Mamamode à la kleiner Kaaskop

Neulich habe ich über Fratzenbuch einen lustigen Blogartikel gefunden, in dem eine Mutter eine Woche lang ihren dreijährigen Sohn aussuchen ließ, was sie anziehen sollte. Ganz nach dem Motto: ich suche schon sein ganzes Leben lang aus, was er anzieht, jetzt darf er mal meine Klamotten aussuchen! Herausgekommen sind ein paar lustige, ungewöhnliche aber durchaus tragbare Outfits. Und obwohl ich wirklich nicht die Modelmaße dieser coolen Mama habe, dachte ich mir: was für eine klasse Idee! Das mache ich auch! Gesagt, getan. Weil ich aber modemäßig eher feige bin, in einem Büro mit hauptsächlich kinderlosen Kollegen arbeite und ein paar praktische Probleme sah, habe ich mich auf meine Mamamontage und das Wochenende beschränkt. Einen guten Fotografen hatte ich ebenfalls nicht zur Hand (im Gegensatz zu der Mama, von der ich diese Idee geklaut habe), aber der Selbstauslöser tut es ja auch. Seht hier die Arbeit meines persönlichen Stylisten:

Tag 1: Nach einem gemeinsamen Bad*, während dem ich dem kleinen Kaaskop ankündigte, dass er heute meine Klamotten aussuchen darf, öffnete ich meinen Kleiderschrank und sagte: „So, dann such mal was aus, das ich anziehen soll!“ Weil ja aber alles ordentlich gefaltet (ja, wirklich!) auf den hohen Schrankbrettern lag und sich die Socken und Schuhe in einem anderen Schrank befanden, musste ich ein wenig helfen. Also zog ich die Sockenschublade auf und fragte den kleinen Kaaskop, welche Socken ich anziehen soll. „De tijgersokken!“ (die Tigersocken) brüllte er begeistert, ohne hingeguckt zu haben. Die lagen leider schmutzig im Wäschekorb. Das andere Paar von Accessorize (mit Füchsen und Streifen) gefiel ihm wohl nicht so. Also wählte er graue mit bunten Punkten. Prima! Als nächstes fragte ich: „Soll ich heute eine Hose oder einen Rock anziehen?“ – „Rock!“, kam die Antwort sofort. Ich nahm meine Röcke aus dem Schrank und legte sie auf das Bett, damit der kleine Stylist sie alle sehen konnte. (Die Sommerröcke, die ich aus Platzgründen im Winter woanders liegen habe, hatte ich leider vergessen.) Er überlegte nicht lange und zeigte auf einen grünen Cordrock: „Die daar!“ (Den da). Dann fragte ich, ob ich ein T-Shirt, Langarmshirt, eine Bluse oder einen Pullover anziehen soll und er entschied sich für „Bluse“. (Wobei ich mich fragte, ob er überhaupt weiß, was das ist, denn ich trage nicht oft welche.) Es wurde natürlich die bunteste: türkis mit Paisley-Muster. Hab ich schon ewig nicht mehr angehabt. Bei den Schuhen zögerte er nicht lange: die roten AllStars sollten es sein. (Ach, in Deutschland nennt man die ja Chucks, fällt mir gerade ein.) Mittlerweile hatte der kleine Mode-Experte übrigens schon das Interesse verloren und so nahm ich mir die Freiheit, angesichts der niedrigen Temperaturen noch eine Strumpfhose und ein Langarmshirt für drunter aus dem Schrank zu ziehen.

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Des Stylisten erste Wahl (seine drei besten Freunde begutachten sie hier gerade)
Der stolze Stylist wollte mit aufs Foto (und mein Haarwar noch nass..)
Der stolze Stylist wollte mit aufs Foto (und mein Haar war noch nass..)

Sieht doch ganz cool aus, oder? Als wir später rausgingen, kam ich mir eigentlich nur wegen der Socken über der Strumpfhose etwas komisch vor. Und die hatte ich ja selbst hinzugefügt. Der kleine Kaaskop war jedenfalls hocherfreut, als er feststellte, dass ich wie er rote Schuhe anhatte UND dass ich immer noch den Rock trug. 🙂

Tag 2: Okay, heute habe ich ein wenig geschummelt. Weil wir Gäste erwarteten, habe ich die Entscheidungen meines kleinen Stylisten ein wenig manipuliert. Statt zu fragen: „Welche Hose soll ich heute anziehen?“ habe ich gefragt, ob ich die neue rosa Hose anziehen soll. Darauf konnte der kleine Rosa-Fan ja nur „ja“ antworten! Und er fand zwar, dass das schwarz-weiße Tigershirt und die weiße Cardigan nicht dazu passen, aber da es sich bei dem Tigershirt um eins seiner alltime Favorites handelt, habe ich es trotzdem einfach angezogen. Die Schuhe durfte er aber alleine aussuchen. Rote sollten es sein! Und die Socken durfte ich auch nicht gegen Nylonsöckchen tauschen, mpf.

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Tag 3: Auch heute entschied sich der kleine Kaaskop bei der Frage „Hose oder Rock“ für den Rock. Während er schon wieder abhaute, legte ich meine Röcke (diesmal einschließlich Sommerröcken) aufs Bett. Erst rief der kleine Kaaskop „een rode„, aber dann entschied er sich (ohne geguckt zu haben) doch um und es sollte ein schwarzer sein. Dann entschied er sich trotz der bunten Strumpfhosensammlung für eine schwarze und ich dachte schon besorgt: „Wie ist der denn heute drauf?!“. Bei den T-Shirts, Pullis usw. zeigte er erst auf ein schwarzes (gah!) Langarm-Shirt mit weißen Punkten (phew!), aber dann fiel ihm wohl plötzlich ein, dass ich ja so einen tollen Pulli mit Giraffe habe und er rief: „Nee! Ik wil die met de giraf!!“ (Nein, ich will den mit der Giraffe!) Der lag, weil schon getragen aber noch sauber, woanders, aber ich zog ihn gerne nochmal an. Während ich mir überlegte, dass auch ein Erwachsener dieses Outfit hätte aussuchen können, kramte der kleine Kaaskop im offenen Schrank rum und hielt mir plötzlich eine bunte fake Hawaii-Kette hin, die im alten Haus im Bad hing und die ich als Verkleidungskistenkandidat zur Seite gelegt hatte: „Die moet je aan!“ (Die sollst du an!) What the..?! Na gut, eigentlich ganz lustig. Dann die Schuhe. Ich kann nur schlussfolgern, dass der kleine Kaaskop ein Fan roter Schuhe ist! Drei Tage, dreimal rote Schuhe.

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(Zum Einkaufen und auf den Spielplatz habe ich später allerdings wegen der winterlichen Temperaturen schwarze Stiefel angezogen.)

Tag 4: Auch heute sollte es wieder ein Rock sein, fand der kleine kleine Kaaskop. Als ich fragte, welchen ich denn anziehen solle, den grünen, den schwarzen,..oder den Sommerrock, rief er sofort: „Sommerrock!“ Obwohl ich auch farblich dazu passende Strumpfhosen zeigte, entschied er sich wieder für eine schlichte schwarze. Dazu sollte es der braune Rollkragenpulli sein. Und die dunkelblauen Winterstiefel. Hm, gar nicht mal so schlecht, fand ich!

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Als ich ihn noch in meinem Schmuckkasten stöbern ließ, suchte er diesen Ohrring dazu (von dem habe ich leider seit dem Einbruch nur noch einen):

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Tag 5: Der kleine Kaaskop hatte erst keine Lust, meine Klamotten für diesen Tag auszusuchen, aber als ich vorschlug, dass Jessica (unsere Handpuppe) das dann halt machen müsste, wollte er doch. Sein Auge fiel auf meinen Bodywarmer, den hatte er wohl noch nie gesehen. Der sollte es aber sein! Und die pinkfarbene Mütze, die noch mit dem Preisschild dran im Schrank lag. Offenbar fiel ihm dann wieder ein, dass ich ja eine neue Hose in der gleichen Farbe habe, denn er wurde ganz aufgeregt und rief, als diese beim Hosendurchblättern (die hängen ordentlich auf Bügeln nebeneinander)  zum Vorschein kam: „Die! Die!“ Dann wollte er gleich mit den Schuhen weitermachen, konnte sich aber nicht recht entscheiden. Die braunen Pumps oder doch lieber andere? Aber welche? Ach, ich geh lieber spielen…. Ich nahm also die, zu denen er als erstes „ja“ gesagt hatte und musste dann ordentlich schmeicheln, bis er sich bequemte, mir etwas für unter dem Bodywarmer rauszusuchen. Eigentlich hat auch eher Jessica die lilafarbene Bluse vorgeschlagen (ich also), aber das ist immerhin eine der Lieblingsfarben des kleinen Kaaskop und er hat „ja“ dazu gesagt. Bei den Socken war er aber bestimmt: die Tigersocken sollten es dieses Mal wirklich sein!

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Beim Durchsehen der Fotos entdeckte ich, dass der kleine Kaaskop sich zwischendurch die Kamera geschnappt und ein paar Fotos von mir beim Zurechtlegen der Klamotten gemacht hatte. Hihi!

Alles in allem fand ich es ganz interessant, den kleinen Kaaskop meine Outfits zusammenstellen zu lassen. Aber da er leicht abgelenkt war, kostete es mich auch viel Mühe, ihn soweit zu bringen, mehr als ein oder zwei Teile auszusuchen. Und heimlich bin ich ein ganz kleines bisschen enttäuscht, dass nichts Verrückteres rausgekommen ist, obwohl ich ihn außer an Tag 2 und notgedrungen Tag 5 wirklich nicht beeinflusst habe. Das lag aber wohl zum Einen auch daran, dass ich wohl kaum meinen gesamten Kleiderschrank auf dem Bett oder Boden ausbreiten kann, damit er alles sieht. Und zum Anderen habe ich hauptsächlich „langweilige“ Klamotten im Schrank.

Fazit: ich muss dringend shoppen gehen, haha!

* (So ein Mutter-Kind-Bad kann ich übrigens nicht empfehlen, wenn man keine family-sized Wanne aber ein bewegungsintensives Kleinkind hat und nicht unerwartet einen kleinen großen Zeh in…lassen wir das!)

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7 Gedanken zu “Mamamode à la kleiner Kaaskop

  1. Das fand ich jetzt mal auch aus der anderen Geschlechterperspektive eine nette Idee. Wohltuend im Vergleich zu dem kürzlichen Fragespiel auf der Timeline in Facebook, wer sich wo operieren lassen würde. Ist halt eine sehr weibliche (mütterliche) Welt. Also Design-Award für den Nachwuchs.

    • Du kannst dich ja auch mal von deinen Kindern einkleiden lassen. Eins sucht die Hose aus, eins den Pulli/das T-Shirt und eins die Schuhe 😉
      Von dem Fragespiel hab ich nichts mitbekommen. Aber apropos anderes Geschlecht: vielleicht sollte ich den kleinen Kaaskop auch mal den Papa einkleiden lassen?!

  2. Die Idee habe ich auch entdeckt und mich gefragt, was mein Sohn daraus machen würde. Getraut habe ich mich aber nicht. Also Respekt!

    • Aber du hast doch gerade deinen Kleiderschrank ausgemistet und nur noch tragbare Sachen darin! Mach doch eine „light-„Version: lass ihn ein Oberteil aussuchen und dann aus von dir ausgewählten 3-5 Hosen/Röcken wählen. Oder so.

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