Ärzte und das Bauchgefühl von Eltern

Mir ist aufgefallen, dass gerade viel über das Bauchgefühl gebloggt und geschrieben wird. Mütterliche Intuition und so. Die hab ich, soweit ich bisher beobachten konnte, nicht wirklich. Ich hab den kleinen Kaaskop zwar ab und zu mal im letzten Moment aufgefangen, bevor er irgendwo runterfiel, aber jedes Mal, wenn ich dachte intuitiv zu fühlen, dass es nicht gut geht (bei den 2-3 spätabendlichen Besuchen bei der Notfallambulanz zum Beispiel), stellte sich das als Täuschung heraus. Vielleicht hab ich zu viele sich widersprechende Ratgeber gelesen, vielleicht bin ich einfach zu unsicher, um mich auf mein Gefühl zu verlassen – aber hey, mein Sternzeichen ist Waage, ich bin als Zweiflerin geboren! Und deshalb will ich mich auch nicht weiter über mein eigenes Bauchgefühl auslassen (sonst fühle ich mich am Ende noch schuldig, weil ich glaube, keins zu haben, obwohl doch alle guten Mütter auf ihren Bauch hören können). Nein, ich wollte von einem Artikel aus der Zeitung erzählen.

Letzte Woche habe ich aufmerksam einen Artikel in der Volkskrant gelesen, in dem stand, dass im Nimweger Krankenhaus ein System eingeführt wurde, mit dem die behandelnden Kinderärzte und Krankenschwestern ein schlechtes Bauchgefühl der Eltern registrieren können. Denn die Ärzte haben festgestellt, dass es doch öfter vorkam, dass die Eltern mit ihrem „nicht-ganz-geheuer“-Gefühl richtig lagen, obwohl die Ärzte nichts beunruhigendes entdecken konnten. Und das kann natürlich schlimme Folgen haben für das kranke Kind. Deshalb wird ab sofort auf den Krankenakten eine rote Flagge notiert, wenn das Bauchgefühl der Eltern Warnsignale aussendet – und dann wird das betreffende Kind noch aufmerksamer beobachtet und durchgecheckt.

Man sollte ja meinen, dass es normal ist, dass Kinderärzte den Eltern zuhören und sie, die das Kind immer noch am besten kennen, ernst nehmen. Aber das passiert offenbar in der Regel eher nicht. Eigentlich erschreckend. Und wie unglaublich bitter muss es sein, wenn man zu wissen glaubt, dass etwas mit dem eigenen Kind nicht stimmt, aber die Ärzte das nicht glauben und die gesundheitliche Situation des Kindes am Ende eskaliert..

Woran das wohl liegt? Wahrscheinlich vertrauen die Ärzte einfach zuviel auf die Medizin und ihre Technik, darin sind sie ja schließlich ausgebildet und daran glauben sie. Fakten, messbare Werte usw., darauf kommt es ihnen an. Ein Arzt mit zuviel Gefühl wird seinen Job wohl auch nicht lange machen können, bevor es ihm pszchisch zuviel wird. Und es sind ja auch nicht ihre eigenen Kinder, um die es geht, logisch, dass sie sich weniger schnell Sorgen machen, wenn die messbaren Dinge keinen Grund zur Besorgnis liefern. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist auch vielleicht, dass Eltern heutzutage einfach oft zu Überbesorgnis neigen (man denke nur an Helicopter parenting, die steigende Anzahl – in meinen Augen überflüssigen – Warnhinweise auf Spielzeug usw., die nicht gerade beruhigend wirken, etc. etc.).

Ich gebe unumwunden zu, dass ich auch öfter unnötig besorgt bin (siehe oben: mangelndes Vertrauen ins Bauchgefühl) und mir dessen auch bewusst bin. Aber trotzdem: ich werde auch weiterhin immer zum Arzt gehen, wenn ich zweifle, ob alles in Ordnung ist mit dem kleinen Kaaskop. Ganz nach dem Motto lieber 9 Mal zu oft als 1 Mal zu wenig!

 

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2 Gedanken zu “Ärzte und das Bauchgefühl von Eltern

  1. Das ist ja cool, mit dem „Bauchgefühl-Vermerk“! Ich bin mir übrigens sicher, dass Du auch ein gesundes Bauchgefühl hast. Dass Du ein paar Mal überreagiert hast, spricht überhaupt nicht dagegen- es war ja etwas nicht ganz in Ordnung, es war zum Glück nur nicht ganz so schlimm. Bauchgefühl ist in meinen Augen auch nichts Übernatürliches, sondern eine Mischung aus Gefühl, Wissen und Erfahrung. Das entwickelt sich mit der Zeit. Liebe Grüße. Mia

  2. Die Idee mit dem „Schlechtes-Bauchgefühl-Vermerk“ ist wirklich einmalig. Das würde ich in mehr Krankenhäusern befürworten. Denn wer kennt seine Kinder besser: der Arzt, der kurz mal drüber schaut, oder die Eltern, die das Kind rund um die Uhr um sich haben und jede kleinste Veränderung (sei es auch nur unterbewusst) spüren.
    Lieben Gruß, Wiebke

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