Weihnachtliche Erkenntnisse

Für eine ausführliche Weihnachtszusammenfassung fehlt mir leider die Zeit, denn übermorgen gaaaanz früh fliegen wir in den Winterurlaub und da gibt es doch noch einiges zu tun..

Meine diesjährigen Weihnachtserkenntnisse möchte ich aber noch mit euch teilen, bevor ich mich ins Winterwunderland verabschiede. Sie sagen auch genug über die Feiertage bei uns aus:

  • Mittelohrentzündung kurz vor Weihnachten ist doof, vor allem, wenn Mama und Tante beide eine haben.
  • Gleiches gilt für Magen-Darm kurz vor Weihnachten (hier war der kleine Kaaskop das Opfer).
  • Nächstes Jahr muss ich besser für Weihnachtszauber sorgen, damit Weihnachten für den kleinen Kaaskop später nicht nur Brathähnchen mit Apfelmus, Himbeer-Tiramisu, 3 Haselnüsse für Aschenbrödel und Geschenke bedeutet. Immerhin hatte ich ja mit der Mittelohrentzündung eine Entschuldigung für fehlenden Feiertagsvorbereitungselan.
  • In Deutschland bekommt man offenbar bei Mittelohrentzündung gleich Antibiotika, Ibuprofen und Magenschutzmittel verschrieben. Hier in Holland bekommt man (als Erwachsener) beim zweiten Arzttermin nach einer Woche leichte Antibiotika, wenn man betont, dass man in ein paar Tagen mit dem Flugzeug verreisen wird, und von der Apothekerin den Hinweis, dass man vermutlich als Nebenwirkung Magenbeschwerden bekommen wird.
  • Meine Schwester kann superleckere, fluffige Kokosmakronen backen, mjam!
  • Der kleine Kaaskop bevorzugt Milka-Schokolade, keine Lindt. O-Ton: „Mama, ik vind de chocola niet zo lekker!
  • Nächstes Jahr muss ich unbedingt einen Fotografie-Kurs belegen und vor der Bescherung absprechen, wer wovon Fotos macht. Außerdem wären Ersatzbatterien und mehr Platz um den Weihnachtsbaum nicht schlecht. Dann werde ich hoffentlich für das Familien-Fotojahrbuch mehr als drei (schlechte!) Fotos haben, auf denen ich drauf bin, und nicht nur schlecht belichtete Fotos von hinten vom Geschenkeauspacken.
  • Der kleine Kaaskop ist ein Geschenkemonster. Er wollte unbedingt ALLE Geschenke auspacken (er durfte helfen) und fragte am Ende, ob da noch mehr Geschenke für ihn lägen. Ts.
  • Der Untertitel-Übersetzer von „Schöne Bescherung“ (mit Chevy Chase) hat grottenschlecht übersetzt, das merkt man sogar, wenn man den Film nicht im Original sondern nachsynchronisiert guckt. Und offenbar ist es nicht selbstverständlich, dass die Übersetzung in den Untertiteln mit der übersetzten gesprochenen Fassung abgeglichen wird. So ein Murks! Trotzdem ein Muss an Weihnachten bei uns.
  • Schon nach nur einem Tag unter Deutschen spricht der kleine Kaaskop mehr Deutsch als nach einem „deutschen Sonntag“ zuhause. Nur doof, dass wir Deutschen manchmal gar nicht mitkriegten, dass er Deutsch sprach… Auf meine Frage, ob er noch mehr Apfel wolle, antwortete der kleine Kaaskop: „Gerne!“ und ich verstand: „Nee, jij!“ (Nein, du (sollst ihn essen)). Und Onkel S. verstand sein: „Mag ik nog meer Milch bitte?“ auch nicht. Ups.
  • Die niederländische Post ist nicht besonders zuverlässig. Schon wieder kamen die Weihnachtskarten an völlig unterschiedlichen Tagen an, obwohl ich sie alle am gleichen Tag in den gleichen Briefkasten eingeworfen hatte.
  • Auch am 1. Feiertag zur Festessenszeit steht hier in Holland Stau. 141 km um genau zu sein. (Zum Glück nicht auf unserer Strecke.)
  • Im Dunkeln im Regen Autobahnfahren ist hier in Holland angenehmer als in good old Germany: weil Rijkswaterstaat (die Straßenbaubehörde) gerne besonders großporigen, wasserdurchlässigen Asphalt verwendet, bleibt das hemelwater (=alles Wasser, das von oben kommt) nicht auf der Fahrbahn stehen wie auf deutschen Autobahnen.
  • Der 2. Feiertag ist hier in Holland wirklich nur ein kollektiver freier Tag. Der Nachbar war irgendwas am Bohren und Hämmern, der Supermarkt hatte geöffnet, Ikea und Konsorten auch.. Wir haben schön mitgemacht und nach dem Einkaufen das Auto von innen geputzt. Traurig aber wahr! Da der große Kaaskop werktags im Auto frühstückt und der kleine Kaaskop dort Brötchen und Ähnliches mümmeln darf, fanden sich im Fußraum und in allen Ritzen, Ecken und offenen Fächern mehr Krümel als in einem Kindergarten nach dem gemeinsamen Knäckebrotessen.
  • Wenn man am 2. Weihnachtsfeiertag einem fast Dreijährigen seinen neuen Playmobil-Krankenwagen für den Rest des Tages wegnimmt, weil er das Ding trotz wiederholter Warnung mit vollem Karacho gegen die Wand hat sausen lassen, sodass die Anhängerkupplung abbricht, ist er für den Rest des Tages ziemlich maulig.

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Das war unser Weihnachten 2014. Silvester werden wir in Lappland feiern. Kein Feuerwerk, juchu! Stattdessen wohl Schneemannbauen (der kleine Kaaskop nennt sie „Schneepüppe“, ein Mix aus Schneemann und sneeuwpop), Spieleabend, um Mitternacht ein Glas Champagner und dann lekker schlafen.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch!

Niederländische Meisterschaft im gegen den Wind radeln

Ja, das habt ihr richtig gelesen. Auf meiner werktäglichen kurzen Fahrt mit der NS (nicht erschrecken, das ist nur die niederländische Bahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen!) las ich in der Gratiszeitung Metro, dass am 11.12. die niederländische Meisterschaft im gegen den Wind radeln stattgefunden hat. Auf der Oosterschelde-Sturmflutwehr sind bei Windstärke 8 ca. 190 Verrückte Niederländer auf einem einfachen Fahrrad ohne Gangschaltung oder sonstigen Luxus 8,5 km durch den Sturm geradelt.

Hier seht ihr, wie sowas aussieht. Ich schließe mich der teilnehmenden Reporterin an: Warum um Himmels willen?!

Bei uns kein Nikolaus: so war Sinterklaas 2014

In den letzten Tagen wurde ja viel über Nikolaus gebloggt und da ich immer neugierig bin, wie andere Familien feiern, habe ich eifrig mitgelesen und mitgenossen. Denn bei uns fiel Nikolaus aus!

Ja, ich hab mich diesmal an meinen Plan gehalten: kein Nikolaus, dafür ein paar Geschenke von Sinterklaas am 5. Dezember. Dazu aber nachher mehr.

In den Wochen vor Sinterklaas waren die Zwarte Pieten von Sinterklaas natürlich wieder in aller Munde. Wie ich ja schon letztes Jahr geschrieben hatte, wird hierzulande immer heftiger drüber diskutiert, ob die nicht rassistisch sind und abgeschafft bzw. geändert werden müssen, weil sich schwarze Niederländer dadurch diskriminiert fühlen. Die Kinder meinen es zwar nicht böse, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es verletzend ist, wenn man dunkelhäutig ist und im November kleine Kinder auf der Straße mit dem Finger auf dich zeigen und „Hey, da ist Zwarte Piet!“ rufen. Kommt wirklich oft vor und ist für alle beteiligten Erwachsenen unangenehm. Zwarte Piet ist zwar nicht mehr wie früher der untertänige Diener von Sinterklaas, aber dass er heutzutage quasi der Manager des heiligen Mannes ist, wie Zwarte-Piet-Verteidiger gerne behaupten, stimmt auch nicht ganz. Die Pieten werden nämlich auch oft als dumm, komisch oder tollpatschig dargestellt. Eine dunkelhäutige Mutter hat neulich darüber geklagt, dass in der Schule Aufgaben gestellt werden, wie: „Oh je, dummer Zwarte Piet hat mit den Sätzen rumgepfuscht und jetzt stimmt die Wortreihenfolge nicht mehr. Kannst du die Wörter in diesen Sätzen in die richtige Reihenfolge setzen?“ Tja.

Die koloniale Vergangenheit der Niederlande spielt natürlich auch eine Rolle. Die Zwarte Pieten tragen zu ihrem bunten Outfit mit der flachen Feder-Mütze goldene Ohrringe, dicke rote Lippen und Afrokrause, weil ihre äußerliche Erscheinung auf dem zur Zeit der niederländischen Kolonialherrschaft herrschenden Bild von Zwarte Piet steckengeblieben ist. Und Inspirationsquelle waren offensichtlich die schwarzen Sklaven! Wie kann man da behaupten, die Pieten seien nicht rassistisch oder diskriminierend? Die Zwarte-Piet-Fans behaupten immer, das sei alles nicht rassistisch gemeint, aber das ist ein sehr lasches Argument, finde ich.

Die gelben Pieten mit Käsemuster im Gesicht, die die Stadt Gouda dieses Jahr eingeführt hat, oder die lilafarbenen Pieten, die letztes Jahr zum ersten Mal zu sehen waren, finde ich auch doof. Ist ja schließlich kein Karneval. Meiner Meinung nach wäre die beste Lösung, die Pieten zwar ziemlich schwarz oder meinetwegen dunkelgrau zu schminken, aber mit eindeutigen Rußstreifen im Gesicht. Schließlich behauptet sowieso die Hälfte der Niederländer, Zwarte Piet sei schwarz, weil er durch den Schornstein kommt. Die Afrokrause, die dicken roten Lippen und die Ohrringe müssen natürlich ganz verschwinden, aber das waren sie letztes Jahr auch schon oft.

Der Spiegel hat übrigens auch über dieses Thema geschrieben, und zwar hier.

Ich fürchte, es ist zu spät, um eine sanfte Reform der Zwarte Pieten einzuleiten. Dazu sind die Gemüter zu erhitzt. Traurig. Ist doch erbärmlich, wenn ein Stadtteil den Sinterklaas-Festzug ganz absagt, weil sie Randale und Probleme fürchten. Wenn sich Grundschulrektoren die Haare raufen, weil sie nicht wissen, wie sie allen Interessen gerecht werden sollen: bleibt Zwarte Piet in ihrer Schule schwarz, gibt es Zoff, ist er nicht schwarz, gibt es auch Zoff. Wenn farbige Kinder in der Sinterklaas-Zeit nachts nicht schlafen können, weil sie am nächsten Tag wieder Zwarte-Piet-bezogene Hänseleien auf dem Schulhof befürchten. Wenn ein erwachsener Mann ein kleines Mädchen schlägt, weil sie als Zwarte Piet geschminkt und gekleidet ist (er wurde zwar wohl von dem Mädchen und ihren Freunden provoziert, aber trotzdem). Ich frage mich wirklich, wo das hinführt!

Ich werde mich als Importkaaskop aus dem ganzen Sinterklaas-Kram schön raushalten. Der kleine Kaaskop kriegt in der Kita genug von den Liedern, pepernoten usw. mit. Dort kam natürlich auch Sinterklaas mit zwei (ganz schwarz geschminkten) Zwarte Pieten vorbei! Viele Kinder finden den heiligen Mann mit dem weißen Bart etwas unheimlich, aber der kleine Kaaskop war ganz mutig und hat sich sein Geschenk selbst beim heiligen Mann abgeholt und mit ihm geredet, erzählte die Erzieherin abends. Für einen billigen roten Kipplader mit Anhänger aus China tut er halt alles!

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Als wir ihm am nächsten Tag erzählten, dass Sinterklaas am Freitag auch zu uns kommt und Geschenke mitbringt, meinte er übrigens: „Ik heb al Geschenk. Jullie nog niet! Jullie moeten ook een kiepwagen!“ (Ich hab schon ein Geschenk. Ihr noch nicht! Ihr sollt auch einen Kipplaster haben!) Als am 5. Dezember aber nach dem gemeinsamen Singen mit Opa (um Sinterklaas anzulocken) die Nachbarin Zwarte Piet ans Fenster klopfte und ein Sack mit bunt verpackten Geschenken vor der Tür lag, packte er allerdings begeistert aus.

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Die 5 kleineren Geschenke, die Sinterklaas in Omas und Opas Auftrag gebracht hatte (Cars-Aufkleber, eine Brotdose mit Trinkflasche von Cars, ein Shirt, ein Buch über Sinterklaas und ein Malbuch), hatten keine Chance gegen das Flugzeug der LittlePeople, das Mama in Auftrag gegeben hatte: ein Schuss ins Schwarze! Der kleine Kaaskop erkundigte sich am nächsten Morgen schon im Bett nach seinem Flugzeug, hihi! Und mit Blick auf unseren ersten Flug mit ihm Ende Dezember ist dieses Geschenk sogar auch ganz nützlich.

Nach der chocomel  (Kakao) (die dazugehörenden pepernoten waren ausverkauft, so eine Gemeinheit!) fuhren Opa und Oma wieder nach Hause und ging es nach dem üblichen Abendritual eine gute Stunde später als sonst aber hopp hopp ins Bett. Dort erkundigte sich der kleine Kaaskop noch zweimal nach Zwarte Piet und Sinterklaas, und wo die jetzt seien, schlief dann zum Glück aber recht schnell ein. War ja auch ein spannender Abend!

Für den 6. hatte ich mir extra einen kleinen Schokonikolaus von meiner Mutter mitbringen lassen, ich konnte es nicht lassen! Aber da ich vor lauter Aufregung vergessen hatte, mit dem kleinen Kaaskop einen Schuh rauszustellen, fiel das am Ende doch aus. Schade. Dafür haben wir am 6. Dezember ein wenig weihnachtlich dekoriert und wieder Kekse gebacken. Außerdem habe ich angefangen, mit dem kleinen Kaaskop deutsche Weihnachtslieder zu üben. Weiter als bis „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ sind wir aber noch nicht gekommen. Mein Sohn scheint das Textgedächtnis seines Vaters geerbt zu haben! Sogar den Vierzeiler „Sinterklaas, kapoentje“ kann er sich offenbar nicht mehr merken. Zusammen singend klappt es ja noch, aber als er alleine sang, musste ich so lachen über seine Version: „Sinterklaas, kapoentje! Gooi wat in mijn schoentje! …(Hier kommt eigentlich noch: Gooi wat in mijn laarsje)…Dank u, Sinterklaasje niet!“ (Das „niet“ gehört dort natürlich nicht hin)!

Naja, bis Weihnachen können wir ja noch tüchtig üben. Und bis zum nächsten Herbst hab ich auch bestimmt klarmachen können, dass es nicht „Laterne, Laterne, soll’n wir Mond und Sterne“ heißt…

PS. Ganz uneigennützig ist mein Wunsch nach einem weniger schwarzen Zwarte Piet übrigens nicht: ich fände es nämlich gaaaar nicht schlimm, wenn ich weniger schwarze Schminke aus dem Gesicht des unwilligen kleinen Kaaskop putzen müsste, wenn in der Kita mal wieder alle Kinder in kleine Pieten verwandelt wurden…

 

 

Herbstlicher stamppot mit Curry und Apfel

Brrr, jetzt ist wirklich wieder Handschuhe-und-Mützen-Zeit! Zeit für stamppot (Eintopf auf Kartoffelpüree-Basis), juchu! Den Oberklassiker der holländischen Küche, boerenkoolstamppot (Grünkohleintopf) finde ich zwar nicht sooo lecker (ich hab da ein tolleres Rezept mit gewoktem Grünkohl entdeckt, das ich irgendwann mal posten werde), aber es gibt ja noch viiiiel mehr stamppot-Rezepte!

Dieses Rezept vom AlbertHeijn-Supermarkt ist im Herbst und Winter regelmäßig auf unseren Tellern zu finden:

Herbstlicher stamppot mit Curry und Apfel

Man nehme (für 4 Personen):

  • 750 g Möhren
  • 800 g Kartoffeln, geschält
  • 2 Äpfel
  • 2 Zwiebeln
  • 30 g frische Petersilie
  • 4 EL Olivenöl
  • 1/2 TL Currypulver
  • 4 Käseschnitzel/Schnitzel/Bratwürste… was man halt dazu mag

Die Möhren schälen, würfeln und mit den Kartoffeln und ein bisschen Wasser in einem hohen Topf zum Kochen bringen. Bei mittlerer Hitze mit dem Deckel auf dem Topf 20 Minuten köcheln lassen. Abgießen. Inzwischen die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und würfeln. Die Zwiebeln schälen und würfeln. Petersilie schnipseln. 2 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebel und Äpfel 5-8 Minuten anbraten, bis die Äpfel weich sind. Currypulver hinzugeben und 30 Sekunden mitbraten. Käseschnitzel (bzw. Würstchen etc.) braten. Die Apfelzwiebelmischung und die Petersilie zu der abgegossenen Kartoffel-Möhren-Mischung geben und zerstampfen (ggf. etwas Apfelsaft oder aufgefangenes Kochwasser hinzugeben, falls es zu trocken ist). Mit Salz und Pfeffer abschmecken.  Den stamppot auf vier Teller verteilen und jeweils ein Käseschnitzel dazu legen. Eet smakelijk!

Oranje-Fieber

Wie bei jeder EM oder WM herrscht hier in Holland gerade mal wieder oranjekoorts. Seit dem ersten Spiel (5-1 gegen die Spanier gesiegt) hat es erst so richtig angefangen. Davor herrschte eher die allgemeine pessimistische Einstellung: „Ach,wir verlieren ja doch wieder.“

Nun gibt es ja auch in anderen Ländern Fan-Artikel im Supermarkt usw., aber das viele Orange fällt doch auf. Wirklich alles gibt’s in Orange: oranje vla (Pudding), oranje M&Ms, oranje soesjes (Windbeutel) und tompoucen (Cremeschnitten), Plastikbecher, Servietten, Klopapier (!), Sonnenbrillen, Hüte, Kunstnägel, Partyperücken, Wimpern fürs Auto und und und. Von den WM-Sonderverpackungen für sowieso orangefarbene Sachen wie Paprikachips, Orangensaft usw. mal abgesehen. Bei einem unserer beiden Stammsupermärkte gibt es pro x Euro Einkauf ein Päckchen Federn in den Farben Orange (duh!), Blau, Weiß und Rot; beim anderen Supermarkt orangefarbene Hamster zum Sammeln..

Ich als Nicht-Fußballfan muss sagen, die Begeisterung ist wirklich ansteckend! Man entkommt dem ganzen oranje auch nicht. So hab ich mich am Tage des ersten Spiels der Niederlande auf dem Spielplatz gewundert, dass so viele Kinder Orange trugen. Dann fiel mir ein, dass ja abends Fußball auf dem Programm stand. Der große Kaaskop hat sogar, weil der kleine Kaaskop gar kein orangefarbenes T-Shirt hat, noch schnell einen orangen Body für B. gekauft. T-Shirts waren nämlich schon ausverkauft. Und auch wenn der große Kaaskop tagsüber noch andere Farben an hat, zieht er sich abends zum Fußballgucken noch schnell umsein olles Oranje-T-Shirt über.

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Ich bin aber auch schon infiziert: ich habe doch glatt die Mac’n Cheese mit Möhrenscheiben serviert – für ein bisschen oranje Touch!

Der kleine Kaaskop ist übrigens noch nicht gebrainwashed genug: er mochte kein Fußball gucken, das Kikaninchen musste her! Und selbst dann meckerte er noch: „Zachtjes, papa!“ (Leise, Papa!) Tsss… Wenn er nicht so ein totaler Käsefan wäre, würde ich glatt anzweifeln, ob er überhaupt ein echter Kaaskop ist…

Beim Achtelfinale, das wir wegen einer Geburtstagsfeier in Wijk aan Zee und einem rückfahrtzeitbedingten Zeitproblem bei Freunden in Amsterdam guckten, wurde ich von unserem Gastgeber mehr oder weniger (bei den Niederländern heißt das übrigens „weniger oder mehr“ (min of meer)) gezwungen, zum Fußballgucken ein orangefarbenes T-Shirt zu leihen, jaja, so fanatisch geht das hier zu!

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Neulich fand ich heraus, dass sogar  der buienradar (Schauerradar – seeeehr praktisch und viel genutzt in einem Land, in dem soviel Fahrrad gefahren wird) an WM-Spieltagen der niederländischen Nationalelf orange ist!

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Die Niederländer nennen die deutsche Nationalelf übrigens gerne „die Mannschaft“. „Dat was een mooie wedstrijd van die Mannschaft“, sagen sie dann zum Beispiel. (Das war ein schönes Spiel der Nationalelf.) Dass „Mannschaft“ ein stinknormales Wort ist, wissen die meisten gar nicht.

Apropos Mannschaft: das Spiel Deutschland gegen Algerien fängt je gerade an. Aber das müssen Jogis Jungs ohne mich schaffen: ich bin selbst zu geschafft und geh schlafen. Gute Nacht und äh: hup, Duitsland, hup!

PS. Hey, oranjekoorts hat neben einem eigenen Wikipedia-Eintrag ja sogar eine eigene Website! www.oranjekoorts.nl. Die spinnen, die Holländer…

 

Helm oder nicht Helm..

Nochmal zum Thema Fahrrad.

Neulich stolperte ich über einen Artikel mit der schönen irreführenden Überschrift: „Helmpflicht auf Rad hat keine positiven Effekte„.  Huh?! Dass damit die Effekte auf die Volkswirtschaft gemeint sind, erfährt man erst im zweiten Absatz, ts. Die interessante Schlussfolgerung lautete jedoch: „Der gesellschaftliche Nutzen durch eine gesetzliche Helmpflicht in Deutschland wäre geringer als die gesellschaftlichen Kosten. Das ändert aber nichts daran, dass das Tragen eines Helms beim Radfahren die Folgen eines Unfalls reduziert. (…) Sinnvoller als eine gesetzliche Helmpflicht, um die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen, ist ein verschärftes Tempolimit für Autos, eine konsequente Kontrolle der Verkehrsregeln sowie die Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer.

Vor allem dem letzten Punkt stimme ich zu. Auch wenn ich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr in Deutschland mit dem Rad unterwegs gewesen bin und die aktuelle Lage daher nicht allzu gut kenne. Als eine Freundin mir mal erzählte, ihr Kollege fände es unverantwortlich, sein Kind im Fahrradsitz zur Kita zu transportieren, musste ich lachen. Aber dann erinnerte ich mich an die erbärmlichen Fahrradwege in der Stadt, in der ich zur Schule gegangen bin, und daran, dass man doch recht oft auf der Straße fahren muss, und da fand ich diese Ansicht dann doch nicht mehr so lachhaft. Das ist hier in Holland wirklich besser geregelt.

Nicht weiter verwunderlich, dass Holland in dem Artikel auch als großes Vorbild genannt wird: „In Ländern wie den Niederlande, wo es keine Helmpflicht gibt und die Radler den Helm strikt ablehnen, ist die Sicherheit der Radfahrer trotzdem höher als in Deutschland.(…) Dort wird so viel geradelt, wie sonst nirgends auf der Welt. Gleichzeitig ist dort das Risiko, als Fahrradfahrer zu verunglücken, so niedrig wie in keinem anderen Land. (…) Erfolgsrezept für sicheres Radfahren sind breite, gut gepflegten Fahrradspuren. Und: Rücksichtsvolles Verhalten aller Verkehrsteilnehmer.

Hihi, „rücksichtsvolles Verhalten aller Verkehrsteilnehmer“?! Davon kann man hier in Holland aber nur träumen! Die einzigen Verkehrsteilnehmer mit rücksichtsvollem Verhalten sind hier die Autofahrer. Die wissen halt, dass immer und überall unerwartet ein Radfahrer auftauchen kann, der findet, dass er Vorfahrt hat. Auch wenn er selber Rot hat. Oder aus einer Richtung kommt, aus der er gar nicht kommen dürfte. Nun will ich ja nicht alle niederländischen Radfahrer über einen Kamm scheren, es gibt sicher Ausnahmen. Aber da ist das wie mit dem Putzen: macht man es ordentlich, merkt’s kein Schwein; macht man es nicht, gibt’s Ärger.

Was ich hier so alles an asozialem Radfahrerverhalten schon gesehen hab, geht auf keine Kuhhaut. Und dem „lässig und entspannt“ am Anfang des Artikels kann ich auch nicht ganz zustimmen. Jedenfalls nicht morgens und nachmittags im Berufsverkehr. Da herrscht mitunter doch etwas Aggressivität, Hektik und allgemeine Unentspanntheit, vor allem an Stellen, wo der Radweg etwas schmal ist (also ca. doppelt so breit wie in Deutschland). Radfahren in Holland ist eigentlich ein bisschen wie Autofahren in Rom: keiner hält sich an die Regeln, aber irgendwie kommen doch alle mit heiler Haut wieder nach Hause! Was die Verkehrsregeln angeht, sind die Leute hier nämlich keineswegs streng, auch die Polizei nicht: ich stand mal mit dem Rad im Regen vor einer roten Ampel bei einer kleinen Seitenstraße, aus der wirklich nur alle 100 Jahre mal ein Auto kommt, und ich hatte widerwillig auch nur angehalten, weil an der Fußgängerampel zwei Polizisten standen. Ich war die einzige Radfahrerin, die anhielt! Und die Polizisten haben auch nix gesagt. Das einzige, was hier bei Radfahrern mal kontrolliert wird, ist das Licht am Rad. Und das auch nur in den ersten zwei Herbstwochen. Und auch dann ist die Polizei schon mit zwei irgendwo am Rad baumelnden Lämpchen aus dem 1-Euro-Shop zufrieden..

Oh, ich schweife ab. Zurück zum Helm: der kleine Kaaskop muss seinen immer auf, auch beim Laufradfahren. Ich selber habe aber keinen. Weil (Achtung, Ausreden!) ich ja nicht am Rad festgezurrt bin und beim Fallen abspringen könnte, ich fast nie auf der Straße zwischen den Autos fahren muss, die meisten Radwege breit und hobbelfrei sind, und ich mit Helm auffallen würde wie ein bunter Hund. Die einzigen Erwachsenen mit Helm sind die nervigen Rennradfahrer. (Zum Thema „Kinder und Helm“ hatte ich ja hier schon mal gebloggt.)

Im übrigen ist hier die Helmpflicht auch gerade ein Thema! Die Mofa-Fahrer sollen von den Radwegen verbannt und deshalb zum Tragen eines Helms verpflichtet werden. Damit weniger Leute Mofa fahren (die sind hier recht beliebt) und die Radwege sicherer werden. Die Fahrradfahrer ärgern sich aber natürlich über die Mofas auf den Radwegen. Noch schlimmer sind aber die vielen Motorroller auf den Radwegen. Aber darüber rege ich mich ein anderes Mal auf.

Von Fahrrädern, Flaggen auf Halbmast und Feierlaune

Wie versprochen gibt es heute die Erklärung, wieso die Frage „Wo ist das Fahrrad?“ gar nicht so zufällig der einzige Satz ist, die eine von den Erzieherinnen des kleinen Kaaskop kennt.

Sie hat nämlich mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Also, die Frage, nicht die Erzieherin. Die Deutschen haben damals während der Besatzungszeit den holländischen Bürgern die Fahräder weggenommen, um sie selbst zu benutzen. Wohl zu fual zum Laufen oder Auto-/Benzinmangel.. Darüber waren die Holländer natürlich ziemlich empört. Und deshalb sagen manche Holländer auch heute noch gerne mal zum Spaß spontan zu deutschen Touristen: „Wo ist mein Fahrrad?!“ oder „Ich will mein Rad zurück!“

Zum Glück meinen sie es aber nicht böse. Der beste Freund des großen Kaaskop hat, als er damals bei meinem Umzug aus meiner Studentenbude in Deutschland in die Wohnung des großen Kaaskop geholfen hat, auch auf dem Weg zu meiner WG im dritten Stock schelmisch grinsend gefragt, ob er nicht einfach mal irgendwo anklopfen und nach seinem Fahrrad fragen soll…

Der Zweite Weltkrieg war übrigens am Sonntag und auch am Montag ein Thema hierzulande. Am 4. Mai ist hier in Holland nämlich dodenherdenking und gibt es um 20 Uhr zwei Schweigeminuten, um den Opfern des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Und das nehmen die Holländer ziemlich ernst! Während diesen 2 Minuten stehen nicht nur Autos sondern auch Züge still. Wir schafften es leider nicht rechtzeitig von unserem Playdate nachHause, um still zu gedenken. Zwar kamen wir auch an einem Auto vorbei, das mit blinkenden Warnleuchten vor einer Ampel stand, wir selber fuhren aber weiter. Weil wir noch auf der Autobahn waren, als die 2 Minuten anfingen. Der große Kaaskop sagte danach, als die niederländische Nationalhymne zu hören war,  das sei das erste Mal gewesen, dass er nicht stillgestanden habe. Geschwiegen und an die vielen Toten gedacht haben wir aber trotzdem brav.

Ein Feiertag ist er übrigens nicht, der 4. Mai. Ich hatte mittags, als wir nach dem Bettaufbauen usw. auf dem Weg zur Autobahn Richtung Amsterdam waren, sogar angesichts der Flaggen fragen wollen, ob gerade wieder Examenszeit sei, denn dann hängen auch an vielen Häusern Flaggen. Aber gerade rechtzeitig fiel mir ein, dass es ja der 4.Mai war und sah ich auch, dass die Flaggen alle auf Halbmast hingen. Nach den Schweigeminuten und dem Wilhelmus (so wird die Nationalhymne genannt), wurde wie jedes Jahr das Gedicht des Gewinners des Schülerwettbewerbs zum Thema dodenherdenking vorgetragen. Dann werden unter anderem vom König und der Königin Kränze niedergelegt. (Es ist noch sowas von ungewohnt, dass „wir“ jetzt einen König haben…!)

Und am 5. Mai ist es dann vorbei mit der demütigen Trauerstimmung und wird gefeiert! Am bevrijdingsdag (Tag der Befreiung), der aus irgendeinem Grund nur alle 5 Jahre ein offizieller (freier) Feiertag ist, feiern die Niederländer ihre Freiheit und gibt es überall ausgelassene Konzerte und andere Feierlichkeiten. Das war zwar gestern, aber ich werde mir jetzt trotzdem einen Drink genehmigen. In den Nachrichten war wieder genug Elend zu sehen, um dankbar zu sein, dass wir hier in Europa in Freiheit leben und unsere Kinder keine Bomben und Panzer kennen und nicht hungern müssen. In diesem Sinne: Auf unsere Freiheit, proost!

 

Die Sache mit dem Fahrrad

Hier in Holland wird ja viel mehr Fahrrad gefahren als in good old Germany, das weiß ja jeder. Die Vorteile liegen auf der Hand: es ist hier schön flach und es gibt fast überall (breite) Radwege.

Zugegeben, an den Verkehr auf den Radwegen musste ich mich anfangs sehr gewöhnen: da gibt es zum Teil richtige Fahrradwegkreuzungen und „Vorsortier-Spuren“ für Links- oder Rechtsabbieger. Außerdem dürfen auch bestimmte Motorroller (scooters und bromfietsen) auf den Fahrradwegen fahren, und die sind halt a) schneller als der Durchschnittsradler und b) extrem ungeduldig – da wird schon 20 m hinter einem losgehupt, damit man Platz macht und sie ja nicht abbremsen müssen. Zurzeit laufen deswegen u.a. in Amsterdam heftige Diskussionen, ob man diese motorisierten Zweiräder nicht von den Fahrradwegen verbannen sollte.

Weil hier so viel geradelt wird und das Rad für die meisten eher billiges Transportmittel als Sportutensil ist, gibt es auch viel mehr Möglichkeiten rund um Fahrräder. Den Eindruck habe ich jedenfalls. Die bakfietsen (Lastenräder) erfreuen sich ja mittlerweile auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit, und Fahrradanhänger kennt man in Deutschland ja auch (die sind hier übrigens nicht sehr beliebt). Aber was findet ihr denn von diesem Kinderradanhänger? Und kennt ihr solche Buggyträger für’s Rad? Oder so einen Regenschirmhalter? Und wenn man öfters mal einen Erwachsenen auf dem Gepäckträger mitnimmt, z.B. nach einem Kinobesuch, sitzt man auf so einem Gepäckträgerkissen bequemer (natürlich NICHT mit einem Bein auf jeder Seite, sondern pofreundlich im Damensitz). Falls man auf diese Weise sein für den Kindersitz zu großes Kind transportieren will, kann man zusätzlich einen hoch- bzw. runterklappbaren Metallbügel als Rückenstütze montieren. Oder gleich einen Doppelsitz. Eine andere Alternative zum traditionellen Fahrradsitz ist ein Kindersattel auf der Stange, so etwas hat unser Nachbar auch (das Kind ist 3).

Wahnsinn, was? Wir haben von alldem nur einen (wenig benutzten) Buggyträger. Und ein weiteres beliebtes Fahrrad-Accessoire: den MaxiCosi-Träger! In deutschen Mütterforen habe ich ja schon sehr heftige Kommentare zum Babytransport auf dem Rad gelesen („Wenn ich die nochmal sehe, zeige ich sie an!; „Der sollte man doch das Sorgerecht entziehen!“), aber ich fand’s praktisch. Die Dinger sind TÜV-geprüft und zugelassen, und wenn ein MaxiCosi bei einem Autounfall sicher genug ist, schützt der jawohl beim Radunfall auch. Außerdem fährt man bzw. frau ja sowieso vorsichtiger und aufmerksamer, wenn man das Kind dabei hat, oder?

Weil ich wie die meisten Eltern in Holland wegen der quasi nicht vorhandenen Elternzeit den kleinen Kaaskop schon mit knapp 5 Monaten in die Kita geben musste, habe ich ihn im MaxiCosi-Träger hingeradelt:

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Es kostete mich am Anfang zwar etwas Überwindung, denn das Rad wird dadurch schon ziemlich schwer und quasi zum 2-rädrigen Lastwagen, aber wenn man den Bogen raus hat (beim Losfahren erst mit einem Fuß auf dem Pedal ein paar Schritte Anschwung nehmen, bevor man sich auf den Sattel setzt), geht es schon.  Es fühlt sich zwar etwas wacklig an, aber man gewöhnt sich dran und ich fuhr damit ja immer nur die 5 Minuten bis zur Kita. Und sicherer als das Tragetuch auf dem Rad, was ich erschreckenderweise immer öfter sehe, ist es allemal. Das ist erst recht unverantwortlich, denn darin sind die Babies wirklich total ungeschützt wenn mal was passiert. (Und ja, sowas kommt vor. Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der so sein Baby verloren hat…)

Seit der kleine Kaaskop gut genug sitzen konnte, durfte er im Lenkersitz mit. Eigentlich wollte ich ja gleich einen Fahrradsitz für hinten, aber in den Lenkersitz passte er anfangs einfach viel besser. Und entgegen meiner Annahme, der Lenker würde dadurch zu schwer, merkt man kaum, dass da ein Kind drauf sitzt, weil es im Schwerpunkt des Rads sitzt. Und er konnte alles sehen, sodass er gerne mitfuhr.

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Den Helm setzen wir ihm aber wirklich immer auf, auch im Sommer oder wenn er  mal nicht will. Ich sehe hier in Holland leider nur wenige Kinder mit Helm. Letzte Jahr habe ich in der Zeitschrift Fabulous Mama die Ergebnisse einer Umfrage unter niederländischen Eltern gelesen – für Deutsche etwas erschreckend! 17,1 % der Kinder trägt immer einen Helm, 48,7 % nie. Finden die Eltern nicht nötig oder will das Kind angeblich nicht. Naja, das ist jawohl Gewöhnungssache! B. mault nicht, er kennt das nicht anders. Sogar Pink setzt ihrer Tochter einen Helm auf!

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(5,7 % der Umfrageteilnehmer transportiert sein Baby übrigens gern im Tragetuch auf dem Rad…)

Neulich haben wir aber doch den Fahrradsitz für hinten drauf angeschafft. Vom Gewicht her könnte B. zwar noch in de Lenkersitz (bis 15 kg) und ich finde es irgendwie gezelliger so, aber seine Beine werden zu lang und die Schulterbänder zu eng. Außerdem ist mein neuer Sattel ein Stück zu lang, sodass ich jetzt beim Absteigen meinen Rücken beugen muss, um nicht mit der Brust gegen den Fahrradsitz zu stoßen. Ach, jetzt hätte ich den wichtigsten Grund fast vergessen: ich kann kaum noch über B.’s Helm rübergucken, bin ja selber nicht so lang.

Und deshalb muss ich mich jetzt wieder an das Lkw-Gefühl gewöhnen, denn nun hängt das Gewicht wirklich fühlbar hinter mir…

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Die Fahrradtaschen mussten übrigens leider vorläufig ab, die passen nicht unter die Konstruktion. Aber ohne geht gar nicht, deshalb werde ich mich mal nach neuen umgucken, die oben im Querstück offen sind.

Wie transportiert ihr euren Nachwuchs denn so?

Deutsch sprechende Holländer

Ich konnte einfach nicht anders, ich musste das endlich mal kommentieren. Auch wenn ich damit dem Hypothekberater in die Rede fiel, als er uns gerade erzählte, in welcher Preisklasse wir nach einem neuen Haus suchen können. Dabei benutzte er nämlich einen bei den Holländern recht beliebten deutschen Ausdruck, den sie ALLE falsch sagen!

Keine Ahnung, wie das kommt – ich vermute, irgendwann hat eine ganze Generation holländischer Deutschlehrer das mal falsch gelernt und gelehrt und seitdem hat es sich so in den Köpfen der Niederländer festgesetzt: im Frage. *schauder*

Ich habe den guten Mann (Tim hieß er – hier in Holland duzt man offenbar auch seinen Hyopthekberater schon beim ersten Gespräch) also unterbrochen und ihn aufgeklärt, dass es „kommt nicht IN Frage heißt“. (Eigentlich meinte er sowieso was anderes, nämlich, dass wir ja sowieso nicht mehr als Betrag X bezahlen WOLLEN, obwohl „nicht in Frage“ ja impliziert, dass wir es nicht KÖNNEN – aber das nur am Rande.)

Holländer und die deutsche Sprache – das passt nicht immer gut zusammen. Ich gebe ja gerne zu, dass am Sprichwort „Deutsche Sprache – schwere Sprache“ absolut was dran ist, aber was ich so alles lesen muss, geht manchmal wirklich auf keine Kuhhaut. „sowieso“, „in Frage“, „an sich“ und andere deutsche Wörter oder Ausdrücke werden wie gesagt gerne von Holländern benutzt und stehen zum Teil sogar im Wörterbuch auf der niederländischen Seite. Aber auch in der Zeitung zitieren die Journalisten gerne mal etwas Deutsches, leider meistens ziemlich falsch. Meistens sind’s natürlich die Fälle, die das Problem sind. Oder falsche Groß-/Kleinschreibung, denn im Niederländischen schreibt man nur Eigennamen und das erste Wort am Satzanfang groß. Was mich aber am häufigsten ärgert, sind die falschen Umlaute (oftmals offensichtlich willkürlich in den Text gestreut) und andere Fehler, die man sehr einfach vermeiden kann, wenn man sich nur kurz die Mühe macht, das nachzuschlagen oder nachzugooglen. Ist das zuviel verlangt?

Ich bin mal wieder schwer in Fahrt, merke ich. Sprachsachen liegen mir halt am Herzen. Besonders „toll“ finde ich es auch, wenn ich auf der Arbeit deutsche Texte korrigieren soll, die ein Niederländer selbst übersetzt oder verzapft hat. Nicht selten verstehe ich ohne den niederländischen Ausgangstext wirklich nicht, was da eigentlich stehen soll!

Aber gut. Wie gesagt: deutsche Sprache – schwere Sprache… Und genau aus dem Grund will ich den kleinen Kaaskop zweisprachig erziehen. Damit er die deutschen Grammatikregeln nicht später erst mühsam lernen muss, wie zum Beispiel sein armer Papa. Oder der Hypothekberater.

Apropos Grammatiklernen: der kleine Kaaskop wird demnächst an einer sprachwissenschaftlichen Studie zu diesem Thema teilnehmen! Aber das erzähl ich, wenn es soweit ist.

Ich wünsche euch einen schönen Abend!

Groetjes, Kristine

Wintersport – wie echte Holländer

Obwohl ich Winter, Schnee und Schlitten- oder Schlittschuhfahren mag, habe ich noch nie Ski gefahren. Außer Langlauf. Ganze 3 Mal. Als ich schon über 30 war. Dass halb Holland im Winter zum Skifahren nach Deutschland oder Österreich fährt, hat mich daher erstaunt, als mir vor ein paar Jahren klar wurde, wie eingebürgert das hier in Holland ist. Sogar die Schulferien sind darauf eingestellt: im Februar gibt es Winterferien.

Ich fürchte, ich habe mich angesteckt! Ich will auch Wintersporturlaub machen! Jetzt, wo B. gut laufen kann, können wir das ja mal in Angriff nehmen, oder? Nicht wirklich Ski-Urlaub, denn ich kann ja gar nicht Skifahren, aber irgendwo Urlaubmachen, wo Schnee liegt und man Schlittenfahren und Schneemännerbauen kann, wär schon toll. Findet A. zum Glück auch, obwohl der ja wegen seiner Knieprothese nicht mal Langlaufen kann. Wir haben nur das gleiche Problem wie bei der Umzugsfrage : wir wissen nicht, wohin!

In die klassischen Skigebiete in Österreich etc. wollen wir nicht, das ist zu weit für eine Woche mit Kleinkind. Fliegen wollen wir nicht. Aber wo liegt eigentlich Anfang Februar mit Sicherheit Schnee? Viel später können wir nicht weg, denn dann sind Winterferien (sprich: teurer, Kollegen im Urlaub) und muss ich zum alljährlichen 2-tägigen Firmentreffen nach Lille. Es sollte auch kein Hotel sein (Hotel mit Kleinkind ist doof), kinderfreundlich, mit Wald in der Nähe (kein Scherz: ich vermisse die Bäume…), nicht allzu weit weg (lange Autofahrten mit Kleinkind sind auch doof) und nicht direkt neben den Pisten (das ist mir zu wuselig). Im Reisebüro um die Ecke gab es nur magere 2 Kataloge für Winterurlaub in Deutschland, und da war nicht wirklich was passendes dabei. Grummel.

Willingen und Winterberg scheinen sehr gut für Familien geeignet zu sein. Hm, da werden A. und ich uns wohl heute an unserem fernsehfreien Abend (den planen wir regelmäßig ein, denn sonst hat man sich bald gar nichts mehr zu sagen) gemeinsam vor den Laptop hocken und gucken, ob wir so kurzfristig noch was finden können.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende! Groetjes, Kristine