 70% bezahlten Sonderurlaub habe, wenn mein Kind krank ist…

Dieses Mal erwartete ich keine großen Schwierigkeiten, u.a. weil ich dachte, es sei nun ein für allemal aufgeklärt, was die Regeln sind. Außerdem wollte ich nur einen halben (!)Tag, weil der große Kaaskop auch einen halben Tag Pflegeurlaub nehmen wollte. Ehrlich zwischen den Arbeitgebern aufgeteilt, dachten wir. Aber meine Vorgesetzte (lassen wir sie Kollegin J. nennen) guckte im „schlauen Buch“ nach und meinte, sie könne mir den Pflegeurlaub nicht genehmigen, weil da stehe, ich habe nur Anspruch darauf, wenn ich die einzige bin, die mein krankes Kind pflegen könne. Und ich habe ja schließlich gesagt, dass der Vater auch zuhause ist (Home Office), also sorry.

Mir ging sowas von die Hutschnur hoch! Da versucht man mit einem Tag Opa und Oma und einem halben Tag Partner, seinen Arbeitgeber möglichst zu verschonen, und dann ist das der Dank?! „Dann kann ich ja nie Pflegeurlaub nehmen! Denn das kann A.’s Arbeitgeber auch sagen, dass seine Partnerin ja auch freinehmen könne!“, hielt ich Kollegin J. entgegen. Da gab sie mir recht. Sie gab auch zu, dass sie mir den Pflegeurlaub an sich schon gönnen würde, schließlich weiß sie, dass der große Kaaskop bei früheren Krankheitsfällen meistens derjenige war, der mit dem kranken Sohn zuhause geblieben ist und dass ich außer meinen Schwiegereltern, die ja schon einen ganzen Tag und die Nacht übernommen hatten, niemanden habe, der einspringen kann. Aber dann würde sie Ärger mit Kollegin M. bekommen…

Kollegin J. schickte dann eine Mail an unseren Arbeitsrechtfritzen, der das tolle Personalhandbuch erstellt hat, aber leider gerade im Urlaub ist, und meinte, wenn sie nicht rechtzeitig eine Antwort bekäme, würde sie als Endverantwortliche entscheiden, dass mir der Pflegeurlaub genehmigt wird. Und so geschah es. Ich ging am Mittwoch nach einem halben Tag nach Hause, um den großen Kaaskop abzulösen, und in ca. 3 Wochen, wenn Kollegin M. das Excel-Tabellenblatt mit meinen Arbeits- und Fehlzeiten der letzten vier Wochen bekommt, werden wir ja sehen, was passiert. Und wenn der Arbeitsrechtfritze in der Zwischenzeit geantwortet hat und ich tatsächlich keinen Anspruch auf Pflegeurlaub hatte, dann werde ich auf jeden Fall offiziell Beschwerde einlegen, kann jawohl nicht angehen, sowas! Anstatt sich mit mir zu freuen, dass der kleine Kaaskop die Windpocken vom Timing her so bekommen hat, dass er vermutlich nur an 2 Kita-Tagen zuhause bleiben muss, wird wegen einem halben Tag so ein Theater gemacht! Klar, für mich wäre es auch nur ein halber Urlaubstag gewesen, den ich hätte opfern müssen, aber es geht mir ums Prinzip. Wird schließlich nicht das letzte Mal sein, dass der kleine Kaaskop krank ist. Und wenn mir Pflegeurlaub prinzipiell verweigert wird, weil mein Mann ja auch zuhause bleiben kann, dann werd ich halt nächstes Mal einfach sagen: Sorry, mein Mann kann nicht freinehmen. Einen ganzen (!) Tag Pflegeurlaub bitte, und wie ihr das mir der Deadline für den Auftrag, an dem ich gerade arbeite hinkriegt, tja, da müsst ihr halt mal gucken..

Boah, ich kann mich da echt so drüber aufregen! Dass ein halber Satz in einem blöden Handbuch, der den Arbeitgeber gegen Missbrauch des Pflegeurlaubs durch den Arbeitnehmer absichern soll, jetzt von meinem Arbeitgeber missbraucht wird, um etwas Geld zu sparen. Als wenn der Arbeitgeber des großen Kaaskop sich freuen würde, wenn er immer den Krankenpfleger spielen muss. Schicke offizielle Regeln schön und gut, aber dann müssen die undeutlichen Formulierungen den zuständigen Mitarbeitern auch bitte erläutert werden! Ich will Klarheit. Und den Kurzzeitpflegeurlaub, auf den ich meiner Ansicht nach absolut Anspruch hab….

Und jetzt werd ich versuchen, bis dahin einfach abzuwarten und Tee zu trinken (kalt genug ist es zurzeit ja leider).

Windpocken, ich krieg die Krise!

Wie der aufmerksame Leser schon beim letzten 7 Tage – 7 Bilder gelesen hat, wird der kleine Kaaskop gerade von Windpocken geplagt. Am Freitag und Samstag dachte ich ja noch, wir würden glimpflich davonkommen, denn viele Pocken hatte der kleine Mann nicht.

Aber dann! Am Sonntag ging es erst so richtig los: einmal mit den Augen gezwinkert, und plötzlich war mein armer Sohn komplett von den kleinen roten Flecken übersäht. Am schlimmsten war es am Hals/Nacken und im Gesicht, aber am Ende waren auch sein Haar und sein Oberkörper total windgepockt. Abends kamen noch Pocken auf dem Rücken und den Beinen hinzu. Es hatte ihn wirklich schlimm erwischt: sogar auf seinen Genitalien, auf dem rechten Augenlid, unter dem linken Auge, im Ohr und unter dem Fuß fanden wir diese verflixten Dinger. Und mittlerweile juckte es offensichtlich auch. Tagsüber schlug er sich wacker, aber am Abend und in der Nacht war er nur noch am Weinen.

Das Blöde war, dass wir nicht zuhause in der vertrauten Umgebung waren, sondern bei Opa und Oma (wegen einer Feier am Samstag und einer Hausbesichtigung am  Dienstag). Und weil der große Kaaskop montags im Gegensatz zu mir  arbeiten muss, war er nach dem Abendessen ohne uns nach Hause gefahren. Erst weinte der kleine Kaaskop ganz schrecklich nach dem Papa, dann wollte er Opa (nur mich nicht!), ins Bett schon gar nicht…am Ende schlief er auf dem großen Bett neben mir ein, wurde aber leider wach, als ich ihn ins eigene Bettchen umlegen wollte. Also lag ich neben seinem Reisebett auf dem harten Boden, bis er eingeschlafen war.

Als ich gerade selber ins Bett gehen wollte, wurde der kleine Mann wieder weinend wach. „Ik hoef crème!“ (ich muss Crème) rief er verzweifelt und zog sein Shirt hoch, noch bevor ich die antibakterielle juckreizlindernde Mousse in der Hnd hatte. Ich schmierte ihn überall, wo ich Windpocken sah, ein, aber er rief immer wieder: „Daar ook! Daar ook au!“ (Da auch, da auch aua). Ich hatte wortwörtlich Mitleid, keine Ahnung, wer von uns in dieser Nacht mehr gelitten hat, er oder ich! Nichts half. Erst eine Runde Fernsehgucken mit Oma und Mama beruhigte ihn wieder genug, dass er schlafen konnte. Mit mir auf dem Boden neben ihm. Irgendwann in der Nacht wurde er nochmal weinend vor Juckreiz wach, schlief zum Glück aber recht schnell wieder.

Als wir am Montag aufstanden, war ich k.o. Und der kleine Kaaskop noch gepockter. Es tat mir einfach weh, ihn anzugucken, so leid tat er mir! Er sah wirklich furchtbar aus und war ziemlich weinerlich. In Kombination mit dem Schlafmangel konnte ich damit nicht besonders gut umgehen, muss ich gestehen… Weil ich fast mehr heulte als der kleine Kaaskop, und Opa und Oma (die beiden Engel!) sich gerne um ihren kranken Enkel kümmern wollten, fuhr ich wie geplant am Nachmittag nach Hause, um das Haus besichtigungsfertig zu machen und am nächsten Tag arbeiten gehen zu können. Oh, was fühlte ich mich schlecht! Wie konnte ich nur mein krankes Kind bei Opa und Oma zurücklassen?! Aber im Grunde war es ja so: ich war in dem Moment gar nicht imstande, dem kleinen Kaaskop zu geben, was er brauchte: Ablenkung, Geduld, jemanden, dem es nicht das Herz bricht, ihn anzugucken. Er war an diesem Tag wirklich bei Opa und Oma besser aufgehoben.

Der Rest des Tages und die Nacht auf Dienstag verliefen dann auch besser. Etwas, zumindest. Heute, am Dienstag, war der kleine Mann den ganzen Tag über ziemlich fröhlich, versicherten Opa und Oma seinem Papa, als der ihn abholte. Abends ließ er sich ohne Probleme ins Bett bringen. Jetzt hoffe ich nur, dass das Schlimmste wirklich überstanden ist und die fünftausend Pocken gut abheilen, am liebsten ohne Narben. Gekratzt hat er jedenfalls nur mit der flachen Hand, aber einige Stellen gefallen mir nicht so.. Mal abwarten!

Ach ja: hier in Holland werden Kinder übrigens nicht gegen Windpocken geimpft. Ich meine gelesen zu haben, dass man sein Kind mit 12 impfen lassen kann, wenn es die Windpocken dann noch nicht gehabt hat. Weil die Krankheit ja bei älteren Kindern/Erwachsenen meist heftiger verläuft. Ich finde es etwas übertrieben, gegen alles und jeden zu impfen. Windpocken sind ja in der Regel harmlos, Komplikationen kann es auch bei anderen Krankheiten, Routine-OPs und so geben. Aber wenn ich gewusst hätte, wie schlimm es den kleinen Kaaskop erwischen würde…ich weiß nicht. Der arme Kerl erschreckt sich zurzeit vor seinem eigenen Spiegelbild!

Im Übrigen bekomme ich auch wegen etwas anderem gerade die Krise: nämlich der Art, wie auf meiner Arbeit neuerdings mit Pflegeurlaub umgegangen wird. Aber das erzähl ich demnächst, sonst kann ich gleich vor Wut nicht schlafen, und ich brauche meinen Schlaf jetzt dringender denn je! Gute Nacht!

7 Tage 7 Bilder

Diese Woche gibt es wieder einen Wochenrückblick in 7 Bildern à la Frische Brise.

Am Mamamontag war gaaanz tolles Wetter! Und der kleine Kaaskop und ich hatten einen sehr entspannten Tag zusammen, wie ich hier ja schon erzählt hatte.

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Experimente mit Wasser.

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Die ook daar, mama!“ (Der da muss auch in das Gehege da rechts, Mama! – Und recht hatte er: im Gehege spazierte genau so ein komisches Plusterhuhn rum.)

Am Dienstagabend fiel mir bei der Kleidungsauswahl für den nächsten Tag ein, dass ich ja immer noch nicht meine Fußnägel sandalentauglich gemacht hatte. Also noch schnell vorm Zubettgehen gekürzt, gefeilt und lackiert.

Am Mittwoch konnte ich dann mit einwandfreien Sommerzehen ins Büro:

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Am Donnerstag Arbeit und abends nach dem leckeren Spargelrisotto mit Erbsen noch schnell zur Europawahl.

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Am Freitag war wie immer Papatag, während Mama „centjes verdienen“ musste. Ja, über Geld redet man nicht, also geht man hier in Holland nicht Geld verdienen, sondern „Centchen“… Im Vergleich zum Gehalt des großen Kaaskop ist meins auch tatsächlich eher peanuts

Am Abend stellten wir fest, dass die wenigen kleinen roten Flecken, die wir morgens am Körper des kleinen Kaaskop entdeckt hatten, wohl doch Windpocken waren. Na toll. Zum Glück hatten wir letzten Sommer schon aus Vorsorge ein Mittelchen gegen den Juckreiz gekauft, und der kleine Mann schien auch wenig Beschwerden zu haben. Den Kindergeburtstag am Sonntag sagten wir aber ab. Schade, darauf hatten wir uns alle drei schon gefreut… Aber nichts zu machen! Zum Trost gingen wir nach dem Abendessen noch eine Runde Laufrad fahren.

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Am Samstag fuhren wir nach Nord-Holland zu Opa und Oma, denn wir waren zu einer Feier bei alten Freunden vom großen Kaaskop eingeladen. Die sollte um 21Uhr anfangen, stöhn. Ich bin zu altkleinkindmutter für solche Scherze… Um kurz nach Mitternacht gaben wir auf. Immerhin schlief der kleine Kaaskop bis kurz nach 7 und hatte sich Opa bereit erklärt, die Frühschicht zu übernehmen.

Am Sonntagmittag gönnten der große Kaaskop und ich uns eine Auszeit und fuhren ins nächstgrößere Dorf, in dem es ein verkaufsoffenes Einkaufszentrum gibt. Shoppen mit Kleinkind ist einfach zu unentspannt, vor allem, wenn man wie ich nur schwierige Sachen wie Bikini, Sandalen und Sporthose kaufen muss. Es wurde geradezu Powershopping: innerhalb von knapp zwei Stunden fand ich fast alles, was ich suchte, und wir nahmen auch noch etwas für den kleinen Kaaskop mit: zwei Sommerhosen, ein Seifenblasenschwert und das hier:

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Zuhause gab’s die Reste von Opas Geburtstagskuchen. Der kleine Kaaskop wollte unbedingt den zweiten (übrigens sehr coolen retro) Kindergartenstuhl dazustellen – für „Jessica“. (Das ist gerade eins seiner Lieblingsspielzeuge: Handpuppe Jessica mit der lustigen Stimme.)

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Das war unsere Woche! Jetzt mal abwarten, wie wir die Windpocken überstehen…!

 

 

 

Ärzte und das Bauchgefühl von Eltern

Mir ist aufgefallen, dass gerade viel über das Bauchgefühl gebloggt und geschrieben wird. Mütterliche Intuition und so. Die hab ich, soweit ich bisher beobachten konnte, nicht wirklich. Ich hab den kleinen Kaaskop zwar ab und zu mal im letzten Moment aufgefangen, bevor er irgendwo runterfiel, aber jedes Mal, wenn ich dachte intuitiv zu fühlen, dass es nicht gut geht (bei den 2-3 spätabendlichen Besuchen bei der Notfallambulanz zum Beispiel), stellte sich das als Täuschung heraus. Vielleicht hab ich zu viele sich widersprechende Ratgeber gelesen, vielleicht bin ich einfach zu unsicher, um mich auf mein Gefühl zu verlassen – aber hey, mein Sternzeichen ist Waage, ich bin als Zweiflerin geboren! Und deshalb will ich mich auch nicht weiter über mein eigenes Bauchgefühl auslassen (sonst fühle ich mich am Ende noch schuldig, weil ich glaube, keins zu haben, obwohl doch alle guten Mütter auf ihren Bauch hören können). Nein, ich wollte von einem Artikel aus der Zeitung erzählen.

Letzte Woche habe ich aufmerksam einen Artikel in der Volkskrant gelesen, in dem stand, dass im Nimweger Krankenhaus ein System eingeführt wurde, mit dem die behandelnden Kinderärzte und Krankenschwestern ein schlechtes Bauchgefühl der Eltern registrieren können. Denn die Ärzte haben festgestellt, dass es doch öfter vorkam, dass die Eltern mit ihrem „nicht-ganz-geheuer“-Gefühl richtig lagen, obwohl die Ärzte nichts beunruhigendes entdecken konnten. Und das kann natürlich schlimme Folgen haben für das kranke Kind. Deshalb wird ab sofort auf den Krankenakten eine rote Flagge notiert, wenn das Bauchgefühl der Eltern Warnsignale aussendet – und dann wird das betreffende Kind noch aufmerksamer beobachtet und durchgecheckt.

Man sollte ja meinen, dass es normal ist, dass Kinderärzte den Eltern zuhören und sie, die das Kind immer noch am besten kennen, ernst nehmen. Aber das passiert offenbar in der Regel eher nicht. Eigentlich erschreckend. Und wie unglaublich bitter muss es sein, wenn man zu wissen glaubt, dass etwas mit dem eigenen Kind nicht stimmt, aber die Ärzte das nicht glauben und die gesundheitliche Situation des Kindes am Ende eskaliert..

Woran das wohl liegt? Wahrscheinlich vertrauen die Ärzte einfach zuviel auf die Medizin und ihre Technik, darin sind sie ja schließlich ausgebildet und daran glauben sie. Fakten, messbare Werte usw., darauf kommt es ihnen an. Ein Arzt mit zuviel Gefühl wird seinen Job wohl auch nicht lange machen können, bevor es ihm pszchisch zuviel wird. Und es sind ja auch nicht ihre eigenen Kinder, um die es geht, logisch, dass sie sich weniger schnell Sorgen machen, wenn die messbaren Dinge keinen Grund zur Besorgnis liefern. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist auch vielleicht, dass Eltern heutzutage einfach oft zu Überbesorgnis neigen (man denke nur an Helicopter parenting, die steigende Anzahl – in meinen Augen überflüssigen – Warnhinweise auf Spielzeug usw., die nicht gerade beruhigend wirken, etc. etc.).

Ich gebe unumwunden zu, dass ich auch öfter unnötig besorgt bin (siehe oben: mangelndes Vertrauen ins Bauchgefühl) und mir dessen auch bewusst bin. Aber trotzdem: ich werde auch weiterhin immer zum Arzt gehen, wenn ich zweifle, ob alles in Ordnung ist mit dem kleinen Kaaskop. Ganz nach dem Motto lieber 9 Mal zu oft als 1 Mal zu wenig!

 

Die Zeitung lügt mal wieder

Letzte Woche habe ich noch in der Zeitung gelesen, dass die Wintergrippe dieses Jahr mangels Winter ausfällt. Und was ist? Die Zeitung hat mal wieder gelogen!

Meine Männer sind beide krank. Beim kleinen Kaaskop fing es am Freitag mit einer leichten Triefnase an, abends hing er nur auf Papas Schoß und später musste er sich sogar übergeben. Am Wochenende und Mamamontag ging es tagsüber einigermaßen, nur nachts brauchte er Paracetamol zum Schlafen. Weil er in der Nacht zum Montag überdeutlich starke Schmerzen hatte, vermutlich im Ohr,  machte ich am Montag gleich einen Termin beim Hausarzt (der hier in Holland auch für Kinder erste Anlaufstelle ist). Noch bevor wir am späten Vormittag hin mussten, bestätigte sich unser Verdacht: aus dem linken Ohr, in dem das letztes Jahr eingebrachte Röhrchen aus dem Trommelfell gefallen war, kam Eiter. Na toll. Also bekommt B. jetzt wieder Antibiotikum-Ohrentropfen. Mittelohrentzündung Nr. 5 (?).

Abends kam dann der große Kaaskop krank aus dem Büro. Und blieb am nächsten Tag krank im Bett. Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, allgemeines Elend – wenn das keine Grippe ist! Während er im Bett dahin vegetierte, rief mittags die Kita an, dass B. ein bisschen Fieber hat. Sie wollten noch den Mittagsschlaf abwarten und ihn danach wahrscheinlich nach Hause schicken. Zu einem kranken Papa, der auch nicht viel kann. Und inzwischen fühle ich mich selber auch nicht allzu fit. Kann eventuell durch die unruhigen Nächte mit wenig qualitativem Schlaf kommen, oder auch durch den extrem langweiligen und langen Text, den ich gerade korrigieren muss.

Schutzgott aller arbeitenden Mütter, falls es dich gibt, dann bitte ich dich: mach, dass mein kleiner Schlingel morgen wieder fit ist (er ist ja bisher auch immer nur sehr kurz krank gewesen). Mach andernfalls, dass ich selber nicht krank werde. Und mach, dass der große Kaaskop spätestens am Donnerstag wieder fit ist, da hat er doch Männerabend, den gönne ich ihm…

Doch kein Bär

Das Geheimnis ist gelüftet. Mein Sohn ist doch kein Bär. Er will auch gar keinen Winterschlaf halten. Es ist, was ich insgeheim schon befürchtete: er hat was ausgebrütet!

Ich weiß nicht genau was (wahrscheinlich einfach ein fettes Grippevirus), aber er ist gestern schon den zweiten Tag nicht zur Kita gegangen, hustet, schnieft und hat Fieber. Am Dienstagmorgen, als ich ihn aus dem Bett holte, glänzten seine Augen so und war er so weinerlich, dass mir sofort klar war, dass er zuhause bleiben muss. Da A. schon zur Arbeit gefahren war, war mir auch klar, dass ich mit ihm zuhause bleiben musste. Zum Glück hatte ich an dem Tag sowieso nichts Dringendes im Büro zu tun. Ich arbeite bei einem kleinen Betrieb, deshalb fühle ich mich immer besonders schuldig, wenn ich unerwartet nicht zur Arbeit kommen kann. Weil ich als Übersetzerin auch immer Deadlines hab und im Büro die einzige Deutsche bin, kann ich nur selten was aufschieben, und deshalb muss meistens A. ran, wenn was mit dem kleinen Schlingel ist. Darüber fühle ich mich dann auch wieder schuldig. Muttersein ohne Schuldgefühl, geht das überhaupt?!

Zum Glück ist B. nicht oft krank. Ich hab bisher erst einmal calamiteitenverlof (grob übersetzt: Notfallurlaub) nehmen müssen. Den kann man kurzfristig nehmen, wenn man z.B. wegen einem kranken Kind, einem Wasserrohrbruch o.Ä. schnell nach Hause muss. In meinem Fall sind das höchstens 8 Stunden pro Jahr. Danach kann man noch kortdurend zorgverlof (grob übersetzt: Kurzzeitpflegeurlaub) nehmen, pro Jahr höchstens 2x die wöchentliche Arbeitsstundenzahl. Für den Kurzzeitpflegeurlaub gilt eine Lohnfortzahlung in Höhe von mindestens 70 %. Keine Ahnung, wie das in Deutschland geregelt ist…

Nun vergesse ich leider jedes Mal, diesen Sonderurlaub ausdrücklich zu beantragen, wenn ich mal im Büro anrufen muss, um zu sagen, dass ich beim kranken Kind zuhause bleiben muss. Und wie ich heute feststellte, findet unsere Buchhalterin (die auch die Arbeits- und Urlaubsstunden verwaltet) offenbar, dass ich wie ihre eigene Tochter halt (normalen) Urlaub nehmen soll, wenn das Kind krank ist. Weil das ja in vielen Unternehmen üblich ist. Da blieb mir glatt die Spucke weg! Wenn ihre Tochter (und viele andere Mütter) so blöd nachgiebig sind, bitte, aber auf diesen Sonderurlaub hat man nun mal einen gesetzlichen Anspruch! Ist ja schön und gut, wenn man es anders regeln kann, aber bei mir können halt Opa und Oma nicht einspringen. Die paar Stunden im Jahr, die ich Pflegeurlaub nehme, sind jawohl Peanuts, wenn ich das mit den krankheitsbedingten Fehlzeiten anderer Kollegen vergleiche…

Weil sie aber auch nicht genau wusste, wie das bei uns gehandhabt wird („meine“ alte Firma ist vor 2 Jahren mit „ihrer“ zusammengefügt worden), hat der Finanzdrache unsere Buchhalterin das nachgefragt, und siehe da: ich darf die 6 Stunden (2 habe ich noch von zuhause aus arbeiten können, als B. schlief) als Notfallurlaub registrieren.

Diesen Spagat zwischen für-das-Kind-da-sein und seine-Kollegen-nicht-hängen-lassen finde ich persönlich immer sehr schwierig. Dann ärgere ich mich immer besonders darüber, dass wir niemanden in der Nähe wohnen haben, der in solchen Fällen einspringen kann. Zwar sind die meisten Arbeitgeber, soweit ich weiß, verständnisvoll und relativ flexibel, aber man ist auch dazu verpflichtet, selbst nach Alternativen für das Selberzuhausebleiben zu suchen. Und da muss ich leider passen. Manche Mütter (meistens sind’s ja doch die Mütter) arbeiten dann wohl von zuhause aus noch was, aber das ist meiner Erfahrung nach bei einem kranken Zweijährigen (noch) nicht drin. Dass ich so ziemlich die Einzige in unserer Firma bin, die ein kleines Kind hat (die Kollegen haben entweder keine oder noch keine Kinder), macht das Ganze auch nicht einfacher. Seufz.

Zum Glück bin ich ja mit einem Mann gesegnet, der etwas flexibler arbeiten und das kranke Kind hüten kann! Ach, was sind A. und ich doch modern. *heimlich ein bisschen stolz bin*