Bei uns am Esstisch – #MissionFood4Kids

Food. Essen. Zu diesem Thema findet man wohl auf fast jedem Elternblog mindestens einen Beitrag. Logisch, denn Nahrung zählt zu den Grundbedürfnissen des Menschen, und Eltern haben nun einmal die Aufgabe, die Grundbedürfnisse ihrer Kinder zu befriedigen. Ohne Essen geht’s einfach nicht!

Mama on the rocks hat dazu die Blogparade #MissionFood4Kids gestartet und fragt:

„Was habt ihr (egal ob Mann oder Frau) schon getan, um eure Kinder ausgewogen zu ernähren? Habt ihr Tricks auf Lager, um zum Beispiel Gemüse in sie reinzukriegen? Oder ist das eh alles Quatsch und sie sollen ruhig Nudeln ohne alles essen? Weg mit dem Hype also? Andererseits: Kennt ihr dieses Erfolgsgefühl, wenn die Kinder etwas mit Begeisterung essen, das sie eigentlich gar nicht essen wollten? Was meint ihr, wieso freut uns das so? Wer oder was bewirkt, dass wir so fühlen? Und wie hat sich euer Verhältnis zu Essen verändert, seit ihr Eltern seid?“

Ich mag Essen. Okay, ich bin etwas krüsch, heißt, es gibt vieles, was ich nicht mag. Aber ich mag viel mehr als früher und überhaupt: wer mag schon alles? Kinder jedenfalls schon mal nicht, soviel steht fest! Eins der Dinge, die ich gelernt habe, seit ich Mutter bin, ist die Tatsache, dass ein allesfutterndes Baby nicht unbedingt zu einem allesfutternden Kind heranwächst. Hach, was hat der kleine Kaaskop als Essanfänger alles gierig verputzt: Kartoffelpü mit Chiccoree, Reis mit Lachs und Brokkoli, Nudeln mit Gemüse-Tomaten-Soße, Blumenkohl, ….. So um den zweiten Geburtstag herum war damit Schluss. Und dann steht man da und weiß nicht, wie man genug (einigermaßen gesundes) Essen in das Kind hineinbekommt.

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich mein Kind nicht zum Essen zwingen werde. Jedenfalls nicht zum Tellerleeressen. Meine Oma erzählte ja mit 80 immer noch schaudernd, wie sie einmal 3 Mahlzeiten lang immer wieder nur den Wackelpudding vorgesetzt bekommen hat, den sie so widerlich fand, dass sie ihn am Vortag beim Nachtisch nicht runtergekriegt hatte. Bis sich eine Cousine erbarmte und das wabbelige Zeug heimlich aufaß. Furchtbar! Nee, nee, das sollte es bei uns nicht geben! Nachdem der große Kaaskop und ich entschieden hatten, dass der Nachtisch nicht als Belohnung fürs Aufessen eingesetzt wird, beschlossen wir, dass der kleine Kaaskop aber immer EIN Häppchen probieren muss, bevor er seinen Naturjoghurt mit frischem Obst bekommt. Damit er sich an verschiedene Geschmäcker gewöhnt und später, wenn er groß ist, nicht nur zwei Sorten Gemüse, keine Kartoffeln und nur Bananen mag.

Es ist ja erstaunlich, wieviel Terz ein Kind wegen eines einzigen Häppchens machen kann. Aber auch wenn der kleine Kaaskop mir manchmal leid tat, wir blieben hart (meistens), denn: siehe oben. Das war mir einfach zu wichtig. Es ging mir nicht darum, dass mein Kind satt wird von dem, was auf den Tisch kommt. Es ging (und geht) mir darum, eine Grundlage für seine späteren Essgewohnheiten zu schaffen.

Da das Auge bekanntlich mitisst, habe ich oft versucht, dem kleinen Kaaskop das Essen durch eine hübsche Anrichtung schmackhaft zu machen. Bei Obst und Brot war das zum Glück nie nötig, das hat er immer gerne gegessen. Bei uns waren (und sind) die warmen Mahlzeiten das Problem. Da ich nicht zuviel Aufwand betreiben möchte (sonst wird das Essen ja kalt!), habe ich mich aber nie zu mehr als Anordnung in Streifen/Kreisen oder Benutzung von Keksausstechern hinreißen lassen. Ich verstecke kein Gemüse in der Soße. Weil der kleine Kaaskop keine Soßen mag und weil ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie betrogen ich mich früher immer gefühlt habe, wenn meine Mutter mal püriertes Gemüse in der Suppe oder eine alte Banane im Kakao versteckt hat. Mein „Trick“ ist, dass der kleine Kaaskop zur warmen Mahlzeit immer ein bisschen Rohkost in den drei Gemüsesorten, die er mag, bekommt. Das Mundgefühl spielt bei Kindern eine wichtige Rolle, habe ich herausgefunden, und der kleine Kaaskop mag es lieber knackig als weich.

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Weitere Tricks, die bei uns gewirkt haben:

  • Dem Essen lustige Namen geben. Grüne Bohnen heißen „grüne Pommes“, roher Spinat „Lollis“…
  • Bei jedem Bissen sagen, für wen der ist, am besten etwas Lustiges: der Hund von Tante Liesbeth, der Postbote, Omas rechter Backenzahn,…
  • Mit dem Löffel Flugzeug spielen und es in den Mund abstürzen lassen: findet der kleine Kaaskop super witzig, nur ist es für mich etwas nervig, wenn ich bei jedem Bissen sagen muss: „Bitte um Starterlaubnis. Cabincrew, be seated for take-off! Wir heben ab…wuuuuui, oh nein, was ist das?! Wir stürzen ab! Aaaahhhh!“
  • So tun (!), als wolle man was vom Teller klauen. Da schlägt dann oft der Futterneid zu. Funktioniert aber nicht immer.

Ich habe auch versucht, immer im Hinterkopf zu behalten, dass a) Kinder sich holen, was sie brauchen , und dass b) man auch mit einer einseitigen Ernährung aus Nudeln ohne alles, Brot mit Erdnussbutter oder Joghurt mit Obst groß wird! Klar, am liebsten möchte man, dass seine Kinder essen, was man gekocht hat, dass es am Tisch entspannt zugeht und dass die Kinder mehr als eine Gemüse- oder Obstsorte essen. Allein schon, weil man dann das Gefühl hat, etwas „richtig“ gemacht zu haben. Die Erwartungen Anderer spielen meiner Meinung nach nämlich ganz sicher eine Rolle. Welche Eltern freuen sich denn nicht, wenn ihre Kinder gut essen (also weder zuviel noch zu wenig), sich gut benehmen, beliebt sind, gute Noten bekommen…. Ich denke, dass Eltern mit ihren Kindern prahlen, u.a. mit deren Essgewohnheiten, weil wir viel zu selten Anerkennung für unsere Leistungen bekommen. Wir wollen etwas „richtig“ und „gut“ machen, Erfolge buchen, und weil man mit kleinen Kindern nun einmal oft wenig Zeit hat für eigene Projekte, holen wir unsere Erfolgserlebnisse aus unseren Kindern. Also, ich jedenfalls. Ich kann es mir, obwohl ich es versuche, nicht immer verkneifen, die Essgewohnheiten meines Sohns mit denen anderer Kinder zu vergleichen und mich zu freuen, dass er dabei relativ „gut“ abschneidet. Denn mittlerweile isst der kleine Kasskop an Gemüse nicht nur rohe Paprika, Möhre und Gurke, sondern auch rohen Spinat, Mais und Salat. Er liebt Nüsse und isst inzwischen auch schonmal ein paar Stückchen Kartoffel, gewokten Brokkoli und rohen Chiccoree oder Grünkohl. Und jedes Mal, wenn er unaufgefordert etwas Neues probiert, oder etwas isst, das er bisher immer verschmäht hat, freue ich mich heimlich und wechsle mit dem großen Kaaskop stolze Blicke.(Wenn wir allerdings auswärts essen und der kleine Kaaskop nichts essen will, weil er dort das Gemüse nicht roh und die Nudeln ohne Soße bekommt, wechseln wir eher beschämte Blicke..)

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Ich bilde mir gerne ein, dass es mein/unser Verdienst ist, dass der kleine Kaaskop im Vergleich zu anderen Kindern relativ viel mag. Aber ich weiß auch, dass das vermutlich nicht so ist! Das Einzige, was unser Verdienst ist, ist die Tatsache, dass der kleine Kaaskop eine relativ gesunde Ernährung gewohnt ist. Damit meine ich, dass er keine Erfrischungsgetränke trinkt, so gut wie keine Fertiggerichte isst, in der Regel Vollkornnudeln und ungeschälten Reis auf den Teller bekommt und Kekse und Süßigkeiten nur in Maßen konsumiert (also jedenfalls zuhause). Meiner Erfahrung nach kann man als Eltern nur das Angebot bestimmen, nicht aber, was bzw. wieviel die Kinder davon essen. Deshalb achten der große Kaaskop und ich auf die Zutatenlisten. Auf Salz- und Zuckergehalt und unnatürliche Zusätze. voeden (ernähren) statt voeren (füttern bzw. füllen). Ausnahmen bestätigen aber auch bei uns die Regel, nä! Seit der kleine Kaaskop auf der Welt ist, kochen wir meist weniger aufwändig, dafür aber mit frischen Zutaten und möglichst ohne Tüten und Päckchen. Wir wollen einfach möglichst wenig Chemie in den noch unverdorbenen Kinderkörper stopfen.Und in uns selber übrigens auch nicht mehr. Tütensoßen schmecken mir mittlerweile gar nicht mehr.

Alles in allem habe ich wenig zu klagen über die Mission Food 4 Kids bei uns. Und wenn alle Stricke reißen: etwas mit Käse geht bei uns immer!

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2 Gedanken zu “Bei uns am Esstisch – #MissionFood4Kids

  1. Dein Beitrag hat mir extrem gut gefallen, vielen Dank für die vielen tollen tipps und wertvollen Gedanken. Da werde ich sicher einiges in die Auswertung aufnehmen 🙂
    LG
    Séverine aka Mama on the rocks

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