Wie ich ein bisschen meine Muttersprache verlerne

Es soll ja Leute geben, die behaupten, man könne seine Muttersprache nie verlernen. Aber ich glaube: doch, kann man! Zumindest teilweise.

Ich lebe nun seit fast 10 Jahren hier in Holland (hui, die Zeit rast!) und merke, dass ich öfter mal zweifle, wie man bestimmte Dinge auf Deutsch sagt. Vor allem in meinem Job als Übersetzerin ist das nicht so praktisch. Zum Glück helfen mir meine Freunde Google und der Duden dann aus der Patsche. Und manchmal frage ich übers Handy (pardon, Smartphone) einfach meine Schwester, die im Gegensatz zu mir nicht ständig von Niederländisch umgeben und beeinflusst wird. Privat sind meine kleinen Fehler ja zum Glück auch nicht so schlimm, da wird höchstens über mein verniederländischtes Deutsch gelacht.

Vor allem Präpositionen und die Fälle bereiten mir Schwierigkeiten. Bei den Präpositionen funken mir die niederländischen ähnlich klingenden aber anders benutzten dazwischen, da muss ich echt aufpassen! Beispiele: versehen mit = voorzien van; Kontakt aufnehmen zu jdm = contact opnemen met iemand. Und heißt das jetzt „das Bild an die Wand anbringen“ oder „das Bild an der Wand anbringen“?? Überhaupt gibt es zwischen Deutsch und Niederländisch viele „falsche Freunde“ und auch die Schreibweise ähnelt sich oft. „Das klingt komisch“ = „Dat klinkt raar.“ (Das niederländische „komisch“ bedeutet hingegen eher „ulkig/lustig“.)  Eine Übersetzer-Kollegin hat mir geraten, einfach viel Deutsch zu lesen, aber dazu fehlt mir leider oft die Zeit und Konzentrationsfähigkeit (Mama-Blogs zähle ich jetzt mal nicht – es geht mir um das sprachenbewusste Lesen förmlicher Texte).

Wie viele, die längere Zeit im Ausland leben, benutze ich falsche Satzkonstruktionen und 1-zu-1 übersetzte Ausdrücke, ich verwechsle Präpositionen (siehe oben), erinnere mich manchmal nur mit Mühe an bestimmte deutsche Wörter und benutze falsche Wörter oder Schreibweisen. Ein paar Beispiele wären: „Mein Zug viel aus.“ (Mijn trein viel uit.), „in der Pfanne backen“ (das niederländische „bakken“ kann sowohl „backen“ als auch „braten“ heißen; und een pan kann eine Pfanne oder aber ein Topf sein), „die kleine Babykatze“ (auf Niederländisch tatsächlich babykat, aber auf Deutsch eher: Katzenbaby), „wir gehen gleich essen“ (anstatt „wir essen gleich“, denn die englische going-to-future gibt es auch im Niederländischen). Außerdem fragte ich mich mal ernsthaft, warum die Rechtschreibkontrolle von Word über „aktief“ stolperte…

Wie ich hier schon einmal schrieb, bereiten mir außerdem Wörter und Ausdrücke aus Themengebieten Schwierigkeiten, mit denen ich vor meinem Umzug ins Tulpenland noch nicht direkt zu tun hatte. Zum Beispiel Hypotheken, Schwangerschaft und Geburt usw. Dass der kleine Kaaskop zweisprachig erzogen wird, ist auch für mich ein Segen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass mein Deutsch weniger schnell und weniger stark nachlässt, seit ich jeden Tag mit dem kleinen Kaaskop Deutsch rede und lese! Bevor es ihn gab, hatte ich bei Telefongesprächen mit der Heimat oder Heimatbesuchen mehr Umstellungsschwierigkeiten als jetzt. Zwar höre ich in seinem Deutsch einen niederländischen Akzent, aber stark ist der nicht, und angeblich habe ich mittlerweile auch einen. Selbst höre ich den aber nicht.

Ganz verlernen werde ich meine Muttersprache also dank Kind und Übersetzer-Job wohl nicht. Ohne es recherchiert zu haben, behaupte ich einfach mal, dass man sowieso eher seinen aktiven Wortschatz verliert als seinen passiven. Ich erinnere mich von den Schwedenurlauben in meiner Kindheit an die Nachbarin unserer Ferienhausvermieter, die als junge Frau aus der DDR geflüchtet war und mittlerweile wirklich kein Deutsch mehr kann. Verstehen tut sie es noch ein bisschen, aber mehr auch nicht. Und das Verlernen bzw. Vergessen kann wirklich schnell gehen! Da reicht ein Jahr schon aus, wie ich auch an meiner Schwester gemerkt habe. Die erinnerte sich kurz nach ihrem Au-Pair-Jahr nur noch mit viel Mühe an das eher selten aktiv benutzte Wort „Stromausfall“.

Wer von euch war schon einmal längere Zeit im Ausland und kennt dieses Phänomen? Und habt ihr in meinem Blog Ausdrücke entdeckt, die man so gar nicht benutzt im Deutschen?

(Wen das Thema interessiert, hier gibt es was zum Weiterlesen:

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wissen/article134526935/Gehirn-verlernt-Muttersprache-nicht.html

http://kids.t-online.de/kann-man-seine-muttersprache-verlernen-/id_19237590/index

http://blog.supertext.ch/2014/06/kann-man-seine-muttersprache-verlernen/ )

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Julitag am Meer

Auch hier in Holland ist neulich endlich der Hochsommer eingezogen. Und genau deswegen hatte ich in der letzten Zeit selten Bock auf Blog. Ich bin kein Fan von Temperaturen über 25 Grad, denn ich vertrage Hitze nicht so gut. Der kleine Kaaskop schlief bei diesen tropischen Temperaturen auch immer erst recht spät (wer nicht?), sodass ich erst spät „Feierabend“ hatte. Und dann war die Luft einfach raus. Kennt ihr sicher.

Zur großen Enttäuschung meiner Schwiegermutter haben wir letzten Samstag dann auch noch den geplanten gemeinsamen Tag am Meer abgesagt, weil wir es uns nicht antun wollten, eine gute Stunde im heißen Auto zu sitzen, um zu ihr nach Nord-Holland zu fahren (gegen diese Hitze kam sogar die Klimaanlage im Auto nicht an). Bei den vorhergesagten 33 Grad wär es mir außerdem am Strand sicher zu heiß gewesen (und dem kleinen Kaaskop auch). Stattdessen sind wir in ein klimatisiertes Einkaufszentrum geflüchtet, wo wir u.a. rosa Jungs-T-Shirts und ein größeres Planschbecken gekauft haben und sich der kleine Kaaskop beim Springbrunnen neben unserem Lunch-Café filmreif hingepackt hat, weil er so begeistert (=schnell) zu den anderen dort spielenden Kindern gerannt ist, dass er auf dem nassen Boden ausgerutscht ist. Zum Glück knallte er erst mit dem Po und dann mit dem Kopf auf den Boden und sind Kinderköpfe erstaunlich hart im Nehmen. Memo an mich: nächstes Mal lieber die Sandalen nass werden lassen als einen aufgeschlagenen Kopf zu riskieren!

Kleine Erfrischung bei Bagels&Beans
Kleine Erfrischung bei Bagels&Beans
Altes Planschbecken als Boot im neuen - die spinnen, meine Kaasköppe!
Altes Planschbecken als Boot im neuen – die spinnen, meine Kaasköppe!

Heute sind wir aber endlich zu meiner Schwiegermutter und ans Meer gefahren! Von halb zehn morgens bis halb fünf nachmittags waren wir dort, bewaffnet mit 2 Sonnenschirmen, Strandmuschel, Picknickdecke, Sandspielzeug und und und. Es war ein wirklich schöner Tag! Der kleine Kaaskop hätte wohl den ganzen Tag in der Brandung rumrennend verbracht, wenn wir ihn nicht zwischendurch mal zum Abtrocknen/Aufwärmen oder Essen/Trinken mit zurück zu unserem Strandplatz geschleppt hätten.

Dank des „Betreuungschlüssels“ von 3:1 konnte ich auch mal längere Zeit unterm Sonnenschirm faulenzen und sogar ein paar (!) Kapitel im neuesten Shopaholic-Band lesen! Nur dass die Batterie meiner Kamera recht bald mal wieder leer war, fand ich blöd. Ein paar schöne Fotos habe ich aber noch gemacht:

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Zweihändig schippen kann er auch
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Strand-Selfie!
Springen, springen, springen!
Springen, springen, springen! Und dann n0chmal von vorn!
Pure Freude in seinen Augen!
Pure Freude in seinen Augen!

Der kleine Kaaskop sah den Wellen immer erwartungsvoll entgegen, um dann vor Freude kreischend vor ihnen wegzurennen. Einfach zu schön! Ab und zu rief er begeistert: „Da kommt ein großer Golf!“ Darüber musste ich SO lachen! Golf ist nämlich das niederländische Wort für „Welle“. Aber er sprach es nicht niederländisch (cholf) sondern deutsch aus, hihi!

Später bauten wir noch eine Burg mit richtigem Tunnel (wollte ich schon ewig mal machen!):

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Gut, ich bin ja ehrlich: diese Burg habe hauptsächlich ICH gebaut. Sehr mediativ, Sandburgenbauen! Viel Talent habe ich aber wohl nicht…sieht eher aus wie ein hungriges Sandmonster statt einer Burg mit Eingang und Fenstern, oder?

Mein eigenes hungriges kleines Sandmonster liegt mittlerweile nach diesem schönen Strandtag entsandet und gefüttert im Bett. Und ich gehe jetzt auch in die Heia; Meer macht müde!

PS. Kleiner Exkurs in sprachliches Kuddelmuddel: das Meer heißt auf Niederländisch de zee. Het meer wiederum ist der See. Außerdem bedeutet meer auch „mehr“. Gekrönt wird das Ganze vom deutschen das Meer = die See. Da soll man noch durchblicken..

Vom Pipi und Poepie

Als exportierte Deutsche muss ich hin und wieder feststellen, dass ich in Sachen aktuelle deutsche Sprachgewohnheiten nicht auf dem Laufenden bin. Aus „Spasti“ ist scheinbar „Spast“ oder „Opfer“ geworden (oder ist das auch schon wieder out?), Superrezepte heißen plötzlich „weltbeste Rezepte“, alle kriegen plötzlich „Pipi in den Augen“ undsoweiter. Mal davon abgesehen weiß ich bei bestimmten Themenbereichen, mit denen ich in meinem „alten“ Leben in Deutschland nicht in Berührung gekommen bin, gar nicht, wie man diese Begriffe auf Deutsch eigentlich nennt. Bei Hypotheken zum Beispiel, oder Smartphones (die gab es vor 8 Jahren ja noch nicht). Was ist eine „spaarhypotheek„auf Deutsch? Sagt man „fegen„oder „wischen„, wenn man den Finger über den Touchscreen bewegt? Aber auch bei Schwangerschaft und Erziehung steh ich oft auf dem Schlauch, wenn ich das deutsche Wort suche! So musste ich damals erst im Internet suchen, bevor ich wusste, dass ein „ruggenprik“ als PDA bezeichnet wird. Und was der korrekte Ausdruck für „echoscopiste“ ist, weiß ich bis heute nicht. Den Ultraschall macht ja in Deutschland der Gynäkologe, oder? Hier in Holland geht man für Ultraschalls zu einem eigenständigen „echobureau„, in dem „echoscopisten“ arbeiten. Ich hab dann einfach immer „Ultraschalldame“ gesagt, hihi!

Anyway. Weil ich „Kacka“ ein doofes Wort finde, benutze ich immer niederländische Kindersprache dafür: „poepie“ (sprich: puhpie). „Pipi“ finde ich hingegen netter als „plasje“.  Pipi und Poepie sind bei uns gerade ein heißes Thema: Ich will dem kleinen Kaaskop die blöden Windeln abgewöhnen. Er ist jetzt 2,5 und die ekligen Kackwindeln nerven mich. Vor allem, weil der kleine Kaaskop gerne nochmal ausgiebig auf dem Popo sitzend rumrutscht, wenn er in die Windel gemacht hat. Bah! Außerdem macht er immer einen Riesenterz, wenn ich ihn wickeln will. Aber im Stehen eine dieser praktischen Windelhöschen anzuziehen, geht ja leider  nur bei Pipiwindeln.

Als der kleine Kaaskop 20 Monate alt war und verfrüht in die Ü2-Gruppe der Kita aufstieg, interessierte er sich plötzlich für die Toilette. Als er sogar anfing, kurz vorm poepie machen „poepie“ zu sagen, kaufte ich schnell ein Töpfchen und ein nicht zu dickes, flott geschriebenes  Buch über Potty Training bei Kindern ab 1 Jahr  und hoffte das Beste. Ich setzte den kleinen Mann regelmäßig (nach dem Aufstehen und nach dem Essen) auf den neuen Thron, Bilderbuch oder Spielzeug dazu und hurra: ca. 2 Wochen lang machte er fast alle poepies auf dem Töpfchen! Was waren wir stolz! Aber dann verlor er leider das Interesse. Vielleicht haben wir ihn zu sehr gepusht? Oder es war nicht mehr neu genug. Jedenfalls weigerte er sich auf einmal, sich auf’s Töpfchen zu setzen. Mist.

Mittlerweile ist der kleine Kaaskop also 2,5 und will ich es wieder versuchen. Leider ist er mittlerweile auch viel zu aktiv, um sich einfach so nach dem Essen ein Weilchen auf’s Töpfchen zu setzen und zu warten, bis was kommt. In der Kita scheint er ja öfter auf das Kleinkinder-WC zu gehen (ist wahrscheinlich toller als so’n olles Töpfchen, und peer pressure wird wohl auch eine Rolle spielen). Die Kinder bekommen dort als Belohnung immer einen Aufkleber für ihre erfolgreichen Toiletten- oder Töpfchengänge. Das ist eine bei niederländischen Eltern beliebte Anspornungsmethode, die ich jetzt wohl auch mal ausprobieren werde! Am zweiten Tag, dass die Karte an unserer Toilettentür hing, verdiente sich der kleine Kaaskop abends gleich 2 Aufkleber!

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Jetzt müssen wir ihn „nur“ irgendwie soweit kriegen, dass er sich bereit erklärt, nach dem Aufstehen, Essen und vor dem Schlafengehen auf Töpfchen oder seinem Kinder-WC-Aufsatz von DM Pipi oder poepie zu machen. Zu dumm, dass unser diesjähriger Urlaub so kurz und voller Termine war. Eine andere beliebte Methode ist hier in Holland nämlich, im Sommerurlaub auf dem Campingplatz in Frankreich (Urlaubsland Nr. 1 der Holländer) einfach die Windel wegzulassen. Dann spüren die Kinder an den nackten Beinen, dass sie Pipi machen, und das hilft wohl beim Lernprozess. Außerdem müssen sie im Sommer ja nicht mit mehreren Schichten Kleidung kämpfen, wenn sie dringend auf’s Klo müssen. Und weil sie eh meist in Badehose rumlaufen, brauch Mama (oder Papa) nur die Badehose ausspülen, wenn das poepie in die Hose geht. Nur mal so als Tipp, falls eure Kinder auch noch „müssen“ (entschuldigt die Wortspielung).

Ich glaube, wenn der kleine Kaaskop nicht die Ruhe hat, eine Weile stillzusitzen, werde ich ihn einfach bestechen. Rosinen, eine Folge Kikaninchen, ein Buch, das er noch nicht kennt oder, ah, ihm was mit der blöden Handpuppe, die er so liebt Jessica vorspielen. Ich muss mir sowieso noch was ausdenken, was er als Belohnung kriegt, wenn die Aufkleberkarte voll ist. Und in der Zwischenzeit geht die mündliche Propaganda weiter: ordentlich loben, wenn er Pipi oder poepie ins Töpfchen oder WC gemacht hat, darauf hinweisen, dass viele seiner Kita-Freunde auch keine Windeln mehr tragen, Bilderbücher über das Thema lesen usw. Wish me luck!

Deutsch sprechende Holländer

Ich konnte einfach nicht anders, ich musste das endlich mal kommentieren. Auch wenn ich damit dem Hypothekberater in die Rede fiel, als er uns gerade erzählte, in welcher Preisklasse wir nach einem neuen Haus suchen können. Dabei benutzte er nämlich einen bei den Holländern recht beliebten deutschen Ausdruck, den sie ALLE falsch sagen!

Keine Ahnung, wie das kommt – ich vermute, irgendwann hat eine ganze Generation holländischer Deutschlehrer das mal falsch gelernt und gelehrt und seitdem hat es sich so in den Köpfen der Niederländer festgesetzt: im Frage. *schauder*

Ich habe den guten Mann (Tim hieß er – hier in Holland duzt man offenbar auch seinen Hyopthekberater schon beim ersten Gespräch) also unterbrochen und ihn aufgeklärt, dass es „kommt nicht IN Frage heißt“. (Eigentlich meinte er sowieso was anderes, nämlich, dass wir ja sowieso nicht mehr als Betrag X bezahlen WOLLEN, obwohl „nicht in Frage“ ja impliziert, dass wir es nicht KÖNNEN – aber das nur am Rande.)

Holländer und die deutsche Sprache – das passt nicht immer gut zusammen. Ich gebe ja gerne zu, dass am Sprichwort „Deutsche Sprache – schwere Sprache“ absolut was dran ist, aber was ich so alles lesen muss, geht manchmal wirklich auf keine Kuhhaut. „sowieso“, „in Frage“, „an sich“ und andere deutsche Wörter oder Ausdrücke werden wie gesagt gerne von Holländern benutzt und stehen zum Teil sogar im Wörterbuch auf der niederländischen Seite. Aber auch in der Zeitung zitieren die Journalisten gerne mal etwas Deutsches, leider meistens ziemlich falsch. Meistens sind’s natürlich die Fälle, die das Problem sind. Oder falsche Groß-/Kleinschreibung, denn im Niederländischen schreibt man nur Eigennamen und das erste Wort am Satzanfang groß. Was mich aber am häufigsten ärgert, sind die falschen Umlaute (oftmals offensichtlich willkürlich in den Text gestreut) und andere Fehler, die man sehr einfach vermeiden kann, wenn man sich nur kurz die Mühe macht, das nachzuschlagen oder nachzugooglen. Ist das zuviel verlangt?

Ich bin mal wieder schwer in Fahrt, merke ich. Sprachsachen liegen mir halt am Herzen. Besonders „toll“ finde ich es auch, wenn ich auf der Arbeit deutsche Texte korrigieren soll, die ein Niederländer selbst übersetzt oder verzapft hat. Nicht selten verstehe ich ohne den niederländischen Ausgangstext wirklich nicht, was da eigentlich stehen soll!

Aber gut. Wie gesagt: deutsche Sprache – schwere Sprache… Und genau aus dem Grund will ich den kleinen Kaaskop zweisprachig erziehen. Damit er die deutschen Grammatikregeln nicht später erst mühsam lernen muss, wie zum Beispiel sein armer Papa. Oder der Hypothekberater.

Apropos Grammatiklernen: der kleine Kaaskop wird demnächst an einer sprachwissenschaftlichen Studie zu diesem Thema teilnehmen! Aber das erzähl ich, wenn es soweit ist.

Ich wünsche euch einen schönen Abend!

Groetjes, Kristine

Was ich in den letzten Tagen gelernt habe

Die letzten Tage haben mich wieder so einiges gelehrt:

  • Einen Hexenschuss kann man auch im zarten Alter von 33 Jahren bekommen.
  • Ein Hexenschuss tut weh und ist nicht einfach so wieder weg. Er ist außerdem nicht praktisch, wenn das Kind noch im Gitterbett schläft, aus dem es nicht alleine raus kann.
  • Man sollte nicht selbst Diagnosen stellen. Wenn ich den Wikipedia-Artikel so lese, ist das gar kein Hexenschuss. Tatsache ist aber, dass mir beim Hochheben meines Sohns am Samstag etwas in den Rücken schoss und ich seitdem „Rücken hab“. Aua.
  • Solche „Unfälle“ passieren immer am Wochenende.
  • Mein Sohn hat Angst vor Blättern/ starkem Wind. Oh je! Durch den hohen Blätterhaufen (dazu gleich mehr!) stapfen fand er toll, aber sobald der Wind kurz ordentlich zunahm, versteckte er jämmerlich piepsend sein Gesicht zwischen meinen Beinen. Aber zugegeben: auch ich war erstaunt, was für einen Lärm die drei großen Bäume bei uns um die Ecke bei Sturm machen können. Und auch ich fand den Sturm etwas beängstigend. Die Bäume um die Ecke könnten glatt unsere ganze Häuserreihe plätten! Zum Glück sind sie ja stehengeblieben. Aber es war ja auch ein echter Orkan, das hatte ich in meinem Mamatag-Kokon gar nicht so mitgekriegt. Hab abends aber extra die „billigen“ Nachrichten (het goedkope nieuws = Nachrichten auf Sat1, RTL und Co.) geguckt, wegen der reißerischerern Bilder.
  • Die Leute kümmern sich nicht besonders um ihre Mitmenschen. Auf dem Rückweg von der Drogerie (noch so etwas: irgendwie bleibt das Windelnkaufen immer an mir hängen!) sah ich, dass eine Mülltonne auf die Straße geweht war. Mitdenkend wie ich bin, wollte ich die eigentlich wieder auf den Bürgersteig holen – aber ich hab ja Rücken. Würd mich mal interessieren, ob ein anderer Fußgänger oder Autofahrer das dann gemacht hat oder ob alle Autofahrer drum rum gefahren sind, bis die Müllabfuhr da war.
  • Müllmänner sollten kinderfreundlich sein. Unsere sind das zum Glück. Mein Sohn ist bestimmt nicht der einzige, der die Müllautos wahnsinnig interessant findet („Müllauto“ kann er ja auch schon sagen – allerdings dachte er neulich, dass wir Müllautosuppe essen. Ich hatte aber eindeutig „Möhre“ gesagt…naja.)
  • Wenn es doll genug stürmt, wehen die Blätter vor unserer Haustür ausnahmsweise mal ein Haus weiter, hurra! Kam ja morgens kaum noch mit dem Kinderwagen durch den überknöchelhohen Blätterhaufen…
  • Kinder sch…. wirklich auf die Zeitumstellung. Auch, wenn sie am Abend vorher später ins Bett gebracht wurden als normalerweise. Mist.
  • Noch mehr Scheiße: Auch bei überknöchelhohen Blätterhaufen kann man sich die Schuhe an dem Hundehaufen darunter versauen. Und das versaut mir dann glatt den ganzen Tag.
  • Die Leute in unserem Viertel räumen die Scheiße ihrer Köter nicht weg. (Dafür können die Hunde nichts, das weiß ich ja. Aber weil ihre Herrchen offenbar asozial sind, nenn ich die dann halt Köter…“tainted by association“ heißt das in meinem Lieblingsbuch/-film Pride and Prejudice (Jane Austen)).
  • Ich habe den liebsten Mann der Stadt: als ich ihm whappte, dass ich in Hundekacke getreten bin, antwortete er: „Nicht aufregen, das mach ich heute abend sauber, Küsschen“ Awwwww! (Hatte es aber aus Outfit-Gründen schon selbst saubergemacht – wozu hat man schließlich Feuchtis im Kinderwagen!)
  • Man Frau muss irgendwie doch eine psychische Grenze überwinden, wenn frau für ihren Sohn ein Duplo-Haus kauft, das a) überwiegend rosa ist und b) laut Produktbeschreibung speziell für Mädchen ist. Das neutrale Haus hat aber nicht so einen tollen Briefkasten (den wird B. lieben!) und blöde Säulen. Außerdem war das 5 Euro teurer und gab´s das bei bol.com, wo ich u.a. noch ein Geburtstagsgeschenk für A. bestellt habe, nicht.
  • Mir kommen immer noch die Tränen, wenn ich über die ersten Wochen Monate von B.’s kleinem Leben rede – und zwar nicht im positiven Sinne.
  • Wenn man Zucchini und Champignons in der Tomatensoße püriert, weil der Sohnemann das Gemüse sonst wieder rauspickt, sieht das ….aus wie schonmal gegessen. Bäh. Merke: in dunkler Soße kein helles Gemüse pürieren!
  • Ich habe immer mehr Blog-Pläne als Zeit. Und meine „kurzen“ Blogartikel werden irgendwie meistens viel länger als geplant!

Alles (Erdnuss-)Käse

Neulich hörte ich ihn wieder, diesen lustigen Ausdruck, den ich schon beim ersten Mal ganz toll fand:

Daar heb ik geen kaas van gegeten.

Wörtlich heißt das: Davon habe ich keinen Käse gegessen. Gemeint ist aber, dass man von etwas keine Ahnung hat. Niedlich, oder? Die Holländer haben noch mehr Sprichwörter bzw. Ausdrücke mit Milchprodukten. Und viele mit Wasser, das spielt hier ja auch schon seit Jahrhunderten eine große Rolle.

Es gibt sogar einen Ausdruck mit pindakaas (Erdnussbutter* also)! Helaas pindakaas. Hat mir eine Ex-Kollegin mal seeehr treffend übersetzt mit „Schade Marmelade.“ Deutsche essen ja nunmal eher Marmelade als Erdnussbutter. Eigentlich würde man aber natürlich im Deutschen eher „Tja, Pech gehabt.“ oder „Schade. Nichts zu machen.“ sagen. Klingt aber lange nicht so lustig, finde ich.

* Vielleicht ist euch aufgefallen, dass das im Niederländischen eigentlich „Erdnusskäse“ heißt. Das liegt daran, dass boter (Butter) damals ein geschützter Begriff war und man sich halt einen anderen Namen für dieses schmierigecremige, braune Zeug ausdenken musste.

Ich bin übrigens kein Fan von Erdnussbutter. Erdnusssoße dahingegen…mjam mjam! Klingt jetzt komisch, aber satésaus, die man hier nicht nur zu Hähnchenspießen isst sondern auch mal zu Pommes (unerwartet recht lecker!) und beim Grillen, ist zwar auch aus Erdnüssen, schmeckt aber wirklich total anders. Es gibt noch mehr Leute wie ich, die Erdnussbutter nicht mögen, Erdnusssoße aber schon. Oder umgekehrt. Mein Gatte zum Beispiel gehört zu letzterer Kategorie.