Fieberwahn, Osterbasteleien und warum mir das deutsche Kinderkrankheitenbuch nicht weiterhilft

Puh, was für ein verrücktes Wochenende war das! Da hatte ich mich am Freitag über das sonnige Frühlingswetter und darüber gefreut, dass die diesjährige Grippewelle uns verschont hat… Meldete der kleine Kaaskop schon beim Abholen aus der Schule, dass er sich nicht gut fühlt und zuhause ins Bett will. Und dann legte er sich tatsächlich sofort mit einer Decke aufs Sofa UND BLIEB DORT LIEGEN. Normalerweise springt er nach 30 Sekunden wieder auf, es war also klar, dass es dieses Mal ernst ist.

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Er wollte nichts essen, nichts spielen, und hangelte sich von einem Nickerchen zum nächsten. Erst auf mir, dann alleine auf dem Sofa, dann mit mir im Elternbett,… Wir verbrachten den Nachmittag dösend. Als der große Kaaskop abends nach Hause kam, brachte er Pommes mit und wir schmissen schnell die eingeplanten Würstchen in die Pfanne. Der kleine Kaaskop hing auf meinem Schoß und aß nichts. Und dann musste er auch noch kotzen… Zum Glück ist er jetzt ja in einem Alter, in dem er das rechtzeitig mitteilen kann UND ordentlich in die Schüssel spuckt. Beim ins Bettbringen kam dann noch der restliche Mageninhalt raus.. Fieber hatte er offenbar auch, aber messen fanden wir nicht nötig. Ich ärgerte mich, dass wir immer noch kein Ohrthermometer gekauft hatten.

Die Nacht verlief einigermaßen ruhig, aber auch am Samstag ging es dem kleinen Kaaskop nicht viel besser. Er aß zwar wieder ein bisschen und ein bisschen basteln war auch drin, aber wir verbrachten diesen sonnigen Frühlingstag mit ihm auf dem Schoß zuhause. Wir steckten ihn am Abend früh ins Bett.

Während der kleine Kaaskop hoffentlich seine Krankheit wegschlief, erledigte ich das wöchentliche Badezimmerputzen und der große Kaaskop widmete sich dem Fußboden in Küche und Wohnzimmer. Ja, so glamouros verbrachten wir unseren Samstagabend! Das bisschen Haushalt macht sich halt leider nicht von alleine. Danach überlegte ich gerade, ob ich mir ein Gläschen Baileys gönne sollte, als ich den kleinen Kaaskop panisch schreien hörte.

Was soll ich sagen? Er war tatsächlich im Fieberwahn! Sowas hatte ich noch nie erlebt: er saß aufrecht im Bett und haute panisch gegen die Wand neben seinem Bett.Wir dachten erst, er dachte, die dort abgebildeten Löwen, Affen und Tiger seien echt, aber offenbar sah er Dinge, die es nicht gab, denn auch sein Kleiderschrank und die (langweilig weiße) Zimmertür machten ihm furchtbar Angst. Als ich ihn nach unten ins Wohnzimmer tragen wollte, ging er mir sogar an die Kehle, weil er dort wohl etwas sah. Echt spooky war das! Zum Glück beruhigte er sich schnell wieder. Trinken wollte er aber leider nichts, dabei glühte er mittlerweile wie ein Öfchen und war nassgeschwitzt. Wir maßen ob mangelnder Kooperationsbereitschaft nur unter der Zunge seine Temperatur: 39,4. Also wahrscheinlich in Wahrheit sogar etwas höher. Schluck!

Während der kleine Kaaskop auf meinem Schoß wieder eindöste, googelte ich nach „Gespenster sehen 40 Grad Fieber 4 Jahre“, las auf huisarts.nl und in meinem deutschen Buch über Kinderkrankheiten nach, ob da steht, dass wir mit dem kleinen Kaaskop akut zum Arzt müssen..und stellte mal wieder fest, dass die landesspezifischen Meinungen dazu, wann man mit dem Kind zum Arzt muss, etwas auseinander gehen! Dem niederländischen Hausärzteverband zufolge ist Fieber nicht gefährlich – so lange die Wärme weg kann (=dünne Decke, Kopf frei usw.) steige das Fieber nicht auf 42 Grad, und man könne bei Kindern in dem Alter ruhig drei Tage warten, ehe man zum Arzt muss. Es wurden ein paar (nicht auf den kleinen Kaaskop zutreffende) Ausnahmen genannt und dass man, wenn man andere Besorgnis erregende Symptome beobachtet, natürlich jederzeit den Notdienst anrufen könne. In meinem deutschen Buch wurde neben den altbekannten Wadenwickeln (davon hatte der große Kaaskop noch nie gehört – und er war als Kind oft krank!) auch empfohlen, mit einem Kind, das 39 Grad Fieber hat, immer zur Sicherheit zum Arzt zu gehen. Na toll. Das steht übrigens in so gut wie allen Kapiteln in diesem Buch: am besten immer vom Arzt abchecken lassen. Kein Wunder, dass es bei deutschen Kinderärzten immer so voll ist…

Da meine Erfahrungen sich eher mit den niederländischen Tipps deckten (sprich, das Fieber sinkt innerhalb der nächsten Stunden/Tage von alleine wieder), wir keine  Ausnahmefall-Symptome entdecken konnten und der große Kaaskop es auch nicht nötig fand, den Notdienst anzurufen, entschieden wir uns für die niederländische Behandlungsweise: wir gaben dem kleinen Kaaskop ein Paracetamolzäpfchen, tauschten seine Decke gegen eine dünne Baumwolldecke aus und steckten ihn wieder ins Bett. Dann gingen wir auch schlafen. Eine Stunde später wachte der kleine Kaaskop jammernd auf, aber er fantasierte nicht, sondern war einfach nur nassgeschwitzt. Er bekam einen frischen Schlafanzug, etwas zu trinken und schlief bei uns im Bett weiter. Etwas unruhig, und er trank im Laufe der Nacht 3 Becher Wasser, aber das ist ja immer ein gutes Zeichen!

Am Sonntagmorgen war der kleine Kaaskop wieder topfit! Echt! Von Fieberwahnvorstellungen zum fröhlichen Energiebündel in 12 Stunden – Kinder sind unglaublich! Wir beobachteten ihn natürlich genau, aber er bekam keinen Rückfall, war gut gelaunt, hatte Energie wie sonst (wir Eltern nicht, haha!) und war nach eigener Aussage nicht mehr krank, weil er ja „beim Kaffeemachen gelacht hat und wenn man krank ist, lacht man nicht!“

Er half beim Fensterputzen, bemalte die restlichen Salzteig-Osterbasteleien (an unserer  Treppe hängt jetzt ein schwarzes Osterei…), schnippelte Ostereier aus Servietten und klebte sie auf, fuhr mit dem Fahrrad Runden um den Block, aß wieder normal… Als sei er gar nicht kurz zuvor noch so krank gewesen wie schon lange nicht mehr. Ich sag’s ja: unglaublich.

Aber so hatten wir jedenfalls doch noch ein schönes Wochenende! Und ehrlich gesagt: die viele Kuschelzeit am Freitag und Samstag habe ich natürlich insgeheim sehr genossen. Mein kleiner Flummi kuschelt zwar sonst auch mal gerne, aber nie besonders lange…

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