Sinterklaas 2016 – über kackende Pferde und das Sinterklaasjournaal

So. Sinterklaas ist wieder auf dem Heimweg nach Spanien. Endlich keine Diskussionen mehr über die Schuhrausstelltage, zu wenig pepernoten im Schuh und ob rommelpiet auch zu uns kommt oder nicht. (Der „Unordnung-Piet“ hat nämlich eines Nachts das Klassenzimmer auf den Kopf gestellt und für die Kinder ein kleines Geschenk zurückgelassen (im Mülleimer!), und der kleine Kaaskop fand das so toll, dass er zuhause auch von rommelpiet besucht werden wollte. Die Bemerkung, dass er selbst schon genug Unordnung macht, habe ich mir mal verkniffen.) Auch die Lehrer/innen werden wohl ganz froh sein, dass der Sint wieder weg ist, denn abgesehen von mehr Arbeit wegen der verschiedenen Sinterklaasaktivitäten bedeutet diese spannende Zeit auch mehr Unruhe in den (Vorschul-)Klassen.

Amerigo macht A-a

Am Freitag war „pietenochtend“ mit pepernoten-Backen, pietengym (Fitnessübungen für Pieten), Film und pepernoten-Bingo und am Montag kam Sinterklaas in der Schule zu Besuch. Der kleine Kaaskop und ich kamen gerade noch rechtzeitig, um mit seiner Klasse auf den Schulhof der höheren Klassen zu marschieren, wo Sinterklaas ankommen sollte. Ich hatte nämlich durch ein Missverständnis nicht mitgekriegt, dass die Kinder an diesem Tag eine Viertelstunde früher kommen sollten. Ähem. Immerhin hatte ich mir den ganzen Tag freigenommen, um pakjesavond (+/- die Bescherung) vorzubereiten und so konnte ich noch kurz bleiben und mir Sinterklaas angucken. Der kam, wie es sich gehört, auf seinem Schimmel Amerigo angeritten und hatte ein paar zwarte Pieten dabei. Nix Schornstein-Pieten, die hier waren richtig schwarz geschminkt, mit dicken, roten Lippen. Der kleinste Piet kam auf einem Hoverboard angefahren, woah! Während die Pieten pepernoten in die versammelte Kindermenge warfen, redete der Sint kurz mit der Direktorin und schüttelte ein paar Kindern die Hand.

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Das Highlight war für die kleineren Kinder aber, dass Amerigo ein paar dicke Pferdeäpfel auf dem Schulhof hinterließ! Dann gingen alle wieder rein und ich nach Hause. Später erfuhr ich, dass Sinterklaas auch noch in der Klasse des kleinen Kaaskop vorbeigekommen ist und für alle ein Geschenk dabei hatte. Für die Jungs einen kleinen Plastiktraktor mit blinkenden Reifen und einem ganz furchtbaren „Motorgeräusch“. Für die Mädchen einen Handspiegel und eine Haarbürste zum selberverzieren. No comment.

Warten auf Sinterklaas

Auf dem Nachhauseweg war der kleine Kaaskop etwas überdreht, logisch. Erstaunlicherweise ging es zuhause aber ganz gut. Gegen 15 Uhr kamen Opa und Oma, wir tranken Kaffee und aßen pepernoten und Kekse und dann wurde der kleine Kaaskop spürbar ungeduldiger. Wir hatten in einem Moment der Weisheit beschlossen, dieses Jahr vor dem Essen die Geschenke auszupacken. Der große Kaaskop hatte den Jutesack, den meine Schwester aus Entsetzen über den letztes Jahr notgedrungen zums Geschenkesack umfunktionierten Müllsack für uns besorgt hatte, schon am Sonntagabend ins Auto gelegt und sollte ihn heimlich vor die Tür legen, anklopfen und dann schnell wieder ins Auto steigen und so tun, als käme er gerade erst von der Arbeit. Gerade noch rechtzeitig dachte ich an den Profitipp eines Kollegen, die Haustür abzuschließen, damit „Piet“ mehr Zeit hat, ungesehen wieder ins Auto zu kommen. Es klappte wie am Schnürchen!

Er kommt, er kommt!

Als ich gerade mit dem kleinen Kaaskop ein Winterbild ans Kinderzimmerfenster malte, klopfte es laut an der Tür. „He, hat da jemand geklopft? Wer kann das denn sein?“, fragte ich. Der kleine Kaaskop hielt kurz inne, rief dann aufgeregt: „Ha! Zwarte Piet!“ und lief nach unten. Als er den Sack vor der Tür entdeckte, war er völlig aus dem Häuschen, rief „Yo-ha! Wir haben Geschenke! Geschenke!“ und lief dann ein paar Schritte auf Socken in den Vorgarten, um zu gucken, ob er zwarte Piet noch irgendwo entdecken konnte. Aber der war schon wieder weg. Hat ja viel zu tun, der Gute. Der kleine Kaaskop schleppte den Sack ins Wohnzimmer und bekam nur am Rande mit, dass eine Minute später Papa nach Hause kam. Erstmal wurden alle Geschenke sortiert und verteilt (sie waren gekennzeichnet), dann packten wir reihum eins aus. Der kleine Kaaskop rief bei jedem Geschenk (sogar beim alljährlichen Schokoladenbuchstaben) freudig: „Ja! Das wollte ich haben!“ Meine Schwiegermutter hielt sich zum Glück etwas zurück mit verräterischen Bemerkungen à la „Das war bei XY im Angebot“ und überhaupt verlief alles ziemlich harmonisch. (Im Gegensatz zu Sinterklaasavond letztes Jahr)

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Der kleine Kaaskop bekam: Sinterklaas mit Pferd, Piet und Dampfer von Playmobil, kinetischen Sand, ein Buch, eine Paw-Patrol-DVD, einen Buchstabenkasten, einen Schokoladebuchstaben und zwei Playmobil-Banditen.

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Er beklagte sich zwar, dass er gar kein Lego von seinem Wunschzettel bekommen habe, aber das stimmte nicht. Er durfte seit Sinterklaas‚ Ankunft hier in Holland 3-mal seinen Schuh rausstellen und hatte darin auch ein Polizeiauto, einen Rennwagen, einen Leiterwagen und einen Feuerwehrhubschrauber von Lego bekommen. „Vintage“-Lego, genauer gesagt: das alte von mir und meiner Schwester. Um Fragen über die fehlenden Kartons vorzubeugen, lag ein Briefchen von Sinterklaas dabei, auf dem stand, dass sie die Kartons leider für die Übungspäckchen brauchten.

Warum ich das Sinterklaasjournal so mag

Übungspäckchen? Was’n das? Tja, die kannte der kleine Kaaskop vom Sinterklaasjournaal. Darin hatte nämlich ein schlauer Unternehmer das Pietenhaus, wo die Truppe aus Spanien während ihres Aufenthalts in Holland wohnt, in „Erlebnispark Pietenhaus“ verwandelt. Und die bunt geschminkten „Touristen“, die dort gegen Bezahlung Piet spielen durften, brauchten Päckchen zum Üben. Hach, ich mag das Sinterklaasjournaal! Das ist wegen der Anspielungen auf gesellschaftliche Angelegenheiten und Wortspiele auch für Eltern lustig und die „Lösung“ für die zwarte-Piet-Frage finde ich persönlich genial. Aber dazu gleich mehr. Der Reporter vom Sinterklaasjournaal fragte den Unternehmer ganz verwirrt slash entsetzt: „Ein Erlebnispark?! Ja, aber…das kann man doch nicht einfach so machen?!“ Und er sagte: „Ja, das habe ich schon öfter gehört. Aber ich sage dir: ich habe es gemacht und siehe da, es geht!“ Soviel zum Thema „Schornstein-Pieten und bunt geschminkte Pieten“. Ha! Nach dem Kuddelmuddel mit den Touristen/falschen Pieten, leeren Übungspäckchen, die aus Versehen in die Schuhe der Kinder gesteckt wurden, verschwundenen Päckchen für pakjesavond und einem sich sehr merkwürdig benehmenden Sinterklaas, kam am 4. Dezember die große Auflösung. Die Päckchen tauchten wieder auf, der Sint hatte heimlich ein Loblied auf seine Pieten gedichtet und mit einem Chor einstudiert und die „Touristen“ durften bleiben, denn Sinterklaas meinte, er freue sich über alle Pieten, denn was wäre er denn ohne seine Pieten und ein Fest feiert man mit allen zusammen.  (Oder so ähnlich.) Mit anderen Worten: es ist egal, ob die Pieten schwarz, weiß, rot-blau-weiß-orange oder mit Rußstreifen sind, Hauptsache, es bleibt gezellig für alle.

Falls ihr Niederländisch könnt, hier die Sendung mit der Zusammenfassung (Film oben links, „zondag“).

 

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Alle Jahre wieder… Von Zwarte Piet, Lebkuchen und Weihnachtsbäumen

Der 9. November machte seinem Ruf mal wieder alle Ehre: erst das Bekanntwerden des schockierenden Ergebnisses der US-Wahlen, dann abends noch die mit Spannung erwartete erste Folge des diesjährigen Sinterklaasjournaals: Welche Farbe würde Zwarte Piet haben?? Schwarz? Weiß mit schwarzen Rußflecken? Lila? Oder vielleicht sogar gelb wie holländischer Gouda?

Muss Zwarte Piet schwarz sein?

Mit den pepernoten, die wie in Deutschland die Lebkuchen hier schon seit einiger Zeit wieder in den Regalen liegen, hielt natürlich auch wieder die ewige Diskussion um Zwarte Piet Einzug und wie ich neulich erfahren habe, wird es zumindest auf dem niederländischen RTL ab sofort keinen „richtigen“ schwarzen Piet mehr geben, sondern einen „Schornstein-Piet“, sprich: nicht mehr ganz schwarz sondern nur mit jeder Menge Rußstreifen im Gesicht. Er heißt auch nicht mehr „Zwarte Piet„, sondern nur noch „Piet“. Warum auch nicht, schließlich heißen Sinterklaas‚ Helfer alle Piet, vom Bäcker-Piet über den Geschenke-Piet bis hin zum Ober-Piet. Ich persönlich finde den Schornstein-Piet einen prima Kompromiss! Den kann man ja auch so schwarz oder grau machen wie man will. Leider sind viele Niederländer gegen jegliche Änderung „ihrer“ Tradition. Erwachsene Niederländer wohlgemerkt, vor allem die über 50. Auf Facebook werden Berichte geteilt à la „Zwarte Piet muss schwarz bleiben, und wenn du das anders siehst, sind die Niederlande nicht das richtige Land für dich!“ oder „Teile diesen Bericht, wenn du Negerküsse immer noch Negerküsse nennst!“. (Davon krieg ich blöderweise immer Appetit auf Süßes und das Bedürfnis, den Rechtschreibfehler in dem 2 Jahre alten Beitrag zu kommentieren.) Mittlerweile befürworten immer mehr Niederländer den Kompromiss mit dem Schornstein-Piet, nur damit das ewige Gemotze und Gestreite in den sozialen (?) Medien aufhört.

Wie die Produzenten des offiziellen Sinterklaasjournaals (Nikolausnachrichten) dieses Jahr mit der brisanten Zwarte-Piet-Frage umgehen, wurde bis gestern Abend um 18.00 Uhr geheim gehalten, als die erste diesjährige Folge ausgestrahlt wurde. Der kleine Kaaskop hat letztes Jahr zum ersten Mal das Sinterklaasjournaal gesehen und fing neulich wieder davon an, als ich mit ihm in Utrecht im Kino war und er auf dem Weg dorthin den Domturm sah. Er meinte, das wäre der Turm, in dem zwei dumme Männer letztes Jahr Feuer gelegt hätten, das dann von den Pieten gelöscht wurde. Übrigens wollte der kleine Kaaskop von einem nicht schwarzen Zwarte Piet nichts wissen, als der große Kaaskop ihm neulich beiläufig erzählte, dass Zwarte Piet vielleicht nicht mehr schwarz ist, wenn er demnächst mit seinem Dampfer in Holland eintrifft. Ich weiß nicht, wie andere Kinder das sehen, aber da der kleine Kaaskop erst 4 ist und es wahrscheinlich auch unakzeptabel finden würde, wenn ich mir die Haare schwarz färben würde, messe ich seiner Ablehnung mal nicht allzu viel Gewicht bei! Ich schätze sowieso, dass von den gut 1 Millionen Zuschauern gestern Abend die Erwachsenen am gespanntesten auf die Erscheinung von Zwarte Piet waren. Kleiner Schock: er war weiß. Dann das große Aufatmen: der zweite Piet, der ins Bild kam, war schwarz. Andere Pieten waren gestern noch nicht zu sehen. Mal sehen, wie es weitergeht.

Das Sinterklaasjournaal schaue ich übrigens gerne, aber ansonsten macht mir die Sinterklaas-Zeit nicht wirklich Spaß. Hauptsächlich wegen der explosiven Stimmung durch die Rassismusdiskussion und nebensächlich durch das ewige Dilemma, wie viel Süßes und wie viele Sinterklaasgeschenke (und Geschenke im Schuh) der kleine Kaaskop kriegen soll. Einen selbstgebastelten Adventskalender hatte ich ja schon wegen akutem Geschenke-Overload gestrichen, *schnüffschnüff*. Mit meiner geliebten Weihnachtsdeko muss ich wegen Sinterklaas auch bis zum 6. Dezember warten, böh.

Lebkuchen gegen pepernoten

Immerhin habe ich mir wieder rechtzeitig deutsche Lebkuchen mitbringen lassen, die „richtigen“, wie ich sie nenne. Damit meine ich allerdings die billigen Herzen und Sterne und nicht die runden mit dem Esspapier auf der Unterseite. Denn da halte ich es wie mit der Adventskalenderschokolade: nur die billige Version vermittelt mir das richtige Weihnachtsgefühl. Isso. Die pepernoten überlasse ich lieber meinen Kaasköppen, ich finde die nur so làlà. Meine Kollegen haben davon eine ganze Schüssel im Büro stehen, die sind geradezu süchtig nach diesen kleinen knusprigen Dingern! Den deutschen Lebkuchen mögen sie hingegen nicht. Erst waren sie sehr misstrauisch, weil sie bei „Lebkuchen“ an „Leberkuchen“ dachten…und irgendwie ist der Geschmack wohl ein „acquired taste„. Das Wörterbuch übersetzt „Lebkuchen“ übrigens mit „eine Art taai-taai„, aber taai-taai schmeckt wirklich NICHT wie Lebkuchen. Und die Konsistenz ist auch anders. Unübersetzbar deutsch also.

Oh Tannenbaum

Übrigens scheinen viele Niederländer es heutzutage nicht mehr so genau zu nehmen mit der strikten Trennung zwischen Sinterklaas-Zeit und Weihnachtsdeko. Wir waren nämlich vor zwei Wochen in meinem Lieblingsgartencenter (ja, ich habe ein Lieblingsgartencenter!), um noch ein paar Herbstpflanzen zu holen. Und da war schon alles mit Kunstschnee dekoriert und die Weihnachtsausstellung stand schon. Wah! Ich bin noch gar nicht in der Stimmung, aber immerhin war der kleine Kaaskop schön die ganze Zeit mit der Mini-Eisenbahn beschäftigt, die um den Weihnachtsbaum in der Mitte ihre Runden drehte.

Etwas typisch Niederländisches ist mir dort im Gartencenter übrigens auch aufgefallen: während Deutsche sich Weihnachten ohne echten Baum nicht vorstellen können, ist hier in Holland der Kunstbaum beliebt. Nadelt nicht, schlürft kein Wasser, ist auf Dauer kostengünstiger, braucht nur noch vom Dachboden geholt und aufgestellt werden. MIR kommt so ein Ding ja never nooit niet ins Haus! Zum Glück habe ich den großen Kaaskop schon gleich an unserem ersten gemeinsamen Weihnachten von der Großartigkeit eines echten Baums überzeugen können.

Wie sieht es bei euch aus, mögt ihr praktische Kunstbäume? Und steht ihr insgeheim auch auf billige Lebkuchen?

PS. Was ich in den letzten Jahren über Sinterklaas/Nikolaus und Zwarte Piet geschrieben habe, könnt ihr unter dem Tag „Sinterklaas“ nachlesen.

Sinterklaas 2015

Ein wenig leid tat es mir ja schon um den Nikolaus, als ich gestern Abend und heute die vielen Fotos von kleinen ungefüllten und gefüllten Stiefeln auf Facebook und Instagram sah. Ich hätte ja gerne mitgemacht. Aber dafür kam ja gestern wie letztes Jahr Sinterklaas zu uns! Mittags kam aber erstmal Oma. Die wollte abends mitfeiern und hatte vorgeschlagen, der große Kaaskop und ich könnten ja nachmittags noch kurz alleine was unternehmen. Die Gelegenheit mussten wir natürlich ausnutzen, obwohl sowohl ich als der kleine Kaaskop etwas am kränkeln waren. Ich hatte mir aber vor Kurzem noch überlegt, dass ich dem kleinen Kaaskop doch seinen Herzenswunsch, ein ferngesteuertes Auto, erfüllen wollte. Nachdem ich von meiner Leserin Nadine erfahren hatte, dass es auch schon für Dreijährige ein tolles gibt. Leider war dieses Auto in den Online-Shops ausverkauft und deshalb musste ich nochmal losziehen. Ich hatte Glück: im zweiten Spielzeugladen war sogar eins im Angebot, leider nicht das von FisherPrice sondern von Chicco, aber das erschien mir auch okay. Wir ließen die Geschenke erstmal bei denen von Oma im Auto liegen, von wo aus der große Kaaskop sie später in einem unbewachten Augenblick ins Haus schleppen wollte.

Der kleine Kaaskop war eindeutig müde und nicht so fit und hatte nicht mal mit Oma spielen wollen.. Stattdessen hatte er heimlich (unbeabsichtigt) die 112 angerufen und Oma in Verlegenheit gebracht, die plötzlich Stimmen aus dem Telefon hörte und unerwarteterweise einen Polizisten an der Strippe hatte! Beide waren froh, als Mama und Papa wieder da waren und es Kaffee und heiße Schokolade und pepernoten und banketstaaf (eine mit marzipanartigem Zeug gefüllte Blätterteigstange) gab. Der kleine Kaaskop hing auf meinem Schoß rum und fragte ständig, wann denn nun Sinterklaas käme, ich fühlte mich besch…eiden und wollte Ruhe, wir hatten noch nicht genau besprochen, wie wir das denn genau machen wollten mit den Geschenken… Alles etwas möp. Das Ganze eskalierte fast, als ich nach dem Abendessen sah, dass es schon halb 7 war und auch noch entdeckte, dass die Plastiktüte mit einem Teil der Geschenke noch im Kleiderschrank lag (stimmte gar nicht: nur die leere Tüte lag da noch). Kurze Zeit später klopfte der mittlerweile (von meiner Unfähigkeit, mich am Riemen zu reißen) auch leicht genervte große Kaaskop gerade in dem Moment laut ans Wohnzimmerfenster, in dem der kleine Kaaskop und ich in der oberen Etage im kleinen Kämmerchen saßen… (Nächstes Jahr müssen wir das unbedingt vorher detaillierter durchsprechen!) Erst beim zweiten polternden Klopfen kamen wir nach unten und da kam Papa gerade aus dem Flur und fragte aufgeregt, ob wir das auch gehört hätten und wem denn der große Sack gehöre, der da im Flur stand…

Von Kranksein und Müdigkeit keine Spur mehr, der kleine Kaaskop war happy und aufgeregt, denn endlich ging es ans Geschenkeauspacken!

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Oma wollte ja ordentlich reihum die Geschenke verteilen, aber das haben wir gleich aufgegeben. Schon bald war das meiste ausgepackt und der Boden mit Papier bedeckt.

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Was mich nur ein wenig nervte, war dass Oma offenbar vergessen hat, dass kleine Ohren am besten hören. Sie sagte mehrmals Dinge wie „Ich habe die Weihnachtsgeschenke gleich dazugetan“ oder „Das habe ich bei Geschäft X gesehen und fand es so passend“ und andere Bemerkungen, aus denen man schließen kann, dass Sinterklaas nicht selbst die Geschenke besorgt hat. Pff. Aber ihre Geschenke kamen gut an: der kleine Kaaskop freute sich über den Rucksack, die Zuckerstangen, die kleine Schneekugel, den Hund, der ein bisschen aussieht wie Marshall von der PawPatrol,

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das kleine rote Auto  und den gebrauchten Spielcomputer, den wir wohl für Autofahrten reservieren werden. Da steckt man Karten mit Abbildungen rein und oben steht dann eine Frage (z.B.: Welche Tiere sind kleiner als du?) oder ein Auftrag (z.B.: Suche die Dreiecke). Wenn man die richtigen Abbildungen mit dem elektronischen Stift antippt, erklingt Gejubel.

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Das HalliGalli-Spiel hatte ich neulich spontan gekauft. Außerdem bekam der kleine Kaaskop von uns noch einen Motorradsanitäter von Playmobil (der große Kaaskop hat nämlich wieder bei einer Insolvenzversteigerung sehr günstig Restposten ersteigert), einen Schokoladenbuchstaben (das gehört sich so zu Sinterklaas) und natürlich das Highlight des Abends: das ferngesteuerte Auto.

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Dummerweise hatte ich vergessen, Batterien zu kaufen (jaja, lacht nur!), daher konnte er erst am nächsten Tag damit spielen. Aber nach dem Auspacken war es eh Schlafenszeit! Der kleine Kaaskop lag etwas später im Bett als sonst, aber, hurra, er schlief dann auch ausnahmsweise bis kurz vor 8!!

Nach dem Mittagessen fuhren wir kurz zum Baumarkt, Batterien und einen Weihnachtsbaum kaufen. Der steht jetzt auf der Terrasse, denn zum Schmücken war es mir noch zu früh. Bin gespannt, ob das Auto bis Weihnachten hält! Der kleine Kaaskop hat entweder den Bogen noch nicht so ganz raus (dabei ist das Ding ab 2 Jahre) oder er fährt es absichtlich ständig gegen die Wände, Türen, Möbel, Füße… Als eins der Nachbarsmädchen kurz zum Spielen da war, haben sie das Auto das Duplo-Haus abreißen und die Zimmertür zuschieben lassen..ts. Aber naja, der kleine Kaaskop ist jedenfalls happy! Und darauf kam es mir an. Ziel erreicht.

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Lügenmärchen und andere Problemchen in der Vorweihnachtszeit

Zurzeit ist ja Sinterklaas im Lande. Wir haben uns am Tag seiner Ankunft aus Spanien das Spektakel im Fernsehen angeguckt und abends durfte der kleine Kaaskop zum ersten Mal seinen Schuh rausstellen. Da fing es schon an mit den Lügenmärchen! Denn wir haben keinen Kamin und weil ich mir nicht sicher war, wie der gute Mann (bzw. seine Helfer) eigentlich dann reinkommen, habe ich vorgeschlagen, den Schuh vor das auf Kipp gestellte Fenster auf dem Dachboden zu stellen, denn die kommen ja bekanntlich übers Dach. Er glaubte mir aber wohl nicht, denn er fragte misstrauisch, ob denn draußen am Fenster auch so ein Schloss wäre wie an der Innenseite. Öhm…Am Ende stellte er seinen Schuh mit den für Sinterklaas, sein Pferd und die Pieten gemalten Bildern neben sein Bett. Am nächsten Morgen hatte de Sint die Bilder abgeholt und eine Müsli-Schale von iittala mit einer Mandarine, Walnüssen, einem Spekulatius und ein bisschen Mäusespeck neben den Schuh gestellt.

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Es lag auch ein Zettel dabei, auf dem Sinterklaas erklärte, er werde wohl am Freitag wieder bei uns vorbeikommen. (Irgendwie muss ich das Schuhrausstellen ja beschränken – dafür gibt es leider keine festen Regeln.) Der kleine Kaaskop war begeistert! Ich musste den Zettel beim Frühstück mehrmals vorlesen, und fast täglich kommt die Frage, wann denn Sinterklaas wieder kommt oder wann denn Freitag ist. In der Kita wird auch fleißig gebastelt: Schuhe aus Karton, Sinterklaas-Hüte, Wunschzettel.. Im Flur steht schon ein selbstgebastelter Kamin mit fake Geschenken und einem Stuhl für Sinterklaas, wenn er am 4. 12. dort vorbeikommt.

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Worauf ich aber eigentlich hinauswill? Ich fühle mich einfach unwohl beim ständigen Belügen meines Kindes! Dabei will ich im Grunde, dass er an Sinterklaas (und den Weihnachtsman) glaubt, zumindest eine Weile. Das gehört irgendwie zur Kindheit dazu, oder? Also komme ich um ein bisschen Lügen nicht herum. Bei Sinterklaas brauche ich hoffentlich nicht allzu viel erzählen, das erledigen wohl die Erzieherinnen in der Kita, andere Kinder, die ganze Atmosphäre „draußen“ (Musik im Radio, Schaufenster usw.) und wenn der große Kaaskop zuhause ist, muss er halt ran. Aber mit Weihnachten ist das Ganze etwas komplizierter. Weihnachten wird zwar hier in Holland immer beliebter, sodass manche Familien sogar die Bescherung vom Sinterklaas-Abend am 5. Dezember auf Weihnachten verlegen, aber an Weihnachten in Deutschland kommt es nicht heran. Also muss ich für (Vor-)Weihnachtszauber sorgen. Aber wenn ich den kleinen Kaaskop für Weihnachten begeistern will, ohne dass die ganze Umgebung mitmacht, komme ich wohl um das Erzählen von „Lügenmärchen“ über den Weihnachtsmann nicht herum. Meh.

Dazu kommt dann noch, dass weder der große Kaaskop noch ich gläubig sind und ich deshalb zaudere, dem kleinen Kaaskop die Geschichte von Maria und Josef aufzutischen. Die ist zwar schön und sollte er kennen, aber irgendwie fühlt sich auch das wie ein Lügenmärchen an. Oh. Vielleicht sollte ich ihm die Weihnachtsgeschichte einfach als stinknormales Märchen präsentieren. Warte mal. Da war doch was. Ich erinnere mich plötzlich an diesen Blogartikel von Mama Notes von vor zwei Jahren! Sie hat das wirklich sehr treffend beschrieben. Das ist die Lösung! Auch wenn das vielleicht nicht ganz mit meinem Wunsch, der kleine Kaaskop möge doch ein Weilchen an Weihnachtsmann und Sinterklaas glauben, kompatibel ist…

Wofür ich aber noch keine Lösung habe: der kleine Kaaskop hat vor Kurzem mit Nägelbeißen angefangen. Einige sind so kurz, dass es weh tut. Ich vermute, dass das was mit Sinterklaas zu tun haben könnte. Diese Zeit ist so spannend für kleine Kinder! Und der Gedanke, dass nachts Zwarte Pieten und ein bärtiger alter Mann irgendwie heimlich ins Haus kommen, ist ja auch wirklich etwas unheimlich, oder? Auch wenn sie Geschenke und Naschkram bringen. Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass der kleine Kaaskop Angst hat, morgens alleine nach unten oder abends alleine nach oben zu gehen (wo es dann dunkel ist). Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das nicht vor der Sinterklaas-Zeit auch schon so war, aber es könnte sehr gut damit zusammenhängen.

Soviel zu meinen Vorweihnachtsproblemen, die eher kultureller und erziehungstechnischer Art sind. Das andere Vorweihnachtsproblem ist eher ein Luxusproblem. Die Geschenke. Dass die Aufteilung der Geschenke auf pakjesavond am 5. Dezember,  Heiligabend knapp 3 Wochen danach und den Geburtstag des kleinen Kaaskop im Januar schwierig ist, hatte ich sicher schon mal erzählt. Ich will ihn schließlich nicht zu sehr materiell verwöhnen, auch wenn es mir schwerfällt, mich zurückzuhalten. Es gibt so viele tolle Spielsachen! Ich hatte mir jedenfalls ein paar Geschenke überlegt, über die sich der kleine Kaaskop ganz sicher freuen würde. Und dann sah ich seinen in der Kita gebastelten Wunschzettel für Sinterklaas.

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Hm. Ein Teeservice hat er schon. Für ein ferngesteuertes Auto finde ich ihn eigentlich noch zu wild. das wäre wohl noch am gleichen Abend kaputt. Von Playmobil kriegt er schon was anderes (also nicht die hier abgebildete Kita) und so einen Putztrolley werde ich ihm garantiert nicht kaufen, auch wenn er so lieb meinte:“Dann kann ich dir immer helfen, Mama!!“ Nur: wird er nicht enttäuscht sein, wenn er nichts von seinem Wunschzettel kriegt? Ich kann mich leider nicht mehr dran erinnern, wie das früher war, als ich Kind war. Ich habe aber ein wenig darüber gegrübelt und bin zu dem Schluss gekommen, dass er sich wohl trotzdem über die Geschenke freuen wird. Wahrscheinlich hat er am Sinterklaas-Abend sowieso längst vergessen, was er auf seinen Wunschzettel geklebt hat! Hoffe ich….

 

Sankt Martin und Zwarte Piet

Heute war ja der 11.11., also Karnevalsbeginn und Martinstag. Der kleine Kaaskop ist mit seiner in der Kita gebastelten Spinnen-Laterne mit den Nachbarskindern durch unsere Straße gezogen und hat fleißig Naschkram ersungen. Davor musste aber noch kurz das Sinterklaasjournaal geguckt werden, die Nikolausnachrichten sozusagen.

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Auf Facebook entdeckte ich heute diesen Artikel. Sehr interessant, wie ich finde. Ich zumindest wusste gar nicht, dass St.Martinsumzüge in protestantischen Gemeinden schon immer „Laternenfest“ geheißen habe, weil dort Heiligenverehrung not done ist. Ich habe nur mitgekriegt, dass sich Leute darüber aufgeregt haben, dass es vielerorts nicht (mehr) St.Martin sondern Laternen- oder Lichterfest heißt. Bei mir im deutschen Kindergarten damals hieß das wie gesagt Sankt Martin.

Anyway. Diesen Artikel hatte jemand in einer Gruppe für Deutsche in den Niederlanden gepostet und eines der Mitglieder meinte, sie fände es schade, dass heutzutage so viel an alten Traditionen geändert wird und sie verstehe zwar die Gründe, sei aber trotzdem traurig, dass zum Beispiel hier in Holland Zwarte Piet nicht mehr schwarz sein darf. Hm. Ich sehe den Zusammenhang zwischen den beiden nicht so. Ich bin zwar der Meinung, dass man religiöse Feste nicht umbenennen sollte, aus Angst, Andersgläubige zu diskriminieren. Durch eine Feier religiösen (in diesem Falle christlichen) Ursprungs wird meiner Meinung nach niemand diskriminiert, schon gar nicht durch den Namen. Wer nicht mitmachen will, lässt es eben bleiben. Leben und leben lassen. Anders sähe es aus, wenn Nicht-Christen nicht mitfeiern dürften. Dürfen sie aber doch, oder? Und wenn nicht-christliche Kinder in einen katholischen Kindergarten gehen, kann man wohl davon ausgehen, dass sie auch bei solchen Feiern mitfeiern. Vom Anpassen religiöser Feste in Ländern mit christlichem Hintergrund, um Andersgläubige nicht auszuschließen, halte ich also wenig, aber bei Zwarte Piet liegt die Sache doch etwas anders, finde ich. Bei ihm geht es nicht um den religiösen Hintergrund, sondern um seine Hautfarbe und den Zusammenhang mit der Unterdrückung Schwarzer durch „überlegene“ Weiße. Das ist was ganz Anderes, meine ich.

Was mir bei der auch in diesem Jahr wieder leidenschaftlich geführten Diskussion um Zwarte Piet auch auffällt: die Befürworter eines schwarzen Zwarte Piet sind in der Regel über 50. Sprich: Leute, die Zwarte Piet aus ihrer eigenen Kindheit mit Kraushaar, Pagen-Kragen, dicken roten Lippen und goldenem Ohrring  kennen und lieben und nicht wollen, dass jemand etwas an „ihren“ Traditionen ändert. „Unser Kinderfest“ nennen sie es gerne. Aber ganz ehrlich: ich habe noch nicht mitgekriegt, dass auch Kinder sich darüber beschweren, dass Zwarte Piet in Gouda ein gelb gepunktetes Käsegesicht hatte und in Amsterdam violette Pieten rumliefen. Kindern ist es vermutlich wurst, welche Farbe sein Gesicht hat, ob er goldene Ohrringe trägt oder dicke rote Lippen, solange sie ihn noch als Piet, den kinderfreundlichen Helfer von Sinterklaas, dem etwas unheimlichen weil strengen weißen Mann, erkennen. Denn das ist mir auch aufgefallen: er wird oft einfach nur „Piet“ genannt. Mal davon abgesehen, dass es „den“ Zwarte Piet nicht gibt, denn es gibt Hunderte: Päckchenpiet, Backpiet, Postpiet, Malerpiet,…. Die heißen alle nicht „zwart„, werden aber so dargestellt. Dann sollte es doch kein Problem sein, neben den äußerlichen kleinen Anpassungen, über die ich letztes Jahr hier schon geschrieben hatte, auch den Namen ein bisschen anzupassen? Ob die ältere Generation es will oder nicht: ich glaube, dass die Tage des traditionellen Zwarte Piet gezählt sind.

Bei uns kein Nikolaus: so war Sinterklaas 2014

In den letzten Tagen wurde ja viel über Nikolaus gebloggt und da ich immer neugierig bin, wie andere Familien feiern, habe ich eifrig mitgelesen und mitgenossen. Denn bei uns fiel Nikolaus aus!

Ja, ich hab mich diesmal an meinen Plan gehalten: kein Nikolaus, dafür ein paar Geschenke von Sinterklaas am 5. Dezember. Dazu aber nachher mehr.

In den Wochen vor Sinterklaas waren die Zwarte Pieten von Sinterklaas natürlich wieder in aller Munde. Wie ich ja schon letztes Jahr geschrieben hatte, wird hierzulande immer heftiger drüber diskutiert, ob die nicht rassistisch sind und abgeschafft bzw. geändert werden müssen, weil sich schwarze Niederländer dadurch diskriminiert fühlen. Die Kinder meinen es zwar nicht böse, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es verletzend ist, wenn man dunkelhäutig ist und im November kleine Kinder auf der Straße mit dem Finger auf dich zeigen und „Hey, da ist Zwarte Piet!“ rufen. Kommt wirklich oft vor und ist für alle beteiligten Erwachsenen unangenehm. Zwarte Piet ist zwar nicht mehr wie früher der untertänige Diener von Sinterklaas, aber dass er heutzutage quasi der Manager des heiligen Mannes ist, wie Zwarte-Piet-Verteidiger gerne behaupten, stimmt auch nicht ganz. Die Pieten werden nämlich auch oft als dumm, komisch oder tollpatschig dargestellt. Eine dunkelhäutige Mutter hat neulich darüber geklagt, dass in der Schule Aufgaben gestellt werden, wie: „Oh je, dummer Zwarte Piet hat mit den Sätzen rumgepfuscht und jetzt stimmt die Wortreihenfolge nicht mehr. Kannst du die Wörter in diesen Sätzen in die richtige Reihenfolge setzen?“ Tja.

Die koloniale Vergangenheit der Niederlande spielt natürlich auch eine Rolle. Die Zwarte Pieten tragen zu ihrem bunten Outfit mit der flachen Feder-Mütze goldene Ohrringe, dicke rote Lippen und Afrokrause, weil ihre äußerliche Erscheinung auf dem zur Zeit der niederländischen Kolonialherrschaft herrschenden Bild von Zwarte Piet steckengeblieben ist. Und Inspirationsquelle waren offensichtlich die schwarzen Sklaven! Wie kann man da behaupten, die Pieten seien nicht rassistisch oder diskriminierend? Die Zwarte-Piet-Fans behaupten immer, das sei alles nicht rassistisch gemeint, aber das ist ein sehr lasches Argument, finde ich.

Die gelben Pieten mit Käsemuster im Gesicht, die die Stadt Gouda dieses Jahr eingeführt hat, oder die lilafarbenen Pieten, die letztes Jahr zum ersten Mal zu sehen waren, finde ich auch doof. Ist ja schließlich kein Karneval. Meiner Meinung nach wäre die beste Lösung, die Pieten zwar ziemlich schwarz oder meinetwegen dunkelgrau zu schminken, aber mit eindeutigen Rußstreifen im Gesicht. Schließlich behauptet sowieso die Hälfte der Niederländer, Zwarte Piet sei schwarz, weil er durch den Schornstein kommt. Die Afrokrause, die dicken roten Lippen und die Ohrringe müssen natürlich ganz verschwinden, aber das waren sie letztes Jahr auch schon oft.

Der Spiegel hat übrigens auch über dieses Thema geschrieben, und zwar hier.

Ich fürchte, es ist zu spät, um eine sanfte Reform der Zwarte Pieten einzuleiten. Dazu sind die Gemüter zu erhitzt. Traurig. Ist doch erbärmlich, wenn ein Stadtteil den Sinterklaas-Festzug ganz absagt, weil sie Randale und Probleme fürchten. Wenn sich Grundschulrektoren die Haare raufen, weil sie nicht wissen, wie sie allen Interessen gerecht werden sollen: bleibt Zwarte Piet in ihrer Schule schwarz, gibt es Zoff, ist er nicht schwarz, gibt es auch Zoff. Wenn farbige Kinder in der Sinterklaas-Zeit nachts nicht schlafen können, weil sie am nächsten Tag wieder Zwarte-Piet-bezogene Hänseleien auf dem Schulhof befürchten. Wenn ein erwachsener Mann ein kleines Mädchen schlägt, weil sie als Zwarte Piet geschminkt und gekleidet ist (er wurde zwar wohl von dem Mädchen und ihren Freunden provoziert, aber trotzdem). Ich frage mich wirklich, wo das hinführt!

Ich werde mich als Importkaaskop aus dem ganzen Sinterklaas-Kram schön raushalten. Der kleine Kaaskop kriegt in der Kita genug von den Liedern, pepernoten usw. mit. Dort kam natürlich auch Sinterklaas mit zwei (ganz schwarz geschminkten) Zwarte Pieten vorbei! Viele Kinder finden den heiligen Mann mit dem weißen Bart etwas unheimlich, aber der kleine Kaaskop war ganz mutig und hat sich sein Geschenk selbst beim heiligen Mann abgeholt und mit ihm geredet, erzählte die Erzieherin abends. Für einen billigen roten Kipplader mit Anhänger aus China tut er halt alles!

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Als wir ihm am nächsten Tag erzählten, dass Sinterklaas am Freitag auch zu uns kommt und Geschenke mitbringt, meinte er übrigens: „Ik heb al Geschenk. Jullie nog niet! Jullie moeten ook een kiepwagen!“ (Ich hab schon ein Geschenk. Ihr noch nicht! Ihr sollt auch einen Kipplaster haben!) Als am 5. Dezember aber nach dem gemeinsamen Singen mit Opa (um Sinterklaas anzulocken) die Nachbarin Zwarte Piet ans Fenster klopfte und ein Sack mit bunt verpackten Geschenken vor der Tür lag, packte er allerdings begeistert aus.

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Die 5 kleineren Geschenke, die Sinterklaas in Omas und Opas Auftrag gebracht hatte (Cars-Aufkleber, eine Brotdose mit Trinkflasche von Cars, ein Shirt, ein Buch über Sinterklaas und ein Malbuch), hatten keine Chance gegen das Flugzeug der LittlePeople, das Mama in Auftrag gegeben hatte: ein Schuss ins Schwarze! Der kleine Kaaskop erkundigte sich am nächsten Morgen schon im Bett nach seinem Flugzeug, hihi! Und mit Blick auf unseren ersten Flug mit ihm Ende Dezember ist dieses Geschenk sogar auch ganz nützlich.

Nach der chocomel  (Kakao) (die dazugehörenden pepernoten waren ausverkauft, so eine Gemeinheit!) fuhren Opa und Oma wieder nach Hause und ging es nach dem üblichen Abendritual eine gute Stunde später als sonst aber hopp hopp ins Bett. Dort erkundigte sich der kleine Kaaskop noch zweimal nach Zwarte Piet und Sinterklaas, und wo die jetzt seien, schlief dann zum Glück aber recht schnell ein. War ja auch ein spannender Abend!

Für den 6. hatte ich mir extra einen kleinen Schokonikolaus von meiner Mutter mitbringen lassen, ich konnte es nicht lassen! Aber da ich vor lauter Aufregung vergessen hatte, mit dem kleinen Kaaskop einen Schuh rauszustellen, fiel das am Ende doch aus. Schade. Dafür haben wir am 6. Dezember ein wenig weihnachtlich dekoriert und wieder Kekse gebacken. Außerdem habe ich angefangen, mit dem kleinen Kaaskop deutsche Weihnachtslieder zu üben. Weiter als bis „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ sind wir aber noch nicht gekommen. Mein Sohn scheint das Textgedächtnis seines Vaters geerbt zu haben! Sogar den Vierzeiler „Sinterklaas, kapoentje“ kann er sich offenbar nicht mehr merken. Zusammen singend klappt es ja noch, aber als er alleine sang, musste ich so lachen über seine Version: „Sinterklaas, kapoentje! Gooi wat in mijn schoentje! …(Hier kommt eigentlich noch: Gooi wat in mijn laarsje)…Dank u, Sinterklaasje niet!“ (Das „niet“ gehört dort natürlich nicht hin)!

Naja, bis Weihnachen können wir ja noch tüchtig üben. Und bis zum nächsten Herbst hab ich auch bestimmt klarmachen können, dass es nicht „Laterne, Laterne, soll’n wir Mond und Sterne“ heißt…

PS. Ganz uneigennützig ist mein Wunsch nach einem weniger schwarzen Zwarte Piet übrigens nicht: ich fände es nämlich gaaaar nicht schlimm, wenn ich weniger schwarze Schminke aus dem Gesicht des unwilligen kleinen Kaaskop putzen müsste, wenn in der Kita mal wieder alle Kinder in kleine Pieten verwandelt wurden…

 

 

Sinterklaas, Nikolaus und Geschenke-Overkill

Ja,ja, es nimmt keine Ende: Nach der Entscheidung, in welche Kita der kleine Kaaskop nach dem Umzug gehen soll, steht schon wieder eine Entscheidung an, und zwar eher eine prinzipielle. Denn der Dezember naht mit raschen Schritten und damit auch Sinterklaas, der Nikolaus UND der Weihnachtsmann!

Ich hatte letztes Jahr schon mit der Entscheidung gewurstelt, wie wir in unserer zwei-Kulturen-Familie den niederländische Sinterklaas mit seinen stiefelfüllenden Zwarte Pieten (falls die dieses Jahr überhaupt noch schwarz sind; darüber will ich demnächst wieder berichten) und der großen Bescherung am 5. Dezember einerseits mit dem Adventskalender (heutzutage ja auch eher voller kleiner Geschenke anstatt Schokolade), dem Nikolaus und der großen Bescherung am 24. Dezember andererseits unter einen Hut kriegen. Am Ende habe ich mich da letztes Jahr noch rausgehalten, weil der kleine Kaaskop ja noch nicht mal 2 war und noch nicht wirklich viel davon verstand. In der Kita wurde Sinterklaas gefeiert, von Opa und Oma gab es ein paar Geschenke am 5. Dezember, am deutschen Nikolaus eine Kleinigkeit von Mama und Papa und am 24. die große Geschenkeflut.

Dieses Jahr kann ich mich wohl wirklich nicht mehr aus der Affäre ziehen. Ich habe also in einer Facebook-Gruppe für deutschsprachige Eltern mal rumgefragt, wie das in anderen Familien so läuft. Das sind die Antworten:

  • Meine Kids sind 9 und 7. Ich habe 3 Wochen vor Sinterklaas jede Woche 1 mal den Schuh hin stellen lassen. Da kommt dann nur was kleines rein! Sinterklaas ist hier DAS Fest für Kinder. Weihnachten machen die Holländer nichts, leider. Meine Kids bekommen dann manchmal noch was kleines, Kleider oder so…
  • Wir (ich deutsch mein Mann holländisch) teilen es auf. Der Nikolaus fällt aus dafür gibt es eine kleine Feier am 5/6 mit 1 oder 2 Geschenken. Wir feiern auch am 24. nach deutschem Brauch mit Geschenken unterm Baum. Zusätzlichen Adventskalendar und Adventskranz. Ein bisschen ein Mix aus allem.
  • Die Frage stelle ich mir auch schon Jahre… Wir wollen es jetzt so versuchen, dass wir am 5. die anderen Sinterklaastraditionen benachdrukken, also zusammen Spiele spielen, heißen Kakao, Pfeffernüsse usw, und in einigen Jahren auch Gedichte und letztendlich Surprises, und dazu was kleines das ihn aber wirklich freut in den Schuh. Und dann Heiligabend richtig mit Bescherung. Aber mein Kleiner wird erst in Januar vier, weiß nicht wie das wird wenn er mitkriegt dass die Anderen viel öfter ihren Schuh stellen dürfen usw…. Ich bin übrigens selber als Kind gekommen, und wir durften damals zu Hause selbst entscheiden, wann wir unser ‚großes Geschenk‘ bekommen wollten. Also bekam ich meins zu Bescherung, wie ich das aus Deutschland kannte, und meine kleine Schwester ihres schon zum Nikolaus, weil sie nicht warten wollte.
  • Meine Kids sind inzwischen 20 und 21 und hier geboren (mein Mann ist Niederländer). Wir haben immer Sinterklaas gefeiert (mit Geschenken von uns und der niederländischen Familie). Zu Weihnachten kamen dann die Geschenke der deutschen Familie (Opa und Oma, Onkel, Tanten und eventuell Freunden unter den Baum). Hat problemlos funktioniert.

Die letzte Antwort bringt mir nicht soviel, schließlich will ich ja Geschenke-Overkill vermeiden. Allein schon, weil der kleine Kaaskop im Januar auch noch Geburtstag hat. Aber da ich Weihnachten als Hauptbescherungstag gerne erhalten möchte, gefällt mir die Idee, die „anderen“ Traditionen von Sinterklaas zu betonen (benadrukken auf Niederländisch – ich bin also nicht die Einzige, die ihre Muttersprache mal aus Versehen verniederländischt, siehe oben). Das muss ich dann nur noch meinen Schwiegereltern schonend beibringen. Obwohl ich noch gar nicht gefragt habe, ob sie es überhaupt schlimm bzw. sehr schade fänden, ihren Enkel am 5. Dezember nicht mit Geschenken verwöhnen zu dürfen.

Mein derzeitiger Plan sieht also wie folgt aus: es gibt einen Adventskalender. Da kommt dann aber nur Süßes rein. Ich würde zwar liebend gerne selbst den Adventskalender mit kleinen Geschenken füllen, aber die kann ich ja dann in den Schuh tun, die der kleine Kaaskop in den drei Wochen vor dem 5. Dezember ab und zu mal rausstellen darf. Und bei Frische Brise habe ich neulich gelesen, dass es dort auch nur Schoki im Kalender gibt, weil die Kinder sonst enttäuscht waren, wenn ihnen die Kalenderfüllung vom Tag zuvor besser gefallen hatte. Am 5. gibt es dann abends heiße chocomel, pepernoten, Spiele und ein oder zwei größere Geschenke von Opa und Oma Sinterklaas. (Surprises sind übrigens eher was für Erwachsene. Kleine Geschenke, witzig verpackt und von einem über den Empfänger spottenden Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Gedicht begleitet.) Der deutsche Nikolaus muss dann wohl doch dran glauben. Oder es gibt zum Frühstück einen Schoko-Nikolaus, Nüsse und eine Mandarine. Und am 24. Dezember ist dann die große Bescherung.

Soweit der Plan. Dann muss ich nur noch ein paar leckere Rezepte mit Möhren raussuchen: niederländische Kinder legen beim mehrmaligen Schuh-Rausstellen nämlich eine dicke Möhre in ihren Schuh. Für das Pferd von Sinterklaas, Amerigo. Und die muss ich ja unauffällig verschwinden lassen, hihi!