Was kann mein Kind schon können?

Diese Frage stelle ich mir öfter, wie ich ja schon hier erwähnte. Der Tipp mit dem Wellenschneider und Learning Tower à la Montessori, den ich nach diesem Post bekam, hat mich dazu inspiriert, mich doch noch mal genauer mit Montessori-Pädagogik zu befassen. Ich hab zwar meistens wenig Zeit bzw Lust, mich mit Erziehungstheorie zu befassen, und das GU-Buch „Kinder gezielt fördern“, das ich mir voller guter Vorsätze bereits in der Schwangerschaft gekauft hatte, steht immer noch ziemlich ungelesen im Bücherregal. Das liegt aber größtenteils schlicht daran, dass dort wenig konkrete Tipps für kleinere Kinder (unter 3) drinstehen.

Warum ich sage: „doch noch mal“? Vor einigen Wochen habe ich in der Bücherei per Zufall ein Buch gefunden, das mich allein schon vom Titel her so ansprach, dass ich es spontan ausgeliehen hab. Es ist von Maja Pitamic, der deutsche Titel heißt wohl (Google sei Dank): „Zeig mir mal, wie das geht!“ Da steht ausführlich drin, wie man seinem Kind beibringt, sich die Schuhe anzuziehen, mit der Schere zu schneiden usw. Spielerische Experimente sind auch drin. Das einzige, was mich als Control freak und Regelbeachter etwas irritiert, ist das Fehlen von Altersangaben. Das ist zwar dem Vorwort zufolge Absicht, aber ich neige offenbar eh schon dazu, vom kleinen Kaaskop zuviel zu erwarten, daher würde ich mich doch zumindest eine ungefähre Altersangabe wünschen. Aber gut. Nach diesem Buch werde ich jedenfalls mal gucken, wenn ich das nächste Mal in good old Germany bin.

Das einzige Problem, das ich hervorsage, ist Folgendes: Ausgangspunkt ist, wie der deutsche Titel von Pitamics Buch ja schon sagt, dass man seinem Kind vormacht, wie das geht. Schön, logisch, an mir soll’s nicht liegen. Aber! Der kleine Kaaskop hat für sowas scheinbar total keine Geduld! Ich hab schon öfter probiert, ihm etwas vorzumachen, und jedesmal, wenn ich sagte: „Soll ich dir mal zeigen, wie das geht? Guck mal…“, dann wurde der kleine Mann wütend, schmiss alles hin und stiefelte weg oder fing an rumzuplärren. Vielleicht sollte ich nicht mehr meine Hilfe anbieten, wenn er von sich aus etwas versucht und es nicht klappt, sondern versuchen, ihm etwas beizubringen, wenn er es nicht schon erfolglos selbst probiert? Ich hab nämlich den Eindruck, er will keine Hilfe brauchen müssen.

Neulich wollte er sich seine Schuhe und Socken selbst ausziehen, und das kann er eigentlich. Aber irgendwie klappte es nicht. „Mama, kan niet!“ rief er wütend und traurig zugleich. Als ich dann näherkam und ihm helfen wollte, fing er aber an rumzuzicken, also ging ich aus dem Zimmer, nachdem ich in beruhigenden Tom gesagt hatte: „Doch, du kannst das doch!“ Und siehe da: kurz darauf ein triumphierendes: „Mama, kan wel!“ (Mama, kann doch!)

Hätte ich mir eigentlich denken können: ich hasse es auch, wenn man mir bei etwas auf die Finger guckt! Also nicht in the heat of the moment helfen wollen, sondern einfach mal machen lassen. Wieder was gelernt. Jetzt nur noch in die Tat umsetzen!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s