Nachmittagsbetreuung auf Holländisch

Seit zwei Wochen sind in unserer Region die Sommerferien vorbei. Warum diese 6-wöchige Schulpause Eltern in Holland nicht vor große organisatorische Probleme stellt, will ich heute mal erzählen.

BSO (buitenschoolse opvang) – was ist das?

Die BSO (wörtlich: außerschulische Betreuung) ist hier in Holland wirklich gut geregelt. Soweit ich weiß, arbeitet jede Vor-/Grundschule mit mindestens einem BSO-Anbieter zusammen. Der BSO-Raum des kleinen Kaaskop befindet sich im gleichen Gebäude wie die Klassenzimmer, er kann also nach Schulschluss alleine hingehen, obwohl er erst vier ist. Andere BSO’s holen ihre Schützlinge zu Fuß oder mit einem Bus ab.

Öffnungszeiten und Möglichkeiten

Streng genommen bezieht sich „BSO“ nur auf die Betreuung nach Schulschluss, in unserem Fall also Mo, Di und Do ab 14.45 Uhr und Mi und Fr ab 12.20 Uhr. Wobei unsere BSO mittwochs und freitags geschlossen hat, weil fast alle Kinder an diesen beiden Tagen bei ihren Teilzeit arbeitenden Eltern zuhause sind; alternativ wird ein Mi- und Fr-Platz in der BSO der Schule gegenüber angeboten. Geöffnet ist die BSO bis 18.30 Uhr. Ich versuche, den kleinen Kaaskop vor halb 6 abzuholen, aber da die Schule ja erst um 8.45 Uhr anfängt (wie ich hier erzählt habe), muss ich dafür kräftig in die Pedale treten und machmal etwas mit meinen Arbeitzeiten rumschieben.

Das Gute an den Fremdtreuungseinrichtungen hierzulande ist, dass sie sich auch nach den Bedürfnissen der Eltern richten. Es gibt nämlich auch die VSO (voorschoolse opvang), wo man sein Kind schon ab 7.30 Uhr hinbringen kann, wenn man vor 9 Uhr auf der Arbeit erscheinen muss. Die Betreuer bringen die Kinder dann später in ihre Klassenzimmer. Toller Service, oder? Außerdem gibt es noch die TSO (tussenschoolse opvang) für zwischen den Unterrichtszeiten. Viele Schulen (aber immer weniger) haben noch den „altmodischen“ Stundenplan, der eine ganze Stunde Mittagspause vorsieht, in der die Kinder zum Mittagessen nach Hause gehen. Für arbeitende Eltern nicht besonders praktisch, und deshalb gibt es die TSO, in der die Kinder auch Essen bekommen.

Und nun zu den Ferien: die reine Nachmittagsbetreuung wird in den Schulferien zur Ganztagsbetreuung für Schulkinder! Geöffnet hat sie dann von 7.30-18.30 Uhr und neben dem Snack am Nachmittag und den Getränken wird den Kindern in den Schulferien auch Mittagessen (Brote natürlich, das ist ja hier so üblich) und am Vormittag Obst als Snack angeboten. Als wir den kleine Kaaskop damals bei der BSO angemeldet haben, konnten wir ankreuzen, ob wir das Betreuungsangebot nur außerhalb der Ferien, auch in allen Ferien oder nur einen Teil der Ferien nutzen wollen. Sommerschließzeiten gibt’s nicht, ideal! (Auch in den Kitas in der Regel nicht.) Auch an den beiden Lehrerfortbildungstagen pro Jahr ist die BSO ganztägig geöffnet.

Und was machen die Kinder dort den ganzen (Nachmit)Tag?

Spielen natürlich! In der BSO gibt es jede Menge Spielzeug: Brett- und Kartenspiele, Lego, Playmobil, Kapla, K’nex, eine gut ausgestattete Spielküche (mit Waschmaschine und Bügelbrett), Sachen zum Verkleiden, Handpuppen usw. usw. Es wird gemalt, gebastelt (unter Anleitung aber keinesfalls obligatorisch: wer lieber spielen möchte, malt/bastelt halt nicht), draußen gespielt, auch mal Kinderfilme geguckt, vorgelesen, …. Wie damals in der Kita „behandeln“ die Erzieherinnen in der BSO verschiedene Themen, z.B. Kunst, den Königstag, Sinterklaas, Sommer, der Körper, usw.

In den Ferien gibt es auch ein eigenes Thema, an das die Mal- und Bastelprojekte, Bücher und Filme angepasst werden. In den diesjährigen Sommerferien war das: Safari. Die Kinder haben unter anderem T-Shirts mit Tarnfarben bemalt, eine Feldflasche gebastelt, Dschungelbilder ausgemalt, Tier-Quartett gespielt, und an einem der Regentage offenbar den Film „Madagaskar“ geguckt. Nehme ich jedenfalls an, denn der kleine Kaaskop sang zuhause plötzlich „Ei leikta muhwin muhwin!“. Und lachte darüber, dass die Erzieherin das ja ganz falsch ausgesprochen hatte! In der letzten Ferienwoche gingen sie dann „richtig“ auf Safari. Dabei gingen sie u.a. im Wald auf Spurensuche, haben Asseln und sogar einen Salamander gefunden und wurden tierisch geschminkt. Zum Abschluss veranstalteten die Kinder eine kleine Show mit einem „Safaritanz“ und es gab sogar ein echtes „Safari-Zeugnis“.

Die BSO ist für werktätige Eltern wirklich eine große Entlastung und der kleine Kaaskop geht gerne hin. Klar, manchmal hat er keinen Bock, aber hinterher erzählt er immer, dass er dort Spaß hatte und nach unserem Urlaub hat er sich gefreut, alle seine BSO-Freunde wiederzusehen.

Welche Möglichkeiten gibt es da heutzutage eigentlich in Deutschland? Früher (=als ich noch zur Schule ging), gab es ja nur nicht berufstätige Mütter und Schlüsselkinder, wenn ich mich recht erinnere.

 

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Vereinbarkeit adé? Wenn die Firma umzieht

Wie ich neulich schon erzählte, ist mein Arbeitgeber umgezogen und mein Weg zur Arbeit deshalb doppelt so lang geworden. Doof. Bisher bin ich ja – wie es sich für einen Importkaaskop gehört – mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Das war dank eines guten Regenanzugs auch bei schlechtem Wetter kein Problem. Für Notfälle habe ich eine Reservehose, Socken und Flipflops im Büro liegen.

Längerer Arbeitsweg, mehr Stress zuhause

Seit die Firma umgezogen ist, muss ich laut Routenplaner vom ANWB (das niederländische Pendant zum ADAC) aber ganze 44 Minuten in die Pedale treten, bevor ich im Büro bin. Da ich morgens den kleinen Kaaskop zur Schule bringen muss und die Schule hier in Holland erst um 8.45 Uhr anfängt, sitze ich nun immer  erst um 9.30 Uhr an meinem Schreibtisch. Bei zwei 8-Stundentagen und zwei 7-Stundentagen würde das bedeuten, dass ich zweimal die Woche bis 18 Uhr arbeiten müsste (Mittagspause dauert eine halbe Stunde) und dann erst um 18.45 Uhr zuhause wäre. Zwar hat die Nachmittagsbetreuung bis 18.15 Uhr geöffnet und könnte der große Kaaskop den kleinen abholen, aber dann wird es mit Abendessen zu spät. Der kleine Kaaskop ist schließlich auch müde und hungrig und soll abends eigentlich auch noch in die Badewanne. Stress!

Neue Routinen

Es musste also eine Lösung her. Ein Tag Homeoffice wäre wahrscheinlich möglich, aber da zum Jahresanfang einem meiner weiter weg wohnenden (kinderlosen) Kollegen die beiden Home-Office-Tage gestrichen wurden, wollte ich das nicht sofort fordern. Voorschoolse opvang (Betreuung vor Schulanfang) dann vielleicht? Fand ich auch doof. Dann wird es morgens und abends stressig und morgens brauchen der kleine Kaaskop und ich eh schon immer so lange, um in die Gänge zu kommen…

Vorläufig sieht unsere Lösung also so aus: Der große Kaaskop übernimmt, wie vorher auch, das Bringen/Holen am Mittwoch, weil das sein freier Tag ist. An den anderen Tagen ist er raus, weil er, um diesen freien Tag zu haben, vier 9-Stundentage leistet (mit 1 Stunde Fahrtzeit). Doch halt: donnerstags hat er nur 20 Minuten Fahrtzeit und kann den kleinen Kaaskop zumindest von der Nachmittagsbetreuung abholen. Yes! Mittwochs und donnerstags werde ich also die montags und dienstags verpasste Zeit einholen. Trotzdem kann ich den kleinen Kaaskop erst um 17.45 Uhr abholen statt um 17.15 Uhr. Möp.

Weil wir abends warm essen, werden wir montags und dienstags nun nur noch Blitzrezepte kochen (und damit meine ich keine 30 Minuten sondern eher 10). Oder sonntags vorkochen. Als ob ich am Sonntagabend nicht etwas Besseres vorhätte. Bloggen, Brote schmieren, Wäsche aufhängen, den Küchenfußboden endlich mal wieder feudeln, mich durch Instagram und FB scrollen oder so. Ihr kennt das.

Neues Arbeitswegerlebnis

Dann der neue Arbeitsweg. Noch so ein Ärgernis. Denn der zieht sich nicht nur, sondern ist teilweise auch recht gefährlich. Finde ich. Nach über 10 Jahren in Holland bin ich schöne breite Radwege gewohnt und dann ist es etwas unheimlich, wenn man plötzlich eine lange kurvige Straße entlangradeln muss, auf der es keinen Fahrradweg gibt, auf der es Gegenverkehr gibt, auf der rechts und links Bäume stehen und die obendrein unbeleuchtet und ziemlich schmal ist!

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Dank Elektrofahrrad konnte ich die 44 Minuten Fahrtzeit immerhin auf ca. 30 reduzieren, aber dann ging mir heute auf halber Strecke der Motor kaputt!! Und ich sach euch: ohne laufenden Motor fährt sich so ein Elektrofahrrad sehr mühselig. SEHR MÜHSELIG.

Neues Transportmittel?

Überhaupt hatte ich in den ersten zwei Wochen ein paar Unannehmlichkeiten. Am ersten Tag kam ich an einem Sanitäter auf dem Motorad vorbei, der eine verletzte Radfahrerin verarztete. (Tolles Omen!)  Am zweiten Tag war es heiß und furchtbar schwül, sodass ich klatschnass im Büro ankam, trotz Elektrofahrrad. Am dritten Tag kam mir auf der engen Straße ein Lastwagen entgegen. Am vierten wurde ich fast von einem Auto angefahren, das einen mir entgegenkommenden Radfahrer überholte. Und heute goss es in Strömen und aus Kübeln zugleich. Mein neuer Arbeitsweg ist auch sehr windig, habe ich festgestellt… Ist doch alles doof! Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auch keine Lösung, denn es gibt keine direkte Verbindung und ich wäre noch länger unterwegs als mit dem Fahrrad. Ich denke, es wird Zeit für ein eigene Auto, blutendes Umweltschützerherz hin oder her…. Die Zeit, die man für den Weg zur Arbeit benötigt, spielt nunmal eine wichtige Rolle bei der Vereinbarkeit von Job und Familie. Und ich merke einfach, dass mir der lange Weg jetzt schon auf die Nerven geht.

Wie kommt ihr denn zur Arbeit?