Sinterklaas, der Nikolaus und das Problem mit „black Pete“(oh, und ein Kuchen)

Obwohl ja erst am 5. Dezember Sinterklaas-Abend (Nikolaus) ist, wird gerade in den Medien wieder heiß darüber diskutiert. In den letzten Jahren ist die Diskussion um „Zwarte Piet“ (in den ausländischen Medien offenbar „black Pete“ genannt) immer heftiger geworden. Ich hab gerade mal gegoogelt, und entdeckte einige interessante (englischsprachige) Artikel dazu, zum Beispiel hier, hier und hier. Einige sind schon älter, und offenbar widmen sogar die USA der Sache Aufmerksamkeit. Obwohl die ja gerade andere Probleme haben.

Heute morgen stand in der Volkskrant auf Seite 4 ein Artikel darüber, dass 21 Menschen gegen die feierliche Ankunft von Sinterklaas in Amsterdam am 17. November mit seinen 700 (!) Zwarte Pieten geklagt haben. Afroamerikanische Amsterdamer finden sich durch Zwarte Piet bedroht und diskriminiert, weil er Schwarze mit albernen, schlecht Niederländisch sprechenden, untertänigen Dienern eines heiligen weißen Mannes in Verbindung bringt. Ich weiß nicht ganz, was ich von alledem halten soll. Klar, ich verstehe, dass dunkelhäutige Menschen (nicht nur Afroamerikaner, sondern auch niederländische Staatsbürger aus den ehemaligen Kolonien Suriname usw.) sich diskriminiert und lächerlich gemacht fühlen. Um jetzt aber eine jahrhundertelange Tradition für Kinder abzuschaffen? Offenbar ist daran im Laufe der Zeit schon so einiges abgeschwächt und angepasst worden, wenn ich den ausführlicheren englischen Wikipedia-Artikel so lese. Und ist 2006 schon mal ein Versuch, Zwarte Piet zu „buntem Piet“zu machen, in die Hose gegangen. Was meine Meinungsbildung aber insbesondere erschwert (man traut sich ja heutzutage aus Angst vor einem digitalen Shitstorm kaum noch, was Falsches zu sagen), ist die Tatsache, dass nicht wirklich geklärt ist, wo Zwarte Piet nun herkommt. Viele Niederländer behaupten ja, er sei schwarz, weil er durch den Schornstein kommt. Das passt dann aber nicht zu den dicken roten Lippen, der Afrokrause und den goldenen Ohrringen! Die neueste Theorie, die ich gelesen habe (in einem Leserbrief der Gratiszeitung Metro), ist die, dass Zwarte Piet nichts mit Sklaven zu tun hat, sondern irgendwann im 19. Jahrhundert schwarz geworden ist, weil damals im Herbst viele Gastarbeiter aus Italien und Spanien (wo Sinterklaas auf seinem Dampfschiff herkommt!) nach Holland zogen, um bei der Ernte zu helfen. Der gute Leser hofft, dass dank seiner Erklärung der „unsinnigen Debatte ein Ende bereitet wird“. Bisschen naiv. Ob es nun „Mohren“ aus Spanien sind oder von sonstwo: es bleibt ein schwarzer Mann, der Knecht eines Weißen ist.

Premierminister Rutte (hey, das ähnelt ja „Rute“, wie passend beim Thema Nikolaus!) meinte heute abend in den Nachrichten ganz lapidar: „Der Name sagt es ja schon: Zwarte Piet ist schwarz. Daran kann ich nichts ändern.“ Generell habe ich den Eindruck, die Niederländer bagatellisieren das Ganze, weil sie keinen Bock auf Ärger haben und sich ihre Tradition nicht von einer Minderheit nehmen lassen wollen. In den Nachrichten wurden zum Beispiel auch einige Twitter-Berichte von mehr oder weniger bekannten Niederländern gezeigt. Zum Beispiel diese: „Bin gespannt, wann die ersten Zuckerkranken gegen das Zuckerfest klagen!“ Hm. Hmpf. Meine Kollegen finden diese Aufruhr auch eher unnötig. Sie meinen, Sinterklaas sei ja ein Fest für Kinder und die würden Zwarte Piet gar nicht mit ‚echten‘ Schwarzen assoziieren. Haben sie selber jedenfalls als Kind nie getan.  (A. bestätigt dies.)  Zwarte Piet kam sozusagen von einem anderen Planeten und hatte nichts mit dem schwarzen Nachbarn zu tun.

Wie dem auch sei, ich habe Mitleid mit dem Amsterdamer Bürgermeister Eberhard van der Laan . (Seine Frau schreibt übrigens ganz tolle Kolumnen in der „Mama – for all fabulous moms„.) Der muss vor dem 5. November entscheiden, ob der feierliche Sinterklaas-Zug wie gewohnt stattfinden darf oder nicht. Außerdem hab ich ein ganz anderes Problem mit Sinterklaas: feiern wir das mit B.? Und wenn ja, wie? Zum Stiefelrausstellen ist er zum Glück noch zu klein und die Feier in der Kita ist an einem seiner „freien“ Tage. Wenn’s nach mir geht, kriegt er nur am 6. Dezember, also am echten Nikolaus, was in den Schuh. Das Stiefelrausstellen ist hier sowieso doof geregelt: im Prinzip dürfen die Kinder das ab dem Tag, an dem Sinterklaas aus Spanien in Holland ankommt (Mitte November also). Die meisten Eltern beschränken das zwar auf ein- bis zweimal die Woche, aber es gibt halt jedes Mal ein kleines Geschenk, nicht unbedingt nur Schoki oder so. Die Stiefelaktionen in den Supermärkten, Schulen usw. gibt es ja in Deutschland auch, aber das kommt auch noch hinzu. Und am 5. 12. gibt es dann die echten Geschenke, was es in Deutschland an Heiligabend gibt. Dafür ist Weihnachten hier zum Ess- und Fressfamilienfest degradiert. Blöd. (Erspart mir aber die ewige Frage, mit wessen Eltern wir Weihnachten feiern, haha!)

Wie wir dieses Sinterklaas-Nikolaus-Weihnachtsmann-Kuddelmuddel lösen, ist mir noch nicht klar, aber wie gesagt, dieses Jahr kommen wir wegen B.’s Alter wohl noch drumrum. Puh! Daher jetzt erstmal etwas gaaanz anderes, total unkompliziertes: das Rezept für den

Spekulatiuskuchen mit Birne

Man nehme:

5 kleine Birnen, 1 EL Zitronensaft, 150 g weiche Butter, 150 g Marzipanrohmasse, 4 Eier, 150 g Mehl, 1 EL Speculaaskruiden (Spekulatiusgewürz; es enthält Zimt, Koriander, Muskatnuss, Gewürznelke, Ingwer, Kardamom und Apfelsinenschale) und 4 EL Abrikosenmarmelade.

Zubereitung:

Den Ofen auf 160 Grad vorheizen. Die Birnen halbieren, schälen und entkernen. Mit Zitronensaft einreiben. Die Butter mit der Marzipanrohmasse cremig mixen, dann einzeln erst die Eier unterrühren und anschließen unter Rühren das Mehl, das Spekulatiusgewürz, eine Prise Salz und die Marmelade zugeben. Mixen, bis ein glatter Teig entsteht. Den Teig in eine eingefettete Springform (26 cm) geben und die Birnen mit der runden Seite nach oben und der Spitze zur Mitte kreisförmig auf den Teig legen. In der Ofenmitte in ca. 50 Minuten goldbraun und gar backen. In der Form abkühlen lassen.

Eventuell mit (Zimt-)Sahne oder Vanille-Eis servieren.

Ich hab die mal gemacht, war sehr lecker! Hier ein Foto (ich hatte normalegroße Birnen genommen und die geviertelt):

DSCN1550

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2 Gedanken zu “Sinterklaas, der Nikolaus und das Problem mit „black Pete“(oh, und ein Kuchen)

  1. So hat jedes Land seine „Probleme“.
    Nachdem hier ja schon vor Jahren aus „Negerküssen“ „Schaumküsse“ geworden sind, war aktuelles Thema in den Medien der letzten Wochen, dass die Vereinigung der Sinti und Roma das „Zigeunerschnitzel“ und die „Zigeunersoße“ abschaffen wollen. Bzw. die Namen. Find ich persönlich auch übertrieben, denn wenn ich mal die Soße oder das Schnitzel verzehre, denke ich bestimmt nicht an Sinti und Roma dabei 🙂

    Danke für das Kuchenrezept, wird gespeichert und dann ausprobiert 🙂

  2. Ja, ja, die „Negerzoenen“ heißen hier auch offiziell „schuimzoenen“ oder „chocoladezoenen“. Und das mit der Zigeunersoße hab ich mitgekriegt. Bisschen übertrieben. Dann will ich auch, dass Herrenschokolade anders heißt. Undsoweiter, undsoweiter.
    Gestern hab ich übrigens einen lustigen Comic in der Zeitung gesehen: Da kommentieren zwei Comicfiguren die Zwarte-Piet-Diskussion so: „Eh, Leute, wir wollen euch ja nichts verderben…“ – „Aber Zwarte Piet gibt es gar nicht!“ LOL

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