Sinterklaas 2016 – über kackende Pferde und das Sinterklaasjournaal

So. Sinterklaas ist wieder auf dem Heimweg nach Spanien. Endlich keine Diskussionen mehr über die Schuhrausstelltage, zu wenig pepernoten im Schuh und ob rommelpiet auch zu uns kommt oder nicht. (Der „Unordnung-Piet“ hat nämlich eines Nachts das Klassenzimmer auf den Kopf gestellt und für die Kinder ein kleines Geschenk zurückgelassen (im Mülleimer!), und der kleine Kaaskop fand das so toll, dass er zuhause auch von rommelpiet besucht werden wollte. Die Bemerkung, dass er selbst schon genug Unordnung macht, habe ich mir mal verkniffen.) Auch die Lehrer/innen werden wohl ganz froh sein, dass der Sint wieder weg ist, denn abgesehen von mehr Arbeit wegen der verschiedenen Sinterklaasaktivitäten bedeutet diese spannende Zeit auch mehr Unruhe in den (Vorschul-)Klassen.

Amerigo macht A-a

Am Freitag war „pietenochtend“ mit pepernoten-Backen, pietengym (Fitnessübungen für Pieten), Film und pepernoten-Bingo und am Montag kam Sinterklaas in der Schule zu Besuch. Der kleine Kaaskop und ich kamen gerade noch rechtzeitig, um mit seiner Klasse auf den Schulhof der höheren Klassen zu marschieren, wo Sinterklaas ankommen sollte. Ich hatte nämlich durch ein Missverständnis nicht mitgekriegt, dass die Kinder an diesem Tag eine Viertelstunde früher kommen sollten. Ähem. Immerhin hatte ich mir den ganzen Tag freigenommen, um pakjesavond (+/- die Bescherung) vorzubereiten und so konnte ich noch kurz bleiben und mir Sinterklaas angucken. Der kam, wie es sich gehört, auf seinem Schimmel Amerigo angeritten und hatte ein paar zwarte Pieten dabei. Nix Schornstein-Pieten, die hier waren richtig schwarz geschminkt, mit dicken, roten Lippen. Der kleinste Piet kam auf einem Hoverboard angefahren, woah! Während die Pieten pepernoten in die versammelte Kindermenge warfen, redete der Sint kurz mit der Direktorin und schüttelte ein paar Kindern die Hand.

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Das Highlight war für die kleineren Kinder aber, dass Amerigo ein paar dicke Pferdeäpfel auf dem Schulhof hinterließ! Dann gingen alle wieder rein und ich nach Hause. Später erfuhr ich, dass Sinterklaas auch noch in der Klasse des kleinen Kaaskop vorbeigekommen ist und für alle ein Geschenk dabei hatte. Für die Jungs einen kleinen Plastiktraktor mit blinkenden Reifen und einem ganz furchtbaren „Motorgeräusch“. Für die Mädchen einen Handspiegel und eine Haarbürste zum selberverzieren. No comment.

Warten auf Sinterklaas

Auf dem Nachhauseweg war der kleine Kaaskop etwas überdreht, logisch. Erstaunlicherweise ging es zuhause aber ganz gut. Gegen 15 Uhr kamen Opa und Oma, wir tranken Kaffee und aßen pepernoten und Kekse und dann wurde der kleine Kaaskop spürbar ungeduldiger. Wir hatten in einem Moment der Weisheit beschlossen, dieses Jahr vor dem Essen die Geschenke auszupacken. Der große Kaaskop hatte den Jutesack, den meine Schwester aus Entsetzen über den letztes Jahr notgedrungen zums Geschenkesack umfunktionierten Müllsack für uns besorgt hatte, schon am Sonntagabend ins Auto gelegt und sollte ihn heimlich vor die Tür legen, anklopfen und dann schnell wieder ins Auto steigen und so tun, als käme er gerade erst von der Arbeit. Gerade noch rechtzeitig dachte ich an den Profitipp eines Kollegen, die Haustür abzuschließen, damit „Piet“ mehr Zeit hat, ungesehen wieder ins Auto zu kommen. Es klappte wie am Schnürchen!

Er kommt, er kommt!

Als ich gerade mit dem kleinen Kaaskop ein Winterbild ans Kinderzimmerfenster malte, klopfte es laut an der Tür. „He, hat da jemand geklopft? Wer kann das denn sein?“, fragte ich. Der kleine Kaaskop hielt kurz inne, rief dann aufgeregt: „Ha! Zwarte Piet!“ und lief nach unten. Als er den Sack vor der Tür entdeckte, war er völlig aus dem Häuschen, rief „Yo-ha! Wir haben Geschenke! Geschenke!“ und lief dann ein paar Schritte auf Socken in den Vorgarten, um zu gucken, ob er zwarte Piet noch irgendwo entdecken konnte. Aber der war schon wieder weg. Hat ja viel zu tun, der Gute. Der kleine Kaaskop schleppte den Sack ins Wohnzimmer und bekam nur am Rande mit, dass eine Minute später Papa nach Hause kam. Erstmal wurden alle Geschenke sortiert und verteilt (sie waren gekennzeichnet), dann packten wir reihum eins aus. Der kleine Kaaskop rief bei jedem Geschenk (sogar beim alljährlichen Schokoladenbuchstaben) freudig: „Ja! Das wollte ich haben!“ Meine Schwiegermutter hielt sich zum Glück etwas zurück mit verräterischen Bemerkungen à la „Das war bei XY im Angebot“ und überhaupt verlief alles ziemlich harmonisch. (Im Gegensatz zu Sinterklaasavond letztes Jahr)

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Der kleine Kaaskop bekam: Sinterklaas mit Pferd, Piet und Dampfer von Playmobil, kinetischen Sand, ein Buch, eine Paw-Patrol-DVD, einen Buchstabenkasten, einen Schokoladebuchstaben und zwei Playmobil-Banditen.

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Er beklagte sich zwar, dass er gar kein Lego von seinem Wunschzettel bekommen habe, aber das stimmte nicht. Er durfte seit Sinterklaas‚ Ankunft hier in Holland 3-mal seinen Schuh rausstellen und hatte darin auch ein Polizeiauto, einen Rennwagen, einen Leiterwagen und einen Feuerwehrhubschrauber von Lego bekommen. „Vintage“-Lego, genauer gesagt: das alte von mir und meiner Schwester. Um Fragen über die fehlenden Kartons vorzubeugen, lag ein Briefchen von Sinterklaas dabei, auf dem stand, dass sie die Kartons leider für die Übungspäckchen brauchten.

Warum ich das Sinterklaasjournal so mag

Übungspäckchen? Was’n das? Tja, die kannte der kleine Kaaskop vom Sinterklaasjournaal. Darin hatte nämlich ein schlauer Unternehmer das Pietenhaus, wo die Truppe aus Spanien während ihres Aufenthalts in Holland wohnt, in „Erlebnispark Pietenhaus“ verwandelt. Und die bunt geschminkten „Touristen“, die dort gegen Bezahlung Piet spielen durften, brauchten Päckchen zum Üben. Hach, ich mag das Sinterklaasjournaal! Das ist wegen der Anspielungen auf gesellschaftliche Angelegenheiten und Wortspiele auch für Eltern lustig und die „Lösung“ für die zwarte-Piet-Frage finde ich persönlich genial. Aber dazu gleich mehr. Der Reporter vom Sinterklaasjournaal fragte den Unternehmer ganz verwirrt slash entsetzt: „Ein Erlebnispark?! Ja, aber…das kann man doch nicht einfach so machen?!“ Und er sagte: „Ja, das habe ich schon öfter gehört. Aber ich sage dir: ich habe es gemacht und siehe da, es geht!“ Soviel zum Thema „Schornstein-Pieten und bunt geschminkte Pieten“. Ha! Nach dem Kuddelmuddel mit den Touristen/falschen Pieten, leeren Übungspäckchen, die aus Versehen in die Schuhe der Kinder gesteckt wurden, verschwundenen Päckchen für pakjesavond und einem sich sehr merkwürdig benehmenden Sinterklaas, kam am 4. Dezember die große Auflösung. Die Päckchen tauchten wieder auf, der Sint hatte heimlich ein Loblied auf seine Pieten gedichtet und mit einem Chor einstudiert und die „Touristen“ durften bleiben, denn Sinterklaas meinte, er freue sich über alle Pieten, denn was wäre er denn ohne seine Pieten und ein Fest feiert man mit allen zusammen.  (Oder so ähnlich.) Mit anderen Worten: es ist egal, ob die Pieten schwarz, weiß, rot-blau-weiß-orange oder mit Rußstreifen sind, Hauptsache, es bleibt gezellig für alle.

Falls ihr Niederländisch könnt, hier die Sendung mit der Zusammenfassung (Film oben links, „zondag“).

 

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Was die niederländische Mutter von der deutschen unterscheidet

Im Juli hatte ich mal verbloggt, was das niederländische Kind vom deutschen unterscheidet. Weil einer meiner Follower auf Instagram sich einen Vergleich zwischen der niederländischen und der deutschen wünschte, gibt es heute quasi eine kleine Fortsetzung:

  • Die niederländische Mutter greift nicht zu homöopathischen Mittelchen, wenn der Nachwuchs kränkelt. Paracetamol ist hier in Holland das Allerheilmittelchen. und ansonsten gilt die Devise „Zähne zusammenbeißen und durch, der Schmerz hört bald wieder auf“. Hatte ich schon mal erwähnt, dass hierzulande ein Dammschnitt/-riss manchmal noch unbetäubt genäht wird und bei IVF die Follikelpunktion nicht unter Narkose gemacht wird wie in Deutschland? Just saying!
  • Die niederländische berufstätige Mutter muss in der Regel abends nach der Arbeit und dem Kinderabholen noch schnell kochen, deshalb freut sie sich über das vielseitige Angebot von vorgeschnittenem oder vorgegartem Gemüse im Supermarkt. Die Umwelt? Naja, aber es ist sooo praktisch!
  • Die niederländische Mutter findet, dass sie eine bessere Mutter ist, weil sie berufstätig ist, und eine bessere Mitarbeiterin, weil sie Mutter ist. Sie wird nicht schief angeschaut, weil sie ihr Kind schon im Alter weniger Monate 2-4 Tage die Woche in die Kita oder zur Oma gibt. Nicht zu lange damit warten (also spätestens so mit 10 Monaten), wird einem hier von anderen Müttern geraten, sonst fällt dem Kind die Eingewöhnung so schwer.
  • Die niederländische Mutter hat kein Problem damit, ihrem Kind am Sonntagmorgen um 6 das Tablet zu geben, damit sie noch ein bisschen weiterschlafen kann. If mom ain’t happy, ain’t nobody happy!
  • Die niederländische Mutter ist keine Raben- sondern eine Läusemutter. Manche jedenfalls, denn „luizenmoeder“ ist eins der Ehrenämter an niederländischen Grundschulen: in der Läusehochsaison kommen die Läusemütter ein- oder zweimal in die Schule, um allen Kindern die Haare mit einem Läusekamm auf die kleinen Biester zu kontrollieren.
  • Die niederländische Mutter hat keinen Kärcher; sie hat einen Fensterputzer, der regelmäßig die Fenster von außen putzt. Denn holländische Häuser haben viele und gerne auch große Fenster…
  • Die niederländische Mutter findet Ferbern nicht grausam, wieso denn auch? Mit der „kiekeboe-methode“ (Guck-guck-Methode) lernt das Baby doch gerade, dass Mama immer zurückkommt und es keine Angst zu haben braucht! Und das consultatiebureau empfiehlt das doch auch…
  • Die niederländische Mutter braucht keinen Adventskalender zu basteln. Kaufen auch nicht. Advent? Das ist nur was für Strenggläubige. So Leute, die am Sonntag nicht bügeln, weil dann ja Ruhetag ist und nichts gearbeitet werden darf. Gibt es hier, hauptsächlich im bijbelbelt (Biebelgürtel).
  • Die niederländische Mutter hat starke Waden, schließlich radelt sie bei Wind und Wetter mit durchschnittlich zwei Kindern im Fahrradsitz oder dem Lastenrad zu Kita, Schule und Arbeit. Deshalb trägt die niederländische Mutter genauso regelmäßig eine Matsch- oder besser gesagt Regenhose wie das typisch deutsche Kind.
  • Das bevorzugte Schuhwerk der niederländischen Mutter ist der Stiefel/die Stiefelette. Kann man fast das ganze Jahr über tragen (außer im Sommer), sieht modisch aus (sehr wichtig!!) und der Absatz ist nicht zu hoch oder schmal zum Hinter-dem-Kind-herrennen. Win-win.

Was die beiden Spezien gemein haben: sie achten auf gesunde Ernährung und wollen nur das Beste für ihre Kinder, die bei ihnen immer an erster Stelle kommen.

 

Nachmittagsbetreuung auf Holländisch

Seit zwei Wochen sind in unserer Region die Sommerferien vorbei. Warum diese 6-wöchige Schulpause Eltern in Holland nicht vor große organisatorische Probleme stellt, will ich heute mal erzählen.

BSO (buitenschoolse opvang) – was ist das?

Die BSO (wörtlich: außerschulische Betreuung) ist hier in Holland wirklich gut geregelt. Soweit ich weiß, arbeitet jede Vor-/Grundschule mit mindestens einem BSO-Anbieter zusammen. Der BSO-Raum des kleinen Kaaskop befindet sich im gleichen Gebäude wie die Klassenzimmer, er kann also nach Schulschluss alleine hingehen, obwohl er erst vier ist. Andere BSO’s holen ihre Schützlinge zu Fuß oder mit einem Bus ab.

Öffnungszeiten und Möglichkeiten

Streng genommen bezieht sich „BSO“ nur auf die Betreuung nach Schulschluss, in unserem Fall also Mo, Di und Do ab 14.45 Uhr und Mi und Fr ab 12.20 Uhr. Wobei unsere BSO mittwochs und freitags geschlossen hat, weil fast alle Kinder an diesen beiden Tagen bei ihren Teilzeit arbeitenden Eltern zuhause sind; alternativ wird ein Mi- und Fr-Platz in der BSO der Schule gegenüber angeboten. Geöffnet ist die BSO bis 18.30 Uhr. Ich versuche, den kleinen Kaaskop vor halb 6 abzuholen, aber da die Schule ja erst um 8.45 Uhr anfängt (wie ich hier erzählt habe), muss ich dafür kräftig in die Pedale treten und machmal etwas mit meinen Arbeitzeiten rumschieben.

Das Gute an den Fremdtreuungseinrichtungen hierzulande ist, dass sie sich auch nach den Bedürfnissen der Eltern richten. Es gibt nämlich auch die VSO (voorschoolse opvang), wo man sein Kind schon ab 7.30 Uhr hinbringen kann, wenn man vor 9 Uhr auf der Arbeit erscheinen muss. Die Betreuer bringen die Kinder dann später in ihre Klassenzimmer. Toller Service, oder? Außerdem gibt es noch die TSO (tussenschoolse opvang) für zwischen den Unterrichtszeiten. Viele Schulen (aber immer weniger) haben noch den „altmodischen“ Stundenplan, der eine ganze Stunde Mittagspause vorsieht, in der die Kinder zum Mittagessen nach Hause gehen. Für arbeitende Eltern nicht besonders praktisch, und deshalb gibt es die TSO, in der die Kinder auch Essen bekommen.

Und nun zu den Ferien: die reine Nachmittagsbetreuung wird in den Schulferien zur Ganztagsbetreuung für Schulkinder! Geöffnet hat sie dann von 7.30-18.30 Uhr und neben dem Snack am Nachmittag und den Getränken wird den Kindern in den Schulferien auch Mittagessen (Brote natürlich, das ist ja hier so üblich) und am Vormittag Obst als Snack angeboten. Als wir den kleine Kaaskop damals bei der BSO angemeldet haben, konnten wir ankreuzen, ob wir das Betreuungsangebot nur außerhalb der Ferien, auch in allen Ferien oder nur einen Teil der Ferien nutzen wollen. Sommerschließzeiten gibt’s nicht, ideal! (Auch in den Kitas in der Regel nicht.) Auch an den beiden Lehrerfortbildungstagen pro Jahr ist die BSO ganztägig geöffnet.

Und was machen die Kinder dort den ganzen (Nachmit)Tag?

Spielen natürlich! In der BSO gibt es jede Menge Spielzeug: Brett- und Kartenspiele, Lego, Playmobil, Kapla, K’nex, eine gut ausgestattete Spielküche (mit Waschmaschine und Bügelbrett), Sachen zum Verkleiden, Handpuppen usw. usw. Es wird gemalt, gebastelt (unter Anleitung aber keinesfalls obligatorisch: wer lieber spielen möchte, malt/bastelt halt nicht), draußen gespielt, auch mal Kinderfilme geguckt, vorgelesen, …. Wie damals in der Kita „behandeln“ die Erzieherinnen in der BSO verschiedene Themen, z.B. Kunst, den Königstag, Sinterklaas, Sommer, der Körper, usw.

In den Ferien gibt es auch ein eigenes Thema, an das die Mal- und Bastelprojekte, Bücher und Filme angepasst werden. In den diesjährigen Sommerferien war das: Safari. Die Kinder haben unter anderem T-Shirts mit Tarnfarben bemalt, eine Feldflasche gebastelt, Dschungelbilder ausgemalt, Tier-Quartett gespielt, und an einem der Regentage offenbar den Film „Madagaskar“ geguckt. Nehme ich jedenfalls an, denn der kleine Kaaskop sang zuhause plötzlich „Ei leikta muhwin muhwin!“. Und lachte darüber, dass die Erzieherin das ja ganz falsch ausgesprochen hatte! In der letzten Ferienwoche gingen sie dann „richtig“ auf Safari. Dabei gingen sie u.a. im Wald auf Spurensuche, haben Asseln und sogar einen Salamander gefunden und wurden tierisch geschminkt. Zum Abschluss veranstalteten die Kinder eine kleine Show mit einem „Safaritanz“ und es gab sogar ein echtes „Safari-Zeugnis“.

Die BSO ist für werktätige Eltern wirklich eine große Entlastung und der kleine Kaaskop geht gerne hin. Klar, manchmal hat er keinen Bock, aber hinterher erzählt er immer, dass er dort Spaß hatte und nach unserem Urlaub hat er sich gefreut, alle seine BSO-Freunde wiederzusehen.

Welche Möglichkeiten gibt es da heutzutage eigentlich in Deutschland? Früher (=als ich noch zur Schule ging), gab es ja nur nicht berufstätige Mütter und Schlüsselkinder, wenn ich mich recht erinnere.

 

Was das niederländische Kind vom deutschen unterscheidet

Wenn man im Ausland lebt und sein Kind bilingual und bikulturell erzieht, fallen einem manchmal deutliche Unterschiede zu Kindern im Heimatland auf. Zwar habe ich nur selten mit deutschen Kindern zu tun, aber in den (sozialen) Medien erfährt man ja auch so einiges über das Familienleben in Deutschland. Ein paar Unterschiede, die mir persönlich aufgefallen sind, verrate ich euch heute mal:
  • Das niederländische Kind ist es gewohnt, mittags Brot zu essen und dazu Milch zu trinken. Abends gibt es dann warmes Essen. Wenn kinderunfreundliches Gemüse (z.B. der holländische Klassiker Rosenkohl) auf den Tisch kommt, wird das mit ein bisschen Apfelmus (nicht mit Ketchup!) geschmacklich aufgewertet. (Bei uns übrigens nicht, nee, nee!)
  • Das niederländische Kind fährt in der Regel ohne Helm Laufrad und auch beim Herumsausen auf einem Fahrrad mit Stützrädern ist kein Helm nötig. Den tragen die meisten Kinder hier in Holland erst, wenn die Stützräder ab sind. Aber nur bis sie sicher fahren können. Teenager mit Helm habe ich hier in Holland noch nie gesehen.
  • Der klassische Frühstücksbrotaufstrich ist nicht Nutella oder eine andere Schokocreme sondern Erdnussbutter. Oder natürlich hagelslag, aber das ist ja kein Aufstrich…
  • Matschhosen, die deutsche Kinder, wenn ich Instagram und Konsorten glauben darf, auch beim Draußenspielen tragen, wenn es nur nach Regen aussieht oder die Straße noch vom Tag zuvor etwas feucht ist, sind dem niederländischen Kind weitestgehend unbekannt. Es sei denn, es geht in einen Ökohippiekindergarten.
  • Das niederländische Kind fährt, sobald es sitzen kann, auf dem elterlichen Fahrrad mit, und zwar nicht hinten oder im Anhänger, sondern vorne im Lenkersitz. Viel gezelliger! Außerdem sitzt hinten ja der große Bruder bzw. die große Schwester.
  • Das niederländische Kind männlichen Geschlechts trägt als Baby keine Strumpfhosen. Außer es hat eine deutsche Mama, die von deutschen Verwandten/Bekannten eine geschenkt bekommt hat.
  • Dem holländischen Kind sind Steigungen oder gar Berge unbekannt, schließlich ist in Holland* alles flach. Der kleine Kaaskop freut sich daher an dieser Stelle des Schulwegs immer über die „Fahrradrutsche“: ein gaaanz leichtes, mit dem Auge kaum sichtbares Gefälle.
  • Das niederländische Kind urlaubt traditionell irgendwo im sonnigen Süden (idealerweise in Frankreich oder Spanien, weil man dort günstig mit dem Auto hinfahren kann) anstatt in Skandinavien, wie der gute Norddeutsche es tut.
  • Dem niederländischen Kind ist nicht nur aus diesem Grund Astrid Lindgren eher unbekannt. Ja, Pippi Langstrumpf kennt man hier, aber der Rest hat es wohl nie so ganz gegen die tollen Werke von Annie M.G. Schmidt geschafft.
  • Das niederländische Kind wird am nordeuropäischen Strand nicht in langärmelige UV-Schutzkleidung einschließlich Hut gesteckt.

Was die beiden Spezien aber gemein haben: sie mögen Laugenbrezel und verlangen im Sommerurlaub jeden Tag Eis, Eis, Eis!

*In einigen niederländischen Provinzen gibt es natürlich durchaus Steigungen.
PS. Was das deutsche Kind vom andalusischen unterscheidet, erfahrt ihr in diesem Blogpost von Andalusienmutti.Und ja, manchmal vergehen bei mir Monate zwischen Blogpostentwurf und -veröffentlichung…

Auswandererstöckchen/ Liebster Award special Edition

Als Ausgewanderte finde ich Blogs von anderen Expats logischerweise besonders interessant, zum Beispiel von Andalusienmutti. Karen von Suomalainen Päiväkirja folge ich auch, sie lebt in Finnland. (Ich liebe Skandinavien!) Sie wurde für den Liebster Award nominiert und hat ihn quasi zur Special Edition für ausgewanderte Blogger umfunktioniert. Da mache ich gerne mit!

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Die 11 Fragen und (meine Antworten) lauten:

1. Warum bist du in dem Land, in dem du gerade bist?

Ganz einfach: der Liebe wegen. Ich habe in meinem Auslandssemester in Irland den großen Kaaskop kennengelernt, der dort Urlaub machte, wir verliebten uns und nach Abschluss meines Studiums zwei Jahre später  bin ich zu ihm in die Niederlande gezogen.

2. Kannst du dir vorstellen wieder in dein Heimatland zurückzukehren?

An sich schon, aber das würde mir sehr schwerfallen. Mir ist in den letzten zehn Jahren vieles fremd geworden am Leben in Deutschland, fürchte ich.

3. Welches Ziel verfolgst du mit deinem Blog?

Freunde und Familie über mein Leben auf dem Laufenden halten, Holland-Fans einen Eindruck vom Leben in Holland vermitteln, Erinnerungen für später speichern. Mein Blog ist ein Hobby, ich schreibe zwar Beiträge vor, plane aber selten Veröffentlichungszeitpunkte. Das echte Leben geht vor. Über mehr Leser und Kommentare freue ich mich aber immer, ein bisschen Anerkennung ist also wohl auch mein Ziel.

4. Welche Dinge über dein neues Land verstehen Deutsche irgendwie immer falsch?

Äh..Dass hier alle kiffen toll finden? Ich kenne wirklich niemanden, der das macht oder früher regelmäßig gemacht hat. Und einen Wohnwagen hat auch nicht jeder. Die bekannten Kischees sind einfach nur das: Klischees. Was deutsche Touristen aber regelmäßig überrascht: in der Gastronomie wird die Getränkebestellung meistens schon aufgenommen, bevor man die Karte gesehen hat. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, aber anfangs fand ich das immer total blöd, weil einem dann auch mal Nicht-Standardgetränke durch die Lappen gehen.

5. Was sind drei Orte in deinem Land, an die du Touristen mitnehmen würdest?

Orte oder Städte? Bei Städten ist auf jeden Fall Amsterdam dabei, muss man erlebt haben! Einfach in ein Café setzen und die Leute beobachten.  Leider ist es dort auch ziemlich überlaufen. Alkmaar (und der Käsemarkt dort) ist schön und die Insel Texel natürlich. Der keukenhof in Lisse und die Zaanse schans sind für Touristen aber auch sehenswert, die stehen nicht umsonst in den Top Ten. Und die Veluwe ist sehr schön, vor allem wenn die heide blüht – hachz!

6. Auf was in deinem neuen Land könntest du gar nicht mehr verzichten?

Mein Hollandrad, haha! Nee, im Ernst, ohne das Ding wäre das Leben hier ein Stück schwieriger. Außerdem finde ich als Working Mom die vielen vorgeschnittenen Gemüsemischungen in der Frischetheke sehr praktisch. Und krieltjes, kleine runde Minikartoffeln. Obwohl mir klar ist, dass das abfalltechnisch nicht so charmant ist. Die Umgangsformen in niederländischen Unternehmen hat es mir auch sehr angetan.

7. Was kochst du zuhause?

Ziemlich international, würde ich sagen. Die holländische Küche ist ja nun nicht sehr berühmt und unterscheidet sich eh nicht großartig von der klassischen deutschen Kost. Beide Völker sind Kartoffelesser. Es gibt bei uns zuhause aber selten einfach ein Stück Fleisch mit Kartoffeln, Gemüse und Soße. Lieber koche ich Nudelgerichte, (asiatische) Reisgerichte und im Winter gerne mal stamppot. Aber nicht die klassische Grünkohl-Kartoffel-Stampfe mit Wurst, sondern eine modernere Variante. Sehr lekker! Ich lasse mich gerne von der gratis Supermarktzeitschrift Allerhande (von der größten Supermarktkette AlbertHeijn) inspirieren.

8. Was war für dich der schwierigste Teil der Auswanderung?

Der bürokratische Teil war recht überschaubar, da es sich ja um ein EU-Land handelt und ich zum Zeitpunkt meiner Auswanderung (noch) keine Arbeitsstelle hatte und einfach bei meinem niederländischen Partner eingezogen bin. Der große Kaaskop musste nachweisen, dass er für meinen Lebensunterhalt aufkommen kann und ich musste eine Aufenthaltsgenehmigung holen. Die ersten Wochen, als ich noch keinen Job hatte und alleine zuhause rumhing, waren am schwersten. Da war der tägliche Gang zum Supermarkt oft das Highlight meines Tages.

9. Was würdest du Leuten, die in dein Land auswandern wollen, sagen?

Seid euch darüber im Klaren, dass bezahlbare Mietwohnungen rar sind. Nicht nur, weil die Grundpreise hoch sind, sondern auch weil die Holländer lieber Häuser kaufen und es bei (sozialen) Mietwohnungen oft ellenlange Wartelisten gibt. Außerdem solltet ihr euch natürlich bemühen, die Sprache zu lernen. Kleiner Aussprachetipp, um weniger „deutsch“ zu klingen: bei Wörtern, die auf „en“ enden, verschlucken die Holländer nicht wie wir Deutschen das „e“ sondern das „n“. Kopen spricht man also eher aus wie „kohpe“, nicht wie „kohpn“.

10. Ohne welches Essen könntest du gar nicht mehr leben?

Also, was typisch Holländisches fällt mir da jetzt aber nicht ein. Ich vermisse eher immer noch deutsches Brot und deutsche Backwaren. Aber ich bin mittlerweile großer Fan von satésaus (Erdnusssoße) geworden bin (auch zu Pommes).

11. Was ist das Beste daran zu wohnen, wo du wohnst?

Die offene und ungezwungene Mentalität der Holländer. In Deutschland (vor allem auf den Dörfern) fällt mir immer wieder eine gewisse Grundspießigkeit auf… Verbotsschilder und Öffnungszeiten auf Spielplätzen, die unsinnige Mittagsruhe von 12-15 Uhr, das Siezen seiner direkten Kollegen, die ärztlichen Atteste für jeden Krankheitstag… Dass man hier so einfach mit dem Fahrrad überall hinfahren kann, weil das Land fast ausnahmslos flach ist, mag ich auch sehr, das ist einfach praktisch. Hier in der Randstad hat man ja auch alles in der Nähe. Sogar das Meer liegt in tagesausflugtauglicher Entfernung.

Zo, dat was het (so, das war’s). Ich nominiere Andalusienmutti, BerLondonMama, und alle, die mitmachen möchten (so viele Expats kenne ich ja gar nicht…).

 

 

 

Kinderkunst zum Königstag

Hier in Holland sind gerade Maiferien. (Nur nicht neidisch werden, dafür gibt es bei uns keine Osterferien.) Der kleine Kaaskop geht also, weil wir Eltern ja keine 9 Wochen Urlaub pro Jahr haben, zur außerschulischen Betreuung (buitenschoolse opvang – BSO). Und weil heute außerdem koningsdag ist, enthält das diesjährige Ferienprogramm unserer BSO ganz viele Aktivitäten, die mit dem niederländischen Königshaus oder den Niederlanden zu tun haben. Die Kinder dürfen die ganze Woche in Orange gekleidet kommen, es hängen orangefarbene Wimpelgirlanden an der Wand, der Thematisch beim Eingang ist mit typisch holländischen Sachen dekoriert und die ausgelegten Bücher handeln alle von Königen, Prinzessinnen oder Ähnlichem.

Ich mag den koningsdag ja. Früher fand ich die Farbe Orange immer doof, aber mittlerweile habe ich mich an das viele oranje hier gewöhnt und kaufe sogar freiwillig orangefarbene Tulpen, wie ihr auf dem Bild unten sehen könnt. Diese Sorte heißt übrigens pioentulpen, weil die gefüllten Blüten aussehen wie die von pioenrozen (Pfingstrosen).

Heute am Feiertag hat die BSO natürlich geschlossen, aber gestern hat der kleine Kaaskop dort nicht nur Türme aus Klickbausteinen gebaut und gespielt, sondern auch eine niederländische Flagge gemalt, in der Turnhalle ein Hüpfspiel mit Papierkronen gespielt und ein Bild von Willem-Alexander und Maxima gemalt. Die Erzieherinnen hatten ein Foto mit den Köpfen des Königspaars ausgedruckt und die Kinder sollten das Bild vervollständigen. Da der kleine Kaaskop aber noch gar keine Figuren malt,war ich gespannt, was er denn gemalt hatte. Aha, ein Schloss, dachte ich. Schlau. Aber wie der kleine Kaaskop mir stolz erklärte, war der schwarze Fleck zwischen den beiden Hoheiten….een dikke drol (ein großer Kackhaufen).

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Naja, das passt ja immerhin zum Wetter. Das ist nämlich gar nicht königlich: 4-9 Grad und Regen. Zum Glück hatten wir eh keine großen Pläne; dieses Jahr gehen wir weder zum vrijmarkt (der traditionelle Straßenflohmarkt am niederländischen Nationalfeiertag), noch feiern wir im Park oder besuchen wir sonstige Feierlichkeiten: nein, wir helfen heute meinem Schwiegervater beim Leerräumen des alten Eigenheims und schauen uns danach Omas neue Wohnung an. Hoffentlich hat die wenigstens orange glasierte Kekse oder sowas gekauft, damit noch ein bisschen  oranje-Feeling aufkommt.

Happy king’s day!

Ein Tag in einer niederländischen Vorschule

So, ich hoffe, ihr habt etwas Zeit mitgebracht. Denn heute werde ich endlich, endlich ausführlich erzählen, was der kleine Kaaskop in der Vorschule hier in Holland den ganzen Vormittag so treibt! Ein paar Erkenntnisse aus meinem ersten Monat als Mutter eines Vorschulkindes habe ich ja hier schon zusammengefasst.

Freitagsalltag in Klasse 1/2 B

An einem Freitag Anfang März habe ich also den kleinen Kaaskop in die Schule begleitet. Um 8.35 Uhr geht die Schultür auf und bis der „Unterricht“ um 8.50 Uhr anfängt, dürfen die Kinder mit ihren Eltern noch etwas spielen oder lesen in ihrem Klassenzimmer. Erst müssen sie aber nach dem Aufhängen der Jacken und Rucksäcke (mit dem Vormittagssnack und dem Lunch) beim Reingehen der juf (das „Fräulein“, also die Lehrerin; ausgesprochen „jüff“) die Hand schütteln und „Guten Morgen“ wünschen.

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Um 8.45 Uhr darf ein Kind das „Aufräumlied“ anmachen. Alle Puzzle, Bücher usw. werden an ihren Platz zurück gelegt, die Eltern gehen und viele Kinder winken ihnen am Fenster noch hinterher. Wenn dann alle ordentlich an ihrem aktuellen Gruppentisch sitzen (die Zusamenstellung ändert sich von Zeit zu Zeit) und so still sind, dass die juf die Uhr ticken hören kann, dürfen die beiden „Helfer“ der Woche als erste ihren Stuhl in den Stuhlkreis stellen. Wenn alle im Kreis sitzen, begrüßt die juf der Reihe nach jedes Kind persönlich und fragt, ob es noch was erzählen möchte. An dem Freitag, als ich da war, hatte zum Beispiel ein Kind neue Schuhe bekommen, die es allen zeigen durfte; eins hatte am Tag zuvor beim Optiker eine neue Brille aussuchen dürfen und ein anderes erzählte, dass es am Wochenende mit Oma in den Zoo gehen würde. Wer nichts erzählen möchte, braucht das auch nicht zu machen.

Wenn alle dran gewesen sind, singt die juf das Wochenlied, in dem alle Wochentage aufgezählt werden. Dann fragt sie eins der Kinder, ob es weiß, welcher Tag gerade ist. Das geht ganz ohne Druck oder Beurteilung. Wenn klar ist, welcher Tag es ist und der wievielte Tag der Woche das ist, darf einer der beiden Helfer auf der Wochentafel die Markierung auf den richtigen Tag schieben. Dann werden Datum und Monat ermittelt und besprochen, welche juf heute da ist (Mo und Di juf H. und Mi, Do und Fr juf L.) und ob es ein kurzer oder langer Tag ist (ein kurzer, also nur bis 12.20 Uhr).

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Anschließend holt die juf ein Buch hervor und liest etwas vor. Weil Freitag war, gab es aber keine Geschichte, sondern ein kurzes Gedicht mit Bezug zum christlichen Glauben. Der kleine Kaaskop geht nämlich in eine katholische Schule. Einfach, weil die öffentlichen Schulen keinen guten Ruf haben und uns bei der protestantischen zuviel Nachdruck auf die Religion gelegt wurde. In Deutschland ist das ja eher umgekehrt, oder?

Soweit der alltägliche Start des Schultages. Danach holte die juf einen Korb mit Deko-Hühnern, Plastikeiern und Küken aus der Thema-des-Monats-Ecke hervor.

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Sie hatte eins der Hühner zur Glucke ernannt und geschlossene Eier darunter gelegt. Die schnitt sie nach und nach heimlich durch und setzte ein paar neue Küken in den Korb. Jeden Morgen guckten die Kinder aufgeregt, ob schon neue Küken „geschlüpft“ waren. Jetzt im Stuhlkreis durften ein paar Kinder zählen,wie viel Eier noch unter der Henne lagen, und ein paar andere,wie viele Küken schon im Korb saßen. Das Ergebnis der Eierzählung fiel recht vielfältig aus: der kleine Kaaskop zählte 7, seine Stuhlnachbarin 8, ein anderes Kind 6… Die juf kommentierte nichts, sondern nannte die richtige Anzahl einfach als sie weitersprach. Als auch die Kükenanzahl ermittelt worden war, sollten die Kinder raten,wie viele Küken denn da sein würden, wenn alle geschlüpft sind. Beim Zählen halfen ihnen die Karten an der Wand:

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Nach dem Rechenspiel waren die Buchstaben dran. Ein Kind durfte aus einem Korb einen Zettel ziehen und die Kinder sollten sagen, welcher Buchstabe darauf steht. Dann legte die juf den Zettel zu den Buchstabenzetteln der vergangenen Woche in einem anderen Korb und zog sie alle nacheinander hervor, damit die Kinder im Chor die einzelnen Buchstaben nennen konnten. Die behandelten Buchstaben bzw. Laute, hängen mit dazupassenden Bildern auch auf einer Tafel im Klassenzimmer. Aktuell war der Laut „ei“ an der Reihe, wie in meisje (Mädchen) und weide (Weide):

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Nach dem Stuhlkreis ist es Zeit für den Vormittagssnack. Mittwochs und freitags soll das ein Stück Obst sein. Daran halten sich aber nicht alle Eltern; ein Kind vom Gruppentisch des kleinen Kaaskop hatte an diesem Freitag ein Marmeladenbrot dabei.Die juf geht rum, um Äpfel durchzuschneiden, Bananen aufzumachen und zu gucken, was die Kinder dabei haben. Wer schon fertig ist, bevor der Beeper erklingt, darf ein Buch aus der Bücherkiste holen und es sich anschauen.

Nach der Pause ist es Zeit für ein werkje, also eine kleine Aufgabe. Dann wird zum Beispiel gruppenweise etwas gebastelt oder ein Zahlenspiel gespielt oder so. Dafür gibt es einen Wochenplan, in dem steht, welcher Gruppentisch wann was macht. Aber die juf entschied, dass die Kinder in dieser Woche „so hart gearbeitet“ hatten, dass sie stattdessen spielen durften. Dafür hängt ein kiesbord (wörtlich: Wahlbrett) an der Wand, auf dem die Spielmöglichkeiten (z.B. Puppenecke, Playmobil, Eisenbahn, Knete..) abgebildet sind. Die Kinder hängen der Reihe nach ihr Namensschild dorthin, womit sie spielen möchten. Es dürfen aber nicht mehr als vier Kinder das Gleiche wählen (wegen Platzmangel/Streitrisiko vermute ich). Nur für den Maltisch gilt das nicht.

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Danach ist Draußenspielen angesagt. Die Kinder müssen wieder erst alle ganz still auf ihren Stühlchen sitzen und dürfen dann nacheinander ihre Jacken holen und anziehen. Dann stellen sie sich in 2er-Reihen auf und marschieren raus auf den Schulhof. Weil auf der basisschool (Vor- und Grundschule) Kinder von 4 bis 12 Jahre rumrennen, haben Unter- und Oberstufe getrennte Schulhöfe. Die juf holt Sandspielzeug, Dreiräder und zwei Bälle aus dem Schuppen und setzt sich auf einen Stuhl in der Sonne, während die Kinder ihre Energie rauslassen.  Um kurz nach 12 Uhr gehen sie dann wieder rein und setzen sich (mit den Jacken noch an) wieder auf ihre Plätze und wenn alle still sind, wünscht die juf ihnen ein schönes Wochenende und müssen die Kinder noch ihre Stühle auf den Tisch stellen, bevor sie nach draußen zu den wartenden Eltern rennen dürfen.

Mein Eindruck vom Vorschulalltag

Mir sind ein paar negative und positive Dinge aufgefallen, während ich an diesem Tag Mäuschen spielte. Gut fand ich zum Beispiel, dass alle kleineren Kinder einen eigenen Buddy haben (eins der älteren), der ihnen zum Beispiel beim Jackezumachen hilft. Außerdem hat jedes Kind eine feste Aufgabe, zum Beispiel das Anschalten des  CD-Players mit dem Aufräumlied, Fensterschließen, für Ordnung im Bücherregal sorgen, die Spielteppiche wieder aufrollen und in das Regal im Flur legen, usw.

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Dass die juf die Antworten der Kinder beim Zählen nicht mit „falsch“ oder „richtig“ kommentierte, fand ich auch sehr gut. Sie hat sowieso eine Engelsgeduld, denn es wurde viiiiiel Zeit damit verbracht, zu warten, still sitzen. Und ständig musste jemand aufs Klo! Die Kinder gehen dort alleine hin (das Klo befindet sich schräg gegenüber des Klassenzimmers), aber es darf immer nur ein Kind zur Zeit und wenn es der juf zu lange dauert, schickt sie ein anderes Kind hin, um nachzusehen, wo das Kind bleibt. Trödeln beim Pipimachen ist also nicht drin. Auch beim Essen nicht, denn dafür wird der Beeper gestellt. Mit einer ganzen Klasse (ca. 24 Kinder) zu warten bis auch der langsamste Esser fertig ist, wäre für die Tagesplanung etwas unpraktisch und außerdem sollen die Kinder in Klasse 1/2 ein Gefühl für Zeit entwickeln. In dieser Phase sollen sie sich hauptsächlich an den Schulalltag gewöhnen und auf den „richtigen“ Unterricht ab der 3. Klasse (die in etwa der 1. Klasse in Deutschland entspricht) vorbereitet werden.

Alles in allem musste mir der kleine Kaaskop mit seinen 4 Jahren aber etwas zu oft/lange stillsitzen. Er zappelte auch ordentlich herum und damit war er absolut nicht der einzige! Zum Glück kriegen die Kinder zwischendurch auch Gelegenheit zum Bewegen und in der Nachmittagsbetreuung, wo der kleine Kaaskop montags, dienstags und donnerstags hingeht, ist von den gemeinsamen Essmomenten abgesehen freies Spielen angesagt.  Mittwoch- und freitagnachmittags und am Wochenende kann er auch den ganzen Tag rumrennen. Und überhaupt, was willste machen? Jedes Schulsystem hat so seine Vor- und Nachteile, und aus der Sicht der Eltern von heute meistens eher Nachteile, denke ich. Die größten Unterschiede zwischen dem niederländischen und dem deutschen Schulsystem könnt ihr übrigens hier auf dem Blog Buurtaal nachlesen.