Nachmittagsbetreuung auf Holländisch

Seit zwei Wochen sind in unserer Region die Sommerferien vorbei. Warum diese 6-wöchige Schulpause Eltern in Holland nicht vor große organisatorische Probleme stellt, will ich heute mal erzählen.

BSO (buitenschoolse opvang) – was ist das?

Die BSO (wörtlich: außerschulische Betreuung) ist hier in Holland wirklich gut geregelt. Soweit ich weiß, arbeitet jede Vor-/Grundschule mit mindestens einem BSO-Anbieter zusammen. Der BSO-Raum des kleinen Kaaskop befindet sich im gleichen Gebäude wie die Klassenzimmer, er kann also nach Schulschluss alleine hingehen, obwohl er erst vier ist. Andere BSO’s holen ihre Schützlinge zu Fuß oder mit einem Bus ab.

Öffnungszeiten und Möglichkeiten

Streng genommen bezieht sich „BSO“ nur auf die Betreuung nach Schulschluss, in unserem Fall also Mo, Di und Do ab 14.45 Uhr und Mi und Fr ab 12.20 Uhr. Wobei unsere BSO mittwochs und freitags geschlossen hat, weil fast alle Kinder an diesen beiden Tagen bei ihren Teilzeit arbeitenden Eltern zuhause sind; alternativ wird ein Mi- und Fr-Platz in der BSO der Schule gegenüber angeboten. Geöffnet ist die BSO bis 18.30 Uhr. Ich versuche, den kleinen Kaaskop vor halb 6 abzuholen, aber da die Schule ja erst um 8.45 Uhr anfängt (wie ich hier erzählt habe), muss ich dafür kräftig in die Pedale treten und machmal etwas mit meinen Arbeitzeiten rumschieben.

Das Gute an den Fremdtreuungseinrichtungen hierzulande ist, dass sie sich auch nach den Bedürfnissen der Eltern richten. Es gibt nämlich auch die VSO (voorschoolse opvang), wo man sein Kind schon ab 7.30 Uhr hinbringen kann, wenn man vor 9 Uhr auf der Arbeit erscheinen muss. Die Betreuer bringen die Kinder dann später in ihre Klassenzimmer. Toller Service, oder? Außerdem gibt es noch die TSO (tussenschoolse opvang) für zwischen den Unterrichtszeiten. Viele Schulen (aber immer weniger) haben noch den „altmodischen“ Stundenplan, der eine ganze Stunde Mittagspause vorsieht, in der die Kinder zum Mittagessen nach Hause gehen. Für arbeitende Eltern nicht besonders praktisch, und deshalb gibt es die TSO, in der die Kinder auch Essen bekommen.

Und nun zu den Ferien: die reine Nachmittagsbetreuung wird in den Schulferien zur Ganztagsbetreuung für Schulkinder! Geöffnet hat sie dann von 7.30-18.30 Uhr und neben dem Snack am Nachmittag und den Getränken wird den Kindern in den Schulferien auch Mittagessen (Brote natürlich, das ist ja hier so üblich) und am Vormittag Obst als Snack angeboten. Als wir den kleine Kaaskop damals bei der BSO angemeldet haben, konnten wir ankreuzen, ob wir das Betreuungsangebot nur außerhalb der Ferien, auch in allen Ferien oder nur einen Teil der Ferien nutzen wollen. Sommerschließzeiten gibt’s nicht, ideal! (Auch in den Kitas in der Regel nicht.) Auch an den beiden Lehrerfortbildungstagen pro Jahr ist die BSO ganztägig geöffnet.

Und was machen die Kinder dort den ganzen (Nachmit)Tag?

Spielen natürlich! In der BSO gibt es jede Menge Spielzeug: Brett- und Kartenspiele, Lego, Playmobil, Kapla, K’nex, eine gut ausgestattete Spielküche (mit Waschmaschine und Bügelbrett), Sachen zum Verkleiden, Handpuppen usw. usw. Es wird gemalt, gebastelt (unter Anleitung aber keinesfalls obligatorisch: wer lieber spielen möchte, malt/bastelt halt nicht), draußen gespielt, auch mal Kinderfilme geguckt, vorgelesen, …. Wie damals in der Kita „behandeln“ die Erzieherinnen in der BSO verschiedene Themen, z.B. Kunst, den Königstag, Sinterklaas, Sommer, der Körper, usw.

In den Ferien gibt es auch ein eigenes Thema, an das die Mal- und Bastelprojekte, Bücher und Filme angepasst werden. In den diesjährigen Sommerferien war das: Safari. Die Kinder haben unter anderem T-Shirts mit Tarnfarben bemalt, eine Feldflasche gebastelt, Dschungelbilder ausgemalt, Tier-Quartett gespielt, und an einem der Regentage offenbar den Film „Madagaskar“ geguckt. Nehme ich jedenfalls an, denn der kleine Kaaskop sang zuhause plötzlich „Ei leikta muhwin muhwin!“. Und lachte darüber, dass die Erzieherin das ja ganz falsch ausgesprochen hatte! In der letzten Ferienwoche gingen sie dann „richtig“ auf Safari. Dabei gingen sie u.a. im Wald auf Spurensuche, haben Asseln und sogar einen Salamander gefunden und wurden tierisch geschminkt. Zum Abschluss veranstalteten die Kinder eine kleine Show mit einem „Safaritanz“ und es gab sogar ein echtes „Safari-Zeugnis“.

Die BSO ist für werktätige Eltern wirklich eine große Entlastung und der kleine Kaaskop geht gerne hin. Klar, manchmal hat er keinen Bock, aber hinterher erzählt er immer, dass er dort Spaß hatte und nach unserem Urlaub hat er sich gefreut, alle seine BSO-Freunde wiederzusehen.

Welche Möglichkeiten gibt es da heutzutage eigentlich in Deutschland? Früher (=als ich noch zur Schule ging), gab es ja nur nicht berufstätige Mütter und Schlüsselkinder, wenn ich mich recht erinnere.

 

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BBQ mit den Nachbarn und das erste Zeugnis (jedenfalls fast)

Gestern abend haben wir mit unseren Nachbarn bei einer gemeinsamen Grillparty den Anfang der Schulferien in unserer Region gefeiert. Schön war das! Jede Familie steuerte etwas zu essen und zu trinken bei, und dann saßen und standen wir auf dem gemeinsamen Platz hinter unseren Reihehausgärten, ließen es uns schmecken, redeten und lachten, während die Kinder um uns herumwuselten. Sogar als die Kinder im Bett lagen und es anfing zu regnen, saßen die meisten von uns noch um den Feuerkorb unter dem Partyzelt zusammen, und trotzten mit 43-Likör und Whiskey dem Regen dieses nassen Sommers. Hoffentlich wird das Wetter im Laufe der Ferien noch besser!

Urlaubsreife Kinder und Eltern

An meinem kleinen Duracell-HasenKaaskop merkte ich eigentlich nicht, dass er urlaubsreif ist, aber die anderen Eltern erzählten, dass man wirklich merken konnte, dass das Schuljahr fast zu Ende ist: die Kinder sind müder als sonst und vor allem am letzten Schultag sind einige abends wohl zu erschöpft zum Essen gewesen. Ich bin selber auch ziemlich urlaubsreif. Ich habe mich zwar mittlerweile an meinen neuen Arbeitsweg gewöhnt, aber auf eine Pause vom alltäglichen working Mom Stress freue ich mich trotzdem. Ich bin in letzter Zeit ziemlich tüddelig (für Nicht-Norddeutsche: zerstreut), habe keine Lust zu irgendwas und überhaupt: ich will einfach Uuuuurlaub!

10-Minutengespräche und das erste Zeugnis

Und dann gab es natürlich am letzten Schultag auch noch Zeugnisse! Der kleine Kaaskop, der ja erst seit seinem 4. Geburtstag im Januar in Klasse 1/2 geht, hat zum Glück noch Schonfrist und bekam in seiner Grundschulzeugnismappe nur eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Beobachtungen seiner Lehrerin mit nach Hause. Was drin steht, hatten der große Kaaskop und ich schon letzte Woche beim 10-Minutengespräch erfahren. Kurz vor den Sommerferien werden nämlich alle Eltern zu einem 10-minütigen Eltern-Lehrer-Gespräch über die Leistungen ihrer Kinder in die Schule eingeladen. (Und nein, hier in Holland muss man da nicht auf den winzigen Holstühlchen der Kinder sitzen.) Es war ein angenehmes Gespräch, in dem wir erfuhren, dass die beiden Klassenlehrerinnen den kleinen Kaaskop als sehr „frei“ empfinden. „Eigensinnig“ wollten sie ihn nicht nennen, es war nicht negativ gemeint. Er macht gut im „Unterricht“ mit, aber er ist auch leicht abgelenkt und wenn er keine gute Erklärung bekommt, warum er etwas tun oder nicht tun soll, macht er lieber das, was er selber besser findet. Tja, das ist ja nichts Neues für uns. Ich fand es aber schön, dass die Lehrerinnen den kleinen Kaaskop auch für ziemlich schlau halten, dass sie bestätigten, dass er immer gut gelaunt ist und dass sie finden, dass er sich wohlfühlt in seiner Haut. (Also, das klingt im Deutschen jetzt irgendwie blöd. „lekker in je vel zitten“ ist doch etwas mehr. Mehr: er ist im Einklang mit sich selbst; es geht ihm (mental) gut; so etwas in diese Richtung.) Das hört man doch gerne als Mutter!

Neue Klasse, neues Fahrrad

Im „Zeugnis“ vom kleinen Kaaskop stand auch ein Satz, den ich schon aus dem Entwicklungsgespräch in der Kita kannte: „Dem kleinen Kaaskop fällt es noch schwer, zu warten,bis er dran ist.“ Tja. Kann mir gut vorstellen, dass das unter anderem daran liegt, dass er Einzelkind ist, wie eine Erzieherin in der Kita mal suggerierte. Er braucht ja zuhause selten zu warten. Nicht, dass wir ihm jeden Wunsch sofort erfüllen, aber oft gibt es einfach keinen guten Grund ihn warten zu lassen. Auch Erwachsene hassen es schließlich, warten zu müssen! Nun hätten wir mit dem neuen Fahrrad für unser kleines Schulkind eigentlich bis Weihnachten oder seinem Geburtstag warten können. Wegen Gefahr des materiellen Verwöhnens und so. Aber sorry: das alte Fahrrad war wirklich zu klein geworden! Das sah einfach doof aus, so ein großer Junge auf so einem kleinen Fahrrad. Und so gab es dank eines Spontankaufs auf marktplaats.nl (sowas wie eBay) am letzten Schultag vor den Ferien ein neues Fahrrad für den kleinen Kaaskop. Ein „Ritterfahrrad“, wie er – im Gegensatz zu uns – sofort sah. Mit dem saust er seitdem um die Häuser.

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Nach den Ferien kommt der kleine Kaaskop übrigens in eine neue Klasse. Zu den beiden Misch-Klassen 1/2 kommt nach dem Umbau der Schule nämlich eine „reine“ 1. Klasse hinzu und wird neu gemischt. Das bedeutet zwar, dass der kleine Kaaskop zwei andere Klassenlehrerinnen bekommt, aber die kennt er schon UND er kommt in die gleiche Klasse wie sein bester Kumpel aus der jetzigen Parallelklasse, hurra! Und worüber ich mich noch gefreut habe: wir haben beim 10-Minutengespräch erfahren, dass das abgelaufene halbe Schuljahr für den kleinen Kaaskop quasi die 0. Klasse war und er erst nach dem Sommer offiziell in die 1. Klasse kommt. Das heißt, er ist dann sechseinhalb, wenn er in die 3. Klasse kommt, in der die Schule richtig losgeht, mit Hausaufgaben und so (die niederländische 3. Klasse entspricht in etwa der 1. Klasse in Deutschland). Nicht, dass ich aus Sicht einer deutschen Mutter die ersten beiden Vorschuljahre besonders frei und verspielt finde, aber man nimmt, was man kriegen kann.

Jetzt kriegen wir aber erstmal die Sommerferien! Na gut, ein Woche muss ich noch arbeiten, aber dann geht’s ab an die Ostsee. Lekker nichts müssen, schön an den Strand gehen, Freunde und Familie wiedersehen…. Ich kann es kaum erwarten! Aber wo wir schon wieder beim Warten sind: mein Bett wartet. Gute Nacht!

 

Ein Tag in einer niederländischen Vorschule

So, ich hoffe, ihr habt etwas Zeit mitgebracht. Denn heute werde ich endlich, endlich ausführlich erzählen, was der kleine Kaaskop in der Vorschule hier in Holland den ganzen Vormittag so treibt! Ein paar Erkenntnisse aus meinem ersten Monat als Mutter eines Vorschulkindes habe ich ja hier schon zusammengefasst.

Freitagsalltag in Klasse 1/2 B

An einem Freitag Anfang März habe ich also den kleinen Kaaskop in die Schule begleitet. Um 8.35 Uhr geht die Schultür auf und bis der „Unterricht“ um 8.50 Uhr anfängt, dürfen die Kinder mit ihren Eltern noch etwas spielen oder lesen in ihrem Klassenzimmer. Erst müssen sie aber nach dem Aufhängen der Jacken und Rucksäcke (mit dem Vormittagssnack und dem Lunch) beim Reingehen der juf (das „Fräulein“, also die Lehrerin; ausgesprochen „jüff“) die Hand schütteln und „Guten Morgen“ wünschen.

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Um 8.45 Uhr darf ein Kind das „Aufräumlied“ anmachen. Alle Puzzle, Bücher usw. werden an ihren Platz zurück gelegt, die Eltern gehen und viele Kinder winken ihnen am Fenster noch hinterher. Wenn dann alle ordentlich an ihrem aktuellen Gruppentisch sitzen (die Zusamenstellung ändert sich von Zeit zu Zeit) und so still sind, dass die juf die Uhr ticken hören kann, dürfen die beiden „Helfer“ der Woche als erste ihren Stuhl in den Stuhlkreis stellen. Wenn alle im Kreis sitzen, begrüßt die juf der Reihe nach jedes Kind persönlich und fragt, ob es noch was erzählen möchte. An dem Freitag, als ich da war, hatte zum Beispiel ein Kind neue Schuhe bekommen, die es allen zeigen durfte; eins hatte am Tag zuvor beim Optiker eine neue Brille aussuchen dürfen und ein anderes erzählte, dass es am Wochenende mit Oma in den Zoo gehen würde. Wer nichts erzählen möchte, braucht das auch nicht zu machen.

Wenn alle dran gewesen sind, singt die juf das Wochenlied, in dem alle Wochentage aufgezählt werden. Dann fragt sie eins der Kinder, ob es weiß, welcher Tag gerade ist. Das geht ganz ohne Druck oder Beurteilung. Wenn klar ist, welcher Tag es ist und der wievielte Tag der Woche das ist, darf einer der beiden Helfer auf der Wochentafel die Markierung auf den richtigen Tag schieben. Dann werden Datum und Monat ermittelt und besprochen, welche juf heute da ist (Mo und Di juf H. und Mi, Do und Fr juf L.) und ob es ein kurzer oder langer Tag ist (ein kurzer, also nur bis 12.20 Uhr).

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Anschließend holt die juf ein Buch hervor und liest etwas vor. Weil Freitag war, gab es aber keine Geschichte, sondern ein kurzes Gedicht mit Bezug zum christlichen Glauben. Der kleine Kaaskop geht nämlich in eine katholische Schule. Einfach, weil die öffentlichen Schulen keinen guten Ruf haben und uns bei der protestantischen zuviel Nachdruck auf die Religion gelegt wurde. In Deutschland ist das ja eher umgekehrt, oder?

Soweit der alltägliche Start des Schultages. Danach holte die juf einen Korb mit Deko-Hühnern, Plastikeiern und Küken aus der Thema-des-Monats-Ecke hervor.

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Sie hatte eins der Hühner zur Glucke ernannt und geschlossene Eier darunter gelegt. Die schnitt sie nach und nach heimlich durch und setzte ein paar neue Küken in den Korb. Jeden Morgen guckten die Kinder aufgeregt, ob schon neue Küken „geschlüpft“ waren. Jetzt im Stuhlkreis durften ein paar Kinder zählen,wie viel Eier noch unter der Henne lagen, und ein paar andere,wie viele Küken schon im Korb saßen. Das Ergebnis der Eierzählung fiel recht vielfältig aus: der kleine Kaaskop zählte 7, seine Stuhlnachbarin 8, ein anderes Kind 6… Die juf kommentierte nichts, sondern nannte die richtige Anzahl einfach als sie weitersprach. Als auch die Kükenanzahl ermittelt worden war, sollten die Kinder raten,wie viele Küken denn da sein würden, wenn alle geschlüpft sind. Beim Zählen halfen ihnen die Karten an der Wand:

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Nach dem Rechenspiel waren die Buchstaben dran. Ein Kind durfte aus einem Korb einen Zettel ziehen und die Kinder sollten sagen, welcher Buchstabe darauf steht. Dann legte die juf den Zettel zu den Buchstabenzetteln der vergangenen Woche in einem anderen Korb und zog sie alle nacheinander hervor, damit die Kinder im Chor die einzelnen Buchstaben nennen konnten. Die behandelten Buchstaben bzw. Laute, hängen mit dazupassenden Bildern auch auf einer Tafel im Klassenzimmer. Aktuell war der Laut „ei“ an der Reihe, wie in meisje (Mädchen) und weide (Weide):

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Nach dem Stuhlkreis ist es Zeit für den Vormittagssnack. Mittwochs und freitags soll das ein Stück Obst sein. Daran halten sich aber nicht alle Eltern; ein Kind vom Gruppentisch des kleinen Kaaskop hatte an diesem Freitag ein Marmeladenbrot dabei.Die juf geht rum, um Äpfel durchzuschneiden, Bananen aufzumachen und zu gucken, was die Kinder dabei haben. Wer schon fertig ist, bevor der Beeper erklingt, darf ein Buch aus der Bücherkiste holen und es sich anschauen.

Nach der Pause ist es Zeit für ein werkje, also eine kleine Aufgabe. Dann wird zum Beispiel gruppenweise etwas gebastelt oder ein Zahlenspiel gespielt oder so. Dafür gibt es einen Wochenplan, in dem steht, welcher Gruppentisch wann was macht. Aber die juf entschied, dass die Kinder in dieser Woche „so hart gearbeitet“ hatten, dass sie stattdessen spielen durften. Dafür hängt ein kiesbord (wörtlich: Wahlbrett) an der Wand, auf dem die Spielmöglichkeiten (z.B. Puppenecke, Playmobil, Eisenbahn, Knete..) abgebildet sind. Die Kinder hängen der Reihe nach ihr Namensschild dorthin, womit sie spielen möchten. Es dürfen aber nicht mehr als vier Kinder das Gleiche wählen (wegen Platzmangel/Streitrisiko vermute ich). Nur für den Maltisch gilt das nicht.

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Danach ist Draußenspielen angesagt. Die Kinder müssen wieder erst alle ganz still auf ihren Stühlchen sitzen und dürfen dann nacheinander ihre Jacken holen und anziehen. Dann stellen sie sich in 2er-Reihen auf und marschieren raus auf den Schulhof. Weil auf der basisschool (Vor- und Grundschule) Kinder von 4 bis 12 Jahre rumrennen, haben Unter- und Oberstufe getrennte Schulhöfe. Die juf holt Sandspielzeug, Dreiräder und zwei Bälle aus dem Schuppen und setzt sich auf einen Stuhl in der Sonne, während die Kinder ihre Energie rauslassen.  Um kurz nach 12 Uhr gehen sie dann wieder rein und setzen sich (mit den Jacken noch an) wieder auf ihre Plätze und wenn alle still sind, wünscht die juf ihnen ein schönes Wochenende und müssen die Kinder noch ihre Stühle auf den Tisch stellen, bevor sie nach draußen zu den wartenden Eltern rennen dürfen.

Mein Eindruck vom Vorschulalltag

Mir sind ein paar negative und positive Dinge aufgefallen, während ich an diesem Tag Mäuschen spielte. Gut fand ich zum Beispiel, dass alle kleineren Kinder einen eigenen Buddy haben (eins der älteren), der ihnen zum Beispiel beim Jackezumachen hilft. Außerdem hat jedes Kind eine feste Aufgabe, zum Beispiel das Anschalten des  CD-Players mit dem Aufräumlied, Fensterschließen, für Ordnung im Bücherregal sorgen, die Spielteppiche wieder aufrollen und in das Regal im Flur legen, usw.

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Dass die juf die Antworten der Kinder beim Zählen nicht mit „falsch“ oder „richtig“ kommentierte, fand ich auch sehr gut. Sie hat sowieso eine Engelsgeduld, denn es wurde viiiiiel Zeit damit verbracht, zu warten, still sitzen. Und ständig musste jemand aufs Klo! Die Kinder gehen dort alleine hin (das Klo befindet sich schräg gegenüber des Klassenzimmers), aber es darf immer nur ein Kind zur Zeit und wenn es der juf zu lange dauert, schickt sie ein anderes Kind hin, um nachzusehen, wo das Kind bleibt. Trödeln beim Pipimachen ist also nicht drin. Auch beim Essen nicht, denn dafür wird der Beeper gestellt. Mit einer ganzen Klasse (ca. 24 Kinder) zu warten bis auch der langsamste Esser fertig ist, wäre für die Tagesplanung etwas unpraktisch und außerdem sollen die Kinder in Klasse 1/2 ein Gefühl für Zeit entwickeln. In dieser Phase sollen sie sich hauptsächlich an den Schulalltag gewöhnen und auf den „richtigen“ Unterricht ab der 3. Klasse (die in etwa der 1. Klasse in Deutschland entspricht) vorbereitet werden.

Alles in allem musste mir der kleine Kaaskop mit seinen 4 Jahren aber etwas zu oft/lange stillsitzen. Er zappelte auch ordentlich herum und damit war er absolut nicht der einzige! Zum Glück kriegen die Kinder zwischendurch auch Gelegenheit zum Bewegen und in der Nachmittagsbetreuung, wo der kleine Kaaskop montags, dienstags und donnerstags hingeht, ist von den gemeinsamen Essmomenten abgesehen freies Spielen angesagt.  Mittwoch- und freitagnachmittags und am Wochenende kann er auch den ganzen Tag rumrennen. Und überhaupt, was willste machen? Jedes Schulsystem hat so seine Vor- und Nachteile, und aus der Sicht der Eltern von heute meistens eher Nachteile, denke ich. Die größten Unterschiede zwischen dem niederländischen und dem deutschen Schulsystem könnt ihr übrigens hier auf dem Blog Buurtaal nachlesen.

 

 

 

Einen Monat Schulkindmutter – was ich gelernt habe

Jetzt geht der kleine Kaaskop schon seit gut 3 Wochen in die Schule und heute will ich endlich mal erzählen, wie es dort läuft. Nämlich nach wie vor gut, hurra! Weil die Schule erst um 8:45 Uhr wirklich anfängt, haben wir morgens etwas mehr Zeit. Der Abschied nach der Spielviertelstunde im Klassenzimmer von 8:30-8:45 Uhr klappt meistens prima, dicke Umarmung und Küsschen, am Fenster winken und das war’s. Der kleine Kaaskop hat schon ein paar Mal einen Aufkleber gekriegt als Belohnung für’s Stillsitzen/Warten, bis er dran ist/o.Ä. Er hat offenbar schon Anschluss gefunden (mal wieder bei den älteren Kindern seiner Kombi-Klasse mit Kindern zwischen 4 und 6) und schon seine erste Spielverabredung nach Schulschluss gehabt. Alles prima also!

Es ist aber schon eine ziemlich Umstellung unserer Alltagsroutinen, schließlich geht der kleine Kaaskop nun nicht mehr nur an 3 Tagen in der Woche in die Kita, sondern muss an 5 Tagen in die Schule. Und der große Kaaskop und ich haben unsere Teilzeittage getauscht. Mittwoch und Freitag sind an der Schule des kleinen Kaaskop nämlich „kurze“ Tage, da geht der Unterricht nur bis 12:15 Uhr. Und deshalb habe ich jetzt freitags frei statt montags, und der große Kaaskop mittwochs statt freitags. Ich warte noch darauf, dass ich am Mittwochnachmittag kein Wochenendgefühl mehr habe…

Woran ich mich auch noch gewöhnen muss: dass ich eigentlich keine Ahnung habe, was mein Kind den ganzen Tag so macht! In der Kita gab es ja ein festes Programm und war hauptsächlich Basteln und freies Spielen angesagt. Dank der Fotos und Kurzberichte im Intranet konnte ich auch immer ein bisschen mitverfolgen, was die Kinder dort machten. Aber ich habe nur eine blasse Vorstellung davon, wie es in einer niederländischen Vorschule zugeht! Die Bastelwerke am Fenster lassen einige Schlüsse zu, ich weiß, dass freitags geturnt wird, und an der Wand hängen oft Plakate mit Wörtern, die mit dem gleichen Buchstaben anfangen, der dann groß in der Mitte steht und in allen Wörtern farbig ist. Wenn ich den kleinen Kaaskop frage, was er in der Schule gemacht hat, antwortet er immer „Weiß ich nicht“ oder „Nichts“. Pff.

Neulich traf ich beim Abholen eine andere Lehrerin, die sagte, sie kenne den kleinen Kaaskop aus dem Rechenunterricht. Äh, wie bitte?! Rechenunterricht? Mit vier?? Aber wie ich erfuhr, wird die Kombi-Klasse 1/2 B nachmittags geteilt: die älteren Kinder lernen dann mit den älteren Kindern der Kombi-Klasse 1/2 A zusammen Zählen/erstes Rechnen, und die kleineren Kinder machen zusammen Zählspiele. Dann dürfen sie zum Beispiel der Reihe nach Tierkarten aus einem Korb nehmen und ein bestimmtes Tier behalten, und am Ende zählen sie zusammen, wie viele Tierkarten sie abgekriegt haben.

Wie ich schon gemerkt habe, kriegt man als Schulkind-Eltern nicht automatisch Informationen geliefert, sondern muss selber schauen, dass man lernt, wie der Hase läuft. Das war in der Kita irgendwie anders. Neulich hing zum Beispiel ein Zettel an der Klassenzimmertür, auf dem stand, dass wieder Teeschachteln gebraucht würden. Wofür? Keine Ahnung, aber ich gab dem kleinen Kaaskop ein paar Tage später eine mit. Letzten Freitag bekam er sie wieder mit nach Hause, sie hatten offensichtlich eine Art Spardose daraus gebastelt. (Eine andere Mutter war noch fleißig am Sparen und hatte den unbekannten Abgabetermin verpasst. Ihr Kind musste eine Reserveschachtel verbasteln.) Ich fragte die juf (die Holländer nennen Lehrerinnen noch „das Fräulein“!), was wir damit machen sollen und erfuhr, dass es sich um eine feste Aktion handelte, bei der die Kinder für kleine Arbeiten zuhause mit etwas Geld für in die Spardose belohnt werden. Das Geld ist für ein Toiletten-Projekt für Kinder in Uganda. Ah-ha! Heute bekam ich zufällig mit, dass die Spardosen zu Ostern wieder in der Schule abgegeben werden sollen! Ich hatte ein „n“ überhört: es war keine feste Aktion (vaste actie), sondern eine Fastenzeitaktion (vastenactie)! Das hätte die juf doch wohl mal etwas genauer erklären können, sie weiß doch, dass für uns alles neu ist?

Was ich außerdem in den letzten Wochen herausgefunden habe:

  • Die Unterschiede zwischen den Geburtstagsgeschenken für die juf sind gigantisch: von Zeichnungen/Bastelwerk über Blumen bis hin zu riesigen Pralinenschachteln und anderen „richtigen“ Geschenken war alles dabei.
  • Die Turnschuhe, die der kleine Kaaskop laut Infoheftchen braucht, waren rausgeschmissenes Geld. Die Kinder turnen offenbar barfuß. Mal davon abgesehen habe ich keinen Stundenplan oder so bekommen und wüsste gar nicht, an welchem Tag Sport auf dem Programm steht, wenn ich nicht unsere Nachbarin, deren Sohn in die gleiche Klasse geht, gefragt hätte.
  • Schulkinder haben verdammt oft frei. Neben den Ferien gibt es u.a. noch Fortbildungstage für die Lehrer. Zum Glück hat dann der BSO (=/- Hort) geöffnet. Über den BSO und die Tageseinteilung blogge ich demnächst nochmal ausführlicher.
  • Mittwochs und freitags ist zwar offiziell Obsttag und muss der Vormittagssnack aus Obst bestehen, aber dass manche Kinder trotzdem ein Brot mit hagelslag mitbringen, stört offenbar niemanden.
  • Wenn ich dann aber dem kleinen Kaaskop ein winziges Stück Schokolade in die Brotdose schmuggel, weil er seine erste Woche als vollwertiges Vorschulkind fast überstanden hat, ist das nicht okay.
  • Die Regel „Keine Süßigkeiten“ gilt nicht für den BSO. Was der kleine Kaaskop dort schon alles an Geburtstags-, Abschieds- und sonstigen Feiersnacks gekriegt hat, passt in keinen Zuckertopf!
  • Der kleine Kaaskop spielt nach wie vor am liebsten mit älteren Kindern. Das wird noch was, wenn seine Lieblingsklassenkameraden nach den Sommerferien in die dritte Klasse aufsteigen!
  • Für Eltern von Schulneulingen gibt es kein 10-Minuten-Gespräch (ein kurzes Gespräch zwichen Lehrerin und Eltern über die Entwicklung/Leistungen des Kindes, das 2-mal pro Jahr stattfindet). Schade, ich hätte gerne zu einem ruhigen Zeitpunkt von der juf gehört, wie der kleine Kaaskop sich so macht. Aber das ist offenbar nicht vorgesehen.
  • Mittwochs nach der Schule schwimmen zu gehen, ist keine gute Idee. Der kleine Kaaskop hat zwar im Gegensatz zu vielen anderen Schulanfängern nicht plötzlich wieder das Bedürfnis, Mittagsschlaf zu machen, aber Schwimmen ist auch ihm zuviel. Er war total hyper, trotzig und was weiß ich noch alles.
  • Auch die 5- und 6-Jährigen bekommen schon richtige Halbjahreszeugnisse.
  • Die 3 Stunden Me-Time freitags vormittags vergehen wie im Flug. An meinen Fotobüchern habe ich zum Beispiel noch nicht eine Sekunde gearbeitet. Und diese Woche sind Ferien, da fällt die freitägliche Me-Time sowieso flach.

Die neue Ära „Vorschulzeit“, vor der es mir ein wenig graute, hat also ziemlich reibungslos angefangen. Dem kleinen Kaaskop gefällt es in der Schule und im BSO prima!

 

Mein letzter ganzer Mamamontag

Also, normalerweise bin ich ja bei uns diejenige, die wichtige Daten im Kalender notiert und auch im Kopf behält. Trotzdem habe ich letzten Montag total verpennt, dass es mein vorläufig letzter ganzer Mamamontag mit dem kleinen Kaaskop war! Schluck!

Kurz vor Weihnachten bekam der kleine Kaaskop nämlich sein Willkommenspaket von der Schule, in die er ab seinem 4. Geburtstag Ende Januar gehen wird. In die Vorschulklasse, wie das hier in Holland ab dem 4. Geburstag halt üblich ist. Mit 5 werden die Kinder dann ganz schulpflichtig, etwas gewöhnungsbedürftig für Mütter deutschen Ursprungs… In der Vorschulklasse wird zwar noch viel gespielt und im Stuhlkreis vorgelesen und gesungen und so, aber die Buchstaben und Zahlen lernen die Kinder dort auch schon ernsthaft. Ein ganz anderes Kaliber als die Kita! Von der neuen Umgebung, den neuen Kindern und juffen („Fräuleins“) mal ganz abgesehen.

Jedenfalls fängt morgen schon die Eingewöhnung an. 5 Vormittage darf der kleine Kaaskop in seiner künftigen Klasse „schnuppern“, bevor es richtig losgeht. Weil ja in den Weihnachtsferien niemand zu erreichen war, bin ich also letzten Montag, als die Ferien vorbei waren, gleich mit dem kleinen Kaaskop zur Schule geradelt, um zu vereinbaren, wann genau die „Schnuppertage“ sein werden. Der Einfachheit für uns Eltern halber wollten wir sie auf unsere freien Tage legen, also montags und freitags. Das war kein Problem, aber ich hatte halt nicht daran gedacht, dass dadurch der letzte Montag auch schon mein letzter Montag war, den der kleine Kaaskop ganz mit mir verbringt! Ahhhh! Eigentlich wollte ich an unserem letzten gemeinsamen Mamamontag etwas Besonderes mit ihm unternehmen, aber dazu ist es jetzt ja zu spät, Mist.

Morgen also wird der kleine Kaaskop um 8.35 Uhr in sein künftiges Klassenzimmer marschieren, dort noch bis 8.50 Uhr mit Papa spielen, rumgucken oder sonstwas tun, einer seiner beiden juffen zum ersten Mal die Hand schütteln, und dann wird der große Kaaskop wie alle Eltern gehen und der kleine Kaaskop wird bis 12.15 Uhr das (Vor-)Schulkinddasein üben! Mein großer kleiner Junge….

Ich bin ja gespannt, wie es dem kleinen Kaaskop in der Schule gefällt. Er freut sich jedenfalls schon sehr darauf. Kein Wunder, denn in der Kita kennt er mittlerweile alles Spielzeug und in der letzten Zeit sind immer mehr von den „großen“ Kindern, mit denen er am liebsten spielt, 4 geworden und weggegangen. Weil es in seiner Gruppe Kinder von 2 bis 4 Jahre gibt, sind die Aktivitäten außerdem halt auf Kinder unter 4 abgestimmt. Der kleine Kaaskop ist aber reif für neue Herausforderungen! Na, die wird er in der Vorschule sicher kriegen. Und ein paar Kinder, die er aus der Kita kennt, gehen auch in diese Schule, 2 davon in seine Klasse. Das beruhigt mich schon mal sehr, denn ich hoffe, dass dem kleinen Kaaskop die Eingewöhnung und der Abschied dadurch etwas leichter fallen werden.

Selbst freut sich der kleine Kaaskop ja offenbar am meisten aufs Spielen und die „Comtjuters“. In dem kleinen Willkommensbüchlein stand nämlich, dass es in seiner Schule eine Bauecke, eine Puppenecke, etc. und Computer gibt. Das ist natürlich spannend! Als wir am Montag dort waren, fragte er auch gleich seiner juf das Hemd vom Leib mit gaaanz wichtigen Fragen: „Wo ist das Spielzeug?“, „Wo sind die anderen Kinder?“ (schon zuhause), „Warum bist du dann noch hier?“ Hihi!

Ach ja. Eine neue Ära beginnt. Das stimmt mich ein bisschen melancholisch. Aber ich freue mich auch auf 3 Stunden Me-time jede Woche! Vielleicht schaffe ich es dann endlich mal, die Fotos aus 2013, 2014 und 2015 zu Fotoalben zu verarbeiten. Erstmal aber werde ich mich der Geburtstagsfeierplanung widmen. 4 werden und ein Schulkind werden ist ja nicht Nichts! Der kleine Kaaskop will eine brennende Torte und eine Feuerwehrtorte, oha! Den Schultüteninhalt habe ich auch noch nicht komplett. Genug zu tun also. Ich werde berichten!

Ein paar Gedanken zum Thema „Einschulung“

Auch hier in Holland sind die Sommerferien vorbei (je nach Region). Auf Instagram und Facebook stolpere ich in letzter Zeit oft über Einträge mit dem Thema Einschulung, Schultüte undsoweiter. Die habe ich immer nur flüchtig angeschaut und gelesen, da der kleine Kaaskop erst nächstes Jahr in die Schule kommt und es hierzulande auch gar keine „richtige“ Einschulung gibt, wie ich hier schon mal bejammert habe.

Nun bin ich aber beim muttersprachenkompetenzerhaltenden Rumstöbern auf welt.de auf diesen Artikel hier gestoßen, und frage mich verwundert: Stimmt das?? Ist der Hype um die Einschulung heutzutage wirklich so groß? Dass man die Schultüte unbedingt selber basteln muss, was da alles reinkommt anno 2015, dass man eine Einschulungsparty schmeißt und mehr als nur Papi, Mami, Geschwister, und Opas und Omas in die Aula mitbringt? Echt jetzt?

So aus der Ferne betrachtet, kann ich darüber jedenfalls nur den Kopf schütteln. Ich steck ja nicht drin. Mit nur den Erinnerungen an meine eigene Einschulung im Jahre 198X als Ausgangspunkt finde ich das alles ziemlich übertrieben. Auf Instagram erzählte jemand, dass eins der Geschenke nicht in die Schultüte passte und deshalb separat überreicht werde. What the...?! Wenn es nicht reinpasst, gehört es doch auch nicht in (bzw. zur) Schültüte, oder bin ich jetzt arg engstirnig? Da gehören doch Kleinigkeiten rein?! Was zum Naschen, Stifte, lustige Radiergummis, meinetwegen ein cooler Trinkbecher oder etwas kleines von Playmobil…

Gut, wie gesagt, ich steck da ja nicht drin. Aktuelle deutsche Gebräuche rund um Themen wie „Einschulung“ kenne ich halt nur vom Hörensagen (bzw. Hörenlesen). Vermutlich haben sich die Zeiten einfach geändert. Ich könnte mir auch vorstellen, dass solche Trends (wie übrigens persönliche Motivtorten und durchgestylte Themenpartys zum Kindergeburtstag auch) etwas damit zu tun haben, dass viele Eltern heutzutage den Drang empfinden, die eigene Persönlichkeit ihres einzigartigen Kindes hervorzuheben, ihm unvergessliche schöne Kindheitserinnerungen zu bescheren und mit den Anstrengungen anderer Eltern mitzuhalten. Und ich gebe zu, ich lasse mich bei sowas auch gerne mitreißen (siehe Geburtstagstorten des kleinen Kaaskop)! Aber der große Kaaskop mit seiner eher nüchternen holländischen Einstellung gibt mir dann meistens einen Reality Check. Als ich zum Beispiel damals bei den Hochzeitsvorbereitungen, angestachelt durch Hochzeitszeitschriften aus aller Welt, ernsthaft über die Farbe der Servietten diskutieren wollte, hat er mich laut ausgelacht. Zurecht!

Deshalb wird es für den kleinen Kaaskop im Januar nicht nur weil wir nicht in Deutschland wohnen keinen großen Trubel um die Einschulung geben. Abschiedsgeschenke in der Kita: ja! (Wahrscheinlich werde ich, obwohl Schultüten hier in Holland unbekannt sind, kleine Schultüten für die Kinder basteln.) Schultüte: ja! (Wobei mir der richtige Zeitpunkt der Überreichung noch Kopfzerbrechen bereitet.) Besonderes Outfit: nein! (Das wird er eh verweigern und für die anderen Kinder ist es ein ganz normaler Schultag.) Einschulungstorte: nein! Familie zu diesem besonderen Tag einladen: nein! (Macht man hier nicht. Der große Kaaskop lacht wirklich jedes Mal in sich hinein, wenn ich dem kleinen Kaaskop „Conni kommt in die Schule“ vorlese und an der Stelle bin, an der Oma Marianne und Opa Willi vor der Tür stehen, weil sie Connis ersten Schultag miterleben wollen. Pöh!) Teurer, überstylter Schulranzen: nein! (Da die ersten zwei Jahre in der basisschool ja eher Vorschule sind und die Kinder noch keine Bücher, Hefte undsoweiter brauchen, gibt es für niederländische Schulanfänger traditionell nur eine schicke Brotdose plus matching Trinkbecher zum vierten Geburtstag (=Schulanfang). Und einen stinknormalen kleinen Rucksack. Ich kann das noch mal recherchieren, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der klassische Ranzen, wie wir Deutsche ihn kennen, hier in Holland nicht existiert. Niederländische Schüler tragen College-Rucksäcke, z.B. die bekannten von Eastpack oder Fjällraven.)

Der Hauptgrund dafür, dass die Einschulung des kleinen Kaaskop nicht zum Spektakel wird, ist natürlich der, dass wir nun mal nicht in Deutschland leben, aber insgeheim bin ich froh drum, da nicht mitmachen zu müssen, wenn das heutzutage solche Formen annimmt! Klar, so einen gemeinsamen Einschulungstag für alle Schulanfänger hätte ich hier auch gerne. Und dass Opa und Oma dabei sind, finde ich auch prima. Aber hallo: Einladungen verschicken und nachmittags eine Party schmeißen? Muss nicht sein… Und auf Schultüte basteln hätte ich auch keinen Bock. Weil der kleine Kaaskop aber trotzdem eine bekommen soll, schließlich ist er ja Halbdeutscher und gehört die Schultüte für deutsche Kinder nun mal zur Einschulung dazu, habe ich bei einem meiner letzten Deutschlandbesuche vorsorglich schon mal eine gekauft. Eine mittelgroße, in die nur ein paar Kleinigkeiten reinkommen werden: Pixi-Bücher, Stifte, was von Playmobil vermutlich, was Essbares, vielleicht ein Schleich-Tier oder so…. Mal schauen, was ich so alles finde (und was reinpasst).

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Und wie lief die Einschulung bei euren Kindern? Wird in dem Artikel der „Welt“ übertrieben?

Die Qual der Schulwahl

Neulich hatte ich ja erzählt, dass eine der Erzieherinnen von der Kita-Gruppe des kleinen Kaaskop meinte, er sei ein schlauer kleiner Kerl. Sie sagte nämlich: „Er weiß so viel und merkt sich alles!“ Und dann sagte sie noch, bei ihrem Sohn sei es genauso gewesen und der ginge jetzt in eine Klasse für überdurchschnittlich intelligente Kinder (beim Lesen ist er z.B. schon ein Schuljahr weiter als der Rest). Oha! Das ist dann vielleicht etwas, worauf der große Kaaskop und ich achten müssen, wenn wir eine Schule für unseren kleinen Mann aussuchen.

Wir haben nämlich neulich einen Brief von der Stadt gekriegt, in dem wir gefragt wurden, ob wir B. schon bei einer Grundschule angemeldet hätten. For the record: Er ist noch nicht einmal zweieinhalb… Aber Einschulung ist hier in Holland ja schon mit 4 Jahren, und oft haben die beliebten Schulen Wartelisten. Viele von B.’s Kita-Kumpels sind schon lange bei der beliebten Schule im Nachbarviertel angemeldet. Wir müssen uns jetzt wohl doch auch mal damit befassen.

Seufz. Ich hab eigentlich gar keine Lust, jetzt schon an die Zeit zu denken, wenn der kleine Kaaskop eingeschult wird. Nicht nur, weil es hier in Holland leider keine richtige Einschulung wie in Deutschland gibt, was ich sehr schade finde. Hier geht das Einschulen ungefähr so: in den Wochen vor dem 4. Geburtstag geht das Kind stundenweise (anfangs mit Mama oder Papa) in seiner neuen Klasse „schnuppern“. An seinem 4. Geburtstag ist Abschiedsfeier in der Kita und ab dem Tag nach dem 4. Geburtstag geht es dann halt in die Schule anstatt in die Kita. (Ausnahme: der Geburtstag liegt kurz vor den Sommerferien.) Klar, auch hier ist der erste Schultag etwas ganz Besonderes, aber irgendwie finde ich die klassische deutsche Einschulung schöner…

Und überhaupt: 4 Jahre ist noch so jung! Und dann soll schon der „Ernst des Lebens“ anfangen? Ich tröste mich mal damit, dass die ersten zwei Jahre noch größtenteils spielerisch gelehrt wird. Und dass der kleine Kaaskop noch lange nicht 4 wird.

Trotzdem werden wir uns wohl die Liste aller Grundschulen in unserer Nähe genauer angucken müssen, die dem Brief der Stadt beilag. Ein paar fallen sowieso schonmal weg, denn auf eine islamische oder streng evangelische Schule wollen wir unseren Sohn nicht schicken. Und die beliebte Schule im Nachbarviertel hat wie gesagt eine Warteliste und ist von der inspectie voor het onderwijs (Staatliche Schulaufsichtsbehörde) auch gar nicht mal soo gut beurteilt worden, wie der große Kaaskop beim Lesen des Prüfberichts vom letzten Jahr festgestellt hat.

Worauf achtet man denn eigentlich bei der Schulwahl?? Ein kurzer Schulweg ist natürlich immer gut, dann wohnen die Klassenkameraden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Nähe. Ansonsten finde ich persönlich einen schönen Schulhof, eine gute Atmosphäre und nette, kompetente Lehrer wichtig. Einen Blick auf den Schulhof und durchs Fenster kann man ja jederzeit werfen. Aber wie kommt man dahinter, ob die Lehrer nett sind? Und die Schüler? Ehrlich gesagt habe ich ja total keinen Bock, mich damit zu befassen! Da es mir aber wichtig ist, dass mein Sohn eine schöne Schulzeit hat (zumindest in der Grundschule), werde ich wohl in den sauren Apfel beißen müssen…

Im Übrigen denke ich jetzt nicht, dass mein Sohn auf jeden Fall superintelligent ist, keine Sorge! Ich bin zwar manchmal etwas naiv, aber ich gehöre nicht zu den Müttern, die ihre Kinder für die klügsten, begabtesten und tollsten überhaupt halten. Aber man kann diese Bemerkung der Erzieherin ja mal im Hinterkopf behalten und sich darüber schlau machen (hihi!), wie die Schulen in unserer Gegend mit besonders schlauen oder besonders langsam lernenden Kindern umgehen.