Bagger gegen graafmachine

Also, ich weiß ja nicht. Ich habe zwar gelesen, dass Kinder in der Regel keine Probleme mit zwei oder mehreren Sprachen haben, wenn sie mehrsprachig erzogen werden. Angeblich können sie die einzelnen Sprachen gut auseinanderhalten. Mir ist auch klar, dass der kleine Kaaskop zurzeit mitten in der Trotzphase (wörtlich aus dem Niederländischen übersetzt: Kleinkinderpubertät – klingt irgendwie netter) steckt, und mir meist einfach aus Prinzip widerspricht.

Aber trotzdem. Neuerdings korrigiert B. meine deutschen Wörter. Wenn ich zum Beispiel sage, dass das ein roter Bagger ist, antwortet er streng: „Nee, graafmachine!“ Mit anderen Worten: das ist kein Bagger, das ist eine graafmachine! Ich hab daher angenommen, dass er a) sich zwar bewusst ist, dass das in den beiden Sprachen das gleiche bedeutet, dass er aber b) nicht will, dass ich Deutsch mit ihm spreche. Das machte mich ein wenig traurig, vor allem, weil er auch neuerdings nicht mehr standardmäßig „Katze“ sagt, sondern immer öfter „poes„. Eins der wenigen Wörter, die er bisher auf Deutsch bevorzugte.

Nun kam ich aber letzte Woche dahinter, dass er das bei seinem Papa auch macht, nur halt umgekehrt! Beim Waschen und Anziehen (das machen wir noch, weil das sonst ewig dauert und B. sowieso nach 2 Sekunden aufgibt und es nicht nochmal versuchen will) blätterte der kleine Schlingel wieder in dem Buch mit den Fahrzeugen. Als A. sagte: „Ja, daar is de graafmachine.“ widersprach ihm B. mit „Nee, Bagger!“ Huh?! Mit anderen Wörtern macht er das auch, zum Beispiel bei Garten/tuin.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Vielleicht muss ich doch einfach mal so tun, als verstünde ich B. nicht, wenn er Niederländisch mit mir spricht. Sonst bleibt sein Deutsch hinterher so passiv wie jetzt, das war eigentlich nicht Sinn der Sache. Andererseits finde ich es irgendwie doof, so zu tun, als würde ich ihn nicht verstehen. Hmpf.

Bisher bestand meine Strategie zur zweisprachigen Erziehung ja darin, möglichst nur Deutsch mit ihm zu sprechen, viele deutsche Bücher vorzulesen und bei DVDs eine German-only-Regel anzuwenden. Da ich aber offenbar Hemmungen habe, in der Öffentlichkeit Deutsch mit ihm zu reden (wobei mir das auf dem Spielplatz schon leichter fällt als z.B. im Supermarkt) und deshalb doch oft Niederländisch mit dem kleinen Kaaskop spreche, und B. außerdem a) selten DVDs gucken darf und b) die meisten unserer Kleinkinder-DVDs Niederländisch sind, ist der Deutsch-Input leider in Wirklichkeit etwas mager. Mit oben erwähntem Ergebnis zur Folge.

Da sage noch einmal Einer, es sei leicht, seine Kinder zweisprachig aufwachsen zu lassen. Ich werde mich wohl doch noch mehr bemühen müssen, den deutschen Input zu erhöhen. Mit anderen Worten: Mama muss mehr Deutsch sprechen, mehr vorlesen, mehr DVDs kaufen (irgendwelche Tipps für Zweijährige?) und die deutsche Verwandtschaft öfter besuchen oder einladen. Deshalb war gerade die deutsche Oma vier Tage zu Besuch, werden wir im Sommer nicht an die dänische Nordsee sondern die deutsche fahren, und habe ich mich und den kleinen Kaaskop für einen Eltern-Kind-Tanzworkshop für deutschsprachige Eltern angemeldet. Da kann ich ja mal die anderen Mamas und Papas fragen, wie das bei ihnen so läuft. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen! Der Workshop ist nächsten Samstag. Ich bin gespannt und werde berichten!

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3 Gedanken zu “Bagger gegen graafmachine

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